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E-Commerce: Shopware veröffentlicht Open-Source-Version – Besser als Magento und Oxid eShop?

E-Commerce: Shopware veröffentlicht Open-Source-Version – Besser als Magento und Oxid eShop?

Zusammen mit dem heutigen Release der „Professional Edition“ 3.5 haben die Macher eine quelloffene Variante namens „Community Edition“ 3.5 veröffentlicht, die ihr hier herunterladen könnt. Dabei wird im ersten Schritt der Quellcode offengelegt, ab der Version 4 soll dann die Community Edition auch unter einer entsprechenden Lizenz stehen. Aber wie gut ist Shopware? Wir haben es uns angesehen und sind dabei auf mindestens einen Punkt gestoßen, der für Kontroversen sorgen wird.

E-Commerce: Shopware veröffentlicht Open-Source-Version – Besser als Magento und Oxid eShop?

Zwei Jahre ist es her, dass Oxid die Community Edition seiner Software eShop unter der GPL veröffentlicht hat. Nun hat also auch der bekannte Anbieter shopware AG die Open-Source-Bühne betreten und tritt damit zugleich in Konkurrenz zu . Schauen wir uns einmal das Lizenzmodell, das Frontend, das Backend und die Technik hinter den Kulissen von Shopware genauer an.

Lizensierung und Support

Die Lizensierung von Shopware sieht vor, dass eine Grundversion angeboten wird (ehemals „Professional Core“, jetzt Professional Edition), die durch ebenfalls kostenpflichtige Zusatzmodule mit erweiterten Funktionen ausgestattet werden kann, wie z.B. verbesserte Suche und Produktfilter (s.u.), Produkt-Bundles, mehrdimensionale Artikelvarianten und Mehrsprachigkeit. Während der Quellcode dieser Grundversion nun offengelegt wird, bleiben die Zusatzmodule weiterhin verschlüsselt und kostenpflichtig.

Die Community Edition wird ohne Supportleistungen angeboten, und auch der Abschluss eines Wartungsvertrags ist für Nutzer dieser Variante nicht möglich. Zusatzmodule kann man erwerben und installieren, jedoch entfällt hier bei Nutzung der freien Version ebenfalls der Support. Um die Community Edition nutzen zu können, muss man diese nach dem kostenlosen Download mithilfe einer Shopware-ID freischalten. Jeder, der einen Shop auf dieser Basis betreiben möchte, muss sich also vorher zentral bei der shopware AG als Kunde registrieren.

Shopware-Frontend

Das Standard-Template hat einen klassischen Dreispaltenaufbau und macht einen sauberen und aufgeräumten Eindruck. Die Shop-Kategorien und Inhaltsseiten erreicht man über ein horizontales und vertikales Navigationsmenü, der mittlere Bereich bietet ausreichend Platz für eine große Teaser-Grafik bzw. einen Bild-Scroller. Die Suchmaske ist ebenso einfach zu finden wie weitere Informationen zum Warenkorb oben rechts.

Der positive Eindruck verstärkt sich beim Aufruf einer Produktdetailseite. Hier sind alle Informationen und Bedienelemente vorhanden und in einer Weise angeordnet, wie man dies von einem modernen Shopsystem erwartet. Von einem Bild-Zoom bis hin zu Artikelbewertungen, Merkzettel und gesetzlich vorgeschriebenen Angaben wie Mehrwertsteuer, Versandkosten und Grundpreisangaben hat man an alles gedacht.

Da viele Internetnutzer lieber die Suche befragen, anstatt sich durch Produktkategorien zu hangeln, muss ein modernes Shopsystem hier relevante Ergebnisse und intuitive Bedienung sicherstellen. Shopware bietet hier sowohl eine Echtzeitsuche, die relevante Ergebnisse sofort bei der Eingabe in einem Dropdown darstellt als auch ein Suchergebnis, das durch Filter eingeschränkt werden kann.

Diese Such- und Filterfunktion hat für den Shopbetreiber jedoch einen nicht unerheblichen Haken: Es handelt sich dabei nicht um eine Funktionalität der Grundversion, sondern man muss sie  über ein Zusatzmodul nachkaufen. Der Kaufpreis dafür liegt bei knapp 1.000 Euro, es besteht alternativ die Möglichkeit, das Modul für 40 Euro/Monat zu mieten.

Hat man als Kunde - mit oder ohne verbesserte Suchfunktion - den gewünschten Artikel gefunden, lässt sich dieser einfach in den Warenkorb legen und in einem übersichtlichen und nutzerfreundlichen Bestellprozess bestellen. Dabei besteht die Möglichkeit, dies mit oder ohne Anlage eines Kundenkontos zu tun, sodass sowohl Kunden als auch Shopbetreiber hier die größtmögliche Flexibilität zur Verfügung steht.

