Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Silicon Valley: Investieren wie ein Tech-Tycoon

    Silicon Valley: Investieren wie ein Tech-Tycoon
Die Superreichen des Silicon Valley legen ihr Geld heute sicherer an als noch zur Jahrtausendwende. Bloomberg News

Wer derzeit das Silicon Valley beobachtet, erlebt ein Déjà-vu: Der IPO-Markt boomt, und junge Unternehmen werden wieder für Milliarden von Dollar aufgekauft.

In den vergangenen sieben Monaten hat Facebook allein 21 Milliarden Dollar für zwei Firmen ausgegeben, die keinen Gewinn machen. Oberflächlich betrachtet erinnert das alles stark an 1999. Doch wer mit den Unternehmern und Investoren des Valley spricht, erkennt: Hinter all dem Hype steckt eine Branche, die seit der Dotcom-Blase deutlich reifer geworden ist.

Nirgends zeigt sich das deutlicher als in den persönlichen Investmentportfolios der Silicon-Valley-Elite. Die Technologie-Tycoons sind breit aufgestellt und lassen sich von Privatbankern beraten, die ihre Chance erkannt haben und sich massenweise zwischen Risikokapitalfirmen und Start-ups ansiedeln.

Um ihr Engagement bei riskanten Firmen auszugleichen, haben Tech-Leute mithilfe der Privatbankiers auch Geld in Agrarflächen und Kommunalanleihen investiert. 14 Jahre nach der Dotcom-Krise haben sich das Silicon Valley und konservative Vermögensverwalter auf halbem Weg getroffen: Unternehmer erkennen, dass ihre leuchtenden Sterne in der Start-up-Szene auch verglühen können, und Privatbankiers akzeptieren, dass sie niemals alle Risiken aus den Portfolios der Valley-Tycoons herausfiltern werden. „Es gibt immer noch zu viel Optimismus – das macht sie ja zu Unternehmern. Aber sie lassen mit sich reden“, sagt ein Mitarbeiter des US-Bankhauses Northern Trust.

„Ich mache riskante Sachen und nichtriskante Sachen. Es gibt da keinen Mittelweg“

Auf diesem Kompromiss basiert die neue Art der Vermögensverwaltung, die sich im Silicon Valley breit macht. „Ich mache riskante Sachen und nichtriskante Sachen. Es gibt da keinen Mittelweg“, sagt Steve Mullaney, ein langjähriger Tech-Manager, der sein Unternehmen 2012 für 1,3 Milliarden Dollar an VMWare verkaufte.

Einen Teil seines Vermögens hat Mullaney Northern Trust anvertraut. Die Bank aus Chicago beschäftigt heute 50 Banker in Nordkalifornien, die zusammen 7,4 Milliarden Dollar für Privatkunden verwalten. Mullaney hat genug Geld bei Northern Trust hinterlegt, um den Lebensunterhalt seiner Familie sicherzustellen, und geht mit dem Rest riskante Wetten bei Start-ups, Private-Equity-Firmen und Aktien ein. Im Valley ist diese Strategie weit verbreitet.

Northern Trust sei eine konservative Bank, sagt Mullaney: „Das sind keine Leute, die verrückte Sachen mit meinem Geld machen. Ich wollte das Gegenteil von mir selbst.“

Mark Benson von U.S. Trust sagt, wer etwas aufgebaut habe, das man sehen und anfassen kann, wolle auch in etwas investieren, das man sehen und anfassen kann. (Foto: Martin Klimek)
Mark Benson von U.S. Trust sagt, wer etwas aufgebaut habe, das man sehen und anfassen kann, wolle auch in etwas investieren, das man sehen und anfassen kann. (Foto: Martin Klimek)

Für die Tech-Riesen aus dem Silicon Valley könnte der nächste Crash durch diese Diversifizierung deutlich weniger schmerzhaft werden als die Krise im Jahr 2000. „Finanzielle Kurzsichtigkeit“ markierte laute Michael Lewis, dem Biographen des Netscape-Gründers Jim Clark, die Zeit vor der Dotcom-Krise. „Er hatte kein Interesse an irgendeiner Art von Schutz und Erhalt. Sein Leben widmete er der Kunst des Abreißens und Neubauens. Er kaufte keine US-Staatsanleihen oder Aktien von Firmen außerhalb des Silicon Valley oder des extrem volatilen Internetsektors“, schreibt Lewis.

