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„Lasst die Silicon-Valley-Blase doch platzen!“ oder: Zukunft ist für alle gut [Kolumne]

„Lasst die Silicon-Valley-Blase doch platzen!“ oder: Zukunft ist für alle gut [Kolumne]

Alle Welt scheint Angst vor dem Platzen der nächsten Silicon-Valley-Blase zu haben. Doch es gibt gute Gründe, das alles etwas nüchterner zu sehen. Die von Florian Blaschke.

„Lasst die Silicon-Valley-Blase doch platzen!“ oder: Zukunft ist für alle gut [Kolumne]
(Foto: Shutterstock / xavier gallego morell)

Die Silicon-Valley-Blase: Problematisch für die Wirtschaft?

In einer der geistreichsten Zeichentrickserien unserer Zeit – Spongebob Schwammkopf – gibt es einen Nebencharakter mit interessanten Eigenschaften: die Drecksackblase („Dirty Bubble“). Sie lebt auf der dunklen Seite einer Welt, in der sich die Protagonisten mit Quallenfischen oder Spurskating die Zeit vertreiben. Dolce far niente, könnte man das auch nennen. Laut Wikipedia ist die Drecksackblase „einer der Erzfeinde der Superhelden Meerjungfraumann und Blaubarschbube“, ihre Stärke resultiert „aus seiner enormen Oberflächenspannung“. Allerdings: Sie kann „mit einem spitzen Gegenstand“ zum Platzen gebracht werden.

Auch in den Kommentarspalten und auf den Wirtschaftsseiten unserer Zeit gibt es einen Nebencharakter – und der hat nicht weniger interessante Eigenschaften: die Silicon-Valley-Blase. Sie lebt auf der dunklen Seite einer Welt, in der sich die Protagonisten mit Erfindungen und Kokoswasser die Zeit vertreiben. Die Silicon-Valley-Blase ist eine Untergattung der Spekulationsblase, an der laut Wikipedia das Interesse „mit Zunahme der Vernetzung der internationalen Finanzmärkte“ stark gestiegen ist, da sie „als problematisch für die gesamte Volkswirtschaft“ angesehen werden kann.

Zwischen Bikini Bottom und Bay-Area

„Die Blase wird platzen. Ich tippe auf das erste Halbjahr 2016, wenn die anstehenden Zinserhöhungen der Fed durchschlagen.“

Während die Bewohner von Bikini Bottom jedoch nichts lieber tun würden, als die Drecksackblase „mit einem spitzen Gegenstand“ zum Platzen zu bringen, fürchten sich Gründer, Investoren und Kommentatoren vor kaum etwas so sehr wie vor der Zerstörung der Silicon-Valley-Blase. Sofort denken sie an die Dotcom-Blase, an den Schwarzen Freitag oder die Tulpenmanie. Ein kurzer Blick auf das Nachrichtengeschehen der vergangenen Jahre zeigt: In beinahe jedem Jahr hat irgendein Experte gemunkelt, dass die Blase im Valley zu platzen droht. Nur ein kurzer Abriss: 2010 warnte Cindy Sweeting, Managerin des renommierten Templeton-Growth-Funds, vor der nächsten Blase, 2011 zeigte sich IT-Analyst Rob Enderle mehr als skeptisch ob der teils horrenden Bewertungen einiger Startups, 2012 sagte Unternehmer David Sacks in drastischen Worten, das Valley sei dem Untergang geweiht, 2013 waren es die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die etwas platzen sahen, 2014 der Investmentstar Andreas von Bechtolsheim und erst kürzlich Michael Moritz, der schon Geld in Google und Apple investiert hat. Die Reihe ließe sich fortführen. Lange fortführen.

Johannes Kuhn, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in San Francisco, geht sogar noch einen Schritt weiter. Er warnt nicht, er terminiert auch schon: „Die Blase wird platzen. Jeder meiner Bekannten und Gesprächspartner, der Dotcom mitgemacht hat, ist dieser Meinung. Ich tippe auf das erste Halbjahr 2016, wenn die anstehenden Zinserhöhungen der Fed durchschlagen, einige Startups mit hoher Burnrate werden schon in den kommenden Monaten Probleme haben, Geld zu sammeln. Die Frage ist, welche Folgen das haben wird.“ Sauber argumentiert, aber mutig.

Tote Einhörner oder: Die Silicon-Valley-Blase wird platzen

Aus etlichen der Stimmen, die sich zum Thema in den letzten Jahren zu Wort gemeldet haben, ist große Sorge herauszuhören. Es sind warnende Stimmen, die Gefahr wittern. So auch Investor Bill Gurley, für den die größte Gefahr ist, dass das Valley keine Angst kenne, wie er kürzlich sagte. Nun könnte man meinen, dass es außerhalb der Bay-Area genug Angst gebe, um das Startup-Mekka problemlos mitzuversorgen, aber das würde zu kurz greifen.

