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Kolumne

Roboter müssen unsere Rente mitbezahlen

Deutschland wird immer älter und reicher. Über Löhne allein wird sich die Rente langfristig nicht bezahlen lassen – kein Problem. Die Neuland-Kolumne.

Deutschland wird älter: Die Generation der Baby-Boomer, die in Deutschland vor allem zwischen 1955 und 1969 geboren wurde, wird in den kommenden zwei Jahrzehnten in Rente gehen. Auf den ersten Blick ist das problematisch, denn das deutsche staatliche Rentensystem ist eine sogenannte Umlagefinanzierung: Diejenigen, die heute arbeiten, finanzieren die, die aktuell in Rente sind – es wird nicht gespart, sondern zwischen den Generationen umverteilt.

Dieses sogenannte demografische Problem verdeckt ein anderes: Die Rente wird über Arbeitslöhne finanziert, obwohl menschliche Arbeit für Produktivität und Wohlstand in den zurückliegenden Jahrzehnten immer unwichtiger wurde. Der Gesamtwohlstand in Deutschland wuchs in dieser Zeit weiter rasant, nur die Löhne stagnierten lange.

Maschinen übernehmen immer größeren Teil der Wertschöpfung

Digitalisierung und die weitere Automatisierung der Wirtschaft werden den Trend vermutlich noch verstärken: Maschinen und Computer übernehmen einen immer größeren Teil der Wertschöpfung, der Anteil menschlicher Arbeit an unserem Wohlstand nimmt ab. Doch unser Sozialsystem wurde im 19. Jahrhundert erfunden. Sozialabgaben werden ausschließlich und Steuern überwiegend aus Arbeitseinkommen finanziert.

Industrieroboter. (Foto: asharkyu/Shutterstock)
Industrieroboter. (Foto: asharkyu/Shutterstock)

Eine Folge ist die von zahlreichen Ökonomen beklagte immer extremer werdende Ungleichverteilung von Wohlstand in allen westlichen Staaten. Inhaber und Anteilseigner von Unternehmen profitieren überdurchschnittlich vom technischen Fortschritt und Arbeitnehmer unterdurchschnittlich.

Eine politische Lösung ist sehr naheliegend: Arbeitseinkommen sollten weniger durch Steuern und Sozialausgaben belastet werden, Unternehmensgewinne mehr. Wenn künftig Maschinen, Roboter und Computer noch mehr menschliche Aufgaben übernehmen, ist eine schrittweise Umstellung der Finanzierung des Sozialstaats von Arbeitseinkommen auf Kapitaleinkommen nur folgerichtig.

Das Gegenargument: Kapital ist flüchtig, es sucht sich die Länder und Bedingungen, die besonders günstig sind. Eine zu starke Besteuerung von Kapital ist für ein Land ein Wettbewerbsnachteil.

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Finanzkrise als Vorbild

Eine Maschinensteuer wie sie der US-Ökonom Jeremy Rifkin fordert oder die allgemeine stärkere Heranziehung von Maschinen und Unternehmensgewinnen für die Kosten des Sozialstaats muss daher ein globales Projekt mindestens der Industriestaaten sein. Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 hat die führenden Industrieländer stark zusammenrücken lassen. Was lange unmöglich schien, ist inzwischen fast geschafft: Zahlreiche „Steueroasen“ sind ausgetrocknet worden.

Das Zeitalter der Automatisierung und Digitalisierung wird der Welt ein noch nie dagewesenes Wohlstandsniveau bringen. Damit davon aber nicht nur eine Minderheit der Besitzer von Unternehmen etwas hat, müssen die Früchte des Fortschritts breiter verteilt werden. Auch der Kollege Roboter – beziehungsweise sein Besitzer – sollte daher künftig in die Renten- und Sozialkassen einzahlen.

Weitere Neuland-Kolumnen zum Thema: Macht das Internet die Welt ungerechter? und Die Digitalisierung macht uns arbeitslos – zum Glück!

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4 Reaktionen
Jörg Gastmann

Es gibt ein Konzept für eine Maschinensteuer, die trotz global flüchtigem Kapital problemlos im Alleingang umsetzbar ist : bandbreitenmodell.de

JenZzzz
JenZzzz

Alternativ: Löhne für Maschinen ...

Basti
Basti

Endlich mal ein richtig guter Artikel auf t3n *lob* .... vom Chef persönlich :D Kurz, inhaltlich überzeugend und am Ende mit Lösung anstelle von Frage. Very good! Ich freue mich auf mehr Artikel in der Neulandkategorie, obwohl es sehr dramatisch wird, da Generation X-Z in große Fußstapfen tritt und schwere "Endgegner" erscheinen werden.

Thomas D.

Das Problem: Roboter haben keine Nationalität und brauchen keine Unis. Die kann man aufstellen, wo man will und wie Geld in Steueroasen verschieben. Wir brauchen ein Welt-Finanzamt für solche Sachen.

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