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Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr [Glosse]

Medien bereichern sich unentwegt mit Berichten über Menschen und Konzerne, die mit keinem Cent an Verkaufserlösen und Werbeeinnahmen beteiligt werden. t3n findet das unerträglich und fordert eine Berichterstattungsgebühr (BEG) für Presseverleger.

Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr [Glosse]

 

Prall gefüllt mit den Inhalten anderer: Zeitungen

Die Medien müssen einsehen, dass sie sich nicht einfach mit einem Angebot schmücken können, dass komplett aus fremden Berichterstattungsobjekten besteht. Abseits von Medienjournalismus (meedia, turi2) dreht sich nahezu jede News um Menschen und Unternehmen. Die Artikel können bei den Medienanbietern konsumiert werden, ohne dass man mit den Berichterstattungsobjekten in Kontakt treten muss. Mit diesem Geschäftsmodell setzten allein die deutschen Zeitschriftenverlage, zu denen auch t3n gehört, im Jahr 2011 über 7 Milliarden Euro um. Davon könnten die Verlage doch wohl ein paar Cent an die Menschen und Konzerne abgeben.

Nicht alle Vorwürfe gegen Verlage sind berechtigt

Allerdings muss man auch klar sagen, dass die Medien für die Menschen und Unternehmen nicht nur die bösen Monster sind. Durch die Berichte werden viele Nutzer erst auf die Unternehmen aufmerksam. Wenn diese Unternehmen nicht in den Medien auftauchten, verkauften sie wahrscheinlich weniger Produkte. Also profitieren beide Seiten: Die Verlage und die, über die berichtet wird.

Das Berichterstattungsobjekt muss mitverdienen

Trotzdem gilt meiner Meinung nach: Jeder muss für seinen Anteil am Umsatz der Medien Geld bekommen. Ein Unternehmen wie Google hat mehr als nur die Besucher über Links in Online-Artikeln verdient (wenn gesetzt), wenn ein Text über den Konzern hundert- und tausendfach im Netz kommerziell gelesen wird. Das verheimlichen die Medien nämlich: Dass es ums Geschäft geht und die Verlage ihre Angebote nicht ins Leben gerufen haben, um Menschen und Unternehmen eine Freude zu machen.

Wir meinen: Unternehmerische und persönliche Leistungen, die Medien mittels Berichterstattung ausschlachten, kosten Zeit und Geld. Darum können wir es sehr gut verstehen, dass Berichterstattungsobjekte an den Erlösen der Verleger beteiligt werden wollen. t3n fordert darum: Berichterstattungsgebühr für Presseverleger jetzt!

Dieser Text wurde stark inspiriert von einem Kommentar der Tagesschau zum Leistungsschutzrecht und von einer Rede der Bundeskanzlerin („Verlegerische Leistungen kosten Zeit und Geld. (...)"). yeebase media, der Verlag hinter t3n, lehnt das ab und distanziert sich ausdrücklich von der Position „seines" Lobbyverbandes, der behauptet, das Leistungsschutzrecht ermögliche Innovationen – wir sind der Meinung, das Gegenteil ist der Fall. Die „Urheberrechtsgesetz / 7. Änderung" soll in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen 02:30 Uhr im Bundestag beschlossen werden. 

(c) Zeitungen-Foto: iStockphoto.com/Empato

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46 Antworten
  1. von Benjamin_Wagener am 28.11.2012 (12:37Uhr)

    Sehr genial, Danke!

  2. von Ana am 28.11.2012 (12:45Uhr)

    Dies ist mein Text des Jahres!

  3. von Pascal am 28.11.2012 (13:25Uhr)

    Ich habe dies das "Leistungsschutzrechtverursachergesetz" genannt und ähnliches bereits gefordert. ;-)
    Sehr gute Idee.
    http://zehndaumen.de/2012/08/31/leistungsschutzrecht-2-0/

  4. von Marcus Jänecke via facebook am 28.11.2012 (13:32Uhr)

    Gewagt! :D

  5. von Romy Mlinzk (@snoopsmaus) am 28.11.2012 (13:36Uhr)

    Genial geschrieben (aber kleiner Schönheitsfehler: am Donnerstag findet erstmal die 1. Lesung zum Gesetz statt)!

