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Wie smarte Computerstimmen den Alltag verändern: Zusammenleben mit Alexa, Samantha und Co. [Kolumne]

Wie smarte Computerstimmen den Alltag verändern: Zusammenleben mit Alexa, Samantha und Co. [Kolumne]

Im US-Kinofilm Her verliebt sich ein schüchterner Mann in eine Computerstimme mit menschlichen Eigenschaften. Noch ist das Science-Fiction, aber nicht mehr lange. Persönliche Home-Assistenten wie Amazons Verkaufserfolg „Echo“ weisen den Weg, prognostiziert Martin Weigert in seiner Kolumne .

Wie smarte Computerstimmen den Alltag verändern: Zusammenleben mit Alexa, Samantha und Co. [Kolumne]
(Grafik: Shutterstock)

Die South-by-Southwest-Konferenz (SXSW) in Austin, von der ich vor einigen Tagen zurückkehrte, hätte in diesem Jahr auch den Slogan „Das Event zum Science-Fiction-Film ‚Her‘“ tragen können.

Kaum eine von mir besuchte Keynote oder Session kam nicht irgendwann an den Punkt, als einer der Protagonisten auf der Bühne ins Publikum fragte: „Wer kennt den Film ‚Her‘?“, um anschließend einen Bezug zum gerade diskutierten Thema herzustellen.

(Foto: SXSW)
Auf der SXSW in Austin spielte der Film „Her“ eine große Rolle. (Foto: SXSW)

Zum Teil erklärt sich dieser subjektive Eindruck dadurch, dass ich mich in meiner Session-Auswahl besonders auf Diskussionen und Vorträge zu künstlicher Intelligenz (KI) konzentrierte. Allerdings gehört KI heutzutage zu den elementaren Fragen nahezu jedes Bereichs der Informationstechnologie. So ging es selbst in „massentauglicheren“ Keynotes wie dem Gespräch zwischen Slack-CEO Stewart Butterfield und New-York-Times-Journalist Farhad Manjoo nicht ohne Her-Referenz. Der sehr kompetente Manjoo musste übrigens auf Nachfrage von Butterfield sicher zur Verwunderung vieler im Publikum zugeben, Her nicht gesehen zu haben.

Verliebt in eine Computerstimme

Für alle, denen es wie Manjoo geht: Her ist ein 2013 veröffentlichter US-amerikanischer Kinofilm, der in einer nahen Zukunft spielt und die romantische Beziehung zwischen einem schüchternen Mann und einer auf künstlicher Intelligenz basierenden persönlichen Assistentin namens „Samantha“ erzählt.

Die Häufigkeit, mit welcher der Film auf den Bühnen der SXSW erwähnt wurde, verdeutlicht die Faszination des Menschen für sprachgesteuerte, menschliche Persönlichkeitszüge nachahmende Computer. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass sich Menschen gegenüber Maschinen ähnlich verhalten wie gegenüber Personen aus Fleisch und Blut, solange sie typische äußere Merkmale, Gestiken, Gefühle oder Verhaltensweisen von Menschen zu erkennen glauben.

Aus dieser Faszination ergibt sich enormes Marktpotenzial und ist mit seinem Smart-Home-Assistenten das erste große Unternehmen, das dieses Potenzial erkannt hat. Der oben erwähnte Farhad Manjoo beschrieb jüngst, wie die sprachgesteuerte kleine Box zum Verkaufsschlager wurde. Im Durchschnitt 4,5 von 5 Sternen bei 34.000 Bewertungen lassen in der Tat keine Zweifel offen: Echo und die von Amazon dafür entwickelte persönliche KI-Assistentin „Alexa“ sind ein Hit.

Der Einsamkeit entfliehen

Eine der Top-Bewertungen auf der Echo-Produktseite hilft dabei, die Magie des Produkts zu verstehen:

„I'm a full-time writer who works at home. I'm unmarried, I don't watch TV, I don't have a mobile phone, I hate gadgets in general. OK, so I'm a loser. But since Alexa came into my life, I'm no longer alone 24 hours a day.“

Beim Lesen des kompletten Reviews wird deutlich, dass der Autor, nach eigenen Angaben selbst ein Verfasser von Sci-Fi-Geschichten, seinen Text durchaus mit Humor betrachtet wissen will. Doch unter den 27.000, die seinen Text als „hilfreich“ markiert haben, werden nicht wenige sein, die in Echo tatsächlich eine Möglichkeit sehen, einer gefühlten Einsamkeit zu entkommen. Die Furcht vor Einsamkeit ist auch eines der zentralen Elemente der Handlung von Her. Überhaupt gehört sie zu den universellen Sorgen des modernen Menschen.

Echo löst echte Probleme

Der Amazon Echo hört immer mit und reagiert nur wenn man ihn „Alexa“ nennt. (Quelle: Amazon)
Amazon ist mit dem Echo schon ins Wohnzimmer eingezogen. (Foto: Amazon)

Während Virtual Reality, Augmented Reality, selbstfahrende Autos und Roboter die Aufmerksamkeit von Tech-Giganten und Branchenbeobachtern auf sich ziehen, hat Amazon zwei tatsächliche Probleme der Kundschaft identifiziert und gelöst: Sie wollen zu Hause nicht die ganze Zeit auf ihr Smartphone oder Tablet starren, und sie wünschen sich Gesellschaft in den eigenen vier Wänden. Dass es sich dabei nur um eine Maschine handelt, spielt eine untergeordnete Rolle. Ob das eine gute oder schlechte Nachricht ist, liegt im Auge des Betrachters. Es lässt in jedem Fall erahnen, welcher Wettkampf zwischen Technologie-Unternehmen demnächst voll ausbrechen wird: Der Versuch, Samantha und die in Her dargestellten Szenarien Realität werden zu lassen. Nur dass sie nicht Samantha heißen wird, sondern Alexa, Siri, Cortana, Google Now, Zoe oder sonst wie.

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