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Digitale Gesellschaft

Sharing-Economy ist in San Francisco so normal wie Atmen – Ein Erfahrungsbericht

    Sharing-Economy ist in San Francisco so normal wie Atmen - Ein Erfahrungsbericht

Sharing-Economy so normal wie Atmen. (Bild: Lyft)

Unser Autor Andreas Weck berichtet live aus San Francisco und dem Silicon Valley. Was ihm schon nach einer Woche auffällt: Die Sharing-Economy ist hier so normal wie Atmen. Ein Erfahrungsbericht.

Dinge zu teilen, ist nicht nur ein Zeichen sozialer Kompetenz, es vereinfacht das Leben auch auf vielfältige Weise. Das wird uns schon im Kindesalter mit auf den Weg gegeben: Wir lernen, unser Spielzeug und die Schokolade zu teilen, zeigen so unsere Hilfsbereitschaft anderen Menschen gegenüber und gewinnen Freunde, die wiederum auch mit einem selbst das Spielzeug und die Schokolade teilen. Dieser Grundsatz des Teilens ist ein zentraler Punkt beim Erwachsenwerden, der im Alter – und das muss man klar sagen – meist aufgrund eines Einflusses in Vergessenheit gerät: nämlich wenn es ums Geld geht.

„In einer Gesellschaft, in der die Konsumenten alles haben können und zwar sofort, erscheint das Horten von Dingen sinnlos.“

Wer nur gibt, wird nie zu was kommen – so der Grundgedanke, der sich jahrelang breitgemacht hat. Eigentum war die größte aller Erfüllungen: Mein Haus, mein Garten, mein Auto. Nicht: unser Haus, unser Garten, unser Auto. Mehr und mehr schwankt dieses Prinzip aber. In einer Gesellschaft, in der die Konsumenten alles haben können und zwar sofort, erscheint das Horten von Dingen sinnlos. Hinzu kommt, dass gerade die sogenannte Generation Y ihre Erfüllung viel mehr im Sammeln von Lebenserfahrungen sucht, anstatt im Besitz eines blank polierten Mercedes oder eines 60-Zoll-Smart-TV. Diese Generation macht sich seit ein paar Jahren auf, ihre Lebenseinstellung salonfähig zu machen und zu beweisen, dass sie nicht zwangsläufig bei Geld aufhören muss.

Sharing-Economy lautet der Vorstoß, der das Teilen auch in der Wirtschaft etablieren möchte. Seit ein paar Jahren sprießen die Ideen und alternativen Geschäftsmodelle. Anbieter wie AirBnB und Uber sind in Deutschland die bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmen dieser Art, gleichsam aber auch heftig in der Kritik. Denn der Gedanke, die eigene Wohnung oder das Auto mit anderen Menschen zu teilen, stößt vor allem in der alten Business-Welt zunehmend auf Ängste.

So kämpft die Hotel-Industrie mit harten Bandagen gegen AirBnB, weil sie annimmt, durch zeitweise untervermietete Wohnungen selber weniger Zimmer an den Mann zu bringen. Gegen Uber kämpft eine streckenweise aggressiv auftretende Taxi-Lobby, die es nicht verstehen kann, dass private Fahrer andere Mitfahrer auf der Straße auflesen und sie ans gewünschte Ziel bringen. Dieser Kampf scheint normal, sie fürchten um ihr Geschäft. Wie unterschiedlich jedoch mit diesem Thema umgegangen wird, erlebt man als Deutscher, der in San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley lebt, kaum deutlicher.

San Francisco teilt alles – sogar das Abendessen!

Schon bei meiner Ankunft vergangene Woche ist eines besonders aufgefallen. Die unterschiedlichen Sharing-Economy-Angebote bestimmen das Stadtbild mehr als sonst irgendwo auf der Welt. Überall hängt aufwendige Werbung für Uber und Lyft, beide Dienste vermitteln bei Bedarf eine Mitfahrgelegenheit binnen weniger Minuten per Smartphone-App. Angemeldete Lyft-Nutzer beispielsweise drücken einen grünen Button in der Applikation und werden direkt mit einem Fahrzeug in der Nähe verbunden. Auf einer Karte können die Anwender sehen, welche Route der Fahrer nimmt und sogar ein Bild mit Infos zu der Person ist enthalten.

