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Skandal um korrupte Wikipedia-Autoren erschüttert Community

Die Reputation der Online-Enzyklopädie steht auf dem Spiel: Zwei hochrangige Mitglieder der Wikipedia-Community nutzten ihren Einfluss um Aufmerksamkeit für zahlende Kunden zu generieren.

Skandal um korrupte Wikipedia-Autoren erschüttert Community

Am Montag dieser Woche äußerten besorgte Mitglieder ihren Verdacht erstmals auf einer Diskussionsseite der Wikipedia. Die dort gesammelten Indizien deuten in Richtung zwei hochrangiger Mitglieder der Online-Enzyklopädie. Diese nutzten ihren Einfluss offenbar, um zahlenden Kunden prominente Platzierungen auf der Wikipedia-Startseite zu garantieren.

Prominente Platzierung auf Wikipedia-Startseite

Einer der beiden Beschuldigten, Roger Bamkin, ist für den britischen Ableger der Wikimedia Foundation tätig. Sein LinkedIn-Profil beschreibt ihn darüber hinaus als PR-Consultant. Den Vorwürfen der Community zufolge nutzte Bamkin unter anderem das „Did you know...“-Feature der Wikipedia-Startseite um Aufmerksamkeit für seine Klienten zu generieren, schreibt CNet.

Die Reputation der Wikipedia könnte unter dem Skandal leiden.

Zu seinen aktuellen Kunden zählt auch der Zwergstaat Gibraltar, der im August ganze 17-mal in der „Did you know...“-Kategorie gelistet wurde. Um diese Zahl in einen Kontext zu setzen: Das einzige Thema, das während dieser Zeitspanne mehr als einmal erwähnt wurde, stand im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales reagierte entsprechend verärgert: Er könne den Fall noch nicht abschließend bewerten, es sei „für ein Vorstandsmitglied eines Chapters aber völlig unangebracht, Kunden gegen Geld auf der Wikipedia-Startseite zu platzieren“.

Suchmaschinenoptimierung durch Veränderung der Wikipedia-Artikel

Der zweite in die Kritik geratene Wikipedia-Autor ist Max Klein. Wie Bamkin ist auch Klein ein „Wikipedian in Residence“. Diesen Titel tragen Mitarbeiter der Online-Enzyklopädie, die den Austausch von Informationen zwischen Organisationen wie Galerien, Bibliotheken und Museen und der erleichtern. Klein leitet darüber hinaus das Unternehmen untrikiwiki, das Unternehmen bis vor kurzem die Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln anbot, um deren Auftritt in den Sucherergebnissen zu stärken.

Mittlerweile hat sich untrikiwiki von dem Angebot distanziert. In einem aktuellen Blogpost heißt es das Unternehmen habe nie Bearbeitungen vorgenommen, die einen Interessenskonflikt zur Folge hatten. Ob diese Stellungnahme der Wahrheit entspricht ist jedoch unklar. Fakt ist nur, dass derartige Dienstleistungen bis vor kurzem angeboten wurden.

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19 Antworten
  1. von Ronald Neumann via facebook am 19.09.2012 (17:54Uhr)

    Schade :/

  2. von Andreas Poschen via facebook am 19.09.2012 (17:58Uhr)

    Mich persönlich nervt viel mehr die Machtbesessenheit und der ständige Löschwahn aufgrund der Relevanzkriterien bei den Admins. Habe deshalb schon vor Jahren sämtliche Aktivitäten dort eingestellt.

  3. von Johannes F. Woll am 19.09.2012 (18:10Uhr)

    Mich wundert gar nichts mehr. Ich habe über meine Erfahrungen mit wikipedia geblogt »Meine gezählten Tage als wikipedia-Autor« http://www.schweizer-degen.com/2011/11/meine-gezahlten-tage-als-wikipedia-autor/, um mir den Frust von der Seele zu schreiben.
    Dass ich damit nicht allein bin, zeigte die Resonanz auf meinen Beitrag, der binnen 24h fast 20.000 Mal abgerufen wurde. Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid. Aber es tat gut zu lesen, dass mein Erlebnis nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die traurige Regel ist.

  4. von Alex Birk via facebook am 19.09.2012 (18:33Uhr)

    Sehe ich exakt so wie Andreas...

  5. von Knut Ebeling via facebook am 19.09.2012 (19:01Uhr)

    Liest die Artikel eigentlich niemand gegen?! Wie kann man denn, solch einen Artikel ins Netz stellen?!

  6. von Projekt REEGAS am 19.09.2012 (19:31Uhr)

    Die Nachricht kann nicht überraschen.

