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Sind Roboter die Journalisten der Zukunft?

Sind Roboter die Journalisten der Zukunft?

Können gute Texte schreiben und in Zukunft gar Journalisten ersetzen? Das US-Startup Narrative Science zeigt, dass das Generieren von lesbaren Artikeln funktioniert – wenn auch bisher nur in Nischenbereichen wie Finanzen, Immobilien oder Sport. Die Computer müssen nur mit ausreichend Daten gefüttert werden. Der Vorteil: Roboterjournalisten sind billig, immer zuverlässig, schnell, objektiv und sie besitzen keinerlei Ego, das zur Räson gebracht werden müsste.

Sind Roboter die Journalisten der Zukunft?
(Foto: Simon Zirkunow / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Roboter als Journalist

Noch erscheint der schreibende Computer wie eine Zukunftsvision, aber die Weichen sind gestellt. Schon jetzt bringen die von Narrative Science entwickelten Schreibroboter automatisch erstellte Berichte von Sportereignissen oder über die Entwicklung von Unternehmenszahlen zusammen, die sich von redaktionellen Artikeln kaum noch unterscheiden lassen, wie „The Atlantic" schreibt. Erst kürzlich hat eine eigens entwickelte Software aus dem Hause Narrative Science mit aus Tweets über den US-Wahlkampf gesammelten Daten einen Bericht über die Stimmung in dem Social Network zu bestimmten Kandidaten verfasst – gewürzt mit einzelnen Tweets als Zitate.

Auf die Dienste der Textschmiede vertrauen so bekannte Namen wie das renommierte Forbes Magazine, das sich z. B. Computer-generierte Vorschauen auf die Unternehmenszahlen zusammenstellen lässt. Die Plattform analysiert dazu täglich die Entwicklung der Börsenwerte und Analystenkommentare. Auch im Sportbereich punktet die Artikel-Software. So setzt etwa The Big Ten Network auf die automatisch verfassten Spielberichte von Narrative Science, die unter anderem auf Spielergebnissen und Spielerdaten beruhen.

Eigentlich sind die Narrative-Science-Gründer aber nicht angetreten, den professionellen Journalisten ihren Job zu rauben und sie durch Roboter zu ersetzen. Vielmehr geht es etwa Kris Hammond, Mitgründer und Technikchef von Narrative Science, darum, das Verhältnis der Menschen zu den verfügbaren Datenmengen zu verbessern. „Daten sind enorm wertvoll“, betont Hammond. Allerdings würden die Menschen pure Daten nicht mögen. Wo auch immer eine Datensammlung ist, müsse deshalb aus diesen Daten eine Geschichte gemacht werden, so Hammond.

Individualisierte Texte

Das Hauptaugenmerk von Narrative Science liegt demnach auf Themen, die Journalisten im Normalfall links liegen lassen, weil sie nur eine kleine Zahl von Lesern interessieren würde, z. B. die Zusammenfassung eines Fußballspiels aus der Bezirksliga. Aus diesem Grund sollen Applikationen im Bereich "Audience of One", also individuelle Texte für einzelne Leser, ausgebaut werden. Hammond sieht die Zukunft etwa in persönlicheren medizinischen Testergebnissen, die statt einer Reihe unverständlicher Zahlen Notizen in Ärzte-Manier darüber bieten, wie es einem geht und was man im Krankheitsfall eventuell unternehmen kann.

Die Vision von auf einzelne Personen zugeschnittenen Texten birgt allerdings einen ebenso hohen Gruselfaktor wie das mögliche Verschwinden von „menschlichem Journalismus“. Schließlich würden wir im schlimmsten Fall nur auf uns zugeschnittene Nachrichten lesen. Der Link auf einen Artikel könnte für zwei Leser zu zwei komplett unterschiedlichen Inhalten führen, wie Kritiker anmerken. „Die eigentliche Gefahr liegt darin, dass wir nicht nach den sozialen und politischen Konsequenzen fragen, die in einer Welt zu gewärtigen sind, in der anonymes Lesen kaum noch möglich ist“, schreibt Evgeny Morozov in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Weiterführende Links zu Roboter-Journalisten:

Can the Computers at Narrative Science Replace Paid Writers? - The Atlantic

Roboterjournalismus - Texte in null Komma nichts - Frankfurter Allgemeine Zeitung

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4 Antworten
  1. von Der Köder am 19.04.2012 (17:59 Uhr)

    Verschiedene Kompressionsstufen sind schon sinnvoll. Fußballspiele ausführlicher und mit Zusatzinfos. Oder dasselbe mit Firmen-Zahlen jedes Quartal. Heise macht ja z.b. praktisch immer eine Tabelle mit den Zahlen unten drunter.

