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Robert Scoble sagt: Seit Google+ ist Twitter langweilig. Und was sagst du?

Robert Scoble sagt: Seit Google+ ist Twitter langweilig. Und was sagst du?

Robert Scoble, fast schon ehrfürchtig als Scobleizer bekannt, hat ordentlich Einfluss. Schreibt er etwas, erzeugt das zumindest Aufmerksamkeit und stürmt in Aggregatoren wie Techmeme an die Spitze. Dabei hat er häufig Recht, mit dem was er sagt, zumeist vorhersagt, häufig würde man sich jedoch eine differenziertere Betrachtung wünschen. Heute schreibt er ab...

Robert Scoble sagt: Seit Google+ ist Twitter langweilig. Und was sagst du?

Scoble: „Google+ hat Twitter langweilig gemacht. Hier ist, was Twitter dagegen tun kann“

US-Techblogger Robert „Scobleizer“ Scoble (Foto: ericskiff / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Wortreich und polarisierend ist er, der neueste Scoble-Post zur Zukunft Twitters. Seiner Meinung nach kann Twitter auf Dauer nicht gegen bestehen. Google+ biete ihm weit mehr Möglichkeiten, sich als Autor zu verwirklichen und mit seinen Lesern in Kontakt zu treten. Insbesondere sei Google+ Twitter in den folgenden Bereichen überlegen:

Erster Eindruck

Man vergesse alles, was man über soziale Netzwerke weiß und rufe dann nacheinander Twitter und Google+ auf. Welches zieht einen stärker rein, welches zeigt mehr Engagement? Welches zeigt Leidenschaft, zeigt, dass etwas passiert? Diese Fragen stellt Scoble und impliziert damit, dass Google+ ein Konkurrent für Twitter ist.

Schon an dieser Stelle ist Scobles Einschätzung völlig falsch. Twitter ist ein Mitteilungsdienst, kein Chat und schon gar kein Forum. Es ist auch kein auf freundschaftliche Beziehungen und deren Pflege ausgerichteter Service, noch geht es überhaupt um Aufbau und Pflege irgendwelcher Kontakte.

Twitter ist ein Kommunikationsmedium, ein Weg. Twitter ist eher das Telefon als die Nachricht. Von daher verbieten sich im Grunde alle Vergleiche, die diese Tatsache nicht berücksichtigen.

Bilder und Videos

Scoble lobt die multimedialen Fähigkeiten von Google+ und schimpft auf die textlastigen Kurznachrichtenlisten Twitters. Immerhin zeige Flipboard, die iPad App, doch, dass man Twitter-Inhalte auch anders aufbereiten könnte.

Da kann ich nur sagen, gut, dass Twitter es anderen überlässt, den Stream anders darzustellen. Am Wochenende, mit Zeit und Muße, lese ich meinen Twitterstream ab und zu mit Flipboard. In der Woche fehlt mir dazu schlicht die Zeit. In der Woche bin ich froh, einen konzentrierten Twitterstream zu haben, den ich nach wichtigen Informationen scannen kann, ohne dass dieses Scanning direkt in Lesen ausartet.

Google+: Geniales Video? Jedenfalls ist der Bildschirm erstmal voll...

Bilder und Videos im Stream, bewahre! Twitter ist weder YouTube, noch Flickr und so sollte es auch bleiben. Immerhin kann ich jederzeit auf Bilder- oder Videolinks klicken, wenn mich ein Thema dermaßen stark interessiert. Aber, bitte Twitter, leg mir nicht jedes lustige Video direkt in den Stream! Danke.

Kontrolle über die Inhaltsverteilung

Scoble beklagt die fehlende Möglichkeit, via Twitter gezielt Inhalte mit einzelnen Personen oder definierten Gruppen teilen zu können. Google+ habe diese Funktionalität.

Das ist richtig, aber nicht beklagenswert. Denn Twitter ist von Beginn an als Mitteilungsdienst nach dem offenen Followerprinzip ausgelegt gewesen. Will ich entscheiden können, wer meine Tweets lesen darf und wer nicht, bleibt mir immer noch die Möglichkeit, das Following manuell für jeden einzelnen Interessenten zuzulassen. Ich bin schon gelegentlich auf solche Twitterer gestoßen und konnte letztlich, nachdem man mir Zutritt gewährt hatte, nicht erkennen, was jetzt an den Tweets so vertraulich hätte sein sollen.

Aber, sei´s drum. Wer nicht mit allen teilen möchte, kann das tun. Geheimnisse, wenn jemand so tumb ist, diese via Twitter verbreiten zu wollen, können immer noch via DM verschickt werden.

Twitter sollte am Grundsatz der Offenheit und am Followerprinzip nichts ändern!

Inhalte können auf Google+ nicht automatisch publiziert werden

Scoble freut sich darüber, dass Google+ keine automatische Inhaltserstellung erlaubt, wie es unter Twitter mittlerweile gang und gäbe ist. Hierbei übersieht er, dass es sich dabei lediglich um einen temporären Vorteil handelt, wenn man ihn denn überhaupt als Vorteil werten will.

