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SmartLaw: Verträge aus dem Anwaltsautomaten [Interview]

SmartLaw: Verträge aus dem Anwaltsautomaten [Interview]

Anwälte sind teuer, Musterverträge nicht auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten. Das Berliner SmartLaw verspricht rechtssichere Verträge mit individuellen Komponenten zu fairen Preisen – zum Beispiel Arbeitsverträge, Geschäftsführerverträge oder auch Webdesignverträge für Selbstständige. SmartLaw-Mitgründer Dr. Daniel Biene erklärt im , wie Mass Customization bei Verträgen funktioniert und wie man das Angebot immer weiter verbessern will. 

SmartLaw: Verträge aus dem Anwaltsautomaten [Interview]

t3n.de: Herr Biene, können Sie uns das Angebot Ihres Startup SmartLaw in einer Tweet-Länge von 140 Zeichen erklären?

Dr. Daniel Biene: Mit SmartLaw erstellen Nutzer individuelle Rechtsdokumente. Schnell, immer aktuell, rechtssicher und zu niedrigen Kosten.

SmartLaw bietet Verträge aus unterschiedlichen Bereichen. (Bild: SmartLaw)
SmartLaw bietet Verträge aus unterschiedlichen Bereichen. (Bild: SmartLaw)

t3n.de: SmartLaw versucht den Frage-Antwort-Dialog zwischen Mandant und Anwalt online abzubilden. Sie arbeiten nach eigenen Angaben mit „problembezogenen Regelsätzen“ und versuchen „implizites Wissen aus Fakten zu folgern“, um die Zahl der notwendigen Folgefragen zu reduzieren. Können Sie uns das am Beispiel des „Webdesignvertrages“ aus Ihrem Angebot erklären?

Dr. Daniel Biene: Im Gegensatz zur Mustervorlage beantwortet der User Fragen. Anhand der Antworten baut sich das Dokument dann Wort für Wort, Satz für Satz dynamisch auf.

Das heißt, dass Nutzer nur Fragen gestellt bekommen, die für ihre Situation Sinn machen. Bei der Erstellung eines Webdesignervertrags wird zum Beispiel gefragt, ob es eine Konzeptionsphase gibt. Nur wenn der User mit „ja“ antwortet, fragt das System nach Dauer und ob es in der Phase ein Produktionsbudget gibt. Bei Mustervorlagen müsste man nicht zutreffende Klauseln händisch rausstreichen und läuft so Gefahr, widersprüchliche Regelungen im Vertrag zu haben.

Zudem schützt unser System vor Logikfehlern. Etwa bei der Testamentserstellung. Hier wird unter anderem die Vermögensaufteilung geprüft. Im Dialog wird der Nutzer gewarnt, wenn er 50 Prozent an Person A, 30 Prozent an Person B und 30 Prozent an Person C vergeben will.

Innerhalb eines gewissen Rahmens werden also Ratgeberleistungen erbracht, die ansonsten nicht oder nur sehr aufwändig zu beschaffen wären. Und am Ende hat der Nutzer ein rechtssicheres Dokument in den Händen, das genau zu seiner individuellen Situation passt.

t3n.de: Sie haben ein Feedbacksystem auf Ihrer Website, mit dem Kunden kontextbezogen „fehlende Auswahlmöglichkeiten“, „unverständliche Formulierungen“ oder weitere Probleme monieren können. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Ihren Nutzern? Und wie gehen Sie mit diesen Rückmeldungen um?

Dr. Daniel Biene: Wir bekommen oft allgemeine Fragen oder Wünsche zur Erweiterung des Portfolios, aber auch Anmerkungen, wenn zu viel juristische Fachsprache in unseren Frage-Antwort-Dialog gerutscht ist. Feedback ist für uns ganz entscheidend, um SmartLaw zu verbessern und im Sinne der Kunden auszubauen.

Deshalb prüfen wir Rückmeldungen auch täglich. Einmal pro Woche besprechen wir uns dann in größerer Runde, schauen, wo wir besser werden können. Dass wir diese Woche zusätzlich zur sehr umfassenden Vorsorgeregelung eine separate, knappere Patientenverfügung online gestellt haben, war zum Beispiel mehrfacher Wunsch unserer Kunden.

t3n.de: Wie fällt denn insgesamt das Feedback der Nutzer aus? Im Netz findet man auch durchaus kritische Stimmen, die „geringe Individualisierungsmöglichkeiten“, „kleinere Ungenauigkeiten“ und „zum Teil aber auch gravierende Lücken“ bemängeln ...

Dr. Daniel Biene: Das direkte Feedback unserer Kunden ist größtenteils positiv. Das ist für uns nicht selbstverständlich und wir arbeiten jeden Tag im Team daran, dass es auch so bleibt.

