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re:publica 2012: Stimmen und Stimmungen

re:publica 2012: Stimmen und Stimmungen

In diesen Tagen trifft sich die digitale Klasse in Berlin zum jährlichen Austausch auf der 2012. Zahlreiche Sessions, eingeteilt in verschiedene Tracks für Einsteiger oder Fortgeschrittene, in englisch oder deutsch, buhlen um die Gunst der 4.000 Besucher. Wir haben einige interessante Stimmen für euch gesammelt, die euch die Stimmung vermitteln sollen.

re:publica 2012: Stimmen und Stimmungen

re:publica 2012: Neue Location, breiteres Publikum

Spätestens im letzten Jahr wurde sehr deutlich, dass die Location am Friedrichstadtpalast und der Kalkscheune an ihrer Grenzen gestoßen war. Ein Umzug war auch von den Organisatoren als unabdingbar erkannt worden und so findet die re:publica in diesem Jahr erstmals in der Berlin Station statt. Fragt man die Besucher, was sie von der neue Location halten, so erhält man fast durchweg großes Lob. „Man trifft hier eben sehr viel einfacher Leute wieder, kann sich auf dem Affenfelsen setzen und sich in Ruhe unterhalten“, erzählten mit beispielsweise Wibke Ladwig (@sinnundverstand) und Anke von Heyl (@kulturtussi) bei einem Gespräch auf eben diesem Affenfelsen. Woher diese Bezeichnung stammt, wussten die beiden nicht mehr genau, aber sie ist schon sehr bezeichnend. Man setzt sich dort einfach mit einem Kaffee hin und wartet auf die ersten Treffen mit Leuten, die man eventuell noch nie gesehen hat, die man aber trotzdem schon eine Ewigkeit aus der digitalen Welt kennt.

Diese Sitzgelegenheit mit Stromanschluss wird auf der re:publica 2012 auch Affenfelsen genannt.

Die re:publica ist dann auch sehr viel mehr als nur eine Konferenz, bei der es um die digitale Gesellschaft geht und bei der Internetthemen erörtert werden. Sie ist auch ein Ort der Begegnung von Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, weil sie aus ganz unterschiedlichen Ecken Deutschlands kommen oder auch in Österreich oder der Schweiz leben.

Das Publikum ist dabei sehr gemischt. Mein persönlicher Eindruck ist der, dass in diesem Jahr noch mehr Besucher da sind, die sich zwar sehr für die Themen interessieren, die aber noch nicht so sehr in der Materie stecken, dass sie hier nichts Neues mehr hören können. Natürlich gibt es auch viele digitale Profis, die mehr zum Netzwerken da sind, als zum Lernen. Die Mischung ist gut und folgerichtig, denn so groß wie in diesem Jahr war die re:publica noch nie. Für die nächsten Jahre werden vermutlich noch mehr Einsteiger dazu kommen und die Internetkonferenz durch ihre Neugier und Wissbegierigkeit bereichern.

„Die re:publica ist verdammt erwachsen geworden“

Fragt man gerade die, die auch in den letzten Jahren schon zu den Besuchern der re:publica gehörten, so fällt sehr schnell der Begriff der Professionalisierung. Roland Panter (@Roland_Panter) beispielsweise erzählte mir, dass er schon am ersten Tag den Eindruck gewonnen hat, dass die re:publica sehr erwachsen geworden ist. „Die Veranstaltung ist in der Masse angekommen und die Super-Nerds, die am Anfang prägend waren, fallen heute kaum noch auf. Schön findet Roland auch den steigenden Anteil der Frauen, der thematisch gut tut und „ die Jungs dazu motiviert, sich noch etwas mehr anzustrengen“.

Roland Panter.

Als sehr gelungen empfindet Roland Panter auch die Integration der Sponsoren, wobei das ja gerade in der Blogosphäre immer ein schwieriges Thema sei. Hier hilft sicherlich auch die perfekte Location, die mit ihrem großzügigen Innenraum jede Menge Platz für die Stände der unterstützenden Unternehmen bietet.

