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Aus Scheiße Gold machen: Diese zwei Unternehmen sind auf einem guten Weg

Aus Scheiße Gold machen: Diese zwei Unternehmen sind auf einem guten Weg

Mit einem Geschenk von schenkscheisse.eu und shitexpress.com kann man unlieb­same Mit­men­schen überraschen. Das Geschäft läuft ganz gut.

Aus Scheiße Gold machen: Diese zwei Unternehmen sind auf einem guten Weg

(Foto: Online Marketing Rockstars)

„Die Ele­fan­ten­scheiße wird von uns fein säu­ber­lich und hygie­nisch sowie far­big ver­packt.“

Böse Zun­gen behaup­ten, das Inter­net wäre zu gar nichts gut und nur voller...Scheiße. Ers­te­res stimmt natür­lich vorne und hin­ten nicht. Was wären wir, was wäre die gesamte Bran­che ohne das Inter­net? Letz­te­res hat aber immer­hin einen gewis­sen Wahr­heits­ge­halt. Denn neben unend­lich viel Trash – von lus­tig, über sinn­los bis hin zu kri­mi­nell – gibt es sie auch wort­wört­lich. Die Scheiße.

Man kann sie ein­fach bestel­len und zu sich oder einem „Freund“ nach Hause lie­fern las­sen. Wie ein Buch oder Schuhe. Wir haben mit den Betrei­bern von schenkscheisse.eu dar­über gespro­chen, wie sie auf die Idee gekom­men sind, einen Shop für Scheiße ins Netz zu brin­gen, und mit wel­chen Mar­ke­ting­maß­nah­men sie ihr „spe­zi­el­les Ange­bot“ bekannt machen. Aus­pro­biert haben wir das Ganze natür­lich auch.

Die Idee kam aus Tschechien

„Die Ele­fan­ten­scheiße wird von uns fein säu­ber­lich und hygie­nisch sowie far­big ver­packt.“ Was im ers­ten Moment viel­leicht wie ein alber­ner Scherz klingt, ent­wi­ckelt sich im Inter­net gerade tat­säch­lich zu einem funk­tio­nie­ren­den Geschäfts­mo­dell. Shit-Commerce ist im Aufschwung.

Alfred-Tonner-
Alfred Ton­ner, schenkscheisse.eu (Foto: Online Marketing Rockstars)

Von Prag aus steu­ert das vier­köp­fige Team von schenkscheisse.eu und giveashit.eu den Han­del mit Kot. Die Idee dazu kam den bei­den Grün­dern Jaros­lav Simek (23) und Alfred Ton­ner (32) Anfang 2013. „Da gab es schon einen klei­ne­ren Anbie­ter in Tsche­chien und Jaros­lav bekam ein Paket mit Tier­kot zuge­schickt. Wir fan­den die Idee so wit­zig, dass wir das auch machen woll­ten. Aller­dings haben wir uns von Anfang an auf Deutsch­land, Öster­reich und die Schweiz spe­zia­li­siert“, erklärt Alfred Tonner.

Pro Kot-Paket gehen 50 Cent an eine Tierschutzorganisation

Den Ele­fan­ten­kot bezieht das junge Unter­neh­men vom Pra­ger Zoo, der ihn frei ver­käuf­lich als Natur­dün­ger anbie­tet. Mit einer Gewinn­marge von 35 bis 40 Pro­zent wird der Kot dann wei­ter­ver­kauft. In zwei ver­schie­de­nen Grö­ßen, ent­we­der in einer sil­ber­nen Dose oder als nach außen schö­nes Geschenk ver­packt. „Es geht uns haupt­säch­lich um den Spaß. Aber wenn jemand so ein Paket bekommt, darf er sich ja ruhig fra­gen, woran das wohl lie­gen mag“, sagt Ton­ner. 100 bis 150 Bestel­lun­gen sol­len pro Monat raus­ge­hen. Alles ohne wirk­lich inten­si­ves Mar­ke­ting. „Direkt nach dem Start hat­ten wir schon ein paar Facebook-Ads gebucht, was auch wich­tig war. Heute nut­zen wir aber eigent­lich nur noch unsere orga­ni­sche Reich­weite bei Face­book und Ins­ta­gram.“ Heute tei­len Alfred und das Team über ihre Social-Media-Profile vor allem Fotos vom Tages­ge­schäft: Abwie­gen, Ver­pa­cken und Verschicken.

