Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kolumne

Erst Snapchat, dann Virtual Reality: Was uns der soziale Messenger über die Zukunft von Social VR verrät

    Erst Snapchat, dann Virtual Reality: Was uns der soziale Messenger über die Zukunft von Social VR verrät

(Bild: Martial Red / Shutterstock)

Snapchat ist aktuell der Überflieger im Social Web. Der soziale Messenger ist aber nicht nur erfolgreich, seine Funktionsweise verrät uns auch einiges über die Zukunft der sozialen Medien – und die von sozialen Virtual-Reality-Anwendungen. Die Virtual-Reality-Kolumne „Views on VR“ von Luca Caracciolo.

„Ich drücke auf den Aufnahme-Button ... und los“ – Snapchat und die Virtual Reality

Wenn ich im Alltag soziale Medien nutze, ergeben sich mehr oder weniger folgende Nutzungsszenarien:

Facebook: Ich poste ein Bild oder einen Link und überlege mir einen lustigen Text dazu, den Leute gerne teilen – mit der Hoffnung, möglichst viele Likes zu kriegen. Je mehr Likes, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Post auch in anderen Timelines auftaucht.

Twitter: ich feile an der genauen Formulierung eines Tweets, um damit die maximale Reichweite in Form von Retweets, Mentions und Favs zu generieren – Sascha Lobo hat mal gesagt, er denke bisweilen bis zu einer Stunde über die genaue Formulierung eines Tweets nach.

Instagram: Ich mache ungefähr fünf Fotos von einem Motiv, wähle das beste aus und bearbeite es anschließend mit Filtern und weiteren Bearbeitungstools. Erst dann poste ich das Bild mit einem Text im Instagram-Stream.

Snapchat: Ich drücke auf den Aufnahme-Button ... und los.

Snapchat dürfte erheblichen Einfluss auf Virtual Reality haben. (Foto: Shutterstock)
Snapchat dürfte erheblichen Einfluss auf Virtual Reality haben. (Foto: Shutterstock)

Natürlich läuft das nicht zu 100 Prozent so schablonenhaft ab, aber: Es gibt einen fundamentalen Unterschied im Nutzungsszenario von Snapchat auf der einen und Facebook, Twitter oder Instagram auf der anderen Seite. In einem sehr lesenswerten Beitrag für TechCrunch hat Mike Wadhera, Gründer und CEO von Sports Feed, diesen Unterschied in theoretische Begriffe übersetzt. Er spricht von einem Übergang vom „Information Age“ zum „Experience Age“.

Über das „Information Age“ schreibt Wadhera:

„Accumulation manifests in a digital profile where my identity is the sum of all the information I’ve saved —  text, photos, videos, web pages. (…) In the Information Age we represented ourselves with this digital profile.“

Das „Experience Age“ hingegen habe wenig mit der Konstruktion eines Profils zu tun:

„Mobile has changed how we view digital identity. (…) The result is that the profile is no longer the center of the social universe. In the Experience Age you are not a profile. You are simply you.“

Wadhera nennt Snapchat als das beste Beispiel für das, was im „Experience Age“ wichtig sei: Für mobile Nutzungsszenerien gebaut, erlaubt Snapchat einen weitestgehend ungefilterten Blick auf den Nutzer: „Schaut her, das bin ich“ – unabhängig – zumindest für Außenstehende – von Metriken wie Likes, Retweets oder Followern.

Nicht nur Snapchat ist übrigens Beleg für diese Entwicklung, auch Facebooks Live-Video liefert solche ungefilterten Blicke auf Nutzer und trifft dabei den Zeitgeist – siehe den unfassbaren Erfolg der Chewbacca-Mask-Lady Candace Payne auf Facebook Live.

Snapchat und Virtual Reality: Immersive soziale Erfahrungen

Was aber haben das „Experience Age“ und Snapchat mit Virtual Reality zu tun? Nun, wenn in Zukunft im Social Web zunehmend ungefilterte Erfahrungen in Form von Snaps oder Live-Videos eine Rolle spielen werden, ist Mobile-VR das Medium, um diese „Experiences“ am intensivsten zu erleben. Natürlich braucht es keine VR-Brille, um das Chewbacca-Mask-Lady-Video lustig zu finden. Aber etwas weiter gedacht, könnte auch Kommunikation mittels Virtual Reality von der besonderen Form der Präsenz profitieren, die die Technologie ermöglicht. Wenn es zunehmend wichtig wird, anderen Menschen die eigenen Erfahrungen mitzuteilen, braucht es in Zukunft vielleicht auch ein neues Medium dafür – und Social VR könnte dieses Medium sein.

Snapchat selbst experimentiert derzeit etwa mit Augmented-Reality-Technologien. Und es ist sicher kein Zufall, dass Marc Zuckerberg vor zwei Jahren Oculus VR gekauft hat – unlängst hat das Unternehmen hinter dem größten sozialen Netzwerk der Welt ein VR-Team etabliert und kooperiert in Sachen Mobile-VR zudem intensiv mit Samsung. Und nicht zuletzt Google weitet mit der Daydream-Plattform seine Mobile-VR-Bestrebungen aus und experimentiert mit entsprechenden Apps.

Es gibt schon erste Ansätze, Social VR salonfähig zu machen – etwa mit AltspaceVR, einer App, bei der es möglich ist, als Avatar in der virtuellen Realität in einem Raum mit Menschen zu sein, die nicht am selben Ort sind. Auch Tech-Demos wie die von Facebook auf der diesjährigen F8 zeigen frühe Experimentierphasen. Dass es allerdings noch ein weiter Weg hin zu funktionierender Social VR ist, gibt selbst Facebook zu: Die Mannigfaltigkeit menschlicher Kommunikation in einer virtuellen Umgebung abzubilden, bedeutet mehr als mit einfachen Avataren im gleichen virtuellen Raum zu sein. Mimik, Augenbewegungen, Körpersprache – all das gilt es erst mal möglichst präzise abzubilden, sonst drohen die Probleme des berühmt-berüchtigten Uncanny Valley. Und technisch ist das noch ein weiter Weg.

Aber vielleicht geht es erst mal gar nicht so sehr darum, menschliche Kommunikation eins zu eins in einer virtuellen Realität abzubilden. Der erste Schritt könnte sein, Erfahrungen, etwa ein besonderes Erlebnis, anderen Menschen in der virtuellen Realität zu schicken – als VR-Film- oder 360-Grad-Bild in einem Messenger zum Beispiel, um eben eine möglichst unvermittelte Sicht auf die Dinge zu gewähren. Und wenn das massentauglich funktioniert – wofür entsprechende Smartphone-Hardware nötig ist –, wäre der nächsten Schritt, mit Menschen Erfahrungen eben nicht nur zu teilen, sondern sie auch gemeinsam zu erleben  – in der virtuellen Realität.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden
Alle Jobs
Zur Startseite
Zur Startseite