Ich mag die automatische Distribution über Twitter, weil es mir das Lesen etlicher RSS-Feeds erspart, die weit weniger schnell durch zu scannen wären, als es bei Twitter möglich ist. Mit dem Erscheinen der angekündigten API ist der vermeintliche Vorteil aber ohnehin nicht mehr gegeben. Ich wette, dass gerade diese Funktion eine der ersten werden wird, die Implementation finden.

Außerdem ist unter Google+ die Verbreitung bestehender Inhalte ebenfalls leicht möglich und kostet nicht mehr als ein, allerdings derzeit noch händisches, Copy & Paste.

Auf Google+ kann man sehen, wen man begeistert und wen man nervt

Kaum zu glauben, dass Scoble überhaupt so ein Argument gegen Twitter ins Felde führt. Hintergrund ist die Thread-Darstellung in Google+, die jeden Post gesammelt mit den darauf erfolgenden Reaktionen zeigt.

Twitter: Konzentrierte kurze Liste mit Infoschnipseln. Mit einem Blick erfassbar...

Das geht natürlich in Twitter so nicht, obschon man sich mittlerweile, besonders in den einschlägigen Clients, zusammengehörige Tweets ebenfalls anzeigen lassen kann. Dabei liegt Twitters Vorteil erneut ganz klar auf der Begrenzung auf 140 Zeichen. Ich bin jedes mal erneut froh darüber, dass es diese Begrenzung gibt, wenn ich die ausufernden Kommentare unter Google+ Beiträgen sehe, deren Relevanz sich erst erschließt, nachdem man namhafte Mengen an Lesezeit hinein gesteckt hat. Zu häufig gelangt man dabei zu dem Ergebnis, dass man sich das Lesen doch besser gespart hätte.

Automatische Aktualisierung des Streams

Google+ aktualisiert den Stream jedes Mal automatisch, wenn ein neuer Post veröffentlicht wird. Ein manuelles Refresh des Browsers ist dazu nicht erforderlich. Bei Twitter erfolgt kein automatischer Refresh. Für Scoble ist das ein nennenswertes Argument gegen Twitter.

Für mich spielt das überhaupt keine Rolle, da ich Twitter nie über die Website nutze, was der breiten Mehrheit aller Twitterer so gehen wird. Clients bieten selbstverständlich einen automatischen Refresh des Twitter-Streams.

Fazit: Scobles Twitterkritik ist, was er Twitter vorwirft zu sein, nämlich langweilig. Sie ist aber nicht nur langweilig, sie ist auch falsch, weil sie den klassischen Vergleich von Äpfeln mit Birnen versucht.

Wie seht ihr das? Ist es zulässig, Twitter mit Google+ zu vergleichen oder ist nicht doch eher Facebook der Wettbewerber? Könnt ihr Scobles Kritik nachvollziehen?

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12 Antworten
  1. von telvasaion am 18.07.2011 (10:52 Uhr)

    Kann die Aussagen hier nur bestätigen. Derzeit ist es eher Google Plus, welches mich mit Information Overload nervt. Twitter (und auch Facebook) hingegen sind schön kurz, aggregieren korrekt und nerven einen nicht mit Doppel-Posts, übergroßen Bildern und so weiter. Einziger Vorteil bisher bei Google Plus: deutlich mehr Kommentare. Aber auch nur, weil die kommunikations-geilen Social-Media-Freaks dort alle angemeldet sind. Das wird sich deutlich legen mit der Kommentar-Frequenz.

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  2. von Balu am 18.07.2011 (10:58 Uhr)

    Der Unterschied ist die Nutz- und Sichtweise von Twitter.

    Ich z.B. hasse automatische Benachrichtigungen und linkschleudernde "Nachrichtenaccounts". Dafür gibt es RSS-Feeds, da brauche ich kein Twitter für.

    Twitter ist für mich ein Kommunikationsmedium. Ich unterhalte mich dort mit Leuten und erfahre, was die Welt bewegt. Und das geht auch mit G+.

    Insofern hat Scoble schon ein wenig Recht.

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  3. von Tim am 18.07.2011 (11:05 Uhr)

    Google+ und Facebook wirken auf mich, durch die vielen Kommentare, die manche Artikel bekommen, etwas zu "voll" bzw. unübersichtlich. Scrollen ohne Ende, um zum nächsten Post zu kommen (oder ich hab da eine Funktion übersehen, die mir das erspart :-) )

    Bei Twitter bin ich auch, weil ich nicht alles bei einem Anbieter bündeln möchte. So las ich, dass jemandem mit Pseudo im G+ -Profil, nicht nur sein G+ -Zugang, sondern das eMail-Postfach, der Kalender und weitere von Google zur Verfügung gestellte Möglichkeiten gesperrt wurden! Da sag ich nur: NEIN DANKE!

    Alles bei einem Anbieter zu haben, bedeutet auch abhängig zu sein, von seiner Lust nach Datensaugen und all den Folgen und Konsequenzen, die "seine" Gier hat. "Unterwirf Dich mir, sonst schließe ich Dich aus!" Das kennen wir von Facebook, dem Apple-App-Store und jetzt auch von Google+. Sie sehen uns nicht als "Kunden", für den man etwas tut, sondern als Datenlieferant/Ware, die sich gefälligst anzupassen hat, sonst gibt's was auf die Nase! So empfinde ich deren Verhalten.

