Warum Siri schlecht für Apple sein kann

Der digitale Assistent „Siri“ für das iPhone 4S könnte einerseits eine neue Ära der Interaktion zwischen Menschen und Geräten einläuten. Auf der anderen Seite aber sehen manche Beobachter den Schritt als Gefahr für die zukünftige Strategie von Apple an. Manche sagen gar das Ende des iPhones voraus.

In der Welt von Apples Marketing ist der digitale Assistent „Siri“ absolut alltagstauglich:

Siri versteht nicht nur gesprochene Sprache - das wäre an sich nichts Neues. Vielmehr kann das System die Intention einer Frage erkennen und reagiert auf den Kontext. Es geht nicht mehr allein um einige einfache Befehle, die man praktisch auswendig lernen muss. Im Idealfall befindet man sich stattdessen im Dialog mit dem Gerät. So behält sozusagen im Hinterkopf, worum es ursprünglich ging. Wer sich für einige Beispiele interessiert, kann sich das hier in einer gekürzten Fassung des entsprechenden Abschnitts der Keynote ansehen:

Natürlich ist zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen offen, wie gut das im Alltagsgebrauch heute schon funktioniert. Aber es dürfte kein Zweifel bestehen: In dieser Art werden wir technische Geräte künftig nutzen - auf jeden Fall ergänzend zu weiteren Interaktions-Möglichkeiten.

Sollte Apple alles auf Software setzen?

Warum aber kommt man auf die Idee, bringe sich damit selbst in Gefahr? Stephen Wunker vom Wirtschaftsmagazin Forbes meint, dass Apple vor einer Entscheidung steht: Soll es wirklich weiter auf Hardware setzen, obwohl es damit im Fall des iPhones nur einen Marktanteil von 5 Prozent weltweit erreicht hat? Oder sollte es das nicht vielmehr hinter sich lassen und stattdessen seine Software auf möglichst alle Plattformen bringen? Ein Feature wie Siri würde sich schließlich auch anderswo gut machen... Zudem ließe sich Siri gut als Werbeplattform vermarkten - schließlich weiß Apple im Moment der Anfrage ja recht genau, was der iPhone-Nutzer gerade will.

Die Argumentation von Stephen Wunker beruht unter anderem auf dem Fakt, dass Apple gestern eben kein 5 vorgestellt hat, sondern eine verbesserte Version des iPhone 4. Er erkennt darin ein Anzeichen von Schwäche. Was er meiner Meinung nach übersieht, sind zwei grundlegende Aussagen, die Steve Jobs einmal getroffen hat:

  1. Hardware kann jeder herstellen, die Komponenten stehen weitgehend frei zur Verfügung. Die Software macht den entscheidenden Unterschied.
  2. Apple ist deshalb in einer so guten Position, weil sie sowohl Hardware als auch Software herstellen.

Die Software ist der grundlegende Baustein dafür, dass die Kunden den hohen Preis für das iPhone zahlen. Und damit sind einerseits Funktionen gemeint, aber eben vor allem die Umsetzung. Hinzu kommt das besondere Design von Apples Hardware. Erst beides zusammen macht das Erfolgsprodukt.

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Einige Beispiele für Interaktionen mit Siri. Die Ergebnisse werden auf dem Display angezeigt und auch vorgelesen.

Drei weitere Gründe, warum Siri negativ sein kann

Silicon-Valley-Beobachter Ben Teitelbaum sieht hingegen drei andere Gründe, warum Siri eine Gefahr für Apple ist:

  • Zum ersten kann das System dazu führen, dass die Nutzer ihr Gerät zunehmend in der Tasche, der Halterung oder anderswo lassen - schließlich müssen sie es ja nicht mehr in die Hand nehmen. Dadurch aber werden die Geräte praktisch austauschbar.
  • Zum zweiten haben die meisten Menschen seiner Meinung nach einfach schon zu schlechte Erfahrungen mit solchen „intelligenten Antwortsystemen“ gemacht, beispielsweise bei einer Hotline. Die Technik habe schlicht „schlechtes Karma“.
  • Und zum dritten hat Apple seiner Meinung nach keinen nennenswerten Know-how-Vorsprung gegenüber anderen wie beispielsweise Google. So hat Apple das Unternehmen Siri schließlich gerade erst vor anderthalb Jahren gekauft. Das Wissen rund um die Techniken dahinter könne noch nicht weit ins Unternehmen eingedrungen sein.

Fazit

Eine wichtige Hürde für Siri und Apple werden die ersten Testberichte über den digitalen Assistenten sein. Wie gut funktioniert das System wirklich? Aus der Zeit ohne Steve Jobs gibt es schließlich noch das Newton-Handschrifterkennungs-Desaster in Apples Firmengeschichte: Ein wichtiges und intensiv beworbenes Feature des Apple-Handhelds Newton war die Fähigkeit, beliebige Handschrift erkennen zu können und nicht etwa nur Druckbuchstaben. Das funktionierte auch erstaunlich gut - allerdings nicht zum Produktstart. Als es dann später tatsächlich klappte, war der Ruf bereits ruiniert. Passiert das mit Siri, ist das Feature tot.

Zudem ist wichtig, dass Apple einerseits schnell weitere Sprachen integriert und vor allem die Interaktionsmöglichkeiten erhöht. So viele Apps wie möglich sollten hier integriert werden. Denn es wäre für mich persönlich tatsächlich viel bequemer zu sagen: „Zeige mir die nächsten drei Zugverbindungen von Hannover nach Hamburg“, als erst die Bahn-App rauszusuchen, aufzurufen sowie dort Start, Ziel und Uhrzeit einzustellen und dann die Suche auszulösen. Nur ist das heute noch nicht möglich.

