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Ich dachte, ich weiß, was mich auf der re:publica 2014 erwartet. Aber was dann passierte, hat mich umgehauen. WOW!

    Ich dachte, ich weiß, was mich auf der re:publica 2014 erwartet. Aber was dann passierte, hat mich umgehauen. WOW!

(Foto: re:publica 2014-Flickr / CC-BY-2.0)

Die re:publica 2014 ist zu Ende – Zeit, Bilanz zu ziehen nach drei Tagen Netzkonferenz. Und die fällt in diesem Jahr eindeutig anders aus.

re:publica 2014: Der Netzgemeinde den Spiegel vorgehalten

#FLICKR#
Sascha Lobo bei seiner Standpauke auf der re:publica 2014. (Foto: re:publica 2014 / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Ich muss mich entschuldigen, gleich im ersten Satz. Die Überschrift ist pures Klick-Baiting, sie ist billig und irreführend, sie wird dem Artikel nicht gerecht, und sie wird der re:publica nicht gerecht. Doch sie ist nicht gelogen. Und: In diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel. Du bist hier und liest diesen Text, und das ist das Wichtigste. Denn es geht um etwas.

„Die beste Show der Republik“ war mein Rückblick auf die re:publica 2013 überschrieben. Von Festival-Stimmung war da die Rede, von funktionierendem WLAN, von einer beeindruckenden Bandbreite an Themen. Gestern ist die re:publica 2014 zu Ende gegangen und eine seriöse Überschrift für diesen Artikel hätte vielleicht heißen können: „Schluss mit lustig“.

Die re:publica 2014 hat der Netzgemeinde den Spiegel so deutlich vorgehalten wie nie. Sascha Lobo mit seiner Standpauke, Felix Schwenzel mit einem Vortrag voller Ratlosigkeit und offener Fragen – etwa, wer eigentlich unsere Feinde sind oder welche medienwirksamen Bilder wir für den Kampf gegen die Überwachung finden können. Und sogar Wibke Ladwig, in deren Session es eigentlich um die Schönheit der Sprache ging, konnte nicht anders, als zum Ende das Publikum dazu aufzurufen, Sprache auch als mächtiges Werkzeug zu begreifen. „Poetisiert Euch!“, stand auf einer ihrer Folien.

Die re:publica ist erwachsen, denn sie ist endgültig politisch geworden

„Vor Snowden war die re:publica lustiger.“

Selbst das traditionelle Bohemian-Rhapsody-Karaoke zum Abschluss fiel in diesem Jahr nicht so euphorisch aus, die Stimmung war zwar nicht schlecht, aber sie war gedämpft. „Vor Snowden war Sascha Lobo lustiger“, sagte Felix Schwenzel am Ende seines Vortrags und fügte trocken hinzu: „Und ich auch.“ Ein Satz, den man auch anders hätte formulieren können: „Vor Snowden war die re:publica lustiger.“

Der Spähangriff durch NSA, GHCQ und Co., die Spitzelattacke, die von Bundesregierung und Konzernen kaum oder gar nicht bekämpfte und in Teilen sogar unterstützte Totalüberwachung hat etwas verändert. Sie hat die Leichtigkeit genommen, mit der viele bislang mit dem Internet umgegangen sind. Sie hat das Spielerische zerstört. Sie hat uns ins Bewusstsein gerufen, dass wir Opfer sind – und Versager.

Seit langem schon attestieren Journalisten der re:publica Jahr für Jahr, vielleicht endlich, ganz vielleicht endlich erwachsen geworden zu sein. Seit langem schon warnen Journalisten die Macher im gleichen Atemzug davor, die re:publica nicht zu groß werden zu lassen, um ihr nicht den Charme zu nehmen. In diesem Jahr schreibe ich aus vollem Herzen: Die re:publica ist erwachsen, denn sie ist endgültig politisch geworden. Und: Die re:publica muss größer werden, viel größer, damit noch mehr Menschen begreifen, was gerade passiert.

re:publica 2014: Selbst für 5.000 Menschen ist es unmöglich, alleine auf das Internet aufzupassen

„Ihr seid das Internet! Passt drauf auf“, lautete der Aufruf des Journalisten Moritz Metz an sein Publikum. Die re:publica 2014 hatte wohl mehr als 5.000 Besucher. Das klingt viel, aber selbst für 5.000 Menschen ist es unmöglich, alleine auf das Internet aufzupassen.

