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RFID im E-Commerce: Wie Zara die Technik für mehr Effizienz und Kundenzufriedenheit nutzt

RFID im E-Commerce: Wie Zara die Technik für mehr Effizienz und Kundenzufriedenheit nutzt

RFID im E-Commerce ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Während sich einige Unternehmen bewusst dagegen entscheiden, hat das Modelabel Zara die Technik schon im Einsatz. Und das durchaus mit positiven Ergebnissen.

RFID im E-Commerce: Wie Zara die Technik für mehr Effizienz und Kundenzufriedenheit nutzt

(Foto: Zara)

Zara als Vorreiter: RFID im E-Commerce noch kein Selbstläufer

Ein Zara-Store in Paris. (Foto: Zara)
Ein Zara-Store in Paris. (Foto: Zara)

Handel im Wandel: Zara nutzt die RFID-Technologie inzwischen in mehr als 1.400 eigenen Filialen in 64 Ländern, wie der Modehändler t3n mitteilt. Schon zum offiziellen Start des Projekts im Sommer 2014 hatte die Tochter des spanischen Inditex-Konzerns 700 Filialen mit den Funk-Chips ausgestattet. Schon damals nutzten alle Filialen in Spanien, Portugal, Großbritannien, Österreich und den drei skandinavischen Ländern RFID. Zara will die kleinen Sender noch dieses Jahr in alle 2.000 Filialen bringen, kündigte Inditex-Geschäftsführer Pablo Isla schon 2014 an.

Bei rund 500 neuen „RFID-Filialen“ pro Jahr sollte der Rollout für 2016 aber machbar sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn Händler wie Walmart und JC Penney haben sich schon gegen den flächendeckenden Einsatz von RFID entschieden. Ganz im Gegensatz dazu nutzt Gerry Weber zum Beispiel die RFID-Lösung von „Tyco Retail Solutions“ in 800 Filialen. Das deutsche Modeunternehmen folgt damit dem Vorbild der US-Warenhauskette Macy’s, die ebenfalls auf die Lösung von Tyco zurückgreift.

RFID im E-Commerce: Effizientere und schnellere Bestandsaufnahme

Mit der RFID-Technologie will Zara die Bestandsaufnahme der eigenen Vorräte effizienter gestalten und um 80 Prozent beschleunigen, teilt das Unternehmen mit. Zara-Mitarbeiter in den Geschäften können damit auch schneller auf Kunden-Anfragen reagieren. Alle Logistikzentren des Händlers arbeiten schon mit RFID. Die Produkte werden in den Lagerhallen mit den Chips ausgestattet und sind somit in der gesamten Lieferkette bis zum abschließenden Verkauf trackbar. Mitarbeiter im Laden können so zum Beispiel in Echtzeit die stationäre Verfügbarkeit von Kleidungsstücken in einem oder mehreren Geschäften oder für den Online-Shop abfragen.

Zara hat RFID schon 2014 genutzt, um die Lagerbestände in einigen Filialen steuern zu können. Inzwischen hat der spanische Händler den Einsatz ausgeweitet. Noch in diesem Jahr sollen alle Filialen mit RFID ausgestattet werden. Daneben will der Zara-Mutterkonzern Inditex die Funk-Technologie auch flächendeckend auf weitere Ketten ausrollen. Das Unternehmen betreibt neben Zara auch noch Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka, Zara Home, Stradivarius, Oysho und Uterqüe. Zara hat die Sensoren sicherheitshalber in Plastikhüllen gesteckt, um sie nach dem Verkauf eines Produkts erneut verwenden zu können. Apropos Sicherheit: Auch RFID ist hackbar – zumindest noch. Denn das MIT hat einen „unhackbaren“ RFID-Chip schon angekündigt.

Aber zurück zu Zara: Die RFID-Technologie ist natürlich auch mit dem Kassensystem des Händlers verbunden, sodass die einzelnen Produkte beim Checkout getrackt werden. Die Lösung des spanischen Unternehmens erkennt zum Beispiel auch, wenn Warenbestände zur Neige gehen und informiert Mitarbeiter darüber. Somit wird die Zeit für die Nachbestellungen halbiert, teilt Zara mit.