Und als ob das nicht reicht, um sich zu erkennen, ist das Lyft-Fahrzeug zudem mit einem riesigen rosa Bart ausgestattet, den sich Autofahrer entweder an den Kühlergrill befestigen oder auf die Armatur legen. Ein Erkennungszeichen, das seine Wirkung nicht verfehlt – der „mustache“ besitzt hier Kult-Charakter wie der „fist bump“, mit dem sich Fahrer und Beifahrer begrüßen. Gezahlt wird die Fahrt bargeldlos durch hinterlegte Kreditkartendaten und glücklich sind im Endeffekt alle Beteiligten, auch das 2012 gegründete Lyft, denn der Vermittler veranschlagt 20 Prozent auf die Transaktion. Günstiger als Taxifahren bleibt das Prinzip aber allemal.

Lyft wurde 2012 in San Francisco gegründet und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. (Bild: Lyft)
Das Sharing-Economy-Unternehmen Lyft wurde 2012 in San Francisco gegründet und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. (Bild: Lyft)

Einen ganz anderen Trend entwickelt das Startup Feastly derzeit. Die Gründer haben eine Plattform ins Leben gerufen, die Menschen einander zum Abendessen vermittelt. Das ist wie ins Restaurant gehen, nur besser – geben sie zu verstehen. Die Idee folgt dem gleichen Prinzip. Online können Interessierte schauen, welche offerierten Abendessen in ihrer Nähe stattfinden. Für einen kleinen Betrag sichern sie sich dann einen Platz am Tisch des jeweiligen Koches. Dabei kommt nicht nur jeder zu seiner Mahlzeit, es entwickeln sich auch interessante Gespräche aus vorher vermutlich nie zustande gekommenen Begegnungen. Die so einfach wirkende Idee entstand dabei nicht etwa in San Francisco – wie Lyft – sondern hat ihren Ursprung in Washington, D.C. Aktuell expandiert der Gründer Noah Karesh allerdings und zwar äußerst erfolgreich – ein Büro im hippen Mission District von San Francisco sowie ein fünfköpfiges Team lassen das erkennen.

Kleiner Einblick ins Feastly-Büro in San Francisco

Feastly-Gründer Noah Karesh. (Bild: Andreas Weck)

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Sharing-Economy als Chance, nicht als Gefahr begreifen

Dass neue Angebote wie die oberen in San Francisco und anderen Teilen der USA so normal sind wie Atmen, während einem in Deutschland in breiten Teilen der Bevölkerung bisweilen noch immer ein Schulterzucken entgegen schlägt, hängt an vielen verschiedenen Faktoren. Zum einen erfahren die Gründer eine größere Investitionsbereitschaft in ihre Ideen – Uber hat beispielsweise in den vergangenen Tagen eine Rekordsumme von 1,2 Milliarden US-Dollar an Risikokapital von Investoren wie dem IT-Konzern Google und der Großbank Goldman Sachs eingenommen. Zum anderen wird die Sharing-Economy hier aber auch in der Politik mehr als Chance, denn als Gefahr begriffen. Juristische Hürden werden in Deutschland nicht etwa abgebaut, sondern mit sturer Vehemenz verteidigt. Streckenweise sogar neu aufgesetzt, wie das Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum, das der Berliner Senat entlassen hat und das die Zukunft von AirBnB in der Hauptstadt zumindest ein Stück weit düsterer aussehen lässt, beweist. In Hamburg hat man dem alternativen Taxi-Rivalen Wundercar kürzlich sogar verboten Fahrten über eine Smartphone-App zu vermitteln.

Ideen brauchen Platz, um sich zu entfalten. Dass Gründungen hierzulande viel zu oft an bürokratischen Hürden kaputt gehen, zeugt nicht gerade von besonderer Aufbruch-Stimmung. Zudem ist es unsinnig zu glauben, dass durch finanzielle Einbußen alter Unternehmen das volkswirtschaftliche Gefüge aus dem Lot gerät. Der Konsum der Menschen schrumpft nicht durch das Teilen, sondern verlagert sich an andere Stellen. Gibt man sein Geld eben für Dinge wie Reisen oder für eine Familie aus – beides zusammen kann sich heute leider kaum noch ein junger Mensch leisten. Der Wandel von alten zu neuen Geschäftsmodellen reißt Grundpfeiler ein, baut sie woanders aber wieder auf. Eine Regulierung, die nur die Alten schützt, aber die Jungen hemmt, ergibt keinen Sinn. Das muss man auch in Deutschland endlich begreifen. Vielleicht sollten die Herrschaften auch einmal zu Besuch kommen.