  6. von Mia Stadelmann via facebook am 28.11.2012 (13:36Uhr)

    so ein Krampf

  7. von Benjamin_Wagener am 28.11.2012 (13:38Uhr)

    @Romy Mlinzk: Zu jeder Lesung erfolgt auch eine Abstimmung, also ein Beschluss. Dieser mag vielleicht noch nicht abschließend wirksam sein, erfolgt aber trotzdem.

  8. von Romy Mlinzk (@snoopsmaus) am 28.11.2012 (13:42Uhr)

    @Benjamin: damit wird es aber noch lange nicht die Gesetzesänderung beschlossen, wie oben geschrieben (Quote: "Die „Urheberrechtsgesetz / 7. Änderung" soll in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gegen 02:30 Uhr im Bundestag beschlossen werden. ")

  9. von Benjamin_Wagener am 28.11.2012 (13:45Uhr)

    @Romy: Das formale Verfahren ist, dass die Änderung dann in 1. Lesung beschlossen wird. So wirst du das auch im Bundestag zu hören bekommen. Fehlerhaft wäre der Satz von t3n lediglich dann gewesen, wenn da stehen würde, dass das Gesetz abschließend beschlossen würde.

  10. von Jan-Hinrich Fehlis via facebook am 28.11.2012 (13:45Uhr)

    Naja, ist ja nicht so das Unternehmen / Produkte gar nichts von der Präsenz in den Medien hätten.

  11. von Dominic R. Alimi via facebook am 28.11.2012 (13:51Uhr)

    Wieso wird solch eine Berichterstattungsgebühr nicht für den guten Zweck gespendet - aber ich meine damit wirklich Einrichtungen die das Geld nötig haben und nicht diese fast schon "Konzerne" die es unter den "Helfern" gibt. Da hätte doch der Verlag eine Spendenquittung, das Unternehmen die Präsenz in der Zeitung und man würde auch noch was gutes tun! Gewinnt jeder am Ende!

  12. von Wolfgang am 28.11.2012 (13:54Uhr)

    Ist teilweise schon Realität. Diverse Konzertveranstalter lassen sich von den Medien in "Naturalien" bezahlen - also mit umfassenden Einschränkungen bei der Arbeit der Fotografen und mit der Abgabe der Nutzungsrechte an den dabei entstandenen Konzert-/Künstlerfotos.

  13. von Tim Münstermann via facebook am 28.11.2012 (14:02Uhr)

    Das ist in der Tat ein Skandal.

  14. von Dennis Schmitz via facebook am 28.11.2012 (14:05Uhr)

    Ihr könntet doch einfach den Google crawler von eurer Website aussperren und schon wird euer ontent nicht mehr bei google erscheinen.
    Kostet kein Geld, nur 5 Min. Zeit.
    Aber das wollt ihr ja gar nicht, den ihr WOLLT ja eigentlich bei google angezeigt werden.....
    Das macht google doch auch umsonst für euch, oder?
    Mal ehrlich. auf der einen Seite wollt ihr das eure Websites gefunden werden auf der anderen wollt ihr Geld dafür.
    :)

  15. von Markus Greve via facebook am 28.11.2012 (14:12Uhr)

    Häh? Sterben nicht gerade »die Medien«? Eine Berichterstattungsgebühr hätte den Abgang der FTD vermutlich nicht gerade verlangsamt...!?

  16. von Dirk Schmitz via facebook am 28.11.2012 (14:14Uhr)

    Sehr schön!

