Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Nonkonformist: Wie Snapchat-Chef Evan Spiegel eine ganze Branche aufmischt

    Nonkonformist: Wie Snapchat-Chef Evan Spiegel eine ganze Branche aufmischt

Snapchat-Chef Evan Spiegel. #FLICKR#

Auch wenn Snapchat bisher noch immer nur vorrangig jüngere Nutzergruppen anspricht, hat sich die kalifornische Multimedia-Kommunikations-App zu einem Massenphänomen entwickelt. Deshalb wird das Startup um CEO Evan Spiegel mittlerweile mit bis zu 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Und das, obwohl Spiegel viele Dinge ganz anders macht als die üblichen Titanen des Silicon Valley. Martin Weigert erklärt in „Weigerts World“, wo Snapchat besonders aus der Reihe tanzt.

Snapchat: Mit bis zu 20 Milliarden Dollar bewertet

Snapchat-Chef Evan Spiegel auf der TechCrunch Disrupt. (Foto: TechCrunch / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Evan Spiegel, der sonst eher pressescheue CEO und Mitgründer der Kommunikations- und Entertainment-App Snapchat, ist aktuell auf PR-Tour. Bloomberg hat diese Woche ein umfangreiches Porträt über den 24-Jährigen und sein schnell wachsendes Unternehmen veröffentlicht. Parallel hat er sich auf der Code-Conference den Fragen von Walt Mossberg und Kara Swisher gestellt.

Was an Spiegels Aussagen auffällt, ist der wiederholte Bruch mit den Konventionen der Rivalen des US-amerikanischen Consumer-Internet-Geschehens. In vielerlei Hinsicht geht Snapchat eigene Wege geht, anstatt die von Facebook, Twitter, Google und zahlreichen anderen Diensten etablierten Best Practices und Strategien anzuwenden. Und der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht: Es wird mittlerweile mit bis zu 20 Milliarden Dollar bewertet. Mehr als 60 Prozent der Amerikaner zwischen 13 und 34 Jahren sind laut Firmenangaben aktive Anwender. Zwar konzentriert sich die Nutzerschaft nach wie vor in dieser Altersgruppe – allerdings hat der Service mittlerweile treue Anwender rund um den Globus.

Schauen wir uns mal an, wo Snapchat-Chef Spiegel sich ganz anders verhält als seine Branchenkollegen:

  • Snapchat ist im zum Großraum Los Angeles gehörenden Küsten- und Erholungsort Venice Beach beheimatet. Die geografische Distanz zur San-Francisco-Bay-Area, wo die meisten Kontrahenten sitzen, führt dazu, dass Spiegel nur sehr selektiv Kontakte zu anderen Strippenziehern der Branche pflegt.
  • Anders als seine Kollegen 500 Kilometer weiter nördlich ist Spiegel nicht überzeugt davon, dass das Sammeln von Daten die ultimative Grundlage für gute Online-Geschäftsmodelle darstellt.
  • Spiegel hält auch wenig von den meisten Online-Werbeformen. Er finde Targeting im Netz unangenehm, wird er von Bloomberg wiedergegeben. Stattdessen setzen er und sein Team große Hoffnung in breit gestreute, TV-Spots ähnelnden Marken-Kampagnen. Die Nähe zu Hollywood und die dort gelebten Werten und Prinzipien spiegeln sich in der Monetarisierungs-Philosophie des 2011 gegründeten Startups wider.
  • Snapchat sieht nicht sonderlich gut aus, verwirrt mit einem nicht unbedingt logisch erscheinenden Mix aus Funktionen und macht neuen Anwendern mit einer wenig intuitiven Benutzeroberfläche den Einstieg schwer. Von anderen Kommunikations- und Messaging-Apps bekannte Bedienelemente und Navigationskonzepte sucht man vergebens. Spiegel dazu: „Ich verstehe, dass es anders aussieht. Es sieht anders aus, weil es etwas Neues ist.“
  • Der junge Entrepreneur hält wenig von den typischen, die Privatsphäre auflösenden Praktiken vieler Rivalen. „Geheimnisse zu haben, gibt dir die Freiheit, deine Meinung zu ändern, bis du dir sicher bist, richtig zu liegen.“ Diese Haltung manifestierte sich frühzeitig in Snapchats Kernfunktionalität: dem Versenden von sich selbst zerstörenden Videos und Fotos.
  • Snapchat hat sich zum Debüt der Apple Watch gegen die Veröffentlichung einer App entschieden. Nahezu alle anderen Netzriesen haben zumindest alibimäßig spezifische Anwendungen für Apples smarte Uhr auf den Markt gebracht.