Tote Einhörner? Lassen wir die <a href="kopfzeiler.org/?p=2688">Silicon-Valley-Blase</a> doch platzen. (Foto: Flickr / <a href="https://www.flickr.com/photos/perhapstoopink/">perhapstoopink</a> / <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>)
Tote Einhörner? Lassen wir die Silicon-Valley-Blase doch platzen. (Foto: Flickr / perhapstoopink / CC BY 2.0)

Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass ein Auf und Ab in der Wirtschaft so normal ist wie auf der Achterbahn. Und so wie hinkende Vergleiche harmlos sind, muss uns auch dieses Auf und Ab keine Angst machen. „Jeder weiß, dass nach dem Winter der Frühling kommt, danach Sommer und Herbst“, schrieb Karsten Seibel in der Welt. „Genauso zwangsläufig folgt in der Wirtschaft nach einem Aufschwung ein Abschwung – dazwischen gibt es vielleicht noch einen Boom oder eine Rezession. Das ist immer so und kann eigentlich niemanden überraschen. Trotzdem sorgt der Wechsel von einer Phase zur nächsten für viel Gesprächsstoff.“ Warum? Weil „niemand weiß, weder beim Wetter noch bei der Wirtschaft, wie lange die einzelnen Abschnitte dauern und vor allem wie heftig sie ausfallen“. Vermutlich befinden wir uns derzeit in der Aufwärtsbewegung. Wie lange noch? Keine Ahnung.

Natürlich wäre es großartig zu wissen, wann die Abfahrt beginnt, dann könnte man sich darauf vorbereiten und einen Teil der unangenehmen Folgen vielleicht abmildern. Doch zum Glück sind sich so gut wie alle Marktbeobachter auch einig, dass das nächste „Ab“ nicht so heftig ausfallen wird wie das Platzen der Dotcom-Blase oder eine der anderen großen Finanzkrisen. Zu sehr gehört das kalkulierte Scheitern inzwischen zum Geschäft, zu diversifiziert ist das, was so oft als „Startup-Branche“ bezeichnet wird, zu fest ist die Digitalisierung inzwischen in vielen Unternehmen verankert, zu wichtig auch für die globale Balance sind heute schon Wachstumsmärkte wie China oder Skandinavien. „Ich bin sicher, dass wir noch in diesem Jahr einige tote Einhörner sehen werden“, sagte Bill Gurley vor kurzem auf der SXSW mit Blick auf etliche überbewertete Unternehmen im Valley. Tote Einhörner. Kein schöner Anblick, aber wir werden ihn überstehen.

Blicken wir also nach vorne. Ohne zu viel Angst. Der falsche CDU-Politiker Dr. Udo Brömme hatte einen fantastischen Wahlspruch: „Zukunft ist für alle gut!“ Er hat ihn anders gemeint. Aber er hat Recht gehabt.

Weitere Kolumnen aus „Doppelklick“ findet ihr hier.

 

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Eine Antwort
  1. von Der Winter kommt am 27.03.2015 (14:33 Uhr)

    Wenn die Blase platzt müsste der Fachkräftemangel ja geheilt sein weil zigtausende Informatiker kostengünstig verfügbar sind.

    Man hätte DAX bei 2.200. bei 3.300 und zuletzt bei 4.400 kaufen sollen. Denkt dran. Das hätte ich besser mal früher gewusst und hätte dann dick ausgesorgt. Aber das stückweise Verkaufen nicht vergessen. Die Börsenkurse sind ja öffentlich und Statistik habt ihr im Grundstudium gelernt. Oder halt in der totalen Rezession billigst Apple oder die Warren Buffet B-Shares (die kosten viel weniger als die normalen A-Aktien für $180.000) kaufen.

    Letztes Jahr gabs 1600 aktive Öl-Förderstellen in USA. Inzwischen sind es knapp unter 1000 und angeblich kriegen die vielleicht bald Probleme mit der Rückzahlung der Kredite was die Blase zum Platzen bringen könnte bevor der $35.000-Tesla Erdöl-Überfluss produziert und billig macht wie früher als es bei $25 stand. "Rig-Count" oder so heisst das wohl und ist wohl öffentlich. Die Blase platzt langsam. Denn die Leute haben durch geringe Benzinkosten nicht mehr in der Tasche sondern können nur die Schulden auf der Kreditkarte oder Studenten-Kredit etwas besser zurückzahlen. Viele haben immer noch Häuser deren aktueller Verkaufspreis den Kredit von damals nicht zurückzahlen kann. Durch 0-Zins allerdings haben viele aber (sogar mehrmals) refinanziert und zahlen zumindest weniger Zinsen. Dummerweise wächst die Wirtschaft kaum und US-Minijobs steigen weil man nach einer Weile kein Arbeitslosengeld mehr kriegt. Die Armut verbreitet sich. Die Pyramide sinkt tiefer. Und Armut wählt links wie man hier sehen kann.