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

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17 Reaktionen
Majo
Majo

Danke Ben, naives Gesülze trifft es auf den Punkt... Wohnraum ist Wohnraum. Umsonst gibt es diese Regelungen nicht schon seit Jahrzenten... Alles andere ist gewerblich und schlichtweg "schwarz"....

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Ben
Ben

Was mir jetzt nachträglich einfällt: Wenn quasi jedes Auto ein UBER wäre, wenn man einsteigt sofort registriert wird, wohin man will, und wenn der gebundene Taxipreis verwendet werden würde, dann würde das eventuell Sinn machen.

Aber auch dann bleibt der Fakt, dass man eine Personenbeförderung anbietet, Versicherungsfragen ungeklärt sind, Erlöse generiert werden, die anderen dann fehlen, und dafür im Zweifel aber keine Steuern gezahlt werden.

Wenn UBER diese Sachen integrieren würde, Steuern zB automatisch abführt und lokale Preisbindungen in seine App mit aufnehmen würde, dann wäre das doch eine ganz andere Situation.

Tun sie aber meines Wissens überhaupt nicht.

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Ben
Ben

Genau das ist doch aber naiv. Ich war in Prag, da hat einer das alte Zimmer seines Schwiegervaters vermietet, regelmäßig. Mit "wenn ich mal drei Wochen nicht im Land bin" hat das doch überhaupt nichts zu tun. Und so wird das in Berlin doch auch genutzt: Wohnungen werden auf Kredit gekauft und dann über Immoscout oder jetzt halt AirBnB geschäftsmäßig vermietet.

Selbst über Mitfahrgelegenheit.de gab es früher schon Leute, die mehrmals pro Woche zwischen Berlin und Hamburg oder dem Ruhrgebit mit nem Kleinbus gependelt sind. Sowas gehört verboten, weil es jenseits der Regeln ist. Aber von den Apps wird das ja völlig ausgeklammert. Man könnte doch "Daueranbieter" zB sperren. Tut aber keiner. Das wird billigend in Kauf genommen.

Und bei UBER ist das ganz eklatant. Das wird benutzt, um diese lokalen Taxi-Kartelle aufzuspalten. Ohne diese Option und die damit verbundene Renditechancen hätten die doch nie so eine Bewertung und würde nie zig Milliarden einsammeln können.

Den Investoren von UBER geht die "sharing economy" am Hintern vorbei. Die wissen ganz genau, was da für ein Potential drin steckt, wenn man jenseits der Regeln diese Märkte abgräbt.

Mal ehrlich: Wieviel Sinn macht UBER denn in einer Großstadt? Ich bin jetzt 33 und habe jahrelang Leute über MFG mitgenommen. Aber irgendwann lohnt das doch nicht mehr, da ist der Stress zu hoch, den man mit Abholen und Hinbringen hat und auch immer das Einstellen auf neue Leute.

Und jetzt soll es das NICHT GEWERBSMÄSSIG in Berlin geben? Da fährt also eine Privatperson andere Leute durch die Stadt, weil er "sowieso grad dorthin muss"? In der Stadt seine Runden drehen ist sowieso schon stressig genug und dauert auch nicht länger als ne Stunde, wenn man quer durch fährt. Und da soll es sich lohnen jemanden irgendwo abzuholen und mitzunehmen?

Das ist doch Lächerlich.

Das ist einfach eine Tür und Tor-Öffnung, um die Regularien zu umgehen und das "nebenbei" geschäftsmäßig zu machen, nichts weiter.

