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Kolumne

Smart Speaker werden für wenige Aufgaben genutzt – und das ist gut so

(Foto: Amazon)

Marktstudien aus den USA und Deutschland zeigen, dass Besitzer von Smart Speakern wie Amazon Echo oder Google Home die Geräte nur für wenige Aufgaben nutzen. Martin Weigert sieht darin weder eine Überraschung noch eine Schwäche, wie er in seiner Kolumne Weigerts World erläutert.

Die Mehrzahl der Besitzer eines intelligenten Lautsprechers fürs Heim nutzt das Gerät für eine begrenzte Zahl trivialer Tätigkeiten. Zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Studie des Technologieberatungsunternehmens Activate. Musikhören, das Abfragen genereller Informationen, Wetterberichte sowie Weck- und Timer-Funktionen dominieren mit deutlichem Abstand. Die Daten basieren auf einer Befragung von 820 Smart-Speaker-Besitzern in den USA (Originalpräsentation, Chart Nummer 30, Angaben zur Repräsentativität wurden nicht gemacht). Mehr als Dreiviertel der Befragten nutzen ein Gerät aus der Amazon-Echo-Produktreihe. Bei elf Prozent steht ein Google Home in der Wohnung.

Eine vor einigen Monaten von PwC durchgeführte repräsentative Befragung deutscher Echo-Besitzer zeichnete ein ähnliches Bild: Das Abspielen von Musik stellt auch hierzulande den populärsten Einsatzbereich dar. 52 Prozent der Echo-Nutzer hören über das Gadget Musik. Immerhin 30 Prozent der Befragten zeigten sich offen für die Idee, intelligente Lautsprecher zur Steuerung von Haushaltstechnik und Haushaltsgeräten zu verwenden.

Musik ist Killer-App aller Smart Speaker

Diese Zahlen überraschen mich überhaupt nicht. Sie stimmen haargenau mit meinem eigenen Anwendungsverhalten überein. Seit Mai besitze ich einen Amazon Echo. Eine exakte Datenerhebung kann ich zwar nicht vorweisen, allerdings meine homogene Echo-Nutzung in wenigen Worten pauschal zusammenzufassen: „Alexa, open Spotify“ ist meine mit Abstand häufigste Anweisung an Alexa, dem auf Echo-Geräten installierten Software-Assistenten. Außerdem frage ich morgens häufiger nach dem Wetter und verwende mehrmals täglich die Timer-Funktionalität. Das war’s schon. „Skills“ (das Echo-Äquivalent zu Apps beim Smartphone) stehen mir nicht zur Verfügung: Amazon blockiert die Option, wenn man wie ich Alexa in englischer Sprache einsetzt, aber Deutschland als Standort ausgewählt hat. Bislang scheinen Skills aber ohnehin nur bedingt erfolgreich zu sein: Laut Activate haben 65 Prozent der US-amerikanischen Echo-Besitzer das Feature nicht aktiviert.

Überrascht es, dass Smart-Speaker-Besitzer keine ausführlichen philosophischen Debatten mit ihren persönlichen Assistenten führen und komplexere Aufgaben doch lieber auf herkömmlichen Wegen erledigen? Ist das ein schlechtes Zeichen für die Produktkategorie?

Meines Erachtens nach: nein und nein. Smart-Home-Speaker sind eine relativ neue Angelegenheit, an die sich Konsumenten langsam heranwagen. Es ist natürlich, dass sie dafür Anwendungsszenarien wählen, die mit hoher Regelmäßigkeit auftreten und einen signifikanten Vorteil gegenüber bisherigen Verfahren bieten. Das trifft insbesondere aufs Musikhören zu. Ich übertreibe nicht, wenn ich konstatiere, dass ich mich jeden Tags aufs Neue darüber freue, beim Betreten der Wohnung mit einem Sprachbefehl die Musik von meinem Smartphone auf den Echo „übergeben“ zu können. Diese eine Funktion allein, in Kombination mit einer für meine Ansprüche akzeptablen Soundqualität, rechtfertigt für mich bereits die Echo-Anschaffung.

Für die meisten anderen Aktivitäten sowie für bei einem Glas Wein geführte Gespräche über den Sinn des Lebens ist das Intelligenzlevel von Alexa, Google Assistant und Co. schlicht noch nicht hoch genug. Mit der gerade ihren Einstand gebenden neuen Generation von Smart Speakern mit Bildschirm könnten sich einige neue Einsatzbereiche etablieren; allen voran natürlich Shopping, was inbesondere Amazon am Herz liegt.

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Apples Chancen  und Schwäche

Angesichts des in dieser Kolumne umrissenen Status Quo erscheint Apples für dessen Konkurrenzprodukt „Homepod“ gewählte Positionierung als High-End-Musikabspielgerät konsequent. Wenn Musikkonsum per Sprachsteuerung ohnehin der beliebteste Einsatzzweck ist, dann ergibt es Sinn, dafür zu optimieren. Andererseits wird es schwer, die sonst für Apple typische Erfolgsstrategie eines späten, dafür aber alles bisher Dagewesene in den Schatten stellenden Markteintritts umzusetzen. Für Audiophile und Apple-Loyalisten mag das Versprechen einer besonders guten Tonqualität als Argument für den deutlich höheren Preis genügen. Mir jedoch fehlt aktuell die Fantasie, mir auszumalen, was Homepod so viel besser machen kann, dass der Echo plötzlich wirkt wie im Jahr 2007 ein Nokia E65 „Smartphone“ im Vergleich zum iPhone. Solange Apple beim Homepod nicht Spotify unterstützen will, hat das Gerät bei mir aber ohnehin keine Chance.

Weitere Kolumnen der Serie Weigerts World findet ihr hier. Ihr könnt die vom Autor täglich kuratierten News zur Netzwirtschaft abonnieren oder seinen wöchentlichen E-Mail-Newsletter mit englischsprachigen Leseempfehlungen beziehen.

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