Das könnte dich auch interessieren

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Shyp: Stell dir vor, die Post klingelt und du öffnest der Zukunft

    Shyp: Stell dir vor, die Post klingelt und du öffnest der Zukunft

Ein „Shyp-Hero“ in Aktion. (Foto: Shyp)

Das US-Startup Shyp will Millionen Menschen von etwas erlösen, das ihnen garantiert keinen Spaß macht: dem Gang zur Post. Nicht mal um Verpackung und Versandetikett müssen sich Nutzer kümmern. Shyp übernimmt alles – auf Knopfdruck. Ein tolles Produkt, das sich aus dem Stand heraus nach Zukunft anfühlt, meint unser Silicon-Valley-Korrespondent Daniel Hüfner.

Zugegeben, ein wenig Bauchschmerzen hatte ich ja schon. Konnte diese Aktion am Ende wirklich gut ausgehen? Schließlich hatte ich da gerade einem wildfremden Mann das heiß geliebte, 150 US-Dollar teure Skateboard meines Kollegen Andreas Weck in die Hände gedrückt. Ein kurzes Hallo, Kofferraum auf, Skateboard rein, Kofferraum zu – und weg. Quittung? Fehlanzeige.

Doch es hätte keinen besseren Use-Case für diesen Artikel geben können. Kollege Weck hatte sich das Skateboard einst während seiner Korrespondenz in San Francisco angeschafft und es täglich für den Arbeitsweg innerhalb der Stadt genutzt. Seit einigen Tagen ist er nach unserer Übergabe zurück in Deutschland – nur ohne das Skateboard. Das musste hier bleiben. Es wollte einfach nicht mit in den Flieger. In den Koffer passte es nicht, ins Handgepäck durfte es nicht. Und überhaupt: Für den Weg über eine gewöhnliche Postfiliale fehlte einfach die Lust.

Was also tun?

Shyp, ein Startup macht die Post endlich sexy

Das US-Startup Shyp bringt Ubers On-Demand-Charme in die Postbranche. (Foto: Shyp)
Das US-Startup Shyp bringt Ubers On-Demand-Charme in die Postbranche. (Foto: Shyp)

Shyp: „Forget packaging and post office lines.“

Ich krame mein iPhone hervor und stöbere im App Store. Schnell stoße ich durch die lokalen Empfehlungen auf eine App namens Shyp. Shyp, das ist ein Startup aus San Francisco, das die Post revolutionieren will. Jaja, revolutionieren, ich weiß. Heiße Luft. Dass die Versprechungen von Shyp aber mehr als das sind, merke ich daran, dass sie schon just in den Moment eingelöst werden, als ich mit dem sperrigen, zwei Kilo schweren Brett in der Hand fieberhaft über einen geeigneten Versandkarton nachdenke: „Forget packaging and post office lines.“ Ich muss also keinen Karton suchen. Ich muss nichts verpacken. Ich muss auch nicht zur Post. Und es kommt noch besser: „Shyp picks up your items, then packs and sends them anywhere in the world using the lowest retail rate and most reliable option.“ Ich muss sogar nicht einmal signifikant mehr Geld dafür ausgeben – umgerechnet 37,63 Euro kostet der Spaß.

Mit einem Klick ist das Ding verschickt

Um Gegenstände mit Shyp zu verschicken, braucht es nicht mehr als ein Foto und eine Versandadresse. (Foto: Shyp)
Um Gegenstände mit Shyp zu verschicken, braucht es nicht mehr als ein Foto und eine Versandadresse. (Foto: Shyp)

Das klingt richtig gut. Und tatsächlich: Mit der App von Shyp geht das alles sehr einfach: Möchte ich – um am Beispiel zu bleiben – ein Skateboard verschicken, brauche ich Shyp nur die Empfängeradresse, den Warenwert und ein Foto übermitteln. Durch einen Klick auf „Pickup now!“ heuere ich automatisch einen Fahrer – einen sogenannten „Shyp-Hero“ – an. Der heißt in diesem Fall Patrick, kommt mit dem Auto und wird das Skateboard abholen. Direkt an der Haustür. In zehn Minuten, wie mir die App mitteilt. Ich halte das zunächst für einen Scherz, doch schon anhand der eingeblendeten Echtzeit-Karte kann ich sehen: Das wird passen.

