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Kolumne

Snap-IPO: Warum Evan Spiegel das Twitter-Gespenst noch lange verfolgen dürfte



    Snap-IPO: Warum Evan Spiegel das Twitter-Gespenst noch lange verfolgen dürfte



(Foto: dpa)

Nach dem spektakulären Börsendebüt droht Snap ein langer, langsamer Abstieg nach dem Vorbild von Twitter, prognostiziert Nils Jacobsen in seiner „Wall Street Valley“-Kolumne. 



Die Gier ist zurück. Als Snap Inc. am vergangenen Donnerstag nach monatelangen Spekulationen, was die Snapchat-Muttergesellschaft nun tatsächlich wert sei, endlich an der Wall Street debütierte, hatten sich die Animal Spirits, wie so oft bei hoch gewetteten Börsengängen, wieder einmal durchgesetzt. 

Nachdem das fünfeinhalb Jahre alte US-Unternehmen den Ausgabepreis bereits auf 17 US-Dollar je Aktie angehoben hatte, schoss das Papier zum Handelsstart gleich um 44 Prozent nach oben. Damit nicht genug: Die ausgelassene Snap-Party setzte sich auch am nächsten Handelstag fort, als die Aktie auf das bisherige Rekordhoch von 29,44 Dollar kletterte, auf dem die Muttergesellschaft von Snapchat bereits mit einer enormen Marktkapitalisierung von 41 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Kurzer Aufstieg, schneller Fall

Doch der Höhenflug dauerte nur genau 24 Stunden. Schon am zweiten Handelstag setzten Gewinnmitnahmen ein, die sich in der vergangenen Woche massiv ausweiteten: Zwei Handelstage später wurden Snaps Anteilsscheine bis auf 20,64 Dollar nach unten durchgereicht – ein saftiger Absturz von 30 Prozent, der in der Spitze 12 Milliarden Dollar ab Börsenwert ausradierte. 

Auch wenn sich Snap seitdem wieder leicht fangen konnte, erinnert das Muster an einen anderen Social-Media-Liebling, mit dem CEO Evan Spiegel so gar nichts zu tun haben will – Twitter. Auch der 140-Zeichen-Dienst legte bei seinem Börsengang im November 2013 zunächst furios zu. Vom Ausgabekurs bei 26 Dollar zog der Kurznachrichtendienst binnen weniger Wochen sogar bis auf 70 Dollar ab und war zu diesen Höchstkursen ebenfalls kurzzeitig über 40 Milliarden Dollar wert.

Mit hohen Verlusten an die Börsen: Snap ist auf den Spuren von Twitter

Wie Snap startete auch Twitter hoch defizitär an der Wall Street. Der 140 Zeichen-Dienst setzte im Geschäftsjahr 2013 665 Millionen Dollar um, verlor dabei aber happige 645 Millionen Dollar; der Messenger-App-Anbieter mit dem Geisterlogo erlöste im vergangenen Geschäftsjahr 373 Millionen Dollar, verlor allerdings ebenfalls saftige 514 Millionen Dollar. In anderen Worten: Snaps Verluste waren 2016 sogar noch deutlich höher als die Umsätze!

Nun wettet die Wall Street bei Snap aggressiv auf eine Umsatzexplosion: Die Erlöse sollen sich in diesem Jahr auf rund 1,1 Milliarden Dollar verdreifachen und sich 2018 nochmals fast auf 2,15 Milliarden Dollar verdoppeln, sagen die aktuellen Konsensschätzungen der Analysten voraus. Das wäre eine dynamischere Entwicklung als bei Twitter, das seine Umsätze 2014 um 110 Prozent und im Folgejahr um 58 Prozent steigern konnte. 2016 legten die Erlöse dann nur noch um 14 Prozent zu. 

Twitter als mahnendes Beispiel

: Geld verdient hat der 140 Zeichen-Dienst bis heute nicht.

Das Minus wurde in den vergangenen drei Jahren zwar von 645 auf 456 Millionen Dollar verkleinert, doch weil CEO Jack Dorsey bislang nicht annähernd an die Breakeven-Schwelle herangerückt ist, während das Umsatzwachstum zuletzt sogar zum Erliegen gekommen ist, hat die Wall Street längst die Reißleine gezogen und die Twitter-Aktie wie eine heiße Kartoffel fallen lassen – aus einst 70 Dollar sind bis heute ganze 15 Dollar geworden.

Ob Snap Twitters Negativbeispiel folgt oder eine ganz eigene Erfolgsgeschichte schreibt, die am Ende vielleicht doch an Facebook erinnert, erscheint aktuell noch völlig offen. Was Snap jedoch in den kommenden Jahren wie Twitter belasten dürfte, ist die nicht vorhandene und auch nicht einmal absehbare Profitabilität.

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