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Parklücken und Kekse auf Knopfdruck: San Francisco, das On-Demand-Paradies?

Parklücken und Kekse auf Knopfdruck: San Francisco, das On-Demand-Paradies?

Wer in etwas braucht, muss oft nicht mehr tun als eine App runterladen. Ob Lebensmittel aus dem Supermarkt, frische Wäsche oder einen Parkplatz – das alles gibt es On-Demand, in kürzester Zeit auf Knopfdruck. Der Komfort hat aber auch Schattenseiten.

Parklücken und Kekse auf Knopfdruck: San Francisco, das On-Demand-Paradies?

In San Francisco lebt es sich On-Demand. Überall und zu jeder Zeit. (Foto: Shyp)

Was ein Parkplatz über den Tech-Zeitgeist aussagt

Gestern ist es wieder passiert. Wieder habe ich Bekanntschaft mit einem Dienst in San Francisco gemacht, von dem ich vorher noch nichts gehört habe. Unter dem Claim „A Parking Spot in Your Pocket“ wirbt das US-Startup Luxe zurzeit am Heck städtischer Buslinien für seine App, die Autofahrer auf Knopfdruck von der lästigen Suche nach einem Parkplatz befreien soll. Das Versprechen klingt verlockend: „Wir sparen Stress und die mit Parken verbundene Zeit, indem wir ein zuverlässiges, einfaches und angenehmes Parkerlebnis nur über dein Smartphone ermöglichen.“

Das noch junge US-Startup Luxe macht die Parkplatzsuche in San Francisco obsolet – die App spiegelt den Zeitgeist einer Stadt, in der es fast alles auf Knopfdruck gibt. (Foto: Luxe)
Das noch junge US-Startup Luxe macht die Parkplatzsuche in San Francisco obsolet – die App spiegelt den Zeitgeist einer Stadt, in der es fast alles auf Knopfdruck gibt. (Foto: Luxe)

Im Klartext: Sag uns, wo du hinfährst, drück vor Ort einem unserer „Valets“ genannten Mitarbeiter den Schlüssel in die Hand und lass dein Auto an einem sicheren Ort parken – Tankfüllung und Autowäsche gegen einen kleinen Aufpreis inklusive. So funktioniert die App. Soweit so gut.

In einer Stadt, in der rund 30 Prozent des Verkehrs auf die Suche nach einer Parklücke zurückgehen sollen, die im Schnitt 27 Minuten in Anspruch nimmt und im Erfolgsfall bis zu 30 US-Dollar am Tag kosten kann, ist das vielleicht keine schlechte Idee. In jedem Fall aber trifft sie den technologischen Zeitgeist, den die 800.000 Einwohner hier leben wie wohl kaum woanders in Amerika: On-Demand.

San Francisco bringt und macht alles – auf Knopfdruck

On-Demand, also orts- und zeitunabhänige Dienstleistungen, gibt es in San Francisco inzwischen für so gut wie fast alles – bevorzugt natürlich auf Knopfdruck per App. Wer jetzt an Beispiele wie den Chaffeurdienst Uber denkt, liegt zwar richtig, nennt aber allenfalls die Spitze des Eisbergs, die schon so lange medienwirksam vermarktet wird. In Wahrheit bietet die Stadt viel mehr.

Wer dem App-Store erlaubt, anzuzeigen, die lokal häufig genutzt werden, bekommt einen Eindruck davon.

  • Beispiel 1: Instacart, mit 275 Millionen US-Dollar finanziert, macht den Gang in den Supermarkt überflüssig. Das Startup heuert Privatpersonen an, um von Nutzern per App bestellte Waren im Supermarkt einzukaufen und innerhalb einer Stunde auszuliefern.
  • Beispiel 2: Washio, mit 17 Millionen US-Dollar finanziert, übernimmt den Gang in einen der unzähligen Waschsalons. Das Startup holt dreckige Kleidung ab und bringt sie in 24 Stunden gewaschen, getrocknet und gefaltet zurück.
  • Beispiel 3: Shyp, mit 12 Millionen US-Dollar finanziert, erspart Nutzern den Gang zur Post. Das Startup bezahlt Privatpersonen, um Warensendungen abzuholen, zu verpacken und innerhalb von Stunden weltweit zu verschicken.
  • Beispiel 4: TaskRabbit, mit 38 Millionen Dollar finanziert, macht unter anderem den Gang zum Baumarkt überflüssig. Für das Startup führen Privatpersonen per App bestellte Dienstleistungen wie Handwerksarbeiten aus – und das innerhalb weniger Stunden.
  • Beispiel 5: Postmates, mit 23 Millionen Dollar finanziert, übernimmt eigentlich alles. Das Startup heuert Privatpersonen an, um von Nutzern per App bestellte Dinge aller Art einzukaufen – und umgehend auszuliefern.

On-Demand: San Francisco bietet idealen Nährboden

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Dienste für die On-Demand-Lieferung von Marihuana gibt es in San Francisco genauso wie für Alkohol oder Kekse. Und jedes Startup hat in der Regel mindestens ein bis drei Konkurrenten.

In dieser Stadt fällt es Gründern leicht, die Gewohnheiten der Menschen mit einer App auf den Kopf zu stellen. Das hat einerseits natürlich mit der Verbreitung von Smartphones zu tun, andererseits begünstigt aber vor allem die hohe technologische Affinität der Stadtbevölkerung die Entwicklung dieser Geschäftsmodelle. Entsprechend großzügig treiben auch Investoren die Verbreitung solcher Apps voran.