Shopware-Backend

Durch den Einsatz eines JavaScript-Frameworks präsentiert sich das Backend wie eine Windows-Oberfläche. Einzelne Bearbeitungsmasken sind in Fenstern untergebracht und lassen sich entweder bildschirmfüllend maximieren oder minimieren und dabei in der ebenfalls vorhandenen Taskleiste unterbringen. Diese Art der Benutzerführung kommt damit vor allem denjenigen zugute, die haupsächlich mit Windows-Anwendungen arbeiten und sich somit im Shopware-Backend schnell zurechtfinden dürften. Ich bin mir sicher, dass das Backend ein gewichtiger Fürsprecher für den Einsatz von Shopware ist, da es etwas Vergleichbares bei Magento oder Oxid eShop beispielsweise nicht gibt und Letztere damit beinahe alt und schlicht unsexy wirken.

Im Backend hat man Zugriff auf die vielfältige Funktionalität der Software. Von der Kunden- und Bestellungsverwaltung über die Artikelverwaltung bis hin zu Einrichtung von Versand- und Bezahlungsschnittstellen ist alles schnell erreichbar.

Technik hinter den Kulissen

Shopware ist eine in geschriebene Anwendung, hinter deren Kulissen eine MySQL-Datenbank zur Speicherung der Anwendungsdaten werkelt. Für die Version 3.5 wurde das Template-System auf Basis des 960.gs Rastersystems, dem Zend Framework, jQuery und Smarty3 von Grund auf neu implementiert. Die Software verfügt über ein mehrstufiges Caching-Konzept und verwendet ein Plugin-System mit integrierten Hooks und Events, über die Entwickler neue Funktionalitäten in Form von Zusatzmodulen integrieren können, ohne den Programmkern zu überschreiben und damit die Update-Fähigkeit zu gefährden.

Fazit: Wie gut ist Shopware?

Mit der Shopware Community Edition 3.5 präsentiert sich ein leistungsfähiges System, das auf einer modernen und durchdachten Architektur beruht. Dieses basiert zum Teil auf bewährten Komponenten wie beispielsweise dem Zend Framework, das ja auch im Hintergrund von Magento seinen Dienst versieht. Besonders mit dem Backend verfügt die Software über ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Technisch gesehen haben Magento und damit heute einen sehr ernstzunehmenden Mitbewerber auf dem hiesigen Open-Source-E-Commerce-Markt bekommen.

Weniger überzeugend finde ich die Tatsache, dass alle Nutzer des Systems sich zentral registrieren müssen, um Shopware nutzen zu können. Auch die Entscheidung, essentielle Funktionen wie Suche und Filternavigation in kostenpflichtige Module auszulagern, wird sicherlich für Kontroversen sorgen. Viele Funktionalitäten, die bei Magento oder Oxid out of the box vorhanden sind, muss man bei Shopware durch Zusatzmodule integrieren.

Nichtsdestotrotz halte ich die Entscheidung der shopware AG, sich auf diese Weise der Open-Source-Welt zu öffnen, für sehr positiv und bin gespannt, wie schnell eine Community entsteht, die die Entwicklung der Software in Zukunft aktiv vorantreiben wird.

Über den Autor

Roman Zenner arbeitet seit 2004 als freiberuflicher Autor und Programmierer und hat sich schon früh auf den Bereich konzentriert. Er gibt sein Wissen in Form von Schulungen und Beratung weiter. Auf romanzenner.com bloggt er regelmäßig über aktuelle Themen rund um das digitale Kaufen und Verkaufen.

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12 Antworten
  1. von Roland am 19.10.2010 (00:25 Uhr)

    Eine Frage: Wird sie deutschen Rechtsnormen gerecht? Danke und Gruß!

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  2. von Hugo Hinkebein am 19.10.2010 (12:45 Uhr)

    "Besser als Magento und Oxid eShop?"
    Warum wird diese reisserische Frage gestellt und nicht mal ansatzweise beantwortet?
    Für professionelle Anwendungen ist das Backend übrigens relativ unwichtig, weil man da drin nicht sehr viel tun muß. Die Produkte, Kunden und Bestellungen sind im Shop nur zwischengelagert und werden mit der WaWi synchronisiert.

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  3. von rainwebs am 19.10.2010 (14:02 Uhr)

    Tja, wenn der Hersteller nicht mal im Ansatz das anbietet, was die anderen aus der Open Source Szene tun, kann ich nicht erkennen, warum gerade dieses Produkt eine Rolle spielen soll. Das sieht mir allzu sehr nach "me, too" aus, und das auch noch ohne Konzept.