Erwachsen geworden sei die re:publica aber auch deshalb, weil sie sich in der diesjährigen Form deutlicher als in der Vergangenheit von den BarCamps abhebe. Je größer und professioneller eine Veranstaltung werde, desto geringer wird der Grad der Interaktion zwischen den Speakern und den Sessionbesuchern. Wer sich mehr Interaktion wünscht, wird mit den zahlreichen BarCamps bestens bedient, findet Panter. Für das nächste Jahr wünscht er sich eine weiterhin offene Konferenzform, bei der die Besucher immer auch die Chance haben eigene Themen mitzubringen. Die Gefahr der zunehmenden Kommerzialisierung sei zwar vorhanden und wird auch zu Verlusten für diejenigen führen, die schon von Anfang an dabei sind, doch das bringt die erreichte Größe der Veranstaltung zwangsläufig mit sich und sei daher in Maßen auch zu tolerieren.

„Keine neuen Themen, nur neue Perspektiven“

Kai Fitzner (@lao_tse) erzählte mir, dass er in diesem Jahr die Leute wiedertrifft, die er im letzten Jahr auf seiner ersten re:publica kennengelernt habe. Auf die Frage, ob dieses vermeintliche „Schwimmen im eigenen Saft“ für ihn ein Problem darstelle antwortete er: „Es geht ja für das Publikum nicht so sehr darum neue Themen aufzugreifen, das ist eher in der nächsten Woche auf der NEXT so, sondern um neue Perspektiven für bekannte Themen. Ich habe hier wenig Neues gehört, dafür aber neue Standpunkte mitgenommen, die zum Nachdenken anregen“.

Kai Fitzner.

Weniger gelungen findet Kai Fitzner die Aufteilung der Themen in die verschiedenen Tracks. Hier wäre zu wenig klar, worum es in den verschiedenen Tracks geht, was seiner Meinung nach auch an der etwas zu verspielten Namensgebung mit dem vorangestellten „re:“ liegt. Zudem fehlte ihm der gesamtgesellschaftliche Diskurs und die gesamtgesellschaftliche Vision, beides würde er im nächsten Jahr gerne mit einer eigenen Session anschieben.

Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter zur re:publica

Dass die re:publica insgesamt erwachsener geworden ist, erkennt man auch daran, dass in diesem Jahr mehr Teilnehmer von ihren Unternehmen zur Veranstaltung geschickt wurden und das auch für sie bezahlt haben. Ein solches Beispiel ist Anja Windmüller (@mueller_wind). Sie ist die Social-Media- und Kommunikationsbeauftragte beim gemeinnützigen Berufsförderungswerk des Baden-Württembergischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes und wurde von diesem nach Berlin geschickt. Sie ist zum ersten Mal auf der re:publica und ist begeistert:

Die Location ist total super. Wenn eine Session mal nicht das thematisiert, was man sich darunter vorgestellt hatte, steht man einfach auf und wechselt in den nächsten Raum. Und was fast noch besser ist: Wenn es für mich mal gerade keine interessante Session gibt, treffe ich hier fast meine komplette Twitter-Timeline, die ich zum Großteil nur von minikleinen Avatarbildchen kenne. Aus den Gesprächen mit diesen Gleichgesinnten ziehe ich sogar noch mehr raus, als ich aus den Vorträgen mitgenommen habe.

Anja Windmüller.

Als Ausblick für das nächste Jahr kann man glaube ich ohne große Übertreibung sagen, dass ein funktionierendes WLAN für fast alle Besucher der größte Wunsch ist. Europas größte Internetkonferenz ohne Zugang zum Internet hört sich nicht ohne Grund nach einem großen Wiederspruch an...

Was ist denn eure Meinung zur re:publica 2012?

Weitere Berichte von der re:publica 2012:

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