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Digitale Gesellschaft

Warum das Silicon Valley den Tod überwinden will

Der Tod – laut Peter Thiel und Co ein lösbares Problem.  (Bild: Shutterstock)

Wenn es nach einigen Tech-Milliardären aus dem Silicon-Valley geht, dann gibt es in unserer digitalisierten Welt keine Grenzen, auch nicht fürs Lebensalter. Was steckt eigentlich hinter den Bestrebungen, den Tod zu überwinden? Die Luca-Analytics-Kolumne von Luca Caracciolo.

Der Science-Fiction-Streifen Elysium von 2013 erzählt von einer zweigeteilten Welt der Zukunft, in der die Reichen die Erde verlassen haben und auf einer riesigen Raumstation ein paradiesisches Leben führen. Der Rest der Menschheit fristet auf dem verschmutzten Planeten ein tristes Dasein und ist sich selbst überlassen. Die Reichen genießen auf Elysium – so auch der Name der Raumstation – nicht nur ihr Traumleben, sie haben auch Zugriff auf modernste medizinische Technologie. Kranke legen sich in eine medizinische Kammer und werden innerhalb von wenigen Minuten geheilt. AIDS, Krebs, Alzheimer – alles kein Thema mehr auf Elysium. Der Rest der Menschheit auf der Erde hingegen stirbt noch an allen erdenklichen Krankheiten.

Death Disruption

Was in dem Streifen mit Matt Damon und Judie Foster wie Fantasterei aus der Hollywood-Traumfabrik klingt, hat die Tech-Elite des Silicon Valley längst in Angriff genommen. In ihren Augen ist der Tod nur ein weiteres Problem, das  gelöst werden muss.

Peter Thiel, PayPal-Mitgründer und Facebook-Frühinvestor, etwa äußerst sich folgendermaßen:

“The great unfinished task of the modern world is to turn death from a fact of life into a problem to be solved — a problem towards whose solution I hope to contribute in whatever way I can.”

Das ist die Sprache eines Technokraten, der die Grundidee von Technologie auf den Tod anwendet – ihn nämlich als Problem definiert, das gelöst werden kann. Es ist die klassische Sicht eines Entwicklers, der „Probleme“ lösen will – und das mit Code auch tut. Naturgesetze haben in dieser Perspektive keine Legitimation. Alles – so der Glaube – ist lösbar, kann gehackt werden, auch das Leben und die Sterblichkeit.

Peter Thiel: „Investoren übernachten eher in Fünf-Sterne-Hotels, weshalb sie Airbnb tendenziell unterschätzen.“ (Foto: Fortune Live Media, via flickr, Lizenz CC BY-ND 2.0)
Peter Thiel glaubt an die Überwindung der Sterblichkeit und investiert wie auch andere Silicon-Valley-Milliardäre viel Geld in entsprechende Forschung. (Foto: Fortune Live Media, via flickr, Lizenz CC BY-ND 2.0)
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„Der Mensch braucht ein Software-Update!“

Googls Chef-Ingenieur Ray Kurzweil spricht in diesem Zusammenhang von Biologie als „Software-Prozess“:

„Biology is a software process. Our bodies are made up of trillions of cells, each governed by this process. You and I are walking around with outdated software running in our bodies, which evolved in a very different era.“

Kurzweil begreift den Menschen als integriertes Software- und Hardware-System, für das es Zeit wird, Updates einzuspielen. Das menschliche Genom ist für ihn „die Software des Lebens“. Gene werden als Funktionen gesehen, die sich ab- und anschalten lassen – vielleicht noch nicht heute, aber in einigen Jahren. Nanobots werden in Zukunft unserem Immunsystem auf die Sprünge helfen und unsere Lebenserwartung wird sich nicht nur deutlich erhöhen, wir werden im Alter auch gesünder und vitaler werden. Gesundheit und Medizin werden Teil der Informationstechnologie – und weil ihre Leistungsfähigkeit exponentiell wächst, ist es für Kurzweil nur ein Frage von 20 bis 30 Jahren, bis diese nach Science-Fiction klingende Welt der Medizin Realität wird. Er selbst schluckt übrigens täglich rund 150 Pillen am Tag – Vitamine, Mineralien und weitere Präparate – um ein Alter zu erreichen, bis solche Technologien einsetzbar sind.

Viel Geld für die Forschung

Es wird im Valley aber nicht nur geredet und diskutiert, sondern auch viel Geld investiert. Google beispielsweise hat 2013 Calico gegründet – was für California Life Company steht. Page hat bereits mehrere 100 Millionen US-Dollar in Calico investiert. In einem offenen Brief im Gründungsjahr schrieb er, dass der Fokus des neuen Unternehmens auf „Gesundheit, Wohlbefinden und Langlebigkeit“ liege. Im September 2014 gab die Firma dann bekannt, dass sie mit dem US-amerikanischen Unternehmen AbbVie zusammenarbeitet, um die Forschungsarbeiten noch stärker auf den Alterungsprozess und altersbedingte Krankheiten zu lenken.

