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Schweizer Franken: Schweiz wird dauerhaft attraktiver für den deutschen Onlinehandel

Schweizer Franken: Schweiz wird dauerhaft attraktiver für den deutschen Onlinehandel

Der Franken ist auf dem gleichen Niveau wie der Euro, diese Stärkung hat zur Folge, dass der Onlinehandel in der Schweiz attraktiver für deutsche Händler wird. Ein Überblick über Hintergründe, Auswirkungen und Potenzial auf dem Schweizer Markt.

Schweizer Franken: Schweiz wird dauerhaft attraktiver für den deutschen Onlinehandel

Die Schweiz wird attraktiver für den EU-Onlinehandel. (Foto: (Foto: Kecko / flickr.com, Lizenz: CC-BY))

Bisher hat die Schweizer Nationalbank den Franken künstlich auf einem Mindestkurs von 1,20 Euro gehalten. Seit Donnerstag ist das Geschichte und der Franken steht mit dem Euro auf gleicher Höhe. Die Auswirkungen auf den Schweizer Onlinehandel könnten vor allem eine Angebotsschwemme aus dem EU-Umland sein. Auch für deutsche Onlinehändler lohnt sich der Absatzmarkt Schweiz jetzt mehr als je zuvor.

Der starke Franken setzt den Schweizer Handel unter Druck, inklusive dem Onlinehandel in der Schweiz. (Foto (Foto: pne / flickr.com, Lizenz: CC-BY))

Schweizer Franken unabhängig vom Euro

Die Schweizer Nationalbank hat seit September 2011 dafür gesorgt, dass der Franken gegenüber dem Euro nicht unter einen Wert von 1,20 Franken sinkt. Der Mindestkurs hatte unter anderem den Sinn Schweizer Produkte im Ausland auf einem bezahlbaren Niveau zu halten. Durch den Zukauf von Euro oder Euro-Anleihen hat die Schweizer Nationalbank den Mindestkurs gewahrt. Und immer deutlich klargestellt, wie wichtig der Mindestkurs sei, wie Spiegel Online schreibt. Seit dem 15.01 ist der Franken nun überraschend nicht mehr mit einem Mindestkurs versehen. Die Schweizer Nationalbank hat verkündet sie sei „zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt ist“.

schweizer nationalbank
Die Schweizer Nationalbank in Bern hat den Mindestkurs abgeschafft. (© Schlierner - Fotolia.com)

Die Auswirkungen auf den Onlinehandel: Einkaufen außerhalb der Schweiz wird attraktiver

Umgedreht zur Export-Stütze sorgte der Mindestkurs auch dafür, dass der Schweizer E-Commerce eine Art „Heimatschutz“ bekam, wie das Schweizer Consulting-Unternehmen Carpathia den schützenden Effekt bezeichnet. Sinkt der Schweizer Franken nämlich, wird das Einkaufen in ausländischen Onlineshops noch attraktiver für den Schweizer Konsumenten.

Die Wirkung ist nicht zu unterschätzen, wie der schon lange anhaltende Einkaufsboom in grenznahen Städten zeigt. Konstanz beispielsweise wird regelmäßig von vielen Schweizer Kunden zum Einkaufen aufgesucht. Der lokale Einzelhandel hält Zollbescheinigungen in riesigen Mengen vorrätig, der Zoll hat mitterweile einen Automaten am Zollamt aufgestellt um der Menge an Bescheinigungen noch Herr zu werden. Der Schweizer Konsument ist eindeutig bereit im Ausland einzukaufen, die aktuelle Währungsentwicklung dürfte in Zukunft noch für eine wesentlich größere Bereitschaft sorgen.

Onlinehandel in der Schweiz unter Druck

Wie groß die Auswirkungen sein werden, wie attraktiv das Einkaufen für die Schweizer in Onlineshops der benachbarten Länder wird, bleibt noch abzuwarten. E-Commerce-Experte Jochen Krisch urteilt: „Die Schweiz öffnet Schleusen für den deutschen Online-Handel“.

Die Problematik für Schweizer Onlinehändler scheint in erster Linie darin zu liegen, dass die Stärkung des Franken nicht abgefangen werden kann. Thomas Lang von der Schweizer E-Commerce-Agentur dazu:

Die Schweizer Händler sind in der Kostenfalle. Sie können die Währungsvorteile – der Franken wurde gegenüber dem Euro um mehr als 20 Prozent stärker – nicht vollumfänglich an die Kunden weitergeben. Je höher die Wertschöpfung und die Kostenanteile wie Personal, Logisitk, Marketingkosten etc. in der Schweiz sind, je geringer sind die Möglichkeiten.

Thomas Lang | 16.01.2015 Carpathia

Der Verband des Schweizerischen Versandhandels sieht hinsichtlich der Preisgestaltung ebenfalls wenig Handlungsmöglichkeiten und empfiehlt dem Onlinehandel in der Schweiz eher strategische Handlungsmöglichkeiten, die von Kulanz und Serviceleistungen über verstärktes Bestandskundenmarketing und einem verstärkten Einkauf in Euro reichen.

Potenzial der Schweiz

Dass im Schweizer Absatzmarkt Potenzial für Onlinehändler aus Deutschland stecken könnte, dafür stehen neben Prognosen auch aktuelle Beispiele: Zalando und Amazon.de gehören zu den zehn umsatzstärksten Onlineshops in der Schweiz. Amazon auf Platz zwei und Zalando auf Platz vier.

Modeversender Zalando ist in der Schweiz bereits erfolgreich an der Arbeit. (Screenshot: Zalando)
Modeversender Zalando ist in der Schweiz bereits erfolgreich an der Arbeit. (Screenshot: Zalando)

Um das Potenzial der Schweiz als deutscher Onlinehändler zu nutzen, dürfte es aber nicht reichen, blauäugig eine Schweizer Flagge über die Startseite zu pinseln. Zalando beispielsweise bietet eine separate Website unter Zalando.ch, offeriert mit Postfinance eine geläufige Schweizer Zahlungsmethode und unterhält eine Schweizer Bankverbindung. Kostenloser Versand, Rückversand und 30 Tage Rückgaberecht, ein Rückgaberecht, das im Gegensatz zum deutschen beziehungsweise EU-Recht in der Schweiz nicht vorgeschrieben ist. Der Kooperation mit der Schweizer Post ermöglicht es den Schweizer Kunden Retouren abholen zu lassen oder bequem am Postschalter oder am „Päckli Punkt“ abzugeben.  Auch wenn Zalando für eine differenzierte Preisstrategie kritisiert wird, zeigt der Mode-Versender, wie der grenzüberschreitende Handel funktionieren kann.

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3 Antworten
  1. von heubergen am 20.01.2015 (20:51 Uhr)

    Ich bin selber Schweizer, werde aber nie im Leben meine Shops im Stick lassen um im Ausland zu kaufen. Einzige grosse Ausnahme ist, wenn es eine Schweizer Händler nicht bestellen kann/will.
    Dann importier ich es aber meist direkt vom Hersteller aus Amerika oder Asien.

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  2. von Alex am 21.01.2015 (12:20 Uhr)

    In dem Artikel ist ein kleiner Dreher. Der Franken wurde gegenüber dem Euro auf 1,20 gehalten und nicht der Franken auf 1,20 Euro. Jetzt ist der Franken bei 1,- Euro und vorher war er bei ca. 0,80 Euro. Ansonsten würde die Schlussfolgerung mit der höheren Attraktivität des Verkaufs in die Schweiz aus Euro-Ländern auch nicht logisch.

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