Nokia ist zwar noch immer Weltmarktführer, aber die Musik spielt inzwischen woanders. Apples iPhone und nun Android wirbeln viel Staub auf. Nokias Chefstratege Anssi Vanjoki gibt sich in einem Gespräch mit dem Handelsblatt gelassen. „Bislang sind kaum Android-Handys verkauft worden, der Marktanteil liegt unter einem Prozent, technisch ist Android noch nicht ausgereift. Unser Betriebssystem Symbian wird in den kommenden Jahren das dominierende System bleiben“, erklärt er. Ob das die Kunden 2010 genauso sehen?
Das Problem Nokias hatte neulich eine interessante Analysten-Rechnung klar gemacht: Apple ist zwar viel kleiner, verdient aber mehr Geld. Nokia hat ein riesiges Portfolio an Geräten für zahlreiche Nischen und Märkte. Apple hingegen hat sein iPhone. Dann noch den iPod touch. Punkt.
Erstaunlich bleibt: Obwohl Nokia so groß und so erfahren ist, haben sie nach zweieinhalb Jahren noch immer kein Smartphone, das das iPhone in den Schatten stellen könnte. Das Nokia N900 mit Maemo als Betriebssystem ist hier der erste Lichtblick. Aber ob sie dieses Gerät so pflegen und weiterentwickeln, wie Apple es tut? Nokia ist eher dafür bekannt, mit der nächsten Generation grundlos vieles über den Haufen zu werfen und auf mehreren Partys gleichzeitig zu tanzen.
Zugleich wird die Vielfalt im Android-Lager größer und größer. Viele Handyhersteller und Mobilfunkanbieter freuen sich ganz offensichtlich über den neuen Schwung im Markt. Und wenn man die Stimmung auf Geek-Veranstaltungen wie BarCamps einmal als Gradmesser heranzieht, hat Android derzeit einigen Rückhalt in der Entwickler-Gemeinschaft - wichtig für zahlreiche kreative und nützliche Apps. Nokia hat hier wenig zu bieten.
Erstaunlich bei alldem, dass Nokia so sehr an Symbian festhält. Sicher: Das System ist seit Jahren im Einsatz und kann sich dadurch vielleicht das Etikett „ausgereift“ anheften. Aber das gilt ebenso für Windows Mobile. Gegen die Dynamik bei Android und iPhone sieht Nokia derzeit lahm aus. Wir werden sehen, wie Vanjokis Meinung zu Android und Symbian in einem Jahr lautet.
Heute steht jedenfalls nicht mehr nur die Featureliste eines Handys im Vordergrund. Viele Kunden haben gelernt, dass die tollsten Funktionen nichts bringen, wenn sie sich umständlich oder gar nicht bedienen lassen. Zudem sind viele Geräte heute von den technischen Spezifikationen her so ähnlich, dass die Unterschiede nur noch für Datentabellen-Fetischisten interessant sind. In der täglichen Praxis spielt dagegen die Bedienung eine viel wichtigere Rolle.
Heute geht es um das gesamte Nutzungserlebnis und um die verfügbaren Apps. Da reicht es nicht mehr wie in den vergangenen Jahren, dem nächsten Gerät ein neues Gehäusedesign, einen neuen Namen und ein bisschen neue Hardware zu geben, um die Kunden zu überzeugen. Und das muss Nokia offenbar erst noch lernen.


















Mit Sicherheit wird Android auch gehyped, aber nichts desto trotz hat es unglaubliches Potential. Und Nokia Handys kauf ich schon seit Jahren, ja bald Jahrzehnten nicht mehr.