    Zum Thema der Enerieerzeugung aus Biomasse, der Holzvergasung bzw. der Synthesegaserzeugung und dazugehörigen Beiträgen gibt es eine ganze Reihe von Unwahrheiten in deutschen Wikipedia. Die laufen alle letztendlich darauf hinaus, dass eine Technologie angeblich nicht martreif ist, die schon über 100 Jahre am Markt ist.

    Das derartige Falschinformationen natürlich das Vertrauen in die Technologie unterlaufen ist klar. Ebenso klar ist es, dass derartige Falschinformationen wiederum für andere Unternehmen und Technologien von Nutzen sind. Zufällig stehen sie dort sicherlich nicht!

    Da kleine und mittelständische Betriebe weder Ressourcen noch die Finanzen haben, sich in Wikipedia reinzuhängen oder dort PR-Agenturen für sich arbeiten zu lassen, müssen sie es notgedrungen hinnehmen, das andere die Kontrolle über die Quelle der Informationen haben und sich somit falsches "Wissen" verbreitet.

    Funktionen zum öffentlichen Kommentieren und Kritisieren, die einfach, transparent und für alle Menschen sichtbar und nutzbar wären, gibt es ja leider nicht. Die würden zwar von einigen für Kleinkram missbraucht werden, aber es würde auch helfen fundamentale Falschangaben in Wikipedia schneller zu identifizieren und Abhilfe zu schaffen, auch durch das Entfernen von Personen.
    Beim DMOZ scheint, rein von außen betrachtet, die Lage ähnlich zu sein.

  7. von Lars Budde via facebook am 19.09.2012 (20:08Uhr)

    Hallo Knut, was stört dich denn an dem Artikel?

  8. von Markus F. am 19.09.2012 (20:33Uhr)

    Was man nicht vergessen sollte: "Paid Editing" ist in der Wikipedia NICHT verboten, auch wenn es Jimmy persönlich nicht gefällt - er konnte sich in der Community mit seiner Meinung nie durchsetzen. Außerdem hat Wikimedia UK erst kürzlich einen eigenen Leitfaden für PR-Leute herausgegeben, an den sich beide Autoren klar nicht gehalten haben. Da gibt es eigentlich keine Diskussion, das ist ein klarer Verstoß.

  9. von Jens Peters via facebook am 19.09.2012 (23:21Uhr)

    Nein! Das kann ich nicht glauben! Gibt es denn wirklich korrupte Menschen? Und bei wikipedia? Das geht doch gar nicht! :-D loooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool, wie naiv muss man bitte sein? :-)

  10. von Flelli am 20.09.2012 (10:19Uhr)

    Natürlich werden auch nirgends Daten geteilt...
    Google, Facebook , Apple und Co. leben von was ganz anderem, nicht wahr?

  11. von achim am 20.09.2012 (10:20Uhr)

    Bastarde!

  12. von Presse Meldung Skandal um korrupte Wikip… am 20.09.2012 (14:52Uhr)

    [...] dabei um hochrangige Wikipedia-Mitarbeiter (keine einfachen Autoren) aus Großbritannien und USA. http://t3n.de/news/skandal-um-korrupte-415631/ [...]

  13. von Knut Ebeling via facebook am 20.09.2012 (15:41Uhr)

    Ich hab dir übrigens ne Nachricht geschrieben...

  14. von Maik am 20.09.2012 (22:45Uhr)

    "Mich persönlich nervt viel mehr die Machtbesessenheit und der ständige Löschwahn aufgrund der Relevanzkriterien bei den Admins. Habe deshalb schon vor Jahren sämtliche Aktivitäten dort eingestellt."

    Wahre Worte!

  15. von Dirk am 25.09.2012 (22:48Uhr)

    Unanbhängig von dem Thema sollte der Autor sich einmal die Rechtschreibregeln nochmal zur Gemüte ziehen. Besonders die Regel, wann man "das" verwendet und wann "dass". Manchmal musste ich einen Satz mehrmals lesen, um auch wirklich den Sinn zu verstehen.

  16. von Lars Budde am 25.09.2012 (23:15Uhr)

    @Dirk Da hast du recht. Es haben sich tatsächlich ein paar Fehler eingeschlichen, die mir hätten auffallen müssen. Vielen Dank für den Hinweis.

    PS: Dein Kommentar ist übrigens ebenso wenig fehlerfrei, ich verbitte mir an dieser Stelle aber den Hinweis auf die deutschen Grammatikregeln. ;)

  17. von Probleme des Internets | rumbelwumbel am 17.11.2013 (21:06Uhr)

    […] wo Unternehmen steuern konnten, was in gewissen Artikeln stand und was nicht (Bericht z.b. hier). Taugt ein notwendigerweise derart profitorientiertes Netz zum Austausch objektiver […]

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