Warum Evan Spiegel ein Übernahmeangebot in Milliardenhöhe ablehnt

„Snapchat beweist: Abseits der ausgetretenen Pfade etablierter Platzhirsche gibt es noch einen alternativen Weg.“

Ich finde es bemerkenswert, wie wenig sich Snapchat in seiner Strategie bisher zumindest nach außen vom Status Quo der Branche hat beeinflussen lassen. CEO Evan Spiegel offenbart einen Nonkonformismus, der in diesem Business unüblich ist und der ein wenig an den jungen Mark Zuckerberg erinnert. Dazu passt auch, dass Spiegel wie Zuckerberg ein Übernahmeangebot in Milliardenhöhe abgelehnt hat – von eben jenem Zuckerberg.

Bislang führt Snapchat eindrucksvoll vor, wie es abseits der ausgetretenen Pfade etablierter Platzhirsche noch einen alternativen Weg gibt. Das ist wichtig, weil der Erfolg von Snapchat mittlerweile derartig viel Beachtung bekommt, dass die Kontrahenten ihre eigene Linie an Snapchat ausrichten. Mark Zuckerbergs spätes Eingeständnis, dass Kommunikation zwischen Menschen manchmal auch in einem sehr privaten Rahmen stattfinden können muss, war zumindest in Teilen eine Reaktion auf den Aufstieg von Messaging-Apps – und insbesondere auf Snapchat.

Snapchat mischt die Branche gehörig auf

snapchat5
Mehr als 60 Prozent der Amerikaner zwischen 13 und 34 Jahren sind laut Firmenangaben aktive Snapchat-Nutzer.

Noch allerdings lässt sich nicht endgültig feststellen, ob Spiegels Strategie der Alleingänge auf Dauer funktionieren kann. Den Beweis, dass sich ein reichweitenstarker Social-Media-Dienst ohne exzessive Datensammelei und hochpersonalisierte Anzeigen wirtschaftlich betreiben lässt, ist Spiegel noch schuldig – in Sachen Monetarisierung steht der Dienst ganz am Anfang. Und obwohl junge Leute ihn wie besessen nutzen, ist Snapchat meilenweit von der Reichweite entfernt, die Facebook oder WhatsApp sich erarbeiten konnten.

Getrost aber lässt sich konstatieren, dass Snapchat die Branche derzeit gehörig aufmischt. Und die ein oder andere lange geglaubte Branchenweisheit umstürzt.

Finde einen Job, den du liebst

1 Reaktionen
Gute Ideen
Gute Ideen

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie die totale Personalisierung jedes TV-Zuschauers und Privatkonto-korrelierte TV-Crypto-Karten gefordert wurden um Werbung auszuspielen.
Auch wurde praktisch überall und vermutlich auch von Bezahl-Postern behauptet, Mobile-Werbung würde nicht funktionieren. Dann kam Facebook und bewies diesen Neue-Markt-Repeatern das Gegenteil.

Selber Denken sollte für Startup-Berichte normal sein.
Werbung kann man auch in Gruppen aussspielen denen man sich andockt. Männlich, Weiblich, Alters-Gruppe, evtl Interessengebiete. Wollt Ihr Rentner-Werbung auf dem Handy ? Na also. Ihr werdet schon freiwillig die Gruppen selektieren die für Euch noch am interessantesten sind.
Totale Individualisierung inclusive Kontoauszügen und Privatadresse ist unnötig.
Amazon beweist z.B. auch täglich das die es auch nicht drauf haben obwohl Informations-Mitteilung das wichtigste überhaupt wäre.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen