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Shopware im Portrait: E-Commerce aus dem Münsterland

Shopware im Portrait: E-Commerce aus dem Münsterland

Seit ungefähr vier Monaten ist die AG auch in der Open-Source-Welt aktiv, die kommende Version 4.0 der wird vollständig unter einer offiziellen Open-Source-Lizenz veröffentlicht. Geschäftsführer Stefan Hamann hat sich einen halben Tag Zeit genommen, um mir die hinter werkelnde Technik zu erläutern und auch sonst ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Shopware im Portrait: E-Commerce aus dem Münsterland

Nachdem vor ziemlich genau drei Jahren Magento auf den Plan getreten ist, um den Markt der Open-Source-Shopsysteme aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und damit auch den hiesigen kommerziellen Anbieter OXID zur Veröffentlichung einer quelloffenen Variante ihrer Software motivierte, hat die Shopware AG ebenfalls eine offene Version vorgestellt. Solch ein Schritt hat weitreichende Implikationen, und bei meinem Besuch wollte ich herausfinden, wie Shopware diesbezüglich aufgebaut ist.

Drei wichtige Fragen: Betriebswirtschaft, Technik und Kommunikation

Wie schafft man es als Anbieter, den Kauf einer kommerziellen Variante zu rechtfertigen und damit Bestandskunden nicht vor den Kopf zu stoßen? Oder anders ausgedrückt: Wie kann man als Softwareunternehmen wirtschaftlich arbeiten, wenn aus einem Teil der eigenen Produkte keine direkten Umsätze erzielt werden können?

Zu einer Open-Source-Strategie entscheidet man sich entweder, weil man die Welt an seinem eigenen, in Programm-Code gegossenen Genie teilhaben lassen möchte oder weil man sich davon eine bessere und schnellere Verbreitung erhofft, die sukzessive zu einer breiteren Nutzerbasis und damit langfristig zu höheren Umsätzen führt - das von mir gern verwendete Zitat „There ain't such a thing as a free lunch“ findet in diesem Fall Anwendung. Zweifellos steckt ein enormes wirtschaftliches Potenzial in diesem Schritt: Verschenke eine Version deiner Software jetzt und proftiere längerfristig von allen denkbaren Geschäftsmodellen, die eine breite Nutzerbasis mit sich bringt.

Großer Andrang beim ersten Shopware Community-Day, der Mitte April in Ahaus stattfand.

Die zweite relevante Frage betrifft die zugrundeliegende Technik: Ist die Code-Basis so gestaltet, dass sich externe Programmierer schnell einarbeiten können und sich die Software schnell verbreiten kann? Erlaubt ihr Aufbau eine unproblematische Aktualisierung? Wurde die Architektur so konzipiert, dass man im Projektalltag effizient damit arbeiten und die Kundenanforderungen optimal umsetzen kann?

Ein viel zu oft unterschätzer Bereich erfolgreicher Open-Source-Strategien ist drittens: die Art und Weise, wie (authentisch) man sich präsentiert und der Community echte Gestaltungspielräume zugesteht. Je mehr Dokumentation, Tutorials etc. angeboten werden, je transparenter ein Unternehmen den jeweiligen Entwicklungsstand kommuniziert und je lebendiger Forums-Diskussionen sind, desto stabiler ist das Fundament der Software. Bei allem wirtschaftlichen Ehrgeiz: Eine Open-Source-Strategie muss wirklich gelebt werden, um langfristig glaubhaft und damit erfolgreich sein zu können.

Shopwares Strategie: Ein pragmatischer Ansatz

Um es gleich vorwegzunehmen: Shopware verfolgt hinsichtlich dieser drei wichtigen Bereiche eine so professionelle und sympathische Strategie, dass sich die ingesamt vier Stunden Autofahrt ins tiefste Münsterland für mich allemal gelohnt haben.

Zum Thema Wirtschaftlichkeit: Shopware bietet seine Grundfunktionalität in erwähnter Open-Source-Variante an, kommerzielle Funktionserweiterungen lassen sich im Baukastensystem dazubuchen. Durch diese verschlüsselten Zusatz-Module lässt sich der eigene Shop funktional erweitern. (Nicht alle Module sind im übrigen verschlüsselt, die meisten kleineren Erweiterungen werden grundsätzlich quelloffen ausgeliefert.) So wird gewährleistet, dass das Unternehmen aus Schöppingen wirtschaftlich arbeiten und weiterhin hundertprozentig inhabergeführt agieren kann - ein nicht zu unterschätzender Vorteil in einem Markt, der in der Hauptsache von Flexibilität und Innovationsbereitschaft lebt.