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Andreas Weck

Worauf ich in den Text hinaus will ist, dass man in Deutschland einfach den Deckel drauf tut und gut ist, anstatt zu schauen, wie man die Sharing-Economy - auf jeden Fall sozialverträglich - in den Wirtschaftskreislauf integriert. Ich dachte es wird deutlich was ich meine, wenn ich schreibe: "Eine Regulierung, die nur die Alten schützt, aber die Jungen hemmt, ergibt keinen Sinn." Genau da liegt doch der Knackpunkt! Es geht nicht darum den Verbraucherschutz abzuschaffen - um Gottes Willen, ja nicht den Verbraucherschutz abschaffen! Aber es muss doch eine Möglichkeit geben privaten Wohnraum vermieten zu können, wenn ich mal drei Wochen nicht im Land bin. Oder dass ich mein Auto verleihe am Wochenende, weil ich es nicht brauche. Gerne versteuer ich diese Einnahmen auch. Aber mit Verboten kommen wir hier nicht voran.

Für mich bleibt die Sharing-Economy ein zukunftsgerichtetes Modell auch und gerade um Überproduktion in den Griff zu bekommen.

Danke für euer Feedback! Mir gefällt die Diskussion.

Herzlichst, Andreas

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Ben
Ben

"Juristische Hürden werden in Deutschland nicht etwa abgebaut, sondern mit sturer Vehemenz verteidigt.

Streckenweise sogar neu aufgesetzt, wie das Zweckentfremdungsverbot von Wohnraum, das der Berliner Senat entlassen hat und das die Zukunft von AirBnB in der Hauptstadt zumindest ein Stück weit düsterer aussehen lässt, beweist. "

Jungs! Ihr seid naiv ohne Ende. Ihr werdet von amerikanischen Investoren benutzt, um sozialmarktwirtschaftliche Errungenschaften zu zerstören.

Und ihr kommt euch noch cool vor dabei.

Eine Gesellschaft gibt sich Regeln und verwaltet diese durch den staatlichen Apparat. Selbstverständlich sind das nicht immer nur positive.

Wohnraum ist in erster Linie eben WOHNraum. Und nicht Gewerberaum.

Und Personenbeförderung gegen Entgelt ist eben das: Personenbeförderung gegen Entgelt.

Dieses naive Gesülze geht mir auf den Sack.

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Majo
Majo

Sorry.. ich steig aus, das ist mir zu weit weg von der Realität...

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Carsten
Carsten

Weiter denken, Majo: Du bleibst gedanklich auf der Stufe mit dem wie Du sagst "ECHTEN Geld" stehen. Diese o.g. ökonomischen Ansätze (Sharing Economy) und noch viele weitere (bisher undenkbare, heute noch utopischen) Zukunftsprojekte (Industrie 4.0, Internet of Things, 3D-Druck, Roboterisierung/Automatisierung alles nur denkbaren Workflows, Grundeinkommen) führen die Gesellschaft und damit jedes einzelne Individuum früher oder später in die Lage, dass sie nicht mehr ihr komplettes Leben in diesen krampfhaften und konventionellen Denk- und Handlungsschubladen mit den gar sonderlichen Namen "Geld", "Eigentum", "Besitz/Habe", "Anspruch", "Vermögen", "Patent", "Urheberrecht" verbringen zu müssen.

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Majo
Majo

Außerdem möchte ich eigentlich nicht in alten Büchern über ideale und beispielhafte Marktwirtschaft lesen, sondern einfach nur eine schlichte Gleichbehandlung in der Wirtschaft, so dass mir nicht tagtäglich ECHTES Geld verloren geht. Sonst rate ich den Hotelbetrieb zu verkaufen, ein günstiges Wohnhaus zu erbauen und dann alle Einheiten wie Hotelzimmer zu vermieten. Ist doch egal was der Brandschutz und die Landesbaukommission dazu sagt...

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Majo
Majo

Und noch etwas, wie sollen wir denn die Shared Economy "mitgestalten"?? Jetzt muss man als Hotelier schon Millionen an Euros in Bau, Gestaltung und und und stecken um überhaupt noch für die neuen Jahre gewappnet zu sein und konkurrenzfähig zu bleiben.

Soll ich am besten auch alle Hotelzimmer ab sofort bei AirBnB anbieten und mich der Meldepflicht und dem Steuergesetz entziehen? Das wäre ein guter Ansatz...

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Majo
Majo

Ich muss da noch kurz etwas ergänzen denke ich. Es geht nicht darum, dass man oder "ich" gegen Veränderung bin oder neuen Märkten etwas unterschlagen möchte. Es geht darum, dass im Beispiel AirBnB eine "neue" Art der Kommerzialisierung stattfindet, die sich an KEINE Regeln hält und nur deswegen funktionieren kann.