  17. von Wolfgang am 28.11.2012 (14:26Uhr)

    @Dennis Schmitz: Es gibt deutsche Zeitungsverlage, die Google- und andere Robots tatsächlich aussperren. Eine mir bekannte Lokalzeitung tut das auch und liegt mit ihrer Website laut Alexa-Ranking nur geringfügig besser als mein privates Blog ;-)

  18. von René Oelke via facebook am 28.11.2012 (14:28Uhr)

    Je größer das Medienecho, um so mehr verdient das Berichterstattungsobjekt? Ich hoffe, das habe ich falsch verstanden bzw. es ist nicht ernst gemeint. Ansonsten wären zukünftig Massenmörder wie Breivik reiche Leute.

  19. von Salim Zitouni via facebook am 28.11.2012 (14:32Uhr)

    Gut, dass ihr gegen das Leistungsschutzrecht seid.
    Aber irgendwie eine merkwürdige Art, das auszudrücken :D

  20. von Mark Pfennig via facebook am 28.11.2012 (14:36Uhr)

    Hat irgendjemand den Artikel verstanden?

  21. von JasonAldean am 28.11.2012 (14:52Uhr)

    !!

  22. von Jonathan Beddig am 28.11.2012 (15:03Uhr)

    Muahahahahahaha - sehr geil!

  23. von Leopold Loitfelder via facebook am 28.11.2012 (15:08Uhr)

    Heisst das jetzt, dass wenn eine Zeitschrift über Mahmud Ahmadinedschad berichtet, er Geld dafür bekommen sollte???

  24. von Wolfgang am 28.11.2012 (15:28Uhr)

    @René Oelke @Mark Pfennig @Leopold Loitfelder Wikipedia hilft eventuell weiter bei eventuellen Verständnisproblemen:
    "Glosse" - ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag.

  25. von Patrick Levan via facebook am 28.11.2012 (15:30Uhr)

    Lol, GEZ Ausschüttungsschlüssel für Artikel?
    Nee, lasst mal stecken.

  26. von Uwe Küll via facebook am 28.11.2012 (15:31Uhr)

    Zu regeln wäre das Ganze dann im Gesetz zur Erhebung der Berichterstattungsgebühr, kurz BerstG. Ich erkläre mich hiermit bereit, die Herausgeberschaft für dieses überfällige
    Standardwerk zu übernehmen.

  27. von Uwe Orth via facebook am 28.11.2012 (17:58Uhr)

    ja und eine Idiotengebühr doch dann auch oder? Wer zahlt das den der Verbraucher!! Wir zahlen ja sonst nichts ne !

  28. von Björn Biege via facebook am 28.11.2012 (18:40Uhr)

    Warum habe ich das Gefühl das 90% der vorposter den Text nicht verstanden haben??? Wikipedia hat sicher auch das Wort Ironie in sein System aufgenommen... ;) der Text rettet mir den Abend xD

  29. von Bastian Fellenberg via facebook am 28.11.2012 (19:25Uhr)

    Genialer Beitrag! Ab heute mag ich meine T3N noch mehr! Genau die richtige Ausdrucksform um diesem nicht enden wollenden Schwachsinn zu begegnen!

  30. von André am 28.11.2012 (21:13Uhr)

    Jap, der Artikel spiegelt meine Meinung wieder!

  31. von MartinSK am 29.11.2012 (11:10Uhr)

    Jetzt steht extra schon "[Glosse]" dran... ;)

  32. von Matthias Hase via facebook am 29.11.2012 (13:21Uhr)

    mal den begriff "glosse" googeln! ist nicht alles schlecht, was von den klasssischen geschaffen wurde ... ;-)

  33. von Christel Opeker via facebook am 29.11.2012 (18:12Uhr)

    Hübsche Glosse. :)

  34. von Linkwertig: LSR, BEG, G+, KI » netzwert… am 30.11.2012 (07:01Uhr)

    [...] verstehen, dass Berichterstattungsobjekte an den Erlösen der Verleger beteiligt werden wollen.» Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr Google+ Mit (was das soziale Alter betrifft) jugendlichem Elan gibt Google Facebook gute [...]