Heutzutage wollen Tech-Tycoons in etwas mit mehr Substanz investieren. „Sie haben sich etwas aufgebaut, das sie sehen und anfassen können, also wollen sie auch in etwas investieren, das sie sehen und anfassen können“, sagt Mark Benson, Leiter des Westküstengeschäfts beim Vermögensverwalter US Trust. „Wenn wir einen Agrarbetrieb kaufen und diesen für unsere Kunden verwalten, können sie dorthin fahren und über den Hof laufen.“ Diese Anlageziele böten eine mit Anleihen vergleichbare Sicherheit, sagt die Firma, und eine jährliche Rendite von 8 bis 10 Prozent.

„Sie haben sich etwas aufgebaut, das sie sehen und anfassen können, also wollen sie auch in etwas investieren, das sie sehen und anfassen können“

Traditionelle Aktien sind im Silicon Valley nach wie vor unbeliebt. Unternehmer investieren lieber in Start-ups, die sie kennen und denen sie trauen. „Man setzt da auf Menschen“, sagt Mullaney. „Das ist praktisch so, als hätte man Insider-Informationen. Diese lauten: Ich weiß, wie viel du kannst.“

Bei der Bank of New York Mellon, einer der großen Traditionsbanken, die derzeit versuchen, an der Westküste zu wachsen, investieren Kunden aus dem Valley meist 31 Prozent ihrer liquiden Mittel in alternative Papiere – deutlich mehr als der durchschnittliche Kunde. Dieselben Investoren stecken jedoch auch überdurchschnittlich viel Geld in festverzinsliche Papiere, die 40 Prozent ihres Vermögens ausmachen, verglichen mit 31 Prozent im landesweiten Durchschnitt. Nur 24 Prozent investieren die Tech-Kunden in Aktien, während wohlhabende Kunden typischerweise 46 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren.

Steve Bell, der das Geschäft von Northern Trust an der Westküste leitet, sagt Silicon Valley Unternehmer "wollen einen bestimmten Lifestyle, und sie wollen diesen Lifestyle immunisieren. (Foto: Martin Klimek)
Steve Bell, der das Geschäft von Northern Trust an der Westküste leitet, sagt Silicon Valley Unternehmer "wollen einen bestimmten Lifestyle, und sie wollen diesen Lifestyle immunisieren. (Foto: Martin Klimek)

„Sie investieren meist mehr in Private Equity und alternative Papiere, aber insgesamt ist ihr Portfolio eher konservativ“, sagt David Emmes, der das Westküstengeschäft bei BNY Mellon Wealth Management leitet. Die Zusammensetzung ihrer Investments soll die Risiken ausgleichen, die Valley-Kunden mit Anteilen an ihren eigenen Firmen tragen.

Schon dass BNY Mellon an der Westküste aktiv ist, ist bezeichnend. Die Bank ging 2007 aus der Fusion von Mellon Financial und der Bank of New York hervor, die 1784 vom US-Gründervater Alexander Hamilton gegründet wurde. 230 Jahre später eröffnet BNY Mellon ihr erstes Büro in Palo Alto.

Northern Trust wurde 1889 gegründet und umwirbt heute Unternehmer an der Sand Hill Road, einer Straße, die für ihre vielen Risikokapitalfirmen bekannt ist. „Als Branche sind wir heute viel offener als vor 15 oder 20 Jahren. Mit Technologieinvestoren muss man eben offener sein, weil es in ihrem Portfolio oft ein Element gibt, das sie selbst bestimmen“, sagt Steve Bell, Leiter für die Vermögensverwaltung an der Westküste.