„Unterm Strich ein guter Deal, der sich aus dem Stand heraus nach Zukunft anfühlt.“

Vergleichbar ist dieses System also mit On-Demand-Diensten wie Uber, mit dem Unterschied, das Shyp keine Menschen umherkutschiert, sondern Gegenstände aller Art auf Knopfdruck abholt und um den Globus verschickt. Bücher, Elektronik, Lebensmittel, Möbel, ganze Fahrräder.

Kritiker mögen jetzt einwerfen: Das ist nicht neu. UPS, FedEx oder auch DHL bieten das doch schon lange. Das stimmt auch, allerdings unter einer wichtigen und aus Sicht des Absenders lästigen Bedingung: Die Ware muss akkurat verpackt und mit einem Versandetikett beklebt sein. Shyp verlangt all das nicht, sondern nimmt Nutzern diese Arbeit in einem eigenen Warendepot ab, wovon das Startup in San Francisco derzeit eines unterhält. Dort wird der Artikel, so verspricht Shyp, „professionell“ verpackt und schließlich versandfertig an den Postdienstleister übergeben, der gerade mit den besten Konditionen aufwarten kann.

Shyp selbst verdient dabei an einer Provision und der Gebühr in Höhe von fünf US-Dollar, die jeder Nutzer pauschal und zusätzlich zu den üblichen Versandkosten an das Startup entrichtet. Unterm Strich ein guter Deal, der sich aus dem Stand heraus nach Zukunft anfühlt.

So funktioniert die App von Shyp

http://t3n.de/news/wp-content/uploads/2014/11/shyp1-595x1056.jpg

1 von 6

http://t3n.de/news/wp-content/uploads/2014/11/shyp2-595x1056.jpg

2 von 6

http://t3n.de/news/wp-content/uploads/2014/11/shyp6-e1417482322100-595x446.jpg

3 von 6

Kann es das auch in Deutschland geben?

Eine berechtigte Frage. Angesichts von Komfort und der enormen Zeitersparnis, die Shyp seinen Nutzern zu moderaten Mehrkosten bringt, wäre ein Engagement in Deutschland nur zu begrüßen. Nach 25.000 ausgelieferten Paketen ist Shyp zurzeit jedoch erst dabei, seinen Dienst sukzessive in weiteren Städten der USA auszurollen. Nach San Francisco kommen jetzt New York, Miami und Los Angeles hinzu. Groß expandieren aber will man trotzdem irgendwann: „Ja, eine internationale Expansion in Europa steht definitiv auf unserer Roadmap“, so Shyp.

Shyp: „We don’t see shipping companies as competitors, but as partners. We’re increasing the market.“

Rechnen sollte man damit aber zumindest kurzfristig nicht. Zumal es dafür auch deutlich mehr als die zwölf Millionen US-Dollar Kapital bräuchte, die das Startup von Investoren bisher bekommen hat. Wie kostenintensiv die Ausweitung von On-Demand-Diensten im Beförderungsumfeld ist, zeigt nicht zuletzt das Beispiel Uber. Investoren pumpen Hunderte Millionen in das Unternehmen aus San Francisco. Im Gegensatz zu dem in der Taxi-Branche hochumstrittenen Chauffeur-Dienst hätte Shyp aber wohl weniger Widerstand zu befürchten. Immerhin nimmt das Startup etablierten Postdienstleistern nichts weg, sondern arbeitet ihnen in seiner Rolle als bequemes und am Endkunden ausgerichtetes „Frontend“ praktisch gewinnbringend zu. Das sieht auch Shyp so: „We don’t see shipping companies as competitors, but as partners. We’re increasing the market.“

Übersetzt: Je geringer die Hürden für das Verpacken und Verschicken von Gegenständen sind, desto öfter werden Menschen genau das tun. Und je mehr Pakete Shyp so an Unternehmen wie UPS, FedEx oder DHL ausliefert, desto mehr Geld ist im Spiel. Für beide Seiten – eigentlich gute Bedingungen für eine Zukunft der Post, die in dieser Form sicher auch in Deutschland eine Chance verdient hätte.