Ich selbst bin in der Hotelbranche tätig und NICHT bei einem der großen Hotelketten etc. Dieses "sharing" wird von all denen unterstützt, die ihr Zimmerchen, ihre Wohnung etc. für Geld anbieten möchten. Da geht es nicht um das "soziale", sonder um Kohle abgreifen wo es nur geht.

Wäre AirBnB ein normales Buchungsportal wie HRS, Booking etc. wäre das nichts Neues. Solche Portale kommen monatlich neu auf den Markt und wollen sich gegenseitig verdrängen. AirBnB jedoch, ermöglicht es jedem Privatmann hier gewerblich tätig zu werden, sich als "Hotelier" auszugeben, sich aber an gar keine einzige Regel zu halten, die der Gesetzgeber einem regulären Betrieb vorschreibt um überhaupt Fremde Menschen beherbergen zu dürfen. Da aber AirBnB nun so schnell in diesen "Privatvermietungsbereich" vorgedrungen ist, hat die Politik noch recht wenig gleichstellen können.

Ich selbst habe AirBnB getestet, übernachtet und gebucht. Rechnungen bekommt man keine ordentlichen und die Übernachtung wird unterm Tisch bezahlt. Das ist hier Gang und Gebe. Mit der Werbung dass man "50% günstiger als ein Hotel sei" hat das auch noch eine branchenschädigende Wirkung. Der Tourismus ist eine Branche von immensen Wert in Deutschland. Ausbildungsplätze, Arbeitspätze, Minijobber und so weiter. Wenn nun jeder Beamte, Bankangestellte, Handwerker nebenbei noch "Hotelier ohne Konzession" wird, dann wird die Tourismusbranche richtig leiden.

Und den Markt "selbst" gestalten sagt sich von außen leicht, aber wenn man ein Hotel unterhält, das sich an alle Vorschriften halten muss (Brandschutz, Fluchtwegesregelungen, Hygieneauflagen, Parkplätze, Meldepflichten, Steuerpflichten, Sonderbauauflagen des Gebäudes, Materialauflagen zur Sicherheit, und und und) dann kann man NIE mit einem Zimmerchen mithalten, dass auf Wohnungsbau konzipiert ist und "fast" das gleiche für eine Nacht verlangt wie ein Hotel. Die 50% günstiger Masche stimmt sowieso nicht. Bei uns in München kostet bei AirBnB in der Stadt ein Zimmer auch über 60-90 Euro...

Hinzu kommt, dass einige Anleger nur noch Wohnungen kaufen um diese dann gewinnbringender über AirBnB zu vermieten, als sich einen normalen Mieter zu suchen. Sprich, das ist ein Schwarzgewerbe. Es lassen sich schon einige Vermieter auf AirBnB finden, die mehrere Wohnungen gleichzeitig anbieten. Und da mag mir einer sagen, der macht das nicht, weil er keine Kohle verdienen will...

Da kann man noch so "pro" Veränderung und sonstiges sein. Alles schön und gut, aber bitte mit den gleichen Regeln, Auflagen und so weiter.

Was würdet ihr davon halten, wenn ich als "shared economy" jedem anbiete mit meinem Handwerkszeug die Einrichtung, die Möbel, den Anstrich des Hauses oder Elektroverkabelung günstiger wie ein Handwerksunternehmen anzubieten, ohne dass ich eine Konzession habe, keinen Gewerbeschein, keine (teils) notwendigen Meisterbriefe und dann die Kohle unversteuert einstecke?!

Dass Marktwirtschaft nicht immer fair ist ist klar, dass hier aber potentiell eine Branche so umgangen werden kann ist schon mehr als unfair. Nach dem Tourismus ist eine andere Branche dran, je nachdem welcher Junge die nächste tolle "App" herausbringt um richtig abzukassieren.

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Lena Clausen
Lena Clausen

Danke, Carsten: Veränderung lässt sich nicht aufhalten, aber gestalten.

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Lena Clausen
Lena Clausen

Wenig überraschend ;) aber Majo & Jürgen, ich muss euch widersprechen!

