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Digitale Gesellschaft

Welche Bedeutung hat Science-Fiction für Innovationen? [Interview]

    Welche Bedeutung hat Science-Fiction für Innovationen? [Interview]
(Bild: Pat Rawlings / NASA)

Welche Bedeutung hat Science-Fiction für Innovationen? Unter diesem Titel hat der Wissenschaftsjournalist des IEEE-Spectrum-Magazins, Stephen Cass, einen Vortrag auf der CeBIT gehalten. Wir haben ihn anschließend auf ein paar Fragen getroffen.

Science-Fiction und ihre Bedeutung für Innovatoren – Stephen Cass auf der CeBIT

Stephen Cass auf der CeBIT: „Science-Fiction kann den Rahmen neuer Visionen abstecken.“ (Foto: t3n.de)
Stephen Cass auf der CeBIT: „Science-Fiction kann den Rahmen neuer Visionen abstecken.“ (Foto: t3n.de)

t3n.de: Stephen, wie kann uns Science-Fiction nach vorne bringen?

Stephen Cass: Science-Fiction bringt uns auf fünf Wegen nach vorn: Erstens, sie inspiriert die Menschen häufig dazu, Ingenieure und Wissenschaftler zu werden, und manchmal führt diese Inspiration dann auch zu bestimmten Erfindungen: Mobiltelefone und Cyberspace-Avatare sind ein paar recht gut etablierte Beispiele.

„Science-Fiction kann den Rahmen neuer Visionen abstecken.“

Zweitens kann Science-Fiction den Rahmen neuer Visionen abstecken. Eine ganze Reihe von Forschern und Entwicklern arbeiten mit ihrer Hilfe auf ein gleiches ehrgeiziges Ziel hin – aktuell lässt sich das gut beim Aufbau virtueller Realitäten beobachten. Man hatte bereits seit Jahrzehnten eine konkrete Vorstellung, wie diese Systeme rein formal aussehen könnten. Da spielt dann auch drittens mit rein: Science-Fiction kann dabei helfen, dass die Beschreibung neuer und komplexer Innovationen, wie zum Beispiel beim medizinischen Tricorder aus Star Trek, leichter von der Hand geht.

Viertens kann uns Science-Fiction dafür sensibilisieren, den Wert bestimmter Entwicklungen auch zu erkennen. Als Forschern beispielsweise eine ausreichende Bandbreite im Netz zur Verfügung stand, waren Entwickler auf der ganzen Welt sehr schnell dabei, kostengünstige Videokonferenz-Anwendungen zu erstellen. So wurde nicht zuletzt auch eine Szene aus dem Film „2001: A Space Odyssey“ verwirklicht.

Fünftens – und das ist ziemlich wichtig – erinnert uns Science-Fiction daran, dass Technologien, sobald sie einmal aus dem Labor herauskommen, nicht selten auch in unvorhersehbarer Weise verwendet werden können. Diese Fiktionen lassen uns wachsam sein, wenn es darum geht, wie Erfindungen den Menschen unterstützen sollen und dass wir auf der anderen Seite nicht geblendet werden, wenn Erfinder und Unternehmen uns vorgeben, wie sie angeblich genutzt werden sollen.

t3n.de: Leben wir in einer Welt, die die intellektuellen und finanziellen Risiken, die bei der Verwirklichung von Science-Fiction einhergehen, gerne und aktiv trägt?

Cass: Ich denke, dass die Art der Unterstützung stark davon abhängt, wo in der Welt man sich befindet. Ich glaube, einer der Gründe, dass vor allem die Vereinigten Staaten ein sehr innovativer Ort sind, liegt darin, dass die Menschen dort bereit sind, extrem viel Geld in Projekte zu stecken, die zwar riskant sind, aber auf der anderen Seite auch das Potenzial haben, starke Ergebnisse zu liefern. US-Investoren sind gegenüber Science-Fiction sehr offen.

t3n.de: Wie können Technologie-Unternehmen die Science-Fiction nutzen, um innovativ zu bleiben?

Cass: Wie ich bereits in meinem CeBIT-Vortrag sagte, lässt sich da keine einfache Antwort drauf geben, die in ein paar Sätzen abgehandelt ist. Aber ganz generell können Unternehmen natürlich von den anfangs erwähnten Vorteilen profitieren – Rahmen stecken, den Wert neuer Entwicklungen erkennen und so weiter. Insofern ist es gut, wenn Mitarbeiter der Forschungsabteilungen darin bestärkt werden, sich Kurzgeschichten oder TV-Sendungen aus dem Bereich der Science-Fiction zu widmen und darüber zu diskutieren.

t3n.de: Gibt es Unternehmen, die bereits mit Science-Fiction arbeiten?

„US-Investoren sind gegenüber Science-Fiction sehr offen.“

Cass: Sehr viele Unternehmen sogar. Intel und Microsoft gehen sogar so weit, eigene Science-Fiction-Ideen zu veröffentlichen. Virtual-Reality-Unternehmen sind aktuell wahrscheinlich am sichtbarsten, wenn es darum geht, Projekte aus dem Sci-Fi-Bereich zu verwirklichen, aber auch viele andere Unternehmen aus dem Silicon Valley tun das rund um die Uhr. Ganz zu schweigen vom US-Militär, das überhaupt nicht verlegen ist, wenn es darum geht, Science-Fiction nachzugehen – beispielsweise auf dem Gebiet der Robotik.

t3n.de: Welche aktuellen Technologien begannen als Science-Fiction?

Cass: Ich habe oben ja schon ein paar Erfindungen erwähnt, aber es gibt natürlich unzählige weitere Beispiele. Derzeit wird ja wie verrückt am Hoverboard geforscht. Der ganze Bereich des Biohacking macht auch große Schritte.

(Foto: t3n)

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t3n.de: Wenn du einen Wunsch frei hättest, welche Idee aus der Science-Fiction sollte schnellstmöglich Realität werden?

Cass: Persönlich wäre ich sehr glücklich darüber, wenn der Weltraum-Aufzug bald Wirklichkeit werden würde. Das Problem dabei ist, dass man ein Material mit einer starken Zugfestigkeit für das Kabel finden müsste. Kohlenstoffnanoröhren scheinen vielversprechend, aber noch ist es ein langer Weg, bevor wir die benötigten Materialien in der Masse produzieren können. Sobald wir das Kabelmaterial haben, sollte der Rest allerdings mit heutigen Technologien ziemlich schnell machbar sein. Ein Weltraum-Aufzug würde es uns erlauben, super günstig und einfach die Erdoberfläche zu verlassen und uns einen Weg durch das Sonnensystem zu bahnen!

Übrigens in dem Zusammenhang empfehlen wie euch auch einen weiteren Beitrag von der CeBIT 2016: „888-Byte-Speicher unter der Haut: Wie ich auf der CeBIT zum Cyborg wurde“

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1 Reaktionen
grep
grep

Hallo ...,

US-Investoren sind grundsätzlich sehr risikofreudig wenn es um Investition geht - jedenfalls im Gegensatz zu deutschen Investoren.

Ciao, Sascha.

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