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So viele Menschen beutest du mit deinem Smartphone, deinem Notebook und deinem Lebensstil aus

    So viele Menschen beutest du mit deinem Smartphone, deinem Notebook und deinem Lebensstil aus

Zwangsarbeit: Nebenwirkungen der Konsumgesellschaft. (Bild: © xyno - iStock.com)

Eine Kampagnen-Website der US-Regierung demonstriert eindrucksvoll, welche Folgen die Konsumgesellschaft hat: Auf Slaveryfootprint.org kannst du individuell ermitteln, wie viele Menschen dein Konsum ausbeutet. Wir haben das für euch getestet.

Slaveryfootprint.org bietet einen interaktiven Selbsttest an, der ermittelt, wie viele Menschen durch den eigenen Konsum und Lebensstil ausgebeutet werden –  vergleichbar mit einem Rechner für den persönlichen Co2-Footprint. So soll eindrucksvoll aufgezeigt werden, wie der durchschnittliche Konsument in der westlichen Welt unbewusst moderne Sklaverei fördert. Genauso wortgewaltig wie die Bennenung dieser Kampagnen-Website des US-Innenministerium fällt auch die Begrüßung aus: „Seit es die Menschheit gibt, haben Menschen andere Menschen gekauft, verkauft und versklavt.“ Ich habe den Test für euch durchgearbeitet. Nach etwa zehn Minuten hatte ich mein Ergebnis.

(Screenshot: slaveryfootprint.com)
Des Ergebnis des Selbsttests von t3n-Redakteur Jochen. (Screenshot: slaveryfootprint.com)

Der Sklaven-Fußabdruck: So funktioniert der Online-Selbsttest für jedermann

Schritt für Schritt erfasst ein Online-Formular, wer ich bin, welche Gegenstände ich in meinem Haus habe, was ich esse und welchen Lebensstil ich pflege. Die Wertschöpfungskette von rund 400 beliebten Consumer-Produkten hat das Team hinter Slaveryfootprint dazu auf moderne Sklavenarbeit untersucht und so einen Produkt-Score gebildet, der ausdrücken soll, wie viele Menschen während der Herstellung der Produkte ausgebeutet worden sein sollen. Hinzu kommen Auswertungen zu den Herstellungsländern und den Ressourcen, die verwendet wurden. Aus diesen Werten wurde ein Score ermittelt und mit Hilfe einer Umfrage zum Konsumverhalten von definierten Fokusgruppen zugeordnet, die unter anderem anhand von demografischen Merkmalen gebildet wurden.

(Screenshot: slaveryfootprint.org)
(Screenshot: slaveryfootprint.org)

Die Methodik von Slaveryfootprint, die ausführlich online beschrieben wird, stützt sich dabei auf verschiedene Studien der US-Regierung, auf Studien internationaler Institute und NGOs (Non-Government-Organizations) sowie auf publizierte Daten, die nach einem strengen Schema verifiziert worden sein sollen. Zum Abschluss wurde die Datensätze nach Angabe von Slaveryfootprint von verschiedenen Experten aus der US-Regierung, dem akademischen Umfeld, führenden Think-Tanks und unabhängigen Experten überprüft. Das oben abgebildete Ergebnis liegt weit über dem Durchschnitt – wie die Welt berichtet, soll der Durchschnitt bei 25 ausgebeuteten Menschen liegen.

(Screenshot: slaveryfootprint.org)
(Screenshot: slaveryfootprint.org)

Die Ergebnisse, die Slaverfootprint 1.0 produziert, sind keine tatsächliche Auswertung des eigenen Konsumverhaltens, wie auch ausdrücklich auf der Website vermerkt wird. Weder berücksichtigt der Onlinetest, ob Fairtrade-Produkte bezogen werden, noch basieren die Informationen auf spezifischen Marken oder Herstellern.

Moderne Ausbeutung gehört meist zum Konsum

Der Slaveryfootprint bietet trotz der Verallgemeinerung eine eindrucksvolle und annähernd realistische Aussage zu den Folgen unseres Konsums. So wird den Nutzern bewusst gemacht, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler Menschen sich stark von ihren eigenen unterscheiden und dass bei dem einen oder anderen Produkt, dass sie nutzen, Menschen an der Herstellung beteiligt gewesen sein könnten, die vom Hersteller ausgebeutet werden.

(Screenshot: slaveryfootprint.org)
(Screenshot: slaveryfootprint.org)

Beim Besuch von Slaveryfootprint.org bleibt das Auge an dem Wort Sklaverei hängen. Es wirkt übertrieben. Gibt es heute noch Sklaverei? Die Antwort ist einfach, aber hart: ja. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine NGO der weltweit Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänder angehören, nennt eine Zahl von etwa 21 Millionen Menschen, die weltweit Opfer von Zwangsarbeit werden. Selbst ein simples T-Shirt verursacht schon ein gehöriges Ausmaß an Ausbeutung. Konsum scheint dicht mit moderner Ausbeutung verbunden zu sein. Besonders der Konsum eines technikverliebten Menschen wie mir. Man weiß das – oder spürt es wenigstens. Aber es ist etwas anderes, schwarz auf weiß eine Zahl präsentiert zu bekommen, die mir ins Gesicht schreit:

Du beutest 41 Menschen aus.

