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Remote-Arbeiten auf Zeit: Das etwas andere Sabbatical

Ortsunabhängiges Arbeiten wird auch im Büro gelebt. Bei t3n sitzt kaum einer acht Stunden am Schreibtisch.

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t3n-Redakteurin Melanie Petersen hat ihre Arbeit einen Monat lang aus Barcelona gemacht und ihren festen Büroplatz aufgegeben. Samsung hat sie gebeten, ihre Erfahrungen zum Thema #NewOfficeRoutines zu teilen.

New Work, Remote-Arbeiten, Homeoffice, Work-Life-Balance – diese Begriffe gewinnen in den letzten Jahren in der Karrierewelt massiv an Bedeutung. Die Bedürfnisse von Angestellten und auch Führungskräften ändern sich stetig. In einer großangelegten Studie des Umfrageinstituts YouGov im Auftrag von Samsung zum Thema Homeoffice und Mobile-Work gaben 70 Prozent der befragten Mitarbeiter an, dass der größte Vorteil vom Homeoffice in einem besseren Ausgleich von Arbeit und Freizeit liege.

Was für den Mitarbeiter offenbar eine große Auswirkung auf die Work-Life-Balance hat, ist laut der Studie heutzutage auch für die Chefs immer weniger problematisch. Lediglich sechs Prozent der Führungskräfte sehen eine mangelnde Kontrolle von Mitarbeitern als Nachteil des mobilen Arbeitens von Zuhause, denn für die große Mehrheit (85 Prozent) der Führungskräfte macht es das Homeoffice nicht schwieriger, die Arbeit der Mitarbeiter zu bewerten.

Das wollte ich ausprobieren!

Also fand ich mich im Mitarbeitergespräch vor meinem Chef wieder und bat um einen Monat Auszeit. Nicht als Urlaub, sondern als Remote-Work aus Barcelona. Wenige Zeit später kam das Go. Warum nicht, hieß es. Es käme auf einen Versuch an.

Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber – und muss ich das überhaupt?

Ich hatte mir lange den Kopf zerbrochen, wie ich meinen Chef überzeugen könnte, mich gehen zu lassen. Würde er mir genug vertrauen? Ich hatte mir vorgenommen, schon vor dem Gespräch alle möglichen Fallstricke zu identifizieren und eine Lösung zu finden. Auf der Suche fiel mir jedoch mehr und mehr auf, dass es eigentlich keine besonders großen Hindernisse gab.

Der Unterschied zu einem Remote-Worker in Berlin oder Frankfurt ist ja nicht wirklich spürbar, solange man in der selben Zeitzone arbeitet. Meine Firma arbeitet bereits teilweise remote. Wir haben zum Beispiel viele Mitarbeiter, die aus Berlin arbeiten und nur einmal die Woche vor Ort sind. Das heißt zwar nicht, dass ich automatisch auch ein Anrecht darauf habe – es zeigt aber, dass meine Chefs grundsätzlich aufgeschlossen sind, was das Arbeiten aus der Ferne angeht. Außerdem bedeutet es, dass bei uns bereits Strukturen bestehen, die Remote-Arbeit unterstützen. Genau diese Argumente überzeugten letztendlich auch.

Ein bisschen mehr Überzeugungsarbeit bedarf es sicher in Unternehmen, die bisher keine Erfahrung mit mobilem Arbeiten gemacht haben.

Geschafft! Und jetzt?

Die Entscheidung stand also und es kam der Tag der Abreise. Nicht mehr als meinen Laptop, mein Ladekabel und ein Smartphone hatte ich für meine Arbeit im Gepäck.

Mein erster Tag vor Ort war ein deutscher Feiertag. Ich hatte also frei, in Barcelona war aber alles geöffnet. Perfekt, um sich Co-Working-Spaces und Cafés anzusehen. Zunächst hatte ich noch damit geliebäugelt, aus meiner Wohnung zu arbeiten. Ich mag aber das Prinzip, für die Arbeit den Raum zu wechseln. Da es keinen Büroraum daheim für mich gab, sah ich mir alles an, was mein Viertel an möglichen Arbeitsstätten hergab. Letztendlich landete ich in einem Co-Working-Space mit flexiblen Arbeitsplätzen und einem Innenhof, der ebenfalls zum Arbeiten einlud.

Der Ort gab mir die Struktur zurück, die ich mit meinem Büro daheim aufgegeben hatte: stabiles Internet, Ruheräume für Telefonate und auch etwas anderes, das mir sicher irgendwann fehlen würde, nämlich den Austausch mit Kollegen und gemeinsame Mittagessen. Ich hielt mir aber offen, einzelne Tage im Café zu arbeiten. Denn einige meiner Aufgaben mache ich sogar lieber in geschäftigem Umfeld.

Arbeiten aus der Ferne – gar nicht so anders!