Draufsicht-
(Foto: Online Marketing Rockstars)

Bei Googles Such­ma­schine lan­det das Por­tal laut SEO­lytics mit meh­re­ren Key­words auf der ers­ten Seite, die meis­ten davon sind unter­schied­li­che Schreib­wei­sen vom Kern­ge­schäft. Die Suche nach "Scheiße schen­ken" rankt auf dem ers­ten Platz. Bezahlte AdWords-Anzeigen nutze schenkscheisse.eu bis­her nicht. Dafür gibt es ein Affiliate-System - zehn Pro­zent Pro­vi­sion soll ein Part­ner pro Bestel­lung bekom­men. Der größte Traffic-Peak bis­her (und damit laut Alfred Ton­ner auch der umsatz­stärkste Monat) kam dann aller­dings doch eher unver­hofft. Anfang Mai 2014 griff der Come­dian Kaya Yanar schenkscheisse.eu in sei­ner wöchent­li­chen Show bei RTL auf - und schon ver­vier­fach­ten sich die Visits im Ver­gleich zum Vor­mo­nat April auf laut Simi­lar­Web knapp 100.000.

Pro Bestel­lung gehen laut Ton­ner 50 Cent an die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tion save-elephants.org. Schenkscheisse.eu wolle dem Tier, auf dem das Geschäfts­mo­dell basiert, natür­lich auch etwas zurück­ge­ben. Für den Lebens­un­ter­halt reicht das Geschäft mit dem Kot aktu­ell nicht. „Wir machen das alle nur neben­be­ruf­lich. Aber solange es keine Ver­luste gibt, ist alles in Ord­nung. Am Anfang hät­ten wir ja nie gedacht, dass wir damit über­haupt Geld ver­die­nen“, erin­nert sich Alfred Ton­ner. In den kom­men­den Mona­ten will das Team expan­die­ren und neue Spra­chen ver­füg­bar machen. Deutsch­land ist aktu­ell übri­gens der größte Abneh­mer, was die Gesamt­be­stel­lun­gen angeht. Dafür liegt die Schweiz in Sachen XXL-Paket auf Platz eins.

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Beipackzettel (Foto: Online Marketing Rockstars)

Dass sich das Geschäft mit Tier­kot tat­säch­lich loh­nen kann, zeigt ein wei­te­res Shit-Commerce-Portal aus Ost­eu­ropa. Shitexpress.com ver­sen­det aus Slo­we­nien welt­weit Pfer­de­kot, auf Wunsch sogar mit Bit­coins als Zah­lungs­mit­tel. In einem Blog­post beschreibt Grün­der Peter, wie er über 10.000 Dol­lar in 30 Tagen ver­dient hat. Sehr hilf­reich dürfte dabei die im Ver­gleich zu schenkscheisse.eu deut­lich bes­sere Reso­nanz bei Medi­en­sei­ten und Blogs wie VICE oder Pan­do­daily gewe­sen sein.

Kleine Über­ra­schung nach 14 Tagen Urlaub

Auch wir konn­ten es natür­lich nicht las­sen und haben 200 Gramm Ele­fan­ten­kot in einer deko­ra­ti­ven Metall­dose bestellt. Heute war es dann end­lich soweit – das sehn­süch­tig erwar­tete Paket kam an. Ganz zur Freude eines unwis­sen­den Kol­le­gen an sei­nem ers­ten Tag nach zwei Wochen Urlaub. Aber seht selbst. (Bei Shitexpress.com haben wir natür­lich auch geshoppt - lei­der haben wir da bis­her nichts bekommen.)

Von Torben Lux. Ursprünglich publiziert bei Online Marketing Rockstars.

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Eine Antwort
  1. von BastianBalthasarBux am 19.12.2014 (10:46 Uhr)

    Wir fassen zusammen: ein Dienst mit der geklauten Idee Tierkot zu versenden schafft es nicht, dass die Gründer davon leben können.

    Das nenn ich jetzt aber mal Qualitätsjournaille! Hut ab, t3n Team ...

    *rofl*

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