Am Freitag überraschte Twitter mit der Meldung, seine Partnerschaft mit LinkedIn einseitig aufzukündigen. Künftig können Nutzer des Business-Netzwerks zwar ihre Statusmeldungen weiterhin twittern (vergleichbar der Funktion innerhalb der Xing-Plattform), der umgekehrte Weg, Tweets direkt in seinem Activity Stream innerhalb der Business-Plattform zur Verfügung zu stellen, entfällt jedoch damit von offizieller Seite. Anwender, die auf diesen Komfort nicht verzichten möchten, haben zurzeit jedoch noch die Möglichkeit einen entsprechenden Task über den Automatisierungsdienst IFTTT zu generieren.
Steigerung der Ad Awareness zu Lasten der Nutzerfreundlichkeit
Twitter begründet diese Entscheidung damit, eine konsistentere Benutzerumgebung bereitstellen zu wollen. Im Kern geht es dem Microblogging-Dienst darum, Nutzer künftig stärker an die eigenen Clients und Applikationen zu binden und – über deren zunehmend einheitlich gestaltete User Interfaces – gleichermaßen Neuanwender gewinnen zu können und damit den sinkenden Wachstumsraten entgegenzuwirken.
Das primäre Ziel dabei ist, die Darstellung von Werbeformaten und Inhalten der Content-Partner (z.B. denen der New York Times) besser kontrollieren zu können: Wer Twitter-Nachrichten lesen möchte, soll dies möglichst auch nur über bestimmte Formate tun, so dass der jeweilige „embedded Content“ auch gemäß der eigenen Vorstellungen sichtbar gemacht wird.
Eine richtungsweisende Entscheidung: Wenn Twitter bereits das weltweit größte Business-Netzwerk von seiner API abkoppelt, dann wird auf andere Interessenten, wie die Betreiber kleinerer Netzwerke, unabhängige Client-Entwickler oder die Anbieter alternativer Web-Interfaces wie Flipboard und Zite, wohl künftig ebenfalls wenig Rücksicht genommen werden: Wer seine User Interfaces nicht den Vorgaben seitens Twitter bezüglich der Sichtbarkeit von Werbung und Medieninhalten anpasst (oder anpassen kann), wird ebenfalls Schwierigkeiten bekommen.
Ob diese Entscheidung bewusst getroffen wurde und man sich darüber letztlich tatsächlich eine Schärfung des eigenen Profils erhofft, oder ob Twitter lediglich dem Druck der Investoren nachgeben musste – die nach 6 Jahren ein rentables Geschäftsmodell einfordern, so dass man diese Maßnahme nun notgedrungen der Öffentlichkeit als Innovation präsentieren musste – bleibt dabei unklar.
Schaden für Entwickler, Nutzer und letztlich für den Dienst selbst
Vorerst wandelt Twitter jedoch auf einem schmalen Grat: Poweruser und Infobroker werden in ihren Möglichkeiten eingeschränkt und innovationsfreudige Third-Party-Entwickler, die das Wachstum des Dienstes in der Vergangenheit durch erweiterte Funktionen maßgeblich mit vorangetrieben hatten, werden abgeschreckt. Wenn die gewählte Strategie nicht aufgeht und eine gewünschte Schärfung des Profils nicht zu steigendem Wachstum führen, oder die Wirksamkeit der gewählten Darstellungsformate wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurückbleiben würden, dann hätte der Dienst sich selbst isoliert.
Eine Kehrtwende wäre schwierig. Man würde vielleicht die Meinungsgeber zurückgewinnen können, nicht jedoch die Entwickler, an deren Innovationen sich Twitter in den vergangenen Jahren maßgeblich bedient hat, indem es deren beste Zusatzfunktionen in die eigenen Clients integriert hat: Nach dieser Entscheidung werden sich diese es sich noch genauer überlegen, ob sie sich im Twitter-Ökosystem Nischen suchen und entsprechend engagieren möchten.










von John-Paul Herrmann via facebook 02.07.2012 (15:42Uhr) 1.
Na endlich ist Schluss mit dem Einmal-gepublisht-und-alle-Netwerke-beschickert-Blödsinn. Schade, dass die Ist-mir-doch-egal-dann-lesen-meine-Fans-halt-auf-allen-Kanälen-das-gleiche-denn-ich-hab-zu-wenig-Zeit-um-Inhalte-Usergerecht-aufzubereiten-Leute die Lektion jetzt noch später lernen und sich einfach nur ärgern, dass ihr Lieblingsfeature abgedreht wurde.
von qrios 02.07.2012 (16:44Uhr) 2.
Ich halte diese Message-Schleudern auch für ein ausgezeichnetes Spam-Feature. Letztlich nur um den Seitwert der eigenen Sites hochzupushen.
von Jens Peters via facebook 02.07.2012 (21:58Uhr) 3.
Das geht echt mal gar nicht! No go! Twitter stellt sich damit selbst ein Bein, zumal die eh kaum was zu melden haben im Social Media. Lächerlich...
von Olaf 03.07.2012 (23:31Uhr) 4.
Es mag sich ja etwas vermessen anhören, doch scheint mir Twitter auf einem sinkenden Wal zu sitzen. Für mich persönlich hat es schon länger keinen Mehrwert mehr und nach einiger intensiver Twitter Zeit, wurde es durch Google+ für die "fachlichen" Short News und durch WhatsApp fürs private bzw. Facebook fürs semi-private ersetzt.
Mal gucken wo es mit dem Wahl hingeht, aber hat mich schon immer ein bissl an den von Douglas Adams erinnert... ;-)
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