Wir brauchen Verbündete, nicht nur in der Politik und der Wirtschaft, in Verbänden und Vereinen. Wir brauchen vor allem Verbündete in der Gesellschaft. Damit aus einer noch viel zu kleinen Gruppe Menschen, von denen einige in diesen Tagen erst so richtig begriffen haben, was seit Snowden passiert ist, eine Bewegung werden kann.

Die Bloggerin Yasmina Banaszczuk sprach am Mittwoch davon, dass es ein Privileg sei, „sich während der Woche für drei Tage auf einer Konferenz zu treffen, um über Netzpolitik und -kultur zu reden“. Ich wünsche mir, dass dieses Privileg keine Zukunft hat. Dass gerade die für Einsteiger geeigneten Workshops noch mehr Raum gegenüber den nach wie vor zu oft nur an der Oberfläche kratzenden Vorträgen bekommen. Dass sich die re:publica weiter öffnet und mehr Menschen die grundlegenden Dinge lernen, die es braucht, um für ein freies, gerechtes und sicheres Internet kämpfen zu können, wie Sascha Lobo es gefordert hat. Damit mehr Menschen das Know-how bekommen, um irgendwann die Fragen beantworten zu können, auf die auch Felix Schwenzel keine Antworten hatte. Damit auf der re:publica nicht nur „mit den wichtigsten Vor-, Mit- und Querdenkerinnen“ diskutiert werden kann, sondern viele, viele Menschen selbst zu Vor-, Mit- und Querdenkern werden.

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9 Reaktionen
Bert
Bert

Ich kann mich dem 2. Kommentator (Benny) nur anschliessen. So wichtig es auch ist, dass sich viele Menschen für ein freies Internet einsätzen. Aber für die meisten Besucher da besteht das Internet aus ein bisschen Twittern und ganz viel Facebook - sprich die haben gar keine Ahnung was das Internet genau ist.

Ich glaube eher das "die" Entwickler das Internet retten können, indem sie mehr bessere Technologien entwickeln. Die Änderungen müssen dort stattfinden, wo die Besucher der Re:publica die falschen Adressaten sind.

Gerade die Generation Facebook-Nutzer strotzt doch vor Bequemlichkeit. Ich würde sogar soweit gehen, das gerade solche Leute das Internet unsicher machen. Sicherheit und Bequemlichkeit verlaufen halt diametral zueinander.

Aber alles in allem ist jedes Interesse was auf eine freiheitliche Nutzung/Bereitstellung des Internets abziehlt letztendlich gut.

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Florian Blaschke

Danke für Eure Kommentare erstmal.

@Sebastian: Da bin ich voll bei Dir. Wäre für mich mehr als wünschenswert. Wobei das den Nachteil hätte, dass Menschen, die beruflich vor Ort sind, Freizeitausgleich kriegen müssen. In meinen Augen aber kein hartes Gegenargument.

@Thomas, Britta und Oliver: Danke für die Links! :-)

@AEgg: Einige Gründe mehr, den „Marsch in die Institutionen“ anzutreten und sich aktiv in die Politik einzubringen. Oder diejenigen zu finanzieren, die das vorhaben.

Antworten

AEgg
AEgg

Die re:publica ist eine nette Veranstaltung. Es fehlt aber an einem gesunden, objektiven Realismus.

Zum einen ist es nicht verständlich, warum in Europa, bzw. durch eine bestimmte (intellektuelle) Gruppe mit dem Fall Snowden so völlig einseitig umgegangen wird. Snowden wird doch bewusst von Russland instrumentalisiert.

Zum zweiten wird Politik immer noch im Parlament gemacht und nicht von einer Konferenz von (primär) Journalisten. Das Internet ist politisch geworden wie bereits hier als Trend für 2014 (http://iceventure.de/internet-netzpolitik/these-7-erst-jetzt-wird-das-internet-politisch-internetregulierung-kommt.html) beschrieben.

Allerdings in einer völlig anderen Form. Die Piraten haben es nicht geschafft mit Netzthemen Politik zu machen. Jetzt machen die Etablierten Politik mit Netzthemen und es ist nur eine Frage der Zeit wann die EU auf den Zug aufspringt. Die Personalie Guttenberg und EU-Netzsicherheit war doch kein Zufall.

