Sencha Touch 2 – neues Mobile Web App Framework

Sencha, die amerikanische Firma hinter Ext JS, hat Sencha Touch 2 angekündigt. Die nächste Version des JavaScript-Frameworks für das Mobile Web soll unter anderem das Packaging nativer Android- und iPhone/iPad-Apps erlauben und deutlich mehr Performance bringen. Damit gewinnt der große Konkurrent von jQuery Mobile noch einmal an Attraktivität.

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© Sencha Inc

Browserbasierte Mobile werden zunehmend zu einer echten Alternative für native, also für ein spezifisches Gerät wie das iPhone programmierte Anwendungen. Weil mobile Geräte heute fast immer online sind und durch die vielen Möglichkeiten, die moderne Browser z.B. mit HTML5 bieten, lassen sich mobile Websites bauen, die vom Look & Feel und Funktionsumfang her in vielen Fällen nativen Applikationen gleichkommen. Egal, ob für Zeitungen (wie die Financial Times oder der Boston Globe), Konferenz-Apps (O'Reilly Conference App), Social-Publishing-Plattformen (Scribd), Amazons Kindle Cloud Reader, die erfolgreiche Facebook-Mobile-Webapp oder die vielen Google-Anwendungen (Kalender, Maps etc.) – webbasierte Applikationen finden als Alternative zu nativen Apps immer mehr Einzug in den Mainstream.

Was aber, wenn man eine browserbasierte Web App eben doch in einem App Store unterbringen will? Ansätze wie PhoneGap und Appcelerator Titanium boten hier bisher Hilfe. Sencha will diesen Prozess für das eigene HTML5 Web App Framework Sencha Touch nun weiter vereinfachen.

Duale Strategie? Mobile Web Apps versus App Stores

Bis die schöne neue HTML5-Web-Welt tatsächlich Wirklichkeit wird, sind viele Entwickler und Unternehmen darauf angewiesen, ihre Mobile-Anwendungen weiterhin in die Stores von Apple, Google & Co. zu bringen, sei es wegen des Revenue Models oder der Vermarktungsreichweite, die man im Store hat. Weil Sencha diese Probleme kennt, will die Firma in Version 2.0 ihres Sencha Touch einen Mechanismus einbauen, mit dem sich aus der Webapp schnell und einfach eine native App für iOS und machen lässt. Interessanterweise kommt dabei nicht PhoneGap zum Einsatz, für das sich Sencha in der Vergangenheit mehrfach ausgesprochen hat, weitere technische Details sind jedoch noch nicht bekannt. Ein Wermutstropfen: Das Tool wird es vorerst nur für Mac und Windows geben, nicht für Linux.

Mit diesem Ansatz hat man jedenfalls die Möglichkeit, den Entwicklungsaufwand auf eine Technologie zu beschränken, nämlich Web-Development mit HTML5/CSS/, die leistungsfähigen Features des Frameworks zu nutzen, also Objektorientierung für JavaScript, Komponenten wie Grids und Charts, Datenverarbeitung in Data Stores etc., und dabei dennoch auf Knopfdruck eine native App für Android-Geräte, iPhone und iPad auszuliefern. Falls der Anwendungsfall es zulässt, man also nicht gerade einen Ego-Shooter in 3D programmieren will, schlägt man so mehrere Fliegen mit einer Klappe, was die Strategie „web only“ so attraktiv macht.

Performance besser, Theming mit SASS und Images, Konf-Manager...

In vielen Bereichen wird die Performance in Sencha Touch 2.0 stark verbessert. Das interne Layout System wurde umgebaut, so dass das Rendering angeblich spürbar rasanter wird, auch am Event-Handling wurde vieles verbessert, die Unterschiede zwischen Android und iPhone/iPad werden so minimiert, was zum Beispiel ein für alle Geräte optimales Swipe- und Scroll-Erlebnis garantieren soll.

Die umfangreichen Theming-Möglichkeiten, die bereits jetzt in Touch bestehen, werden noch einmal erweitert. Bisher erfolgt das Theming über SASS, eine Konfigurationssprache für CSS, was über wenige Handgriffe einen an die eigenen Bedürfnisse angepassten Look ermöglicht. Weil CSS3 auf manchen Geräten von der Performance her aber nicht optimal ist, lassen sich die erzeugten Themes nun auch imagebasiert ausgeben, ein Schritt, der natürlich auch mit Blick auf Windows Phones nahelag.

Ein Konfigurationssystem soll insgesamt den Prozess vereinfachen, mit dem eine Sencha Touch App aufgebaut wird, die vielfältigen Ansätze, eine Anwendung architektonisch anzulegen und Komponenten zu kombinieren, werden dadurch übersichtlicher für Entwickler.