    Verhaltensregeln sind korrekt und wichtig, aber Ausbeutung, Anpassung und Unterdrückung, brauche ich nicht im "Social Web", das dann wohl kaum noch "social" zu nennen ist!

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  4. von Damian am 18.07.2011 (11:09 Uhr)

    Ich sehe es genau so, dass Twitter und Google+ zwei komplett unterschiedliche Dienste sind. Man könnte Google+ wirklich eher mit Facebook vergleichen.

    Ich bin gespannt, womit Google+ bald noch verglichen wird. ;-)

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  5. von Lars am 18.07.2011 (11:53 Uhr)

    Ich finde es auch eher wie den Vergleich von Äpfeln und Birnen... Vielleicht auch, wie das Lesen eines Newstickers in einem Widget, im Vergleich mit den Tagesthemen auf ARD.
    Letzten Endes, und ich bitte die Twitternutzer mir zu widersprechen, sollte ich da ganz falsch liegen, bekommt man bei Twitter in kurzer Zeit sehr viele Informations-Teaser durchgearbeitet, die sich viel schneller überblicken lassen. Zu dem Zeitpunkt interessieren mich Kommentare doch noch gar nicht!
    Wenn man es mal stufen würde, dann gibt es 3 (ich reduziere jetzt mal ganz frech) Formen der Nachrichten über den gleichen Weg: Twitter (kurz und optimalerweise prägnant), Soziale Netze (sowohl kurz als auch lang aber eben gemischt und anstrengender zu überblicken) und Blogs/Nachrichten (sinnigerweise lang und informativ). Eine Verschiebung einer dieser Formen in eine Andere macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Der Noise-Faktor dürfte sich bei allen 3 Formen die Waage halten und dem kommt man eben nur durch sinnvolle Selektion und Nachselektion bei.

    Google+ sehe ich mit einer im Ansatz Richtung Twitter tendierenden Orientierung, wogegen Facebook eher in der "Mitte" festhält. Es ist aber jetzt schon abzusehen, dass die Filter- und Selektionsmöglichkeiten in Google+ in gewohnter Googlemanier sehr machtvoll werden könnten... für die, die sich dieser zu bedienen wissen. Ein unbefristetes Erfolgsmandat ist das aber keines Wegs.
    Ich wünsche Google, dass sie die richtige Zeit getroffen haben, denn: "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." [Victor Hugo] ...und die Akzeptanz muss in der breiten Userschicht entschieden werden, nicht bei den Nerds und Fanboys.

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  6. von Vincent am 18.07.2011 (12:06 Uhr)

    Find auch das Twitter durch G+ ark langweilig geworden ist. Aber das hat ja immer einen Grund, den Googleplus ist einfach wesentlich besser als Twitter, vom System, vom Design und allgemein von der Handhabung. Deswegen würde ich auch nicht sagen das durch Googleplus, Facebook gefährdet ist sondern die etwas kleineren Netzwerke (Twitter und Co.). Denn Facebook hat noch das Vorteil das fast jeder da ist...

    Greetz

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  7. von Michael Kroker am 18.07.2011 (12:21 Uhr)

    Nur weil es Scobleizer ist, kann er sich ja durchaus auch irren. Insofern, gute Analyse, die ich weitgehend teile - und vergangene Woche in ähnlicher Form in meinem Blog beschrieben habe. Ich mag die "Konzentriertheit" von Twitter auch lieber... bin gespannt, wie das ausgeht.

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  8. von Gab am 18.07.2011 (14:50 Uhr)

    Ich sage Blödsinn!

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  9. von robbz am 18.07.2011 (15:03 Uhr)

    Twitter ist eigenltich garkein soziales Netzwerk, sondern ein Nachrichtenticker von Personen, deren News man folgen kann, wenn man will. "Freunde" hat man deshalb auf Twitter auch nicht wirklich.

    Deshalb kann man Twitter auch nicht mit Facebook vergleichen.

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  10. von René am 18.07.2011 (15:54 Uhr)

    Solange Leute in anderen Netzwerken sich nicht lernen, kurz zu fassen (140 Zeichen haben auch Vorteile!), wird bei mir Twitter No.1 bleiben, wenn nicht alle anderen davon rennen. Und Deiner Argumentation schließe ich mich prinzipiell auch an.

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  11. von Richard am 20.07.2011 (21:49 Uhr)

    Ich sage: Twitter war schon immer langweilig.

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  12. von Andi am 11.08.2011 (00:41 Uhr)

    ich stimme da robbz vollkommen zu und damit auch dem herrn author... twitter ist microblogging und nicht social networking. freunde suchen, oder finden kann ich da schlecht bis gar nicht, aber ich kann schnell meinen frust über undichte wasseranschlüsse loswerden, oder kann lesen, dass mein kumpel gut durch den ferienstau gekommen ist. punkt fertig aus. und für herrn scoble: rtfm

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