Wenn man ein Beispiel für die Macht des freien Internets sucht, wird man bei WikiLeaks fündig. Die Macher sorgen dafür, dass Informanten Dokumente aller Art sicher veröffentlichen können, ohne dabei selbst in Gefahr zu raten. Zudem konnte sich WikiLeaks bislang gegen alle Angriffe wehren - egal, ob sie auf juristischem oder technischem Wege erfolgten.
Daniel Schmitt stellte das Projekt, die Ziele und die Arbeitsweise auf der re:publica vor. Es gehe bei WikiLeaks um geheime, zensierte oder aus anderen Gründen nur beschränkt zugängliche Inhalte - Texte, Fotos, Videos. Es gehe nicht um Gerüchte, sondern um echte Dokumente, betonte Schmitt. Rund 1.000 Experten arbeiten demnach freiwillig und kostenlos für das Projekt, um das eingegangene Material zu prüfen. Zudem gibt es Techniker und Juristen, die WikiLeaks unterstützen.
Bislang seien alle Quellen anonym geblieben, nie sei ein Dokument wieder entfernt worden und noch nie hätten sie einen Prozess vor Gericht verloren, erklärte Schmitt. Und auch wenn es Versuche gab, die Server lahmzulegen, so sei das bisher nicht gelungen.
Und das, obwohl die Betroffenen der WikiLeaks-Enthüllungen sicherlich machtvolle Mittel und Freunde haben. Neuester Coup war beispielsweise ein Video der US Army aus dem Irak, bei dem es um den Angriff eines US-Hubschraubers ging. Nach Armee-Darstellung hatten die Soldaten mit der Bordkanone auf Bewaffnete gefeuert. Tatsächlich kamen bei dem Angriff aber u.a. zwei Reuters-Journalisten ums Leben. Das Video aus der Bordkamera des Hubschraubers wurde unter Verschluss gehalten, bis es nun bei WikiLeaks veröffentlicht wurde und sich jeder ein eigenes Bild machen konnte.
Kein Wunder, dass unter anderem die CIA fieberhaft überlegt, wie WikiLeaks beizukommen wäre. Dass die CIA an entsprechenden Szenarien arbeitet, beweist ein Bericht, der wiederum auf WikiLeaks veröffentlicht wurde...
Und so gibt es zahlreiche weitere Beispiele, die unter anderem in der englischsprachigen und deutschsprachigen Wikipedia aufgelistet werden.
Hilfe für WikiLeaks
Es gebe viele Möglichkeiten, WikiLeaks zu helfen, erklärte Daniel Schmitt. So lägen zehntausende Dokumente bereit, die bislang niemand analysiert hat. Bald werde es zudem eine Möglichkeit geben, in seine eigene Website ein Codesnippet zu integrieren, damit Besucher Informationen an WikiLeaks weitergeben können und auf das Projekt aufmerksam werden. Und natürlich wird jederzeit juristischer Beistand gesucht.
Mehrmals appellierte Daniel Schmitt an Journalisten, WikiLeaks nicht etwa als Konkurrenz zu betrachten. Man sei Partner von Journalisten, weil man den Zugriff auf Originaldokumente ermöglicht. Und tatsächlich wird man wohl zugeben müssen: Kaum ein Journalist wird seinen Informanten so viel Schutz bieten können wie WikiLeaks.
Letztlich gehe es darum, dass das Buch der Geschichte vollständig sei. Und das sei wichtig, denn die Geschichte sei der einzige Ratgeber, den die Zivilisation habe, so Schmitt.




8 Answers
von RoLee 15.04.2010 (20:47Uhr) 1.
und hier das Interview dazu: http://futurezone.orf.at/stories/1644931/
von Lesenswerte Artikel 16. April 2010 16.04.2010 (10:55Uhr) 2.
[...] re:publica 2010: Wie WikiLeaks ans Licht bringt, was andere im Dunkeln lassen wollten [...]
von Eindrücke von der Re:publica 2010 | Cir… 16.04.2010 (11:24Uhr) 3.
[...] lohnenswert war auch Daniel Schmitts Beitrag über Wikileaks. Dass diese Plattform eine Bereicherung für investigative Journalisten sein kann und keine [...]
von Der Blog-Spiegel zur re:publica 2010 … 21.06.2010 (16:17Uhr) 4.
[...] jati 20. April 2010 - 11: 49 Uhr http://t3n.de/news/republica-2010-jeff-jarvis-270824/ http://t3n.de/news/republica-2010-wikileaks-270900/ [...]
von Blogspiegel zur re:publica 2010 –… 23.06.2010 (18:05Uhr) 5.
[...] t3n.de Wie Wikileaks ans Licht bringt, was andere im Dunkeln lassen wollen [...]
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