Ich hatte schon vor der Reise meine Arbeit genauer unter die Lupe genommen und mir angeschaut, wie ich eigentlich mit Kollegen und Kunden kommuniziere. Ich musste überlegen, ob ich das so weiterführen konnte, oder ob ich etwas ändern muss. Bei einigen Meetings hat sich herausgestellt, dass es reicht, wenn jemand aus meinem Team teilnimmt, bei anderen Meetings musste ich vorher klären, dass ich per Videochat dazugeschaltet werde. Hier eignet sich natürlich am Besten ein Raum, der dafür vorgesehen ist – mit Beamer und Kamera. Sagt man also rechtzeitig Bescheid, kann das entsprechend vorbereitet werden. Ich war meist einfach über den Laptop dabei, was für die Art der Besprechungen ausreichend war. Bei längeren Meetings mit größerem Redeanteil oder einer eigenen Präsentation wäre dieser Kanal allerdings an seine Grenzen gestoßen.

Telefonate konnte ich problemlos führen – genau wie aus dem heimischen Büro. Auch dort habe ich dafür meist nicht am Schreibtisch gesessen.

Flurfunk und Dailies

Mein größtes Problem in dem Monat waren eigentlich weder die Meetings oder die Calls, noch die Erreichbarkeit. Mit einer stabilen Internetverbindung, ohne große Zeitverschiebung und der passenden Software habe ich so gut arbeiten können wie im Büro daheim. Wo ich allerdings bei längerer Abwesenheit eine Hürde sehe: im Flurfunk. All die kleinen Dinge, die zwischen Tür und Angel besprochen werden, die bei Dailies auf den Tisch kommen oder beim Team-Essen besprochen werden, fehlen plötzlich – wenn man sich nicht dahinterklemmt.

Nicht zu unterschätzen: das persönliche Gespräch und der Kontakt zu den Kollegen. Präsenztreffen für permanente Remote-Kollegen sind also durchaus sinnig.

Es ist also wichtig, sich dafür Strukturen zu bauen, seine engsten Kollegen dafür zu sensibilisieren. In meinem Unternehmen gibt es diese Strukturen schon – von verschiedenen Slack-Channels bis hin zum intern genutzten sozialen Netzwerk Yammer. Diese Kanäle helfen mir, weiter an Gruppengesprächen teilzunehmen und mitzuhorchen. Vor dem wöchentlichen Teammeeting bat ich jeweils eine Person, mir im Nachhinein eine kleine Zusammenfassung zu geben.

Routine und feste Arbeitszeiten

Normalerweise arbeite ich eher selten aus dem Homeoffice. Daher war ich gespannt, ob es mir und meiner Arbeit gut bekommen würde, so ganz und gar flexibel zu sein. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass man an jedem Ort eine Routine aufbauen kann und sich überall ein passendes Plätzchen findet. Während ich meine Arbeitszeiten daheim relativ flexibel gestalte und zu sehr unterschiedlichen Zeiten anfange, habe ich in Barcelona gemerkt, dass das Arbeiten aus der Ferne für mich besser funktioniert, wenn ich nicht auch noch die Zeiten flexibel gestalte. Da meine Kollegen nicht mehr sehen konnten, ob und wann ich am Platz war, fand ich es besser, ihnen Verlässlichkeit durch relativ feste Arbeitszeiten zu bieten. Das war aber mein eigener Anspruch – wirklich wichtig wird dieser Punkt meines Erachtens aber erst, wenn man die Zeitzone wechselt. Dann muss man seinen Tag wirklich auf gemeinsame Kernzeiten einrichten.

Habe ich mich doch mal zu einer längeren Mittagspause hinreißen lassen oder hatte einen Termin während der Arbeitszeit, konnte ich meine Kollegen über einen Channel im Teamchat informieren und alle wussten Bescheid. Ein Zeittracking seitens des Unternehmens gab es nicht, das lief auf Vertrauensbasis – ebenfalls eine sehr positive Erfahrung für mich.

Mein Fazit nach einem Monat

Mir hat die Remote-Zeit gezeigt, wie hoch das Vertrauen meines Arbeitgebers in mich ist. Für mich erhöhte das ebenfalls die Motivation, meine Chefs in dieser Hinsicht keinesfalls zu enttäuschen. Die Auszeit vom Büroalltag hat mir genau das gegeben, was ich mir erhofft hatte: eine neue Perspektive und Motivation. Denn sie hat mir ermöglicht, etwas, was mir persönlich wichtig war, mit meiner Arbeit zu verbinden.

Was das meinem Unternehmen gebracht hat: Einfach einen glücklichen Mitarbeiter, der die Work-Life-Balance, die ihm ermöglicht wird, zu schätzen weiß.

Immer mehr Unternehmen begreifen glücklicherweise heutzutage, dass darin ein Wert liegt. Man bindet Mitarbeiter in einer Zeit, in der die Personalfluktuation enorm ist. Meine Kollegen und mein Chef haben mir nach meinem Auslandsaufenthalt positives Feedback gegeben und fanden nicht, dass unsere Zusammenarbeit beeinträchtigt wurde. Sie haben aber auch gesagt, dass es nach vier Wochen mal wieder Zeit wurde, dass man sich auch außerhalb des Internets begegnet.

Wie groß dieses Thema ist, hat mir das große Interesse und die vielen Fragen von Freunden und Kollegen gezeigt. Ich glaube, dass es gerade in der digitalen Arbeitswelt künftig viel mehr in diese Richtung gehen muss.

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