    Im Börsen-TV hiess es, das nach FED-Zins-Erhöhungen etwa ein Jahr später die Börsen-Kurse runtergehen. Das passt gut zu den Einschätzungen aus dem Text.
    D.h. das die Rezession kommt und wir wieder irgendeine Branche durchfüttern müssen wie damals die Autofirmen mit der Abwrack-Prämie. Die Zugvögel wissen wann Eisheilige ist und ziehen dann erst nach Hause weil es sonst im Heimatland noch krass kalt werden kann. Die Katze wechselt Sommer- und Winterfell. Tiere hamstern Nahrung für im Winter. Keines der Tiere hat einen Kalender und ist somit schlauer als viele Politiker die seit der Tulpenkrise vielleicht nicht viel gelernt haben. Keynes braucht man nur ein einziges Mal . Weil man nämlich nicht gespart hat und draus lernen sollte. Leider wird keine Firma gezwungen, zu sparen für schlechte Zeiten. Die guten Arbeiter müssen dann Kurzarbeit durchfüttern für Firmen die sich besser mal schlanker aufgestellt hätten. Wäre ich Gewerkschaft würde ich fordern das diese im Voraus bezahlten Stunden abgearbeitet werden müssen wenn die Wirtschaft wieder rollt. Dann müsste jede Firma das Kurzarbeitergeld wieder zurückzahlen und sollte bis dahin keine Bonis und Lohnerhöhungen verteilen dürfen.
    Solche Themen interessieren wohl keinen. Nicht mal Leute die 43% Steuern zahlen und eigentlich ein hohes Interesse daran haben müssten, das Sozialbeiträge bestmöglich zurückzuzahlen wären um die Spitzensteuer endlich zu senken.

    Die hohen Bewertungen dienen doch nur dazu, in der nächsten Runde 10 mal mehr herauszuholen. Daran verdienen die Investment-Banken, Juristen und Berater. Das ist wie wenn alle Verwandte des Verkäufers um das Auto herumstehen und den Preis für den arglosen Käufer (also Kleinaktionär beim Börsengang) hochzutreiben. Das sind reiche Leute unter sich mit Fantasiepreisen auf Kosten der Kleinaktionäre. Google hat wohl z.b. 250 Mio in Uber investiert. Gewinne machen solche Firmen ja oft nicht. Groupon gibts schon lange als Beispiel und die Geschäftszahlen (Gewinne, Umsätze) sind ja wohl öffentlich. Daran sollte man sich immer als Beispiel orientieren.

    So lange Verlustfirmen nicht bestraft werden steigen die Bewertungen ständig so wie die Doping-Portionen in Sportarten ohne Kontrollen.
    Der Kunstmarkt war früher übrigens vielleicht auch ein Indikator für Fähigkeit von Firmen, Geld für Kunstwerke (oder Kredite usw.) auszugeben und ein Rezessions-Warn-Indikator.

    Und wie ich ständig hier fordere: Lasst Euch von Steuerberatern und Bilanzprüfern die Startup-Meldungen erklären. Die wissen genau wie und warum die Firmen so agieren und wodurch die Blase platzen könnte. Manche Steuerberater sehen Ihren Namen vielleicht gerne in Artikeln. Eigen-Werbung ist bei manchen Branchen ja klar reguliert und vielleicht nur eingeschränkt möglich.

    Und die verantwortlichen Boni-Mismanager haben hunterttausende $ für ihr Studium bezahlt oder kriegen leistungslose Gehälter.
    Der Winter ist nur schlimm, wenn man nicht vorbereitet ist. Rezession ist Wirtschafts Winter. Der Staat ist genau dafür da, Zyklen auszugleichen. Beim Sport will man doch m.W. auch gleichmäßige Belastung.

    Und die meisten Startups und Projekte werden eh aufgekauft und beendet oder stagnieren: DMOZ, Dodgeball, Skype, Paypal, ICQ, Google Glass, Wave, Orkut, Base, Wallet, Oculus Rift, ... . Für die Wirtschaft sind freie Wohnungen und freie Büro-Immobilien besser als fachkräfte-bindende Cashburner welche die Preise hochtreiben und den Vermietern und dem CO2-Verbrauch(=Klima-Wandel=steigende Versicherungs- und Katastrophen-Kosten) im täglichen Pendler-Stau in die Hände spielen.
    Die Handwerker die wegen der Startup-Insolvenz nicht bezahlt wurden müssen sich das Geld bei Euch wieder herein holen.

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