Die Idee eines Sicherheitsnetzes kommt bei Valley-Tycoons gut an. In einem Konferenzraum voller Flachbildfernseher stellt Northern Trust eine Software vor, die Risikoeinschätzungen gibt und Portfolios zusammenstellt, die den Bedürfnissen der Kunden entsprechen. Wenn eine Familie pro Jahr 800.000 Dollar ausgibt, weiß die Firma, welche Art von Investments nötig ist, um diesen Lebensstandard über Jahrzehnte hinweg sicherzustellen.

Das System verteilt Gelder auf riskante und sichere Papiere und passt diese an die großen Positionen der Kunden an. Während der Präsentation zeigt die Bank Grafiken, die die Risikoeinschätzung der Firma bestätigen, jeweils mit Jahrzehnten historischer Daten als Beweis. Die Silicon-Valley-Investoren wollen solche Sicherheiten, sagt Morris Noble, Senior Investment Officer bei Northern Trust. „Das ist für unsere Kunden attraktiv, weil sie meist linear und analytisch denken. Sie müssen da keinen Vertrauensvorschuss leisten. Sie verstehen das mit einfacher Logik.“

"Als Berater würden wir sie gern diversifiziert sehen", sagt Harvey Armstrong von CTC myCFO. (Foto: Martin Klimek)
"Als Berater würden wir sie gern diversifiziert sehen", sagt Harvey Armstrong von CTC myCFO. (Foto: Martin Klimek)

Wenn kalifornische Banker über das Geld ihrer Privatkunden sprechen, erwähnen sie häufig das Wort “Bilanz”. Ein großes Vermögen macht Familien zu einer Art Konzern. Dieses Vermögen ist häufig in Aktien aus einem ganz bestimmten Bereich konzentriert, sagt Dan Rosensweig, CEO der Bildungsfirma Chegg, die vergangenes Jahr an die Börse ging. Der New Yorker Unternehmer, der 2002 ins Valley zog, sagt, dass seine Freunde von der Westküste lieber Aktienpakete als ein traditionelles Gehalt bekommen. „Die meisten dieser Start-ups überleben nicht lange, und die Leute wissen das. Aber es geht um die Reise, die Erfahrung“, sagt er.

Diese Konzentration im Portfolio erhöht das Risiko und bereitet Bankern oft Kopfzerbrechen. „Als Berater würden wir sie gern diversifiziert sehen“, sagt Harvey Armstrong, Managing Director bei CTC myCFO, einer Sparte der BMO Financial Group. „Aber es ist nicht unser Geld. Wir haben es nicht erarbeitet, also treffen die Kunden diese Entscheidungen.“

Trotzdem gibt es Anzeichen dafür, dass immer mehr Anleger vorsichtiger werden. Viele Firmengründer und Geschäftsführer nehmen schon vor einem Börsengang oder einem Verkauf Geld vom Tisch. „Im vorherigen Zyklus gab es sowas nicht“, sagt Daniel Schrauth, Finanzberater bei JP Morgan Private Bank in San Francisco. Es komme inzwischen „unglaublich häufig“ vor, dass Unternehmer Anteile an ihrem Unternehmen verkaufen und sich mit dem Börsengang mehr Zeit lassen. „Das ist ein Beweis für ihre sich verändernde Sichtweise und den Wert, der der Diversifizierung zugeschrieben wird“, sagt er.

Um Risiken auszugleichen, nutzt J.P. Morgan häufig Kommunalanleihen. Vor allem soll die Korrelation mit den konzentrierten Positionen gemindert und die Zeit reduziert werden, in der eine Position im Notfall aufgelöst werden kann. Um Bilanzen zu bändigen, die zu 60 Prozent aus konzentrierten Aktien bestehen, empfiehlt JPM 45 Prozent Kommunalanleihen, 10 Prozent Aktien, 12,5 Prozent Absolute-Return-Hedgefonds, 2,5 Prozent physische Werte, 10 Prozent Staatsanleihen, 15 Prozent inflationsgeschützte Papiere und 5 Prozent Cash. Immobilien bleiben außen vor. Im Notfall könne JPM diese Positionen innerhalb von drei Monaten auflösen. Je geringer die Konzentration, desto mehr Aktien und Hedgefonds-Anteile kommen in das Portfolio, und auch Immobilienwerte kommen hinzu, während der Anteil an Kommunalanleihen sinkt.

