Semantic Web Open-Source-Komponenten für semantisches Content Management

Michael Marth, 16.06.2009 - 09:40 | Keine Kommentare |  |  Teilen

Viele Web-Inhalte werden in klassischen Content Management Systemen, Blogs, Wikis, etc. erstellt. Diese Systeme stellen den Autoren aber selten benutzbare Werkzeuge zur Verfügung, um den Content semantisch anzureichern. Das EU-Forschungsprojekt IKS („Interactive Knowledge Stack“) hat zum Ziel, diese Lücke zwischen semantischen Technologien und CMS-Benutzern schließen.

Im Rahmen einer Laufzeit von vier Jahren soll - so die derzeitige Arbeitshypothese - ein kompletter Stack für semantisches Content Management entwickelt werden. Dies beinhaltet alle Schichten vom Repository bis zum User Interface. Eher ungewöhnlich für ein EU-Projekt ist hierbei, dass diese Software komplett als Open-Source-Projekt entwickelt wird. Einzelne Komponenten des Stacks sollen sich dabei unabhängig verwenden und in bestehende Content Management Systeme integrieren lassen.

Die Teilnehmer des Projekts sind einerseits akademische Partner wie Salzburg Research, Consiglio Nazionale delle Ricerche oder das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz. Andererseits sind kommerzielle CMS-Anbieter mit Open-Source-Hintergrund im Projekt vertreten: beispielsweise Day (Apache Jackrabbit und Apache Sling), Alkacon (OpenCMS), Nemein Oy (Midgard) oder Nuxeo.

Konkrete Projekte

Ende Mai fand in Salzburg ein Workshop statt, in dem Use Cases für semantische Content Management Systeme diskutiert wurden. Im Sinne des Open-Source-Ansatzes wurden hierfür neben den Projektpartnern auch Vertreter anderer Open-Source-CMS eingeladen, welche in großer Zahl teilnahmen. Committer oder Insider von u.a. Drupal, Plone oder Joomla brachten Ideen ein, wie ein semantisch angereichertes CMS aussehen könnte.

Drei konkrete Teilprojekte wurden in Salzburg auf den Weg gebracht:

  • Auf Vorschlag von Bertrand Delacretaz (Apache Solr und Sling Committer) wird eine semantische Suchmaschine gebaut, die RDFa und Microformats versteht.
  • Midgard-Gründer Henry Bergius führt das Teilprojekt an, einen semantischen Rich Text Editor zu entwickeln (im Sinne von z.B. „Person einfügen“ anstatt „Bild einfügen“).
  • Außerdem wird eine Liste von Ontologien erstellt, die für Content Management nützlich sind (z.B. FOAF, Dublin Core, etc)

Dies ist aber nur der Anfang. Weitere Diskussionen z.B. über Use Cases oder Projektideen finden auf der öffentlichen Mailingliste statt.

Semantisch? Bringt das was?

Für alle, die nach Jahren des Wartens auf den heiligen Gral „Semantic Web“ etwas müde geworden sind, noch eine Nachbemerkung zur Motivation: Vor kurzem hat Google angekündigt, RDFa und Microformats zu parsen und für die erweiterte Darstellung von Suchresultaten zu verwenden („Rich Snippets“). Somit werden semantische Technologien plötzlich für Search Engine Optimization relevant - und Semantic Web hat seinen Business Case: Wer nicht mitmacht, läuft Gefahr, von Google weniger Traffic zu erhalten.

Über den Gastautor

Michael MarthMichael Marth arbeitet bei Day Software als Technical Evangelist. Er vertritt Day im IKS Projekt und ist Mitglied des Technical Committee des CMIS Standards. Michael bloggt auf dev.day.com.

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