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Roboter, bitte in Gang 1: Tally bringt das Supermarkt-Sortiment auf Vordermann

Roboter, bitte in Gang 1: Tally bringt das Supermarkt-Sortiment auf Vordermann

Fehlende Artikel im Einzelhandel ärgern sowohl Kunden, als auch den Handel. Tally, ein rollender Inventur-Roboter aus der Schmiede eines kalifornischen Startups, will dieses Manko jetzt beheben.

Roboter, bitte in Gang 1: Tally bringt das Supermarkt-Sortiment auf Vordermann

„Entschuldigung, könnten Sie bitte Ihr Kind von unserem Roboter nehmen?“ So könnten sich Supermarkt-Dialoge der Zukunft anhören, wenn Tally, der autonome Roboter, zukünftig durch volle Supermärkte streift und mit elektronischen Argusaugen die Regale überwacht.

Tally ist ein autonomer Roboter, der sich völlig ohne fremde Einmischung durch einen belebten Laden bewegen kann und Inventur-Aufgaben übernimmt. Erfunden hat den Roboter ein kalifornisches Startup namens Simbe Robotics.

(Foto: Simbe Robotics)
Tally, der Inventur-Roboter im Einzelhandel im Einsatz. (Foto: Simbe Robotics)

Tally, der Inventur-Roboter

Der langgezogene Roboter rollt mit blinkenden, runden Augen durch die Gänge seines Supermarkts. Da er sich während der Geschäftszeiten durch den Laden bewegt, ist sein Aussehen etwas auf „freundlich“ getrimmt.

Tally ersetzt die Mitarbeiter, die mit mobilen Datenerfassungseinheiten (MDE) den Bestände manuell kontrollieren. Einmal alle rund 120 Zentimeter stoppt der Roboter im Gang und schießt ein Foto, in diesem Tempo erfasst der Roboter rund 15.000 Artikel pro Stunde – laut dem EHI-Retail-Institute führt der durchschnittliche deutsche Supermarkt etwa 10.000 Artikel im Sortiment. Der Roboter erledigt damit unter Umständen die Arbeit eines ganzen Tages für mehrere Mitarbeiter.

Die mit Metadaten versehenen Fotos lädt Tally in die Cloud seines Mutter-Systems und lässt sie dort mit den Soll-Daten des Markts vergleichen. Metadaten können beispielsweise die exakte Position des Roboters sein. Diese Daten helfen dem System bei der Identifizierung der Waren, die sich eigentlich in dem betroffenen Regal befinden sollten. Um Kollisionen und Diebstahl des Roboters zu vermeiden, ist Tally mit Sensoren ausgestattet, die auch in autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommen.

Wie der CEO und Mitgründer des kalifornischen Startups Brad Bogolea CNN mitteilt, soll Tally schon in einem großen US-Supermarkt in der freien Wildbahn zu finden sein – in welchem, verrät Bogolea allerdings nicht – genausowenig wie den Preis des Roboters.

Tally löst Probleme: Fehlbestände erzeugen Verluste und Unzufriedenheit

Fehlbestände sind real existierende Probleme, mit denen der Einzelhandel und der Kunde zu kämpfen haben. Zwar gleichen alle modernen Warenwirtschaftssysteme die Umsätze der Kassensysteme mit den Beständen ab, aber das fängt weder Diebstahl, Fehlplatzierung, Fehlauszeichnung noch Fehllieferungen ab. Das EHI-Retail-Institut beziffert den Verlust des deutschen Einzelhandels durch die sogenannten Inventurdifferenzen auf 3,9 Milliarden Euro – etwa 18 Prozent davon gehen auf organisatorische Mängel zurück. Bleibt immerhin noch die stolze Summe von rund 700 Millionen Euro, die mit Tally eingespart werden könnte. Diebstähle wird der Roboter von Simbe Robotics schließlich kaum vermeiden können.

Den Handel kostet aber nicht nur der Schwund der Artikel Geld, nein – auch entgangener Umsatz ist zu berücksichtigen, nämlich der Umsatz der Kunden, die vor einem leeren Regal stehen und die berühmt-berüchtigte Aussage „Wenn's nicht im Regal ist, haben wir's nicht mehr“ zu hören bekommen. Wenn es nach Tally und seinen Erfindern aus San Francisco geht, bleibt uns dieser Satz zukünftig vielleicht erspart.

Dazu passt auch unser Artikel „Amazon ersetzt Mitarbeiter durch Roboter“ und der Kommentar „Amazon schafft den Logistik-Arbeiter ab – gut so“.

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Eine Antwort
  1. von Hendrik am 11.11.2015 (22:12 Uhr)

    Okay, interessantes Projekt. Aber wie soll der Roboter den Regali halt bei bspw. Müsli erfassen? Ich glaube kaum, dass der einen eingebauten "Röntgenstrahl" besitzt.

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