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Startups

Traumjob Uber? Was mit Ridesharing in San Francisco wirklich verdient wird

    Traumjob Uber? Was mit Ridesharing in San Francisco wirklich verdient wird

(Foto: Uber)

Weil die Mieten im Tech-Mekka von San Francisco unaufhörlich steigen, haben die Jobs bei Ridesharing-Diensten wie Uber, Lyft oder Sidecar Hochkonjunktur. Sie versprechen das einfache, große Geld. Von Gehältern bis zu 90.000 US-Dollar jährlich ist die Rede. Kann das stimmen?

Besser hätte Uber seine Werbeanzeige in San Francisco kaum platzieren können: „Fahre und verdiene 5.000 US-Dollar. Garantiert, schon im ersten Monat“, so die verlockende Botschaft, die bis vor kurzem noch in Großbuchstaben die Fahrzeuge der stadteigenen Buslinie Muni zierte. Von diesen Bussen gibt es in San Francisco viele – und sie fahren quer durch die ganze Stadt. Vorbei an den Taxis, vorbei an den Fußgängern und vorbei an den vielen Wohnungen, deren Mieten allein im letzten Quartal um 8,1 Prozent gestiegen sind. Die Zahl ist kein Witz:

Wer in San Francisco ein einfaches 1-Zimmer-Apartment beziehen will, ist mit durchschnittlich 3.350 US-Dollar (umgerechnet 2.700 Euro) im Monat dabei.

Ridesharing: Der bessere Job?

Lyft und Uber bestimmten in San Francisco den Individualverkehr. (Foto: Lyft)
Dienste wie Lyft, Uber und SideCar haben in San Francisco Hochkonjunktur. (Foto: Lyft)

Ein schneller und gut bezahlter (Neben-)Job, für den es nicht mehr als ein eigenes Auto braucht, klingt da wie ein Geschenk. Der Ridesharing-Dienst Uber und die Konkurrenz um Lyft oder SideCar versprechen genau das. Uber sagt zum Beispiel, seine Fahrer würden mit einer regulären 40-Stunden-Woche zwischen 75.000 und 90.000 Dollar pro Jahr verdienen. Und tatsächlich: Enttäuschung will ich bei den Fahrern, die ich in den letzten Wochen – wann immer ich ihre Dienste in Anspruch nehme – darauf anspreche, zunächst nicht vernehmen.

„Abziehen muss man natürlich noch Steuern, Benzin und Versicherung.“

Da wäre zum Beispiel Eleuza. Sie arbeitet primär als Krankenschwester und bessert sich zwischen den Schichten ihr Gehalt auf – mit Uber. Wie sie findet, eine super Sache: „Anders könnte ich meine Miete gar nicht mehr bezahlen“, sagt sie. Doch Eleuza ist eigentlich eine Ausnahme, denn gefühlt 90 Prozent aller Fahrer sagen mir, dass sie nichts anderes als Ridesharing machen. So wie John, 55, der Lyft zu seinem Hauptberuf erklärt hat. Sein Verdienst, so sagt er, hänge natürlich immer von der Nachfrage ab, aber in der Regel kämen bei ihm am Ende des Monats circa 6.000 US-Dollar herum. „Abziehen muss man davon jedoch noch die Steuern, die Kosten für das Benzin und die Versicherung“, sagt John und spricht damit das Kleingedruckte an, das Uber auf den Bussen in San Francisco natürlich nicht kommuniziert hat.

So viel verdient man wirklich mit Ridesharing

Wie viel man mit einem Engagement bei Uber, Lyft und SideCar wirklich verdient, hat jetzt die US-Finanzplattform Nerdwallet analysiert. Zugrunde liegen dem umfassenden Ridesharing-Bericht Zahlen, die SherpaShare erhoben hat, ein Tool, das die Fahrten von Ridesharern hinsichtlich all dieser Faktoren auswertet. Nerdwallet ging dabei der zentralen Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen sich mithilfe der drei Ridesharing-Dienste ein Jahreseinkommen von jeweils 50.000, 75.000 und 100.000 Dollar erwirtschaften lässt.

Hier die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Pro Fahrt verdient man mit Uber im Schnitt mehr als mit Lyft oder SideCar. Der durchschnittliche Fahrpreis in den USA beträgt bei Uber 15,97 US-Dollar, bei Lyft 11,48 US-Dollar und bei SideCar 13,35 US-Dollar.
  • Die durchschnittliche Fahrtdauer in den USA beträgt 10,2 Minuten bei Uber, 13,6 Minuten bei Lyft und 22,9 Minuten bei SideCar.
  • Der durchschnittliche Fahrpreis in San Francisco beträgt bei Uber 19,84 US-Dollar, bei Lyft 11,92 US-Dollar und bei SideCar 12,63 US-Dollar.
  • Die durchschnittlichen Jahreskosten für die Autoversicherung in San Francisco betragen 1.013 US-Dollar.
  • Die jährlichen Betriebskosten für ein Auto in San Francisco (unter anderem Steuern, Benzin, Parkgebühren und Reparaturen für das Modell Toyota Camry) betragen im Schnitt 11.838 US-Dollar.
  • Um ein Jahreseinkommen von 50.000 US-Dollar zu erzielen, muss man in San Francisco je nach Ridesharing-Dienst entsprechend unterschiedlich viele Fahrten pro Woche absolvieren: 48,64 Fahrten bei Uber, 80,67 Fahrten bei Lyft und 76,13 Fahrten bei SideCar.
  • Um ein Jahreseinkommen von 75.000 US-Dollar zu erzielen: 72,70 wöchentliche Fahrten bei Uber, 121,00 wöchentliche Fahrten bei Lyft und 114,20 wöchentliche Fahrten bei SideCar.
  • Um ein Jahreseinkommen von 100.000 US-Dollar zu erzielen: 96,93 wöchentliche Fahrten bei Uber, 161,33 wöchentliche Fahrten bei Lyft und 152,26 wöchentliche Fahrten bei SideCar.
Wie viel verdient man mit Ridesharing-Diensten wirklich? (Grafik: NerdWallet)
Wie viel verdient man mit Ridesharing-Diensten wirklich? (Grafik: Nerdwallet)