Bis es soweit ist, werde ich Shyp für meine Zeit der US-Korrespondenz in jedem Fall weiter nutzen. Nächste Woche erwarte ich übrigens einen Kamera-Aufsatz für das iPhone. Der Hersteller verschickt nur innerhalb der USA. Mit Shyp werde ich ihn für einen Freund nach Deutschland schicken. Und der kommt dann hoffentlich genauso unversehrt dort an, wie das Skateboard von Andreas Weck.

t3n im Silicon Valley

daniel_huefner_t3nDaniel Hüfner berichtet für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Startups und interessante Orte des Tech-Epizentrums. Auf Twitter bekommt ihr zudem weitere Eindrücke von der US-Westküste.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Silicon Valley, Startups

Alle Jobs zum Thema Silicon Valley, Startups
8 Reaktionen
Optimierung
Optimierung

Wenn man damit gleich Geld verdient, kann man auch problemloser skalieren als die gängigen Cashburner.
Diese Lieferdienst-Apps verdienen wohl auch gut. Leider kennen viele nur Cashburner als Startups.

Der Titel klingt nach Optimierung beim Empfang. Die beschriebene Idee ist super. Aber nicht jeder ist immer zu Hause und daher müssten Drohnen von den Post-LKW losfliegen, die Päckchen auf QR-Codes auf dem Balkon (also sicher vor Dieben) ablegen und bei der Rückfahrt wieder auf dem LKW landen, aufgeladen und wieder losgeschickt werden.
Dann muss der Postbote nur noch bei schweren oder sperrigen Gütern klingeln.

Antworten

Daniel Hüfner

Hi!

Ich glaube da gibt es ein kleines Missverständnis und ehrlicherweise geht das aus dem Beispiel und der Headline im Artikel nicht eindeutig hervor. In diesem Fall war ich Zuhause und konnte mir das Skateboard direkt dort abholen lassen. Es ist allerdings problemlos möglich, dem Shyp-Hero eine andere Adresse beziehungsweise seinen aktuellen Standort mitzuteilen. Es wird überall abgeholt – vorausgesetzt, man hat den zu verschickenden Artikel dabei.

Beste Grüße,

Daniel

Antworten

Frank Bechstein
Frank Bechstein

Bei Hermes muss man auch nicht extra verpacken hab neulich Hanteln bei den verschicken lassen. Einfach in den nächsten Shop die auch 10 Minuten entfernt sind und den meine Ware gegeben und gesagt wohin und fertig.

Antworten

Daniel Hüfner

Hi Frank,

das ist streng genommen aber nicht der gleiche Komfort, wenn ich erst einen Shop ausfindig machen und auf eigene Faust dort hinfahren muss. ;-)

Beste Grüße,

Daniel

Antworten

Frank Bechstein
Frank Bechstein

Jup, den Komfortbonus gebe ich euch. Persönlich finde ich das Hermes jetzt bei der Auslieferung nicht unbedingt der Beste Paketdientleister ist. Aber die deutschen Paketdienste können schon einiges und Abholung gibt es mit extra Kosten auch.
Wo Shyp den großen Mehrwert hat ist im Preisvergleich der einzelnen Dienste. Die klassiche Methode einer Preisvergleich Webseite funktioniert hier nicht, da Paket oft sehr individuell sind und die Preise stark varieren.

Ich
Ich

Unabhängig von Haftungsfragen etc. mal ganz konkret: Wie teuer war es nun, das Skateboard nach Deutschland zu schicken? Und was hätte es auf "normalem" Weg gekostet? Muss natürlich jeder selber wissen ob er 5 $ + x mehr bezahlen möchte und sich dann nicht um Verpackung und Transport zur Post kümmern will. Aber wie teuer war es nun insgesamt im Vergleich?

Antworten

Andreas Weck

Laut meiner Info hat es umgerechnet 37,63 Euro gekostet. Ich werde sie nachträglich in den Artikel einfügen.

Antworten

du
du

"im Vergleich" ? Was würde es denn regulär kosten?!

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen