Die Risikokapital-Krise: Steigt oder sinkt die Investitionsbereitschaft?

Von wegen Flaute. Zumindest in den USA fließt Risikokapital wieder reichlich. Allein im dritten Quartal diesen Jahres investierten Kapitalgeber rund 8,4 Milliarden Dollar in amerikanische Unternehmen. Das entspricht einem Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres. Dennoch reicht das Geld nicht für Alle…

Internetsektor profitiert von gesteigerter Beteiligungsbereitschaft

Der Dow Jones VentureSource Bericht, der regelmäßig den Zustand der amerikanischen Risikokapitalsituation erfasst, beinhaltet natürlich nicht nur Betrachtungen zur Kapitalisierung des IT-Sektors. Vielmehr bilden sich die genannten 29% über alle denkbaren Geschäftsbereiche ab.

Wir schauen daher etwas genauer auf die Risikokapitalisierung der IT-bezogenen Unternehmen. Dow Jones führt diese in mehreren Sektionen. Zunächst relevant sind hier die “Consumer Information Services”, worin sich unter anderem die Felder Onlinesuche, Unterhaltungsmedien und Social Media subsummieren lassen. Dieser Sektor konnte im letzten Quartal rund 1,3 Milliarden Dollar für sich gewinnen. Hinter diesen 1,3 Milliarden stecken 104 Abschlüsse. Im gleichen Quartal des Vorjahres lag zwar mit 94 Abschlüssen eine fast identische Beteiligungsquantität vor. Allerdings wurde in diesen Abschlüssen weniger als die Hälfte des diesjährigen Investitionsvolumens erzielt. Über das Gesamtjahr 2011 betrachtet erzielten die Consumer Information Services bereits 3,8 Milliarden Dollar Beteiligungskapital. Es steht zu erwarten, dass die letztjährige Marke von insgesamt 4,2 Milliarden Dollar mit Leichtigkeit geknackt werden kann.

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Risiko bedarf nicht unbedingt des Kapitals... (Foto: epSos.de / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Unternehmen, die Internetservices für Endverbraucher anbieten, scheinen nach wie vor sehr gefragt in der Risikokapitalbranche. Immerhin 57% aller Abschlüsse waren Erstfinanzierungen, nur 30% der Abschlüsse wurden mit Unternehmen in späteren Lebensphasen getätigt. Die fehlenden 13% konnten Unternehmen auf sich vereinigen, die auf der Suche nach einer zweiten Finanzierungsrunde waren. In Summe stehen junge Internetunternehmen entsprechend für 70% aller Abschlüsse. In absoluten Zahlen erhielten die Erstfinanzierten mit 1 Miliarde Dollar sogar den absoluten Löwenanteil des Gesamtbetragen von 1,3 Milliarden Dollar.

Softwaresektor mit mehr Kapital, andere Branchen rückläufig

Unternehmen aus den Sektoren Software und Informationstechnologie konnten weniger von Risikokapital profitieren. Während Softwarehäuser ebenfalls noch einen summarischen Anstieg der Investtionen von 9% feiern können, gehen die Investitionen in Unternehmen, die sich mit Hardware und Halbleitertechnologie befassen, weiter zurück. Auch die einstigen Stars, Unternehmen aus dem Bereich der Medizingeräteherstellung und -steuerung, werden nicht mehr uneingeschränkt positiv gesehen und müssen einen Investitionsrückgang von immerhin 11% hinnehmen. Dennoch liegen die Investitionen in diesen Bereichen erstmals seit 1998 höher als die Investitionen in den pharmazeutischen Bereich.

Seit einiger Zeit wird ein gefühlter Rückgang der Risikokapitalbereitschaft bei jungen Unternehmen beklagt. Der Dow Jones Bericht zeigt, dass davon, insbesondere, aber nicht nur bezogen auf Startups und dort wiederum bezogen auf solche mit dem Fokus auf Internetdienstleistungen für Konsumenten überhaupt keine Rede sein kann. Zumindest auf den ersten Blick nicht, aber wie stets, gibt es auch hier ein “Aber”…

Risikokapitalbranche kann nicht Schritt halten mit der Gründungsfrequenz von Web Startups

Ganz im Gegensatz zu den Zahlen aus dem Dow Jones Report berichtet das Wallstreet Journal von einem Phänomen, das sie “Cash Crunch”, einen Zusammenbruch der Liquidität, nennen. Davon betroffen seien vor allem Startups im Internetbereich. Denn diese würden seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Durch die Vielzahl, häufig gleichgelagerter Geschäftsideen habe sich die Bewertung der Unternehmen im Laufe des Jahres schon einmal halbiert.

Hinzu komme, dass die Risikokapitalbranche mit der Gründungsfrequenz schlicht nicht Schritt halten könne. So wird Naval Ravikant, Betreiber des Risikokapitalmarktplatzes AngelList mit den Worten zitiert: “Der Finanzmarkt für Web-Startups wird von Woche zu Woche schwächer. Von 50 bis 100 Startups, die pro Tag auf AngelList nach Investoren suchen, erhalten lediglich ein bis zwei tatsächlich Unterstützung. Die Überlebenschancen von Web-Companies werden immer geringer.”

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Zu viele Startups, zu wenig Geld... (Foto: Rudy Herman / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Treibt die Web-Branche auf den nächsten Dot-Com-Crash zu? Dafür sprechen einige objektive Hinweise. In den Jahren 1998 bis 2000 erhielten 416 Web-Startups Risikokapital. Der Crash kündigte sich an, als immer mehr Startups Kapital suchten und es immer schwerer hatten, mit ihren Ideen zu überzeugen. Hinzu kam, dass sich bei den ersten Unternehmen zeigte, dass eine Profitabilität auch nachhaltig nicht zu gewährleisten sein, mindestens eine längere Vorfinanzierungsphase zu überbrücken sein würde. Das wiederum führte dazu, dass es diese Unternehmen schwerer hatten, Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Wir wissen, wie diese Situation endete.

Aktuell erhielten seit 2009 sogar 826 Web-Startups Risikokapital, was fast der doppelten Anzahl derer in der Zeit vor dem Dot-Com-Crash entspricht. Erneut zeigt sich die Situation, dass viele Unternehmen nach den ersten Finanzierungsrunden weiteres Kapital benötigen, während gleichzeitig immer mehr junge Startups auf den Markt drängen. Die Rahmenbedingungen könnten denen des Jahres 2000 kaum ähnlicher sein.

Zudem ist die Verfügbarkeit an Risikokapital für den Bereich der Web-Startups zurück gegangen. Konnten zwischen 1998 und 2000 noch insgesamt 162,5 Milliarden Dollar für diesen Bereich mobilisiert werden, so stehen im Zeitraum 2009 bis jetzt nur noch vergleichsweise mickrige 39,2 Milliarden Dollar zur Verfügung.

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Für´n Kaffee reicht´s gerade noch (Foto: emdot / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Startups reagieren mit einer Art Hamstermentalität, die den Crash womöglich noch beschleunigen könnte. So gibt Jessica Mah, Chefin von InDinero, einem Hersteller von Online-Finanztools, unumwunden zu: “Ich nehme so viel (Geld), wie ich bekommen kann. Derzeit ist es unmöglich zu prognostizieren, wie sich der (Risikokapital-)Markt entwickeln wird.” (Begriffe in Klammern durch mich ergänzt).

Immerhin gibt es zum Crash auch Alternativen. So sind junge Startups laut WSJ heutzutage nicht mehr überwiegend an Unabhängigkeit interessiert, sondern, nicht zuletzt aufgrund der Schwierigkeiten, an Kapital zu gelangen, eher bereit, sich an andere Unternehmen zu verkaufen. So betrachtet, sind Startups immer noch als Innovationstreiber wichtige Bestandteile der Internet-Economy.

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6 Answers

  1. von Die Risikokapital-Krise: Steigt oder sin… 23.10.2011 (17:20Uhr) 1.

    [...] Weiterlesen bei t3n >> [...]

  2. von Robert Gründel via facebook 23.10.2011 (17:31Uhr) 2.

    Risokapitalgeber?

  3. von t3n Magazin via facebook 23.10.2011 (18:32Uhr) 3.

    japp. voll riso, ey. nee. tschuldigung. sollte natürlich risiko heißen... wer hat sich´s gedacht?

  4. von Robert Gründel via facebook 23.10.2011 (18:33Uhr) 4.

    :) schönen Sonntag Abend

  5. von Manuel Dorn via facebook 23.10.2011 (19:16Uhr) 5.

    Ik wees nüsch. Ik gloob, da fehlt was. Och jo: Ik!

  6. von Bist du der Liebe wert? | Manfred Hoffer… 26.10.2011 (22:31Uhr) 6.

    [...] der Liebe wert? Und lass dir bitte etwas Zeit für die Antworten.[/two_columns_one_last] [divider][two_columns_one] [caption id="attachment_160" align="alignnone" width="150" caption="Du bist Liebe....g dies als eine sonderbare und befremdliche Frage erscheinen: bin ich es Wert geliebt zu sein? [...]

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