Fazit: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Können diese Zahlen das Versprechen von Uber und Co. halten? Auf den ersten Blick schon. Verteilt man nämlich die für ein Salär von 100.000 US-Dollar wöchentlich zu erbringenden Fahrten auf die einzelnen Arbeitstage, ergibt sich beispielsweise für einen Uber-Fahrer ein täglicher Workload von 13,7 Fahrten. Und: Geht man davon aus, dass jede Uber-Fahrt im Schnitt wie angegeben nur etwa 10 Minuten andauert, kommt man auf eine absolute Arbeitsbelastung von rund zwei Stunden und 45 Minuten. Eigentlich keine schlechten Argumente für einen Jobwechsel, wenngleich dafür das reguläre Wochenende wegfiele.

Allerdings weist Nerdwallet ausdrücklich auf die Leerlaufzeiten im kommerziellen Beförderungsumfeld hin. Das ist die Zeit, in der sich Fahrer quasi beschäftigungs- und verdienstlos für neue Kunden in Stellung bringen. Laut NerdWallet liegt diese im traditionellen Taxi-Geschäft bei regulär 50 Prozent. Das heißt: Eine halbe Stunde warten, eine halbe Stunde verdienen.

Überträgt man diesen Umstand auf das Beispiel Uber, erhöht sich der tägliche Workload für einen Fahrer auf etwa 5 1/2 Stunden. Besteht man auf ein Wochenende, sind es mehr. Entscheidet man sich für ein Engagement bei Lyft oder SideCar, sind es noch mehr. Eine Kündigung des bestehenden Arbeitsvertrages lohnt da kaum. Zumal nach einem erst kürzlich veröffentlichten Bericht bei den meisten Fahrern nach Abzug aller Steuern nicht mehr als 34.000 US-Dollar übrig bleiben sollen. Für die Miete mag das in San Francisco gerade noch reichen, von einem sorgenfreien Leben aber kann keine Rede sein.

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

4 Reaktionen
Ben
Ben

Das ist also das innovative Konzept von UBER & Co.

Altgediente Taxen mit sozialer Funktion aus dem Markt drängen und dann steuerhinterziehende Privatfahrer promoten. Klasse "sharing"-economy! Hört bloß auf diesen niveaulosen Kapitalistendreck zu promoten! Ich habe keinerlei Interesse an amerikanischen Verhältnissen bei uns.

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Wartezeiten sind nutzbar
Wartezeiten sind nutzbar

Wieso Warten ? Studenten lesen/lernen dann halt oder schreiben ihre Magister/Examens/Seminar/Abschluss/Doktor/...-Arbeit am Phablet oder Netbook.
Im Gegensatt zu früher ist dank ubiquotus-Computing und WiFi-überall (in USA, hier leider nicht) die Arbeit überall erledigbar.

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topas
topas

Was zudem stört ist das wilde zusammenwerfen von "Fahrpreis", "Einnahmen", "Einkommen". Wo ist beispielsweise die uper-Provision versteckt? Wenn man die 20% Provision und die 8,75% sale taxes abzieht bleibt von den 50.000US$ nur noch gut 35.000US$ übrig. Auch die Maintenance ist mit nicht mal 600US$ optimistisch. Bei einem Preis von 25.000US$ für einen Camry müsste man schon 40 Jahre fahren um allein das Auto abbezahlt zu haben (und ein "hab eh das Auto" zählt nur bedingt - Fahrleistung, vor allem Kurzstrecke, ist tödlich für die Langlebigkeit des Autos).

Zudem gilt das nur für den amerikanischen Markt. Mal für San Francisco (Cupertino) und einmal Berlin eine Strecke rausgesucht. Beide dauerten ca. 14 Minuten, die Berliner ist sogar länger gewesen (13km statt 4 miles). Trotzdem kostet die Berliner Strecke nur 4-6EUR, die andere 11-14US$ - und ich glaube der US$-Kurs liegt noch nicht über 2:1 :)

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Tom
Tom

Diese Auswertung ist ja ziemlich bescheiden, denn weder hier noch auf der Originalseite steht wieviel Fahrer untersucht wurden. Und bei den Zahlen sieht es so aus als ob das Material teils recht dünn war. Einzige Info ist eben, dass die beobachteten User nur ein Teil darstellen. Ob 5, 10 oder 20 bleibt dahingestellt.
Sherpa Share selbst spricht von Tausenden Nutzern, allerdings überall. Und die Erhebung der Daten scheint auch so zu sein als ob da der Zufall und Fehler eine Rolle spielen können wenn nicht die Eingabe einfach vertrödelt wird. Jedenfalls gibt die FAQ nicht mehr her als dass es nicht vollautomatisch und fehlerfrei geht.
Der Artikel selbst ist dann eine Übersetzung des Originals wobei ein paar Absätze an anderer Stelle auftauchen. Großes Kino.
Viel schlauer wird man daraus nämlich nicht. Und die anderen Fahrdienste werden von Sherpa Share noch gar nicht erfasst.

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