Um schnell auf die Anforderungen des Markts reagieren zu können, ist eine entsprechende Software-Basis erforderlich. Nach nur vier Monaten Entwicklungszeit haben die Shopware-Entwickler das auf dem Zend-Framework basierende eigene Enlight-Framework aus der Taufe gehoben, auf dem wiederum die aktuelle Shopware-Version basiert. Die dadurch erreichte Modularisierung und der Einsatz des mittlerweile zum Standard gewordenen MVC-Prinzips sorgen dafür, dass Shopware leicht zu erweitern ist. Dies mag dem einen oder der anderen von Magento bekannt vorkommen. Doch im Gegensatz zur Multishop-Software aus L.A. verzichtet Shopware auf das softwarearchitektonische Brimborium, das Magento so schwer anpassen und pflegen lässt und denkt an die Entwickler, die in überschaubaren Zeitrahmen Kundenanforderungen umsetzen müssen. Dies geschieht jedoch mitnichten auf Kosten der allgemeinen Flexibiliät, ganz im Gegenteil:  Durch ein Hook-System lassen sich Programmklassen mehrfach vererben, was in Magento in der Form nicht möglich ist.

Ein Dreh- und Angelpunkt ist die Shopware Community-Seite.

Neben einer gesunden wirtschaflichen Basis und eines durchdachten technischen Konzepts ist die Kommunikation mit der Community, also den Nutzern und der Entwicklergemeinde, das dritte wichtige Standbein einer erfolgreichen Open-Source-Strategie. In dieser Hinsicht ist Shopwares Dreh- und Angelpunkt die Shopware Community-Seite, auf der alle relevanten Informationen übersichtlich geordnet präsentiert werden. Dort finden sich neben der Roadmap und dem Community Store, in dem man externe Module erwerben kann, auch die Entwicklerplattform Shopware Labs mit Dokumentationen und Tutorials sowie das Forum und der Zugriff auf den Bugtracker. In puncto Übersichtlichkeit und Qualität der Aufbereitung der hier veröffentlichten Informationen ist mir kein aktuelles Shop-Projekt bekannt, das einen ähnlich professionellen Eindruck hinterlässt.

Bezüglich der Kommunikation finde ich es interessant zu beobachten, wie Shopware auf neue Impulse aus dem Markt reagiert bzw. reagieren kann: Jochen Krisch hatte im letzten Herbst angeregt, ein System zu schaffen, das Shops unterschiedlicher Bauart von alleine vernetzt. Mit dem für den Anfang des vierten Quartals geplanten Shopware Connect wird diese Anregung aufgegriffen und ein System vorgestellt, bei dem Shopbetreiber aus einem Pool von Produkten zurückgreifen können, den wiederum andere Händler zur Verfügung gestellt haben und umgekehrt (siehe Interview). Auch sonst sind die Wege von Community zu Shopware kurz, wie mir Stefan Hamann zeigte. Mithilfe eines internen Systems werden Anregungen gefiltert und priotisiert und schaffen es auch schnell in die Software. Möglich ist dies auch dadurch, dass Shopware konsequent auf IT-Outsourcing verzichtet und alle Entwickler vor Ort arbeiten - direkte Wege eben.

Zum Schluss

Beim Verfassen dieser Zeilen hatte ich kurzzeitig das Gefühl, anstelle persönlicher Eindrücke in Wirklichkeit einen Werbetext für die Shopware AG zu verfassen. Ich kann nicht verleugnen, dass das, was ich gesehen und gehört habe, einen starken Eindruck hinterlassen hat. Der Skeptiker in mir erinnert mich zwar stets daran, dass wo Licht ist immer auch ein wenig Schatten zu finden ist - und die nächsten Monate, ein Praxistest und Gespräche mit Nutzern der Software werden dies noch genauer zeigen müssen - im Moment jedenfalls bin ich rundum begeistert.

Nicht nur vor diesem Hintergrund sei zuletzt noch ein Kommentar zu einem Shopware-Test gestattet, den ich Ende letzen Jahres auf der t3n-Website veröffentlicht habe. Seinerzeit hatte ich kritisiert, das alle Nutzer sich zentral bei Shopware registrieren müssen, um die Software - auch in der Community-Edition - nutzen zu können. Diese Registrierungspflicht wird laut Aussage von Stefan Hamann ab der Version 3.5.4 entfallen. Ebenso hatte ich den Einsatz kommerzieller Module missverständlich formuliert, deswegen hier eine Klarstellung: Auch in der Community-Edition gibt es eine einfache Produktsuche out-of-the-box. Diese ist nicht fehlertolerant und die Suchergebnisse werden nicht in einer Filternavigation darstellt, wie man es von Magento kennt. Möchte man diese erweiterten Funktionalitäten nutzen, ist ein kostenpflichtiges Erweiterungsmodul erforderlich.

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