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Analyse

Samsung-Chef verhaftet: Korruptionsvorwürfe gegen Smartphone-Konzern

    Samsung-Chef verhaftet: Korruptionsvorwürfe gegen Smartphone-Konzern

Der Samsung-Erbe Lee Jae-yong wurde am Freitagmorgen verhaftet (Foto: dpa)

Einen ersten Haftantrag gegen Samsung-Erbe Lee Jae-yong hatte ein südkoreanisches Gericht noch abgelehnt. Nun aber wurde der De-facto-Chef doch verhaftet. Was bedeutet das für den Konzern?

Noch im Januar waren Sonderermittler mit einem Haftantrag gegen den Samsung-Erben Lee Jae-yong gescheitert. Damals hatte ein Gericht die Forderung abgelehnt, der faktische Chef des südkoreanischen Smartphone-Herstellers blieb auf freiem Fuß. Den Richtern fehlten Beweise für den Grund und die Notwendigkeit. Das hat sich in der Zwischenzeit offenbar geändert. Seit Freitagmorgen südkoreanischer Zeit sitzt Lee in Untersuchungshaft. Ihm werden Bestechung, Veruntreuung und Meineid vorgeworfen.

 „Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die Wahrheit vor Gericht herauskommt.“

Der Samsung-Erbe soll in eine Korruptionsaffäre rund um die frühere Präsidentin Park Geun-hye verwickelt sein. Er soll Zahlungen in Höhe von 43 Millionen Won (etwa 35 Millionen Euro) an zwei Stiftungen einer Vertrauten Parks genehmigt und sich dadurch Vorteile erkauft haben. Samsung bestreitet die Zahlungen nicht, widerspricht aber den Korruptionsvorwürfen. Der Konzern sagt, er habe damit nur auf eine Bitte der Regierung reagiert und keine Gegenleistungen erwartet. „Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die Wahrheit vor Gericht herauskommt“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung.

Die Staatsanwaltschaft hat nun 20 Tage Zeit, Lee anzuklagen. Sollte es zu einem Verfahren kommen, könnte sich dieses Einschätzungen zufolge bis zu 18 Monate hinziehen. Das Gericht hat den Samsung-Erben auch deshalb in Untersuchungshaft gesteckt, weil es eine Gefahr sieht, dass er Beweise zerstören oder flüchten könnte, wie ein Sprecher sagte. Einen Haftantrag gegen den Präsidenten von Samsung Electronics, Park Sang-Jin, lehnte das Gericht jedoch ab.

Was bedeutet die Verhaftung Lees für Samsung?

Die Verhaftung des faktischen Unternehmensleiters ist der traurige Höhepunkt einer seit Monaten schwelenden Korruptionsaffäre in Südkorea. Schon bevor Präsidentin Park im Dezember 2016 abgesetzt wurde, rückte Samsung in den Fokus der Ermittlung. Die Sonderermittler durchsuchten die Räume des Konzerns in Seoul, seitdem herrscht der Verdacht auf Vorteilsnahme. Bei Protesten in der südkoreanischen Hauptstadt wurde vereinzelt schon die Verhaftung Lees gefordert.

Dass der Erbe nun hinter Gittern sitzt, könnte dem Konzern schaden. Lee ist bei Samsung für Strategie und Investitionen verantwortlich. Sitzt er länger im Gefängnis, könnten sich Entscheidungen in diesen Bereichen verzögern, sagt Kim Sang-jo, Professor an der Hansung Universität, gegenüber Bloomberg. Auch Übernahmen könnten nicht direkt getätigt werden. Das ist den Strukturen des Firmen-Konglomerats geschuldet: Nur der so genannte besitzende Vorsitzende kann milliardenschwere Investitionen beschließen. Einige fürchten laut New York Times deshalb nun ein „Management-Vakuum“ bei dem Smartphone-Unternehmen.

Auch ein Imageschaden ist nicht von der Hand zu weisen. Nachdem Samsung erst vor wenigen Monaten sein Galaxy Note 7 wegen entflammbarer Akkus zurückziehen musste, dominiert das Unternehmen die Schlagzeilen nun erneut mit negativen Nachrichten. Ob es sich davon erholen kann, wird auch davon abhängen, wie die Anklage und der Prozess gegen Lee verläuft.

 „Kurzfristig könnte sich die Verhaftung auf den Aktienkurs auswirken.“

An der Börse könnte der Konzern ebenfalls verlieren. „Kurzfristig könnte sich die Verhaftung auf den Aktienkurs auswirken“, prognostiziert der Fondsmanager Jung Sang-jin gegenüber Bloomberg. Zu Handelsbeginn verlor das Papier des Konzerns etwa 1,8 Prozent, der Kurs liegt nun knapp über 614 Euro (Stand: 10.30 Uhr).

Kann Samsung den Erfolgskurs beibehalten?

Trotz der Vorwürfe sehen viele Experten nicht schwarz für Samsung. „Anders als in anderen Großkonzernen spielt Samsungs Topmanager eine eher passive Rolle in der Gruppe“, sagt Kim von der Hansung Universität. Zudem seien viele wichtige Weichen bereits 2016 gestellt worden, schreibt das Handelsblatt. So sei der Kauf des US-Autozulieferers Harman bereits beschlossen, der Investitionsplan für 2017 stehe. Vorerst könne der Konzern daher auch ohne Lee seinen Kurs fortsetzen.

Und auch der Imageschaden könnte am Ende gar nicht so groß ausfallen. Auch andere Konzernchefs seien in Südkorea bereits inhaftiert worden, sagt Experte Jung. Und die Unternehmen seien trotzdem ohne größere Probleme weitergeführt worden.

 

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Daniel
Daniel

Toller Artikel!
Nur, war es nicht das Galaxy S7 Note, welches zurückgerufen wurde? Könnte die Redaktion hier ggf. ein "Note" ergänzen?

Antworten
Lisa Hegemann

Völlig richtig, danke für den Hinweis.

Antworten
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