Ray Kurzweil ist US-amerikanischer Autor, Erfinder, Futurist und „Director of Engineering“ bei Google. (Bild: Flickr-null0 / CC-BY-2.0)
Ray Kurzweil ist Chefingenieur bei Google und betrachtet das menschliche Genom als Betriebsystem, das langsam aber sicher ein Update vertragen könnte.  (Bild: Flickr-null0 / CC-BY-2.0)

Neben Larry Page und Google gibt es etliche weitere Silicon-Valley-Größen, die enorme finanzielle Mittel in Biotechnologie-Unternehmen und entsprechende Forschungszentren stecken. Peter Thiel unterstützt Wissenschaftler, Mediziner und Biologen innerhalb der Breakout Labs, die Teil der Thiel Foundation sind, mit etlichen Millionen US-Dollar. Larry Ellison, Mitgründer des Software-Konzerns Oracle, hat bereits in den 90er Jahren eine Stiftung gegründet, die sich der Verlängerung des Lebens widmet. Und Mark Zuckerberg und Sergey Brin haben den mit 3 Millionen US-Dollar dotierten Breakthrough Prize ins Leben gerufen, der bahnbrechende Erkenntnisse im Bereich der Lebensverlängerung honoriert.

Der entgrenzte Geist des digitalen Kapitalismus

Es steckt schon viel Faszination hinter dem Vorhaben des Silicon Valley, das Leben zu verlängern und eines Tages vielleicht sogar den Tod zu überwinden. Wer träumt etwa nicht davon, mit seinen Enkeln und sogar Ur-Enkeln zu spielen und zwar mit der Kraft, Fitness und Gesundheit eines 40-Jährigen. Gleichzeitig wirken solche Bestrebungen immer auch unheimlich. Was beutetet es eigentlich für uns Menschen, für unser Mensch-Sein, für unser Zusammenleben, wenn wir deutlich älter werden? Wer erhält Zugriff auf solche medizinische Technologien, wer nicht?

Von solchen Fragen lässt sich das Silicon Valley aber nicht beirren. Die Überzeugung, mit Hilfe von Technologie die Welt zu verändern ist in den Köpfen der Valley-Milliardäre so stark verankert, dass moralische Bedenken kaum eine Rolle spielen. Dieser fast schon messianische Glaube verbindet sich mit einem digitalen Kapitalismus, der keine Grenzen kennt. Dieser messianisch-kapitalistische Geist beseelt ja auch die Startup-Welt des Valley: neue Dienste entwicklen und sie innerhalb kürzester Zeit weltweit skalieren; Gutes tun und es international ausrollen. Dieser Geist kennt keine Grenzen, weil die Digitalisierung eben auch keine kennt. Der unbedingte Wille zum ewigen Leben hat etwas mit diesem entgrenzten Geist zu tun: Wie kann man in einer so stark auf Wachstum und Globalität ausgerichteten Digitalwirtschaft ihren größten Feind – den Tod, das Ende, also übersetzt: den totalen Wachstumsstillstand  – einfach so akzeptieren? Man kann es nicht.

Am Ende von Elysium übrigens kapern ein paar Rebellen die riesige Raumstation und spielen eine neue Version des Betriebssystem für die von den Reichen bewohnte Raumstation ein. Dies führt dazu, dass alle Menschen als Einwohner von Elysium gelten und Zugriff auf die medizinische Wunderheilung haben. Die gesamte Menschheit – unsterblich. Ein sehr demokratischer Gedanke jedenfalls und deshalb sympathisch. Aber was für eine Welt wäre das dann?

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3 Reaktionen
Arno
Arno

“Gott spricht uns von unserer Schuld frei und schenkt uns ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“
Römerbrief 5:21 HFA Die Bibel

Die Sehnsucht nach Ewigkeit ist im Menschen drin, der Eine versucht sich den Zugang zu kaufen, der andere durch Befolgung von Regeln in Religion zu erarbeiten. Doch der wirklich kluge Mensch nimmt das Geschenk Gottes einfach an.

Dominic

Die Frage, welche ich mir in diesem Kontext stelle, ist: Wenn keiner mehr stirbt, wohin dann mit all den Menschen? Irgendwann sind Platz und Ressourcen aufgebraucht, darf dann keiner mehr Kinder bekommen? Charmant ist der Gedanke natürlich, auf "ewig" mit seiner Familie und Freunden zusammenleben zu können (soweit sie natürlich nicht durch einen Unfall oder ähnlichem umkommen). Ich denke, das ist eine sehr komplexe Diskussion.

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