Uns ist aber durchaus bewusst, dass wir mit unseren Rechtsdokumenten nicht jeden Einzelfall abdecken können. Und das wollen wir auch gar nicht. Viele einfache bis anspruchsvollere Situationen lassen sich mit unseren Dokumenten lösen, aber sie ersetzen nicht den Anwalt. Wer also beispielsweise einen Geschäftsführer mit einer sehr individuellen Tantiemenregelung einstellen möchte oder an komplizierte Tarifverträge gebunden ist, wird bei uns nicht fündig werden, sondern sollte sich ganz klassisch beraten lassen. Den Großteil der Fälle können wir aber sehr gut abdecken.

Der Prozess zum individuellen Vertrag beinhaltet ein Frage-Antwort-Spiel auf dem Portal. (Bild: SmartLaw)
Der Prozess zum individuellen Vertrag beinhaltet ein Frage-Antwort-Spiel auf dem Portal. (Bild: SmartLaw)

t3n.de: Was Sie momentan nicht bieten sind „sehr komplexe Sonderkonstellationen“. Wieweit – denken Sie – können Sie das Konzept, Mass Customization auf einen derart komplexen und individuellen Sachverhalt wie „Verträge“ anzuwenden, treiben?

Dr. Daniel Biene: Verträge durch Technologie erstellen zu lassen hat Grenzen. Und zwar dort, wo juristische Probleme kompliziert und abwägungsbedürftig werden. Denn ab einem gewissen Level kann man Expertenwissen einer Maschine nicht mehr beibringen. Vor allem dann, wenn unabhängiges Vorwissen zum Fall eine Rolle spielt oder derart viele Details relevant sind, dass die Eingabe in unser System für den Nutzer zur Qual würde.

Zwischen ganz einfach und ganz kompliziert gibt es aber wie gesagt viele Standardfälle, die individuelle Komponenten haben. Die Mehrheit der Arbeitsverträge, Mietverträge, Patientenverfügungen, Testamente und Vollmachten gehören dazu, genauso wie eine Vielzahl von anderen Dokumenten, die wir sukzessive in unser Portfolio aufnehmen werden.

t3n.de: Momentan bieten Sie kein kleines, aber ein überschaubares Angebot an Verträgen für die Arbeitswelt. In welche Richtung werden Sie Ihr Angebot ausbauen? Welche Zielgruppen fokussieren Sie?

Dr. Daniel Biene: Unsere Dokumente sind für alle, die rechtssichere, auf sie zugeschnittene Verträge brauchen, aber das Geld für den Gang zum Anwalt nicht ausgeben können oder wollen. Dazu gehören Privatanwender, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen. In diese Richtung wachsen wir. Dabei fokussieren wir uns momentan vor allem auf arbeitsrechtliche Dokumente, Immobilienrecht und Vorsorgethemen. In den nächsten Wochen werden weitere Dokumente für diese beiden Zielgruppen hinzukommen, unter anderem aus dem Gesellschaftsrecht und dem Bereich des geistigen Eigentums, für den E-Commerce und für den privaten Alltagsgebrauch.

Unsere Dokumente bringen jedem Mehrwert, der einen rechtssicheren Vertrag mit individuellen Komponenten braucht. Das geht vom Webdesigner-Vertrag über befristete Angestelltenverhältnisse bis hin zum Geschäftsführerdienstvertrag. Auch unseren Geschäftsführervertrag können Sie ohne zu zögern verwenden – sofern die von unserem System abgefragten Themen alles adressieren, was Sie mit Ihrem Geschäftsführer regeln möchten. Das ist von führenden Arbeitsrechtlern geprüft und völlig wasserdicht. Sofern Sie aber etwas regeln möchten, das Sie innerhalb unseres Systems nicht wiederfinden, sollten Sie zu Ihrem Anwalt gehen.

t3n.de: Mal ehrlich: Nutzt SmartLaw eigentlich Verträge von SmartLaw für SmartLaw? Zum Beispiel den Geschäftsführervertrag? Oder bearbeiten Sie die nach?

Dr. Daniel Biene: Leider gab es uns vor eineinhalb Jahren noch nicht. Ansonsten hätten wir sehr gern auf unsere Verträge zurückgegriffen. Ich habe früher selbst fast täglich Rechtsdokumente durch Anwälte erstellen lassen und weiß aus eigener Erfahrung, wie teuer und zeitraubend das sein kann. Genau deswegen haben wir SmartLaw gegründet. Und klar setzen wir unsere Verträge bei unseren eigenen Mitarbeitern ein – ohne Änderungen und komplexe Sondervereinbarungen.

t3n.de: Vielen Dank für das Interview!

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