    Was ich überhaupt nicht verstehe, daß nicht mal Support eingekauft werden kann für diese Version. Wie sollen denn da Kunden auf die Idee kommen, das "große" Produkt irgendwann mal einzusetzen?

    Warum also diese Aktion? Läuft das Hauptprodukt vielleicht nicht mehr so gut, so daß man jetzt einen neuen Marketing Kanal aufmachen muß?

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  4. von Max Schermbeck am 21.10.2010 (23:20 Uhr)

    Ich finde den Schritt Opensource zu gehen einfach nur richtig!!!

    Da sich die Community Version nicht von der Core Version unterscheidet bis auf ein bisschen Support, könnte ich mir vorstellen, dass das System eine echte alternative zu den bekannten System auf dem Opensourcemarkt sein kann.
    Vielleicht sind die Supportleistungen dann auch nicht mehr so ausschlaggebend, denn wenn erstmal eine ordentliche Community aufgebaut wurde, würden sich die meisten Fragen ehh im Forum klären lassen.(www.shopware-community.de/). Für Leute die gerade erst mit Ihrem Shop starten empfiehlt es sich auch nicht direkt die Module zukaufen sondern vielleicht erstmal zu mieten. Wenn der Shop dann später was abwirft, kann man ja immer noch über einen Kauf nachdenken oder einfach weiter mieten. All in all richtiger Weg weiter so !!!

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  5. von Daniel am 26.10.2010 (15:51 Uhr)

    Ich muss Hugo Hinkebein zustimmen, der reißerische Titel wird dem Artikel leider in keiner Zeile gerecht. Ein Unterschied zu Magento wird mit dem Backend benannt, doch gerade da hat Magento meiner Meinung nach eine Fülle an Funktionalitäten zu bieten. Wäre schön zu erfahren in welcher Hinsicht dieses Backend dominieren soll und überzeugen kann, denn einzig und allein das "Windows Look and Feel" kann es ja wohl nicht sein, oder? Schade, so bin ich leider wenig geneigt mir diese "Alternative" anzusehen.

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  6. von Max am 26.10.2010 (22:50 Uhr)

    Open Source oder 'Quellcode offenlegen' stimmt leider auch nicht. In der Zip Datei sind jede Menge Files vorkompiliert und nicht anpassbar, daher auch die Pflicht zur Zend oder Ioncube Installation.

    Merkwürdig, dass niemand prüft was die da in der PR rausposaunen...

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  7. von René Passmann am 17.11.2010 (16:50 Uhr)

    Danke Roman für diesen kurzen und guten Überblick. Ob es reicht, damit den Markt neu aufzurollen, bezweifle ich allerdings. Das die Suche optional ist wirkt da schon etwas skurril...

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  8. von Roland Rafael Repczuk am 06.12.2010 (22:21 Uhr)

    Hier wird Werbung unter dem Deckmantel von Information betrieben.
    Selten ist des Menschen Werk ehrlich.
    Schade....

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  9. von René Passmann am 06.12.2010 (22:38 Uhr)

    Ich sehe hier keine menschliche Unehrlichkeit.

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  10. von Mike Rathmer am 09.12.2010 (15:54 Uhr)

    Die Suche bzw. Suchfunktion bei Shopware ist doch integriert! Diese Suche ist standardmäßig völlig ausreichend für den Anfang! Wenn man mehr möchte, kann man die "Intelligente Suche" als Zusatzmodul dazunehmen. Die "Intelligente Suche" kostet dann zwar etwas, man bekommt allerdings auch etwas dafür, und die Filternavigation ist doch auch in der CE-Version vorhanden.

    Viele Grüße,

    Mike Rathmer - heimundkleid.de

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  11. von Clubwear am 08.01.2011 (12:14 Uhr)

    Wir nutzen auch seit 12/2010 Shopware und sind sehr zufrieden. Bis auf Produktexport und dem Newsletter ist alles wichtige in der CE Version dabei. Und die paar Module die man noch dazu kauft sollten wohl bei jedem Shopinhaber drin sein. Alternativ steht ja auch die Miete noch zur Verfügung.

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  12. von Peter am 09.05.2011 (04:41 Uhr)

    Opensource - wie bitte? Ohne Ioncube oder Zend Guard lässt sich das System nicht installieren. Ein essenzieller Teil des Systems ist also verschlüsselt. Da hätte man sich lieber mal das System genau angesehen, bevor man hier falsche Infos verbreitet..

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