Ihr werft zwar gute Punkte auf, aber ein etwas differenzierter Blick muss schon sein. Share Economy heißt eben nicht nur "Sharing" (wie wir Kinder es damals mit dem Spielzeug im Sandkasten gelernt haben) sondern eben auch "Economy". Dass hier Unternehmen Geld damit verdienen, liegt in der Natur der Sache. Dass Marktwirtschaft nicht immer fair ist und Ungleichheiten zulässt - gar fördert, dass es prekäre Arbeitsverhältnisse gibt, aus denen manch ein Mitglied unserer Gesellschaft nicht mehr heraus kommt (von wegen "wenn's dir nicht passt, musste ja nicht mitmachen", das funktioniert oft nicht), ist ja nicht erst seit der Share Economy so. Dass der Kapitalismus bis heute überlebt hat, liegt u.a. daran, dass er fähig ist, auf Kritik zu reagieren - wie sich zu Zeiten der Arbeiterbewegung oder der Kritik der 68er zeigte (ich empfehle "Der Neue Geist des Kapitalismus" von den französischen Soziologen Chiapello und Boltanski).

Mag sein, dass einige aktuelle Auswüchse der Share Economy unserer Gesellschaft zunächst nicht wirklich gut tun, aber: Der Weg der Share Economy ist ja nicht vorbestimmt und festgeschrieben. Es gibt viele Möglichkeiten, den Weg mitzugestalten und die guten Erfahrungen der Vergangenheit mit den guten Ideen der Gegenwart zu verbinden, denn wirtschaftliche Entwicklungen sind nicht linear, sondern rekursiv - eine Verbindung aus Bestehenden und Neuen, dass rekombiniert als "Neuerung" den Markt verändert (wie Schumpeter es schon vor 100 Jahren beschrieb). Aber sie sind auch immer eins: unaufhaltsam.

Kurz und klein: Wir Menschen gestalten unsere Marktwirtschaft und so auch die Share Economy mit - durch unsere Debatten und unser Verhalten als Konsumenten. Statt zu jammern, zu demonstrieren oder zu verbieten, sollten wir uns einfach einmischen und mitgestalten, die positiven Aspekte, die Andreas in seinem Artikel beschreibt, weiter ausbauen und Lösungen für die von euch angesprochenen Probleme finden - die ja auch immer eine Chance sind!

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Carsten
Carsten

Weiter denken, Leute! --> Sämtliche Ideen und umsetzbare technologische Lösungen im Sinn der "Sharing Economy", die sich jetzt (und in naher/ferner Zukunft) am Markt und damit in der Praxis zeigen und etablieren, sind m. E. nach sozioevolutionäre Erscheinungen, die versuchen, die oft beschworene "Tragik der Allmende" zu überwinden. Die Zukunft des Menschen gehört der "Organisation von Kooperation" - ganz im Sinn von (der leider schon verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgerin) Elinor Ostroms polyzentrischem Ansatz und "Design-Prinzipien" erfolgreicher Allmenden:

1. Abgrenzbarkeit
- eindeutige und lokal akzeptierte Grenzen zwischen legitimen Nutzern und Nichtnutzern
- klare Grenzen zwischen einer Gemeinressource und den sozioökologischen Systemen in ihrer Umwelt

2. Kohärenz mit lokalen Bedingungen
- Regeln für Aneignung und Bereitstellung von Ressourcen überfordern nicht lokale soziale und ökologische Gegebenheiten.
- Entnahmeregeln sind auf Bereitstellungsregeln abgestimmt, Kosten werden proportional zum Nutzen verteilt

3. Gemeinschaftliche Entscheidungen
Die meisten Individuen, die vom bestimmten Regime der Ressourcennutzung betroffen sind, können an Entscheidungen teilnehmen, die Spielregeln des Managements festlegen oder verändern.

4. Monitoring
Sind Individuen selber Nutzer oder zumindest für die Nutzung verantwortlich, beobachten und überwachen sie die Aneignung der Ressource und überwachen zeitnah ihren Zustand

5. Abgestufte Sanktionen
Sanktionen beginnen auf niedrigem Niveau, verschärfen sich bei wiederholten Verstößen gegen gemeinsam vereinbarte Regeln

6. Konfliktlösungsmechanismen
Existenz von lokalen Arenen für die schnelle, günstige und direkte Lösung von Konflikten zwischen Nutzern sowie zwischen Nutzern und Behörden.