    Speziell Online ist man Flexibler und könnte ausführlicher berichten und weniger weglassen als bei Print. Dummerweise landen die Print-Artikel im Online und dann "fehlen" Infos bzw. muss man selber recherchieren.

    Und die Leute sind gewöhnt, politisch gefärbte Berichte zu lesen. Daher kaufen sie ja jene Zeitung und nicht die andere. Wenn also Google dasselbe macht, obwohl die Populismusblätter in ihren Apps ja auch messen könnten ob man ein Rechter, Linker, Neoliberaler, Hippie, Android, iOS, Windows, Linuxer, FOSSler, Markensoftware-Fan, Schalker, Bayern München, BVB-Fan o.ä. ist, und die Berichte oder Testberichte entsprechend gefärbt (bei gleichem Wahrheitsgehalt !) umschreiben würden wird dasselbe (massen-individualisiert) bei Google als böse empfunden.
    Wenn Leute zu fettig und salzig essen ist das doch auch egal.

    Bei Schach die verkürzten Darstellungen der Spiele sind schon ewig üblich. Zusatz-Infos (Dauer der Züge beispielsweise) gibts dann vielleicht online. Oder bei Spielern am 10ten Spieltag wenn man sieht wer 900 (100%) Minuten Spielzeit in der Saison hatte (ohne Nachspielzeiten) ist wichtig und andere die nur (20% Spielzeit) Minuten hatten sind eher Ersatzspieler. Das kann man nett optional Zusatzinfos aufklappen können. Oder im Auto lässt man sich die automatisiert erstellten Spielberichte als Audio vorlesen und das Smartphone weiss was man hören will. Weil man im Transcript (Trivialpatent) rot/grün markieren kann, was man hören wollte und was nicht wenn man an der Bahnschranke steht und sich langweilt. Dann baut sich das Smartphone (Trivialpatent) Regelsätze wie "Poldi positiv darstellen. Schweinsteiger negativ darstellen. Köln gut, Bayern München schlecht (DFB-Liga, DFB-Pokal). Bayern München gut (Champions-League). EBit ist wichtiger als Umsatz. IBM ist wichtiger als Oracle. Wachstum ist wichtiger als 10jährige Anlauf-Verluste. Groupon ist besser als Twitter. BITKOM gut, FSF schlecht, CDU gut,..." oder was auch immer. So wie Terminator. Semantic Web nennt man das dann.

    Die Färbung der Berichte erinnert die Rentner am Ipad und Kindle dann an ihre üblichen Print-Zeitungen so das die Konversion seamless abläuft. Republikaner sehen ein republikanisch gefärbtes Internet, Demokraten ein demokratisch gefärbtes Internet... . Alles anhand Google+ und was die Freunde bzw. man selber gut findet. So wie aktuell in der Presse ja auch schon. Man könnte es als Gag natürlich krass übertreiben und das Balance-Meter auf "krass" (statt neutral, links, Tofu, rechts, Warmduscher, Echter Kerl, Droid, iOS, Hummer, Smart, Golf, Manta,...) stellen aber wieso nicht. Lordi hat ja auch den Eurovision Song Contest gewonnen.
    Wer salzigeres oder süßeres oder schärferes oder gewürzteres Essen will, kriegt es auch. Der Wurm muss nicht dem Angler sondern dem Fisch schmecken. Die Nachricht muss dem Leser schmecken.

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  2. von huettenzauber am 20.04.2012 (06:26 Uhr)

    Sind Roboter die Journalisten der Zukunft?

    Ja sicher..... schnell, nächstes Thema, ich brauch Kaffee

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  3. von junkfood am 20.04.2012 (23:46 Uhr)

    warum nicht... die presse, insbesondere die lokale nimmt die infos ja eh vorgekaut entgegen! da muss der Roboter ja nur noch die vorlesefunktion übernehmen.

    wie schön dann geht ja alles bald von Roboter zum menschlichen Roboter. Alles auf Augenhöhe

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  4. von Dennis Zitzewitz am 24.04.2012 (09:26 Uhr)

    Auf den ersten Blick dachte ich ich sei bei Bild.de gelandet. Tut mir leid, aber werden die Headlines von T3N jetzt von Robotern getextet ?

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