Die Vorteile von RFID im E-Commerce. (Grafik: Zara)
Die Vorteile von RFID im E-Commerce. (Grafik: Zara)

Virtuelle Umkleidekabinen bei Zara

Die App erinnert bewusst an den eigenen Online-Shop. (Screenshot: Zara)
Die App erinnert bewusst an den eigenen Online-Shop. (Screenshot: Zara)

Mehr als Funk-Chips: Zara testet nicht „nur“ die RFID-Technologie, sondern auch virtuelle Umkleidekabinen in San Sebastián im Norden von Spanien. Dafür hat der Händler die Kabinen mit iPads ausgestattet. Kunden können die Tablets nutzen, um sich neue Kleidungsstücke bringen zu lassen. Dafür müssen sie die Umkleidekabine nicht mal mehr verlassen.

Selbst online shoppen können Zara-Kunden auf den iPads aber nicht – auch wenn das Design der App an den eigenen Online-Shop erinnern soll. Sollte der aktuelle Test erfolgreich verlaufen und von den Kunden als positiv angenommen werden, will Zara diese Technologie auf weltweit alle 2.000 Filialen ausweiten. Damit könnten auch deutsche Kunden von den virtuellen Umkleidekabinen profitieren.

Funktionsweise der Kabinen

Laut Zara funktioniert die Nutzung der virtuellen Umkleidekabinen in vier Schritten:

  1. Die vom Kunden ausgesuchten Kleidungsstücke werden mit einem speziellen Barcode-Scanner in das System aufgenommen.
  2. In der Umkleidekabine können Kunden per Tablet unter anderem Empfehlungen auf der Zara-Webseite lesen, um andere Produkte, Accessoires oder passende Schuhe zum Produkt ihrer Wahl zu finden. Daneben können sie aber auch einen Mitarbeiter anfordern, um sich andere Größen oder Farben bringen zu lassen oder allgemein Hilfe anzufordern. Das System bietet darüber hinaus auch einen Überblick über die vorrätigen Artikel und den Standort der Produkte im Laden.
  3. Die verschiedenen Anfragen werden auf dem Bildschirm an der Kasse und auf den mobilen Geräten der Mitarbeiter im Laden angezeigt. Die Mitarbeiter nutzen die Geräte, um sich untereinander austauschen zu können und um die Verfügbarkeit von Produkten prüfen zu können. Zara will damit die Wartezeit für die Kunden in den Umkleidekabinen reduzieren.
  4. Verlässt der Kunden die Kabine, gibt das System sie wieder für eine neue Belegung durch den nächsten Kunden frei.

Inditex: Zara-Mutterkonzern wächst und expandiert

So nutzt Zara die RFID-Technologie. (Grafik: Zara)
So nutzt Zara die RFID-Technologie. (Grafik: Zara)

Inditex soll inzwischen der größte Mode-Händler der Welt sein. Das Unternehmen hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr 2015 um sage und schreibe 26 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro gesteigert. Der Umsatz der spanischen Modekette stieg immerhin um 17 Prozent auf 9,42 Milliarden Euro. Im Dezember 2015 legte Inditex erneut positive Zahlen für die ersten neun Monate des Jahr vor: Das Unternehmen hat damals einen Gewinn von 2,02 Milliarden Euro erwirtschaftet – ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 14,74 Milliarden Euro.

Online war Inditex Ende 2015 in 28 Ländern aktiv. Das Unternehmen hat erst Anfang Februar neue Webshops in Dänemark, Irland, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien und Schweden eröffnet. Im März sollen Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Finnland, Ungarn und Slowakei folgen. Ab April 2016 will Inditex online in allen 28 Ländern der Europäischen Union präsent sein und damit abschließend in den folgenden Ländern launchen: Zypern, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Slowenien.

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