7. Anerkennung von Rechten
Regierung räumt lokalen Nutzern ein Mindestmaß an Rechten ein, sich eigene Regeln zu setzen.

8. Verschachtelte Institutionen
Ist eine Gemeinressource eng verbunden mit einem umfassenden sozioökologischen System, dann werden die Regeln auf vielen ineinander verschachtelten Ebenen und nicht hierarchisch organisiert.

http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/zum-tod-elinor-ostroms-bewahren-was-allen-gehoert/6744404.html

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Majo
Majo

Da muss ich Jürgen absolut zustimmen. Da steckt keine "Ideologie" hinter den Portalen, wie es die Macher gerne anpreisen. "Teilen" macht glücklich und bla bla bla. Sicherlich verdient sich der eine oder andere gutes Geld dazu, (ob das natürlich legal ist wage ich zu bezweifeln) jedoch wollen die Macher schlicht und einfach Profit machen! Den großen "Sozi" raushängen lassen, aber ordentlich mit Provision bei den Kunden abkassieren und große Investitionspakete abgreifen. Blauäugig trifft es gut. Diejenigen die einem vorgaukeln, dass "Eigentum" ja nicht alleine glücklich macht, sind diejenigen die es am dringendsten haben wollen.

Zudem sind diese Portale wie AirBnB, Wimdu, Uber, Wundercar und und und nur erfolgreich, weil sie sich an keine Regeln halten und auch durch keine Auflagen eingeschränkt werden. Der Schwarzarbeit ist Tür und Angel geöffnet, die Sicherheit und Haftung ist oftmals unklar und man schadet dem Wohnungsmarkt sowie Arbeitsmarkt enorm, indem man bestehende Branchen mit einer kleinen App zerstört. Das geht jetzt noch gut, aber sollte die Politik nicht einschreiten, wird das ein Teufelskreis, bei dem unzählige Arbeitsplätze im Tourismusbereich (Hotels, Restaurants, Taxis, Reiseanbieter) gefährdet sind. Das trifft dann wiederum die Allgemeinheit.

Es wird so lange geteilt, bis "keiner" mehr Eigentum hat, weil das ja so "toll und sozial" ist, bis nur noch ein paar Leute Eigentum besitzen und der Rest irgendwann viel zu abhängig wird.

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Jürgen
Jürgen

Mir fällt es schwer eine Begeisterung für SE zu finden. Die Geschäftsmodelle basieren auf der Idee bestehenden Geschäftsmodellen zu zuzerstören unter Umgehung von Regularien und Auflagen. Uber fährt ohne Lizenz und schiebt die Risiken auf den Fahrer und Kunden ab. Die Fahrer bekommen im Gegensatz zum Taxigeschäft deutlich weniger Geld und Uber kassiert ab. Sie sollten sich mal mit Taxifahrern unterhalten die sich für diese Geschäftsmodelle interessiert haben. Das ist knallhart und ohne jegliche Sicherheit für den Fahrer. Die Jungs der Apps sind nicht die Guten, sondern die müssen knallhart Geld verdienen. Dito beim der Vermietung von Wohnraum. Deine Begeisterung kann ich hier nicht nachvollziehen. In SF werden Wohnungen gemietet nur um sie über Airbnb zu vermieten. Die fehlen dem Wohnungsmarkt dort und die Stadt schreitet hier bereits ein. Auch hier badet irgend jemand das Geschäftsmodel negativ aus. Diese Berichterstattung ist extrem einseitig und blauäugig. Hier wird das amerikanische Model des schnellen Geldes für wenige in dem Himmel gehoben. Für was Uber 1.2 Milliarden bekommen hat ist mir noch gar nicht klar. Aber das die Jungs jetzt überrascht sind in Deutschland Gesetze einhalten zu müssen find ich sehr witzig. Anscheinend haben sie von ihrem eigenen Geschäftsmodel keine Ahnung sonder nur eine Idee. Das Investoren im Moment mit unglaublichen Summen in Start-up gehen zeigt doch wer auf deren Seite sitzt. Arbeitslose Spekulanten die eine neue Betätigung gefunden haben. Die sharen (haha) sich ebensowenig um die Gesetze wie die T-Shirt Träger. Weil wir in Deutschland auch etwas anders als die Amis an eine Umsetzung ran gehen, können wir keine so schönen Geschichten schreiben. Mir würde etwas mehr Tiefgang in deinem Bericht gefallen.