Jeremy Geller von J.P. Morgan nennt sein Team "Investment-Banker für Privatkunden”. (Foto: Martin Klimek)
Jeremy Geller von J.P. Morgan nennt sein Team "Investment-Banker für Privatkunden”. (Foto: Martin Klimek)

Die Privatbank von JPM, die oft einstige IPO-Kunden von der Investmentbank erbt, will sich heute selbst einen Namen machen. Vor zwei Jahren versetzte die Firma Jeremy Geller von New York nach San Francisco, wo er das Hedgefonds-Geschäft der Privatbank führte. Damit erkannte die Bank an, dass Anleger aus dem Valley heute gute Ratschläge einer Bank ebenso nötig haben wie die Financiers aus New York. Geller nennt sein Team eine „Investmentbank für Privatkunden“. Einzelpersonen bekommen so Zugang zu Strategien, die meist institutionellen Kunden vorbehalten sind.

Wie auch der Rest des Silicon Valley muss sich die Vermögensverwaltung in der Region auf Unruhen und Veränderungen einstellen. Ende der 1990er gründete Netscape-Unternehmer Clark myCFO – eine Konsequenz aus seiner Antipathie gegen Banker. Software und das Internet sollten für wohlhabende Kunden eine Alternative zu teuren Finanzberatern sein. Buchhaltung und Vermögensverwaltung sollte es bei myCFO zu deutlich niedrigeren Preisen geben.

Tech-Manager und Risikokapitalgeber waren begeistert von der Idee. Cisco-Manager John Chambers wollte unbedingt der erste Kunde sein, berichtet Clark-Biograph Lewis. Doch dann kam der Dotcom-Crash. 2002 erklärte die US-Steuerbehörde IRS die Steuersparmodelle von myCFO für unrechtmäßig. BMO Financial übernahm im selben Jahr einige Firmenanteile.

Der neuste Trend ist Wealthfront, ein kostengünstiger, passiver Investmentservice, der auf Kunden unter 30 abzielt, die gerade einen gut bezahlten Job im Valley ergattert haben. Wealthfront verteilt ihre Gelder über elf ETFs, je nachdem, wie die Kunden auf einen Risikofragebogen geantwortet haben. Nach der Krise 2008 seien diese Anleger zynisch geworden und „hassen Verkaufsmaschen“, sagt CEO Adam Nash. „Die Aussage, dass man den Markt schlagen könne, hört sich schon wie eine Verkaufsmasche an. Noch wichtiger ist aber, dass das zu ihren Lebzeiten noch nie vorgekommen ist“, sagt er. Durchschnittlich investieren Kunden 80.000 Dollar bei Wealthfront. In weniger als drei Jahren hat die Firma so eine Milliarde Dollar eingesammelt.

Die Privatbanken im Silicon Valley scheinen nicht in Gefahr zu sein, denn die großen Tech-Tycoons halten wenig von vorgefertigten Strategien. Für sie ist es wichtig, einen intelligenten Berater zu haben, der ihnen dabei hilft, ihre Risiken im Zaum zu halten. Die Prioritäten im Valley haben sich eindeutig gewandelt.

Mehr Technologie-News auf wsj.de

Von Alexander Eule

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

Finde einen Job, den du liebst

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Hinweis

Du hast gerade auf einen Provisions-Link geklickt und wirst in Sekunden weitergeleitet.

Bei Bestellung auf der Zielseite erhalten wir eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten.


Weiter zum Angebot