Das bedeutet in erster Linie mehr Regulierung und das Verhindern von Innovation gesellschaftlicher aber auch! unternehmerischer Art durch/im/mit dem Internet. Ist eine dt. Cloud von der Telekom wirklich eine Lösung und wettbewerbspolitisch durchdacht?

Auch ein Lesen des aktuelle-kulturelle Kontexts konnte man bei der Berichterstattung bis jetzt nicht erkennen. In anderen Kreisen wird sehr konkret von der Gefahr eines neuen, kalten Kriegs gesprochen. Was das für open society, open data – Modelle bedeutet ist zu durchdenken.

Eine mögliche politische Beeinflussung wie in dem Absatz zum „Bedarf an Verbündeten“ anklingt, wäre dann möglich, wenn eine breite gesellschaftliche Mehrheit in Deutschland (und EU) sich an markt- und ordnungsliberalen Grundsätzen orientieren würde.

Dies ist aus den Wahlergebnissen nicht abzulesen und – auch wenn es nach Vorurteil klingt - findet vermutlich auch nicht unter den re:publica Teilnehmern eine Mehrheit. Oder?

P.S.: Kompliment für die Referenz an die Heftig-Headlines ;-)

Antworten

Oliver Ratajczak
Oliver Ratajczak

Hallo zusammen,
hier ist noch ein ganz nett geschriebener Rückblick auf die re:publica 2014. Ich finde, dass sie Atmosphäre echt gut eingefangen ist: http://www.rundum-gwk.de/re-publica-2014
Viel Spaß beim Lesen...

Antworten

Thomas Klaas
Thomas Klaas

Sehr schön geschrieben und ich bin voll bei dir!
Gerade die Rede von Sascha Lobo ist klasse und wer sich fragt was zum Beispiel mit den Spenden gemacht wird. Bei Camapct finden immer wieder Aktionen statt wo jeder mitmachen kann.

Zum Freihandelsabkommen werden zum Beispiel am Tag vor der Wahl deutschlandweit Tüanhänger verteilt. Jeder konnte sich anmelden und bekommt für einen frei wählbaren Bezirk die benötigte Anzahl zugeschickt. Produktion, Versand und die Gestaltung kostet nun mal Geld, mitmachen kann aber jeder wenn man nur ein wenig Zeit zum Verteilen spendet.

Wo überall verteilt wird kann man hier einsehen:
https://www.campact.de/ttip/denkzettel/mitmachen/

Antworten

Sebastian Socha
Sebastian Socha

Hallo Florian,

Ich bin sehr aktiv im Netz und auch sehr an Netzpolitik interessiert.

Beruflich tangiert die republica jedoch die Themen meines Arbeitgebers nur extrem peripher. Daher wäre eine Freistellung für die paar Tage nicht drin. Man müsste also Urlaubstage nehmen und davon hat man ja so viele ;-)

Du schreibst:

"Die Bloggerin Yasmina Banaszczuk sprach am Mittwoch davon , dass es ein Privileg sei, „sich während der Woche für drei Tage auf einer Konferenz zu treffen, um über Netzpolitik und -kultur zu reden“. Ich wünsche mir, dass dieses Privileg keine Zukunft hat."

Wenn Du Dir wünschst, "dass dieses Privileg keine Zukunft hat", dann bin ich vollkommen einig mit Dir. Dann muss aber die nächste republica ganz einfach mal an einem Wochenende stattfinden, wenn arbeitende Menschen Zeit haben. Dies würde die Chance extrem verbessern, dass sich nicht nur die digitale "Elite" der intellektuellen Inzucht hingibt.

Gruß,
Sebastian

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Benny Lava
Benny Lava

Hauptsächlich scheint wohl bei dieser Veranstaltung die eigene Selbstüberschätzung noch genährt worden zu sein.

Man hält sich selbst für wichtig.

Irgendwann wird diese Leute die harte Realität schmerzhaft einholen.

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Marcel Gabor
Marcel Gabor

Danke für diesen gelungenen Artikel, denn ich hätte es nicht besser in Worte fassen können. Wichtig ist jetzt, dass wir auf den ganzen Eindrücken und Aufrufen auch etwas machen und gestalten. Auch wenn wir nicht das Internet sind, so sind wir ein Stück weit dafür verantwortlich, solange die Dringlichkeit der momentanen Lage nicht in den Köpfen der breiten Masse angekommen ist.

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