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Andreas Weck

Hallo Lena, danke für deinen Kommentar. Es stimmt schon, wenn du sagst, für viele ist das eine notbedingte Einkommensquelle. Ich habe hier auch erfahren, dass beispielsweise viele Lyft-Fahrer ihr Auto damit finanzieren - das kann man jetzt positiv oder negativ auslegen. Ist es ein Segen für die Fahrer, dass sie mit Hilfe des Dienstes ihr Auto schneller abzahlen oder ist es ein Fluch, dass sie in ihrer Freizeit einige Strecken fahren? Bevor ich daheim vor dem TV sitze, würde ich auch fahren. Lieber wäre mir natürlich der Grillabend mit Freunden... ;)

Auch wenn die "Poverty" dem ganzen einen schwungvollen Auftrieb gibt, ist die Share-Economy für mich ein richtungsweisendes Modell. Schon allein, dass dadurch weniger Dinge produziert werden könnten, ist ein toller Vorteil - nicht nur für die Umwelt.

Achso, und danke für den Medium-Link!

Herzlichst, Andreas

Antworten
Lena Clausen
Lena Clausen

Es ist ja ein wenig Paradox: Ein Zeichen für den unaufhaltsamen Vormarsch der Sharing Economy ist, dass sie so viele Gegner auf den Plan ruft, und dadurch ihren Vormarsch manifestieren kann. Die Proteste gegen Uber und Wundercar haben der Bekannt- und Beliebtheit dieser Unternehmen nur zugetragen. Und die Debatte an sich hat der Share Economy im Ganzen zu mehr Aufmerksamkeit verholfen. Wäre es nur eine niedliche Spielerei der GenY, würde es wirklich niemanden kratzen. Also, will ein neues "Collaborative Business Models" mit alternativen Lösung den Markt beglücken, mag es ja mittlerweile fast darauf hoffen, früher oder später von Sich-bedroht-fühlenden mit den Mitteln der alten Wirtschaft (wie Regulatorien etc.) bekämpft zu werden. (Übrigens nicht nur in Deutschland: Paryatmyhouse-Vermieter hatten in England kurze Zeit mit hohen Strafen zu rechnen.) Natürlich wird manch ein junges Unternehmen daran auch zunächst scheitern, aber die etablierten Unternehmen sollten sich beim Gewinnen dieser kleinen Schlachten nicht zu früh freuen: ist der Markt erst einmal "aufgebrochen", entstehen immer neue Angebote in den sich auftuenden Nischen. Napster hat ja auch trotz seines Scheiterns mit seinem Vorstoß den Musikmarkt für immer verändert. Ähnlich wird es den Taxifahrern in Deutschland mit ihren neuen Mitstreitern gehen - selbst wenn sie tatsächlich erstmal erwirken, dass Uber, Wundercar und Co. verboten werden. Natürlich ist es wichtig, dass es auch für die neuen Geschäftsmodelle Regeln gibt, die die Verbraucher schützen. Aber der Protest der Alteingesessenen in Deutschland speist sich eben nicht nur aus dem Wunsch nach Verbraucherschutz, sondern vor allem aus dem Wunsch, dass alles so bleibt wie es immer war und soll einfach nur natürlichen Wettbewerb unterbinden. Aber so funktioniert nun mal unsere Marktwirtschaft nicht. Was dem Kunden gefällt und seine Bedürfnisse deckt, wird sich dauerhaft in der einen oder anderen Form durchsetzen.

Jetzt das große ABER: das in San Francisco (und insgesamt in den USA) die Sharing Economy sich schneller und nachhaltiger durchsetzt als bei uns, liegt nicht nur an einer vermeindlichen Rückwärtsgewandtheit der Deutschen, sondern auch an der Krisenbedingten "New American Poverty", die viele Menschen dazu zwingt, einen zweite oder dritte Einnahmequelle aufzutun, um die Existenz zu sichern, wie Susie Cagle vor 3 Wochen anschaulich aufzeigte:
https://medium.com/the-nib/the-case-against-sharing-9ea5ba3d216d

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