Startups locken mit attraktiven Stundenlöhnen

„Ein Smartphone, ein polizeiliches Führungszeugnis und ein kurzes Training, schon kann losgejobbt werden.“

Gemeinsam ist allen Beispielen, dass sie für die Umsetzung ihres allein auf einer App beziehungsweise Website basierenden Geschäftsmodells nicht mehr als eine Reihe von Privatpersonen brauchen, die bereit sind, entweder zwischendurch oder in Vollzeit dafür zu arbeiten. Im Gegenzug locken Startups mit flexiblen Arbeitszeiten und attraktiven Stundenlöhnen. Instacart beispielsweise verspricht auf seiner Website ein Salär von bis zu 25 US-Dollar pro Stunde, ähnlich sieht es bei Postmates und Washio aus. Zudem sind die Hürden für einen Einstieg gering. Ein Smartphone, ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Rad oder Auto und ein kurzes Training – schon kann losgejobbt werden.

Startups wie Instacart bieten volle Einkaufstüten On-Demand. Was Nutzern viel Komfort bringt, ist für die „Shopper“ oft viel Arbeit bei geringem Lohn. (Foto: Instacart)
Startups wie Instacart bieten volle Einkaufstüten On-Demand. Was Nutzern viel Komfort bringt, ist für die „Shopper“ oft viel Arbeit bei geringem Lohn. (Foto: Instacart)

Vor allem für Nutzer ist das ein guter Deal. Sie sparen Zeit und Kosten und profitieren durch die Demokratisierung einst teurer Luxusdienste von hohem Komfort. Dass das Prinzip funktioniert, zeigt nicht nur Uber. So sollen US-weit etwa 30.000 Menschen auf TaskRabbit ihre Dienste anbieten, bei Postmates 6.000, bei Instacart und Shyp in San Francisco einige Hundert.

Die Schattenseiten der On-Demand-Kultur

Experten sehen darin schon länger einen Wandel der Arbeit, sprechen angesichts der wachsenden Zahl an Mini-Jobs, die unter anderem um die Apps der Startups herum entstehen, von der „Gig-Economy“. 53 Millionen Amerikaner sollen laut einer Studie schon dazu gehören. Dass sich die Startups – so wie unlängst auch Uber – als Förderer von Arbeitsplätzen verstehen, verwundert da kaum.

„Statt einer Revolution fand ich nichts als harte Arbeit, geringe Löhne und ein System, das Arbeiter ausbeutet.“

Das Arbeiten in der Gig-Economy hat aber nicht nur Vorteile. Unter dem Titel „Pixel & Dimed: On (not) getting by in the Gig Economy“ hat die Journalistin Sarah Kessler einen Erfahrungsbericht veröffentlicht. „Für einen Monat bin ich durch Plattformen wie TaskRabbit, Postmates und Airbnb zum Kleinunternehmer geworden. Doch statt einer Revolution, die mir versprochen wurde, fand ich nichts als harte Arbeit, geringe Löhne und ein System, das Arbeiter ausbeutet“, so ihr Resüme. Als Grund führt Kessler den unzureichenden Versicherungsschutz und die hohe Konkurrenz der Arbeiter untereinander an. So würden die Stundenlöhne nur einem Bruchteil dem entsprechen, was die Startups vorgeben. In der Konsequenz müssten Arbeiter mehrere Dienste parallel bedienen, was ein flexibles Arbeiten kaum möglich mache.

Fazit

Spätestens Uber hat der Welt bewiesen, wie viel mehr Komfort eine einfache App dem Nutzer bei vergleichsweise geringen Kosten bieten kann. Die Idee, Privatpersonen, ihre Zeit und mitunter auch ihren Besitz zum Geschäftsmodell zu erklären, endet jedoch nicht im Beförderungssektor. Inzwischen haben Gründer und Investoren erkannt, dass so auch viele weitere Lebensbereiche und damit einst fest verankerte Gewohnheiten der Menschen aufgebrochen werden können. Der Erfolg steht und fällt letztlich jedoch mit der Bereitschaft der Arbeiter, diesen Trend mitzutragen. Wie sich diese Gig-Economy angesichts der häufig kolportierten Selbstausbeutung entwickelt, werden die nächsten Jahre zeigen.

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

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2 Antworten
  1. von Kleckaa am 29.01.2016 (11:21 Uhr)

    So eine Parkplatz-App ist schon mal eine nette Angelegenheit. Auch nicht schlecht finde ich Parkmöglichkeiten über einen längeren Zeitraum, die kostengünstig sind. Unter https://www.parkplatzvergleich.de/ kann man beispielsweise nach passenden Parkplätzen an mehreren wichtigen Städten am Flughafen für einen bestimmten Zeitraum Ausschau halten und man spart sich viel Geld ein.

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  2. von maximumweb.de am 23.06.2016 (13:52 Uhr)

    ich war zu letzt bei http://parkenflughafen.koeln/ und ganz zufrieden. Kann ich nur empfehlen. Die Preise sind ganz günstig. Wir haben Valet Service genommen und wir müssten nur 5 min warten bis Mitarbeiter unsere Auto abholt.

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