5 Reaktionen
Thomas
Thomas

Slaveryfootprint.com (teaser) -> Slaveryfootprint.org

Antworten

Simon
Simon

Ein sehr gutes Projekt! Bei mir kommt genau 30 heraus. Allerdings sind einige der Fragen auch nur oberflächlich. Ich trage z.B. Jeans oder Shirts bis zu 10 Jahre lang. Mit dem Auto fahre ich nur 2 Mal die Woche oder so, und ich fahre auch dieses so lange bis es nicht mehr funktioniert.

Florian: Ich stimme dir schon zu, allerdings kann der Konsument jederzeit „relativ“ frei entscheiden. Natürlich nicht ohne Verzicht. Eine bessere Welt ohne Verzicht auf bestimmte Sachen wird es meines Erachtens nach niemals geben.

Das größte Problem der satten Deutschen ist der Verzicht!
Verzicht wird immer negativ dargestellt, dabei kann man Gewohnheiten im Gehirn „umprogrammieren“ und empfindet irgendwann keinen Verzicht mehr.

Das schlechte Gewissen wird nicht eingeredet, es ist längst in den Köpfen. Aber die Fähigkeit ein solches mal eben kurz unter den Tisch zu fegen ist besonders hierzulande stark ausgeprägt.

Die Frage „Kann ich etwas dafür, dass in den betreffenden Ländern minimale humane Standards nicht eingehalten werden?“ lässt sich klar und einfach beantworten. Natürlich! Jedenfalls wenn du häufig Waren und Dienstleistungen von Unternehmen kaufst, die sich nicht an die Standards halten. Da gibt es natürlich Ausnahmen die wir in Kauf nehmen müssen um überhaupt noch an der Gesellschaft teilhaben zu können. Aber auch hier kann man handeln, indem man z.B. nicht dauernd das neueste Smartphone oder das neueste MacBook kauft.

Ich finde das in meinem Job als Webworker schon schwierig, nutze aber meinen iMac auch so lange bis er nicht mehr funktioniert! Ich denke auch ein Windows PC hätte das was ich in den letzten 2 Jahren abgerockt habe gar nicht geschafft und es wären hier 1-2 Neukäufe nötig gewesen.

Dann gibt es noch einen Haufen Sachen auf die ich persönlich seit einigen Jahren „verzichte“, und es macht mir überhaupt nichts mehr aus. Im Gegenteil. Wenn ich sehe wie einige Kollegen sich zusätzlich zur ungesunden Körperhaltung am Rechner auch noch massenweise Produkte von CocaCola, Nestle, Haribo oder McDoof reinziehen, bin ich richtig froh das mir diese Sachen mittlerweile egal geworden sind. Angenehmer Nebeneffekt: Ich kann sofort nen Kilometer laufen, die anderen meist nicht:)

Was ich auch festgestellt habe: Durch starkes Reduzieren des Konsums von Mainstream-Medien sinkt auch das Verlangen nach Produkten die dort beworben werden. Dank des Internets kann ich alle für mich wichtigen Informationen abrufen und dadurch mein eigenes Verhalten besser steuern.

Nur mal so auf die Schnelle meine Gedanken dazu...

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Florian
Florian

Wer damit ein Problem hat, wandert man am besten nach Nordkorea aus oder in eines der Länder, wo man Sklave ist, damit hätte sich das Problem erledigt und man kann wieder ruhig schlafen ;-)
Oder man führt hier die Dikatatur wieder ein, wo klare Bestimmungen herrschen, was ein jeder darf und was nicht. Kann man sich wünschen...

Nein im Ernst, anstatt die Ursachen zu benennen, nämlich das ungezügelte Schuldgeldsystem zu bennen und die Umstände in den jeweiligen Ländern, wird dem Bürger hier ein schlechtes Gewissen eingeredet. Kann ich etwas dafür, dass in den betreffenden Ländern minimale humane Standards nicht eingehalten werden? Darf ich jetzt keine WM mehr schauen, weil die brasilianische Regierung mit den eigenen Leuten schlecht umspringt, wo fängt es an wo hört es auf. Mir wäre lieber, man würde sich mit der Problemlösung beschäftigen, dass man es schafft in diesen Ländern humanere Standards zu etablieren, damit Menschenrechte beachtet werden.

Sinnvoll fände ich, wenn man eine Liste der Firmen hat, die sich selbst Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, aber selbst minimale ethische Standards nicht einhalten. Somit könnte man als Konsument bewusster wählen, für welches Produkt man sich entscheidet.

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Christof
Christof

Starker Denkanstoss!! Kann man erkennen, wodurch die individuelle Ausbeutungs-Quote so hoch wird? Also im Sinne von "lass dies oder jenes bleiben, dann verringerst du deinen 'Score'"?

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