Sencha Touch und Ext JS rücken näher zusammen

Sencha Touch 2.0 wird auf derselben Architektur basieren wie Ext JS. Klassensystem und Frameworkeigenschaften werden dabei vereinheitlicht. Die naheliegende technische Konvergenz der beiden Frameworks Ext JS und Sencha Touch hat für Entwickler viele Vorteile, aufwendige Ext-JS-Web-Apps lassen sich so mit erträglichem Aufwand auf Mobile Apps abbilden, eine „Mobilversion“ von Ext-JS-Enterprise-Applikationen wird so viel einfacher zu realisieren sein, weil der Entwickler die Features, etwa die umfangreichen Funktionalitäten für Charts, in beiden Frameworks analog verwenden kann. Die Vereinheitlichung dürfte sich abgesehen von den technischen Aspekten auch in der Dokumentation beider Frameworks niederschlagen, die mit eigens hierfür entwickelten Tools hergestellt wird. Sich nicht andauernd in neue APIs einarbeiten zu müssen, macht das Entwicklerleben im Alltag sicher einfacher, je mehr sich Ext JS und Touch hier also ähneln, desto besser.

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Touch und Ext JS wachsen zusammen: Professionelles Charting für beide Frameworks. © Sencha Inc

Release von Sencha Touch 2.0 zur Sencha Con im Oktober?

Sencha bleibt vage, was den genauen Releasetermin von Sencha Touch 2.0 betrifft, zur hauseigenen Konferenz Sencha Con in Austin, Texas, ist jedoch sicherlich ein umfangreiches Showcasing zu erwarten, vielleicht ja auch schon ein Beta-Kandidat. Mit vielen Zigtausend Entwicklern hat Sencha eine starke Nutzer-Community hinter dem Mobile-Framework, und die Neuerungen und Verbesserungen in 2.0 machen es wahrscheinlich, dass sich Sencha Touch 2 weiter gegen Konkurrenten wie jQuery Mobile durchsetzen wird. Fest steht: Obwohl native Applikationen zumindest mittelfristig für viele Zwecke die überlegene Technologie darstellen, etwa wegen Kamerazugriff, besserem Sound, besserer Performance etc., lassen sich mit Webtechnologien ansprechende, nutzerfreundliche Anwendungen bauen – Sencha Touch leistet hier zur lebhaften Diskussion „Webapp versus nativ“ einen überzeugenden Beitrag.

Habt Ihr Erfahrung mit Sencha Touch vs. jQuery Mobile? Wo seht Ihr Use Cases für browserbasierte Mobile Apps?

Weiterführende Links zu Sencha Touch und Mobile Web

Weitere Artikel zu Android, Frameworks, JavaScript und Apps

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7 Answers

  1. von Florian Salihovic via facebook 19.09.2011 (16:10Uhr) 1.

    "Wo seht Ihr Use Cases für browserbasierte Mobile Apps?" -> Kaum zu glauben, dass diese Frage aufkommt ...

  2. von Tobias Kaatz via facebook 19.09.2011 (16:23Uhr) 2.

    jQuery ist bis jetzt sehr viel übersichtlicher gewesen. Das "einfache" Schreiben von HTML-Seiten mit den passenden CSS-Klassen ist unbedingt einfacher als das komplette Programmieren in JavaScript-Code. Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade die komplexen Anwendungen inkl. Visualisierung mit Sencha erfolgreicher besser umsetzbar sind.

  3. von Max Abvisco via facebook 19.09.2011 (16:59Uhr) 3.

    Viva Titanium Appcelerator!! ;-)

  4. von Max Abvisco via facebook 19.09.2011 (17:01Uhr) 4.

    Viva Appcelerator Titanium!!!

  5. von andreas.jonderko 20.09.2011 (09:12Uhr) 5.

    Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass jQuery Mobile / jQtouch eher für standard Internetseiten bestens geeignet sind, richtige Apps dagegen kann man wesentlich besser mit Sencha Touch entwickeln.

  6. von Markus 01.11.2011 (09:58Uhr) 6.

    Noch mehr Alternativen gibts hier: http://www.markus-falk.com/mobile-frameworks-comparison-chart/

  7. von Sencha Touch 2 | aflx - always flexible 03.11.2011 (20:10Uhr) 7.

    [...] entgangen. Es war aber eine schöne Überraschung, als ich diese Nachrichten auch bei t3n zu Gesicht bekam. Alles soll also besser, schneller und schöner werden. Der Layout-Mechanismus [...]

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