  35. von AndreasP am 30.11.2012 (09:13Uhr)

    Leider keine Satire, denn bei der Sportberichterstattung ist genau das schon passiert: der Inhalt der Berichterstattung wird verkauft, die Presse ist Kunde und Rechteeigentümer und daher aber auch überhaupt nicht mehr kritisch.

  36. von akbwl am 30.11.2012 (09:30Uhr)

    Die Glosse läuft ins leere:
    Da, wo das Berichterstattungsobjekt seinen Wert erkennt, wird oft schon Geld verlangt, in erster Linie bei Sportübertragungen.

  37. von Alex am 30.11.2012 (09:56Uhr)

    Sorry Leute, ich bin enttäuscht von euch. Euer Magazin und Webseite ist super, aber wie kann ein Verlag, der so internet-nah ist so einen Mist schreiben? Ihr kennt euch mit der Infrakstruktur und den Geschäftsmodellen des Internets doch am besten aus - daher ist es für mich ein Schmarn, wenn ihr den Leistungsschutz fordert. Klar, jeder schaut auf sich selbst - in eurer Position würde ich die Sache sicher auch etwas anders sehen. Letztlich wäre die Entscheidung für den Leistungsschutz für das Internet dennoch ein riesen Rückschritt: Förderung veralteteter Geschäftsmodelle und Hemmung von Innovation.

    Wenn ihr ein Problem damit habt, dass Google eure Inhalte teilweise darstellt, wie wäre es denn damit:


    Kennt Ihr, oder? Wollt ihr aber nicht machen, oder?

  38. von Alex am 30.11.2012 (09:58Uhr)

    Ergänzend zum letzten Beitrag, was leider verschluckt wurde:
    META name="ROBOTS" content="noindex, nofollow"

  39. von Alex am 30.11.2012 (10:00Uhr)

    Ok, ich nehme alles zurück - ihr habt eine merkwürdige Weise euch auszurücken :D Hoch lebe der König - hoch lebe t3n

  40. von Thomas Bunkt via facebook am 30.11.2012 (11:24Uhr)

    Dass der Text "etwas" sarkastisch gemeint sein dürfte, dürfte doch wohl jedem ins Auge springen, oder? Wie man so etwas ernst nehmen kann ist mir ein Rätsel. Die T3N illustriert hier nur sehr schön, wie unglaublich dümmlich die Idee des LSR ist.

  41. von Niedermeyer am 30.11.2012 (12:14Uhr)

    Es kam wohl bei der Mehrzahl der Leser die Satire nicht als solche an. Zu viele haben den Artikel ernst genommen. Schade! Aber ich habe herzlich gelacht.

    Nennt es doch einfach "Promischutzrecht"

  42. von Thore am 30.11.2012 (12:56Uhr)

    Es gibt sogar Leute, die den Postillon ernst nehmen, von daher wundert mich hier garnichts.

    Ansonsten: schöner Text!

  43. von Lisa theCarAddict am 02.12.2012 (13:00Uhr)

    SEHR geiler Text und SEHR gut!!

  44. von Leistungsschutzrecht « Y371 am 02.12.2012 (13:29Uhr)

    [...] Ein sehr geiler Artikel (eine Glosse) über das Leistungsschutzrecht, das die Verlage gerne hätten bei t3n. [...]

  45. von plus-me.at GOOGLE | LOL geniale Forderun… am 04.12.2012 (08:09Uhr)

    [...] Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr [Glosse] Medien bereichern sich unentwegt mit Berichten über Menschen und Konzerne, die mit keinem Cent an Verkaufserlösen und Werbeeinnahmen beteiligt werden. t3n findet das unerträglich und fordert eine Beri… [...]

  46. von Snippets sind willkommen! – t3n.de und… am 04.03.2013 (18:11Uhr)

    [...] Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr [Glosse] - t3n [...]

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