Stellt sich nur die Frage: Wenn Geräte wie Smartphones künftig tatsächlich immer mehr per Sprache bedient werden und damit als Geräte immer weniger in Erscheinung treten - ist es dann nicht tatsächlich egal, ob es ein iPhone, ein Android oder irgendetwas anderes ist?

Weiterführende Links:

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14 Answers

  1. von erhebjc 05.10.2011 (12:29Uhr) 1.

    Übertragt das Geschriebene bzgl. des Marktanteils mal auf Autos - z.B. Porsche.

    "Die Software ist der grundlegende Baustein dafür, dass die Kunden den hohen Preis für das iPhone zahlen. Und damit sind einerseits Funktionen gemeint, aber eben vor allem die Umsetzung. Hinzu kommt das besondere Design von Apples Hardware. Erst beides zusammen macht das Erfolgsprodukt."

    Ich kenne bis dato kein Handy in dieser Preisklasse, dass vergleichbar hochwertig verarbeitet ist. Die einen wollen ihren Akku tauschen oder eine SD Karten einschieben. Ich möchte ein Handy aus einem Guss, ohne Öffnungen oder ein Knarzen. Das liefert bisher nur Apple.

    Und warum sollte ich mir ein hässliches Gerät kaufen, nur weil es ein Großteil in er Hose / Tasche / wo auch immer schlummert?! Sämtliche Argumente von Ben Teitelbaum sind in meinen Augen Blödsinn.

    Davon mal ab: Der Marktanteil ist absolut irrelevant. Apple macht mit dem iPhone mehr Gewinn, als die nächsten drei Konkurrenten gemeinsam.

  2. von Jimbo 05.10.2011 (13:18Uhr) 2.

    Apple beutet dafür auch Menschen aus.

  3. von Andy 05.10.2011 (13:28Uhr) 3.

    Naja, der große Wurf ist das 4S wirklich nicht. Sobald Siri per JB auf 4er "backported" wird, kenne ich wirklich keinen guten Grund, warum sich das Teil kaufen sollte. http://www.apple.com/de/iphone/compare-iphones/ Vielleicht noch um das nicht vorhandene Atennenproblem zu beheben ;)

    Meiner Meinung nach werden die Marken der Geräte immer eine Rolle spielen. Weil mit der Marke auch ein Image vermittelt wird. Ich kann mir gerade auch nur schwer vorstellen, wie man trotz intelligenter Sprachsteuerung mit dem Handy telefnoieren soll, ohne es sich an das Ohr zu halten. (Mal abgesehen von Headsets, die ja nicht wirklich neu sind.) Aber wer will schon mit einem IPhone telefonieren...

  4. von m_for_manu 05.10.2011 (16:11Uhr) 4.

    najaaa. das feature ist so gut, dann fasst keiner mehr das produkt an und dann wird es... ja was? nicht mehr gekauft?! nee, das klingt doch arg an den haaren herbeigezogen und wer von den möglichen kunden kennt noch den newton? der vergleich mit der hotline hinkt (ganz anderes gebiet und eigentlich will ich ja einen menschen sprechen, das erwarte ich doch nicht vom iphone).

    nee, da wird was gesehen oder konstruiert wo nichts ist. wenn es funktioniert (und wenn ja, dann wird es sich durchsetzen, jeder will dass es wie bei star trek funktioniert, befehlen will ja jeder :) ) wird es schnell nachahmer geben und wieder war apple hier vorn. history repeating.

  5. von Helen 05.10.2011 (20:20Uhr) 5.

    Die Komponenten für Hardware stehen nicht frei zur Verfügung. So funktioniert der Bauteilemarkt in Asien nicht.

  6. von Latest Testberichte Handy & Telefon… 07.10.2011 (08:28Uhr) 6.

    [...] Jobs gibt es schließlich noch das Newton-Handschrifterkennungs-Desaster in … Read more on t3n Magazin Twitter Facebook Del.icio.us Reddit VKontakte Digg Mixx StumbleUpon Google Memori October [...]

  7. von Michael 08.10.2011 (00:56Uhr) 7.

    Siri gibt es schon seit 2009 und funktionierte damals schon sehr gut!!!

    Hab schon ein iPhone4s bestellt.
    Apple Visionen 1987
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=9bjve67p33E#!

  8. von Michael 08.10.2011 (00:58Uhr) 8.

    Apple 1987

  9. von Siri: Sprachsteuerung mit künstlicher I… 12.10.2011 (09:31Uhr) 9.

    [...] Warum Siri schlecht für Apple sein kann - t3n News [...]

  10. von Siri: Der Sprachassistent beweist Humor… 14.10.2011 (12:04Uhr) 10.

    [...] Warum Siri schlecht für Apple sein kann - t3n News [...]

  11. von dvdxn 17.10.2011 (14:04Uhr) 11.

    Ich finde das jetzt irgendwie überzogen. Klingt fast, als wäre der Artikel von einem Androidnutzer verfasst.
    Überlegt mal, Apple hat viele Dinge die andere Firmen nicht beachtet haben revolutioniert.
    Sicher wird es auch hier einige qualifizierte Verbesserungen aufweisen, die sich von den anderen abgrenzen. Ich setze in Jobs' Nachfolger mein Vertrauen, immerhin wurde er von Steve mit dem CEO Posten "betraut".
    Uns erwartet sicher ein Visionär.

  12. von iPhone 4S bricht Vorbestellungsrekord »… 21.10.2011 (13:50Uhr) 12.

    [...] Warum Siri schlecht für Apple sein kann - t3n News [...]

  13. von Apple Siri und Google Voice Actions: Wer… 21.10.2011 (14:06Uhr) 13.

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  14. von Let´s talk iPhone – Apple stellt… 20.01.2012 (13:56Uhr) 14.

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