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Wo Social Commerce an seine Grenzen kommt [Kommentar]

Das Internet ist heute die erste Anlaufstelle für Kaufentscheidungen. Dabei vertrauen Menschen weniger anonymen Testberichten als vielmehr den Empfehlungen ihrer Freunde und Bekannten. Social Commerce ist eine Realität geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Es gibt aber auch Schwierigkeiten, die manche Erwartung an dieses Thema getrübt haben – vor allem beim viel beschworenen F-Commerce.

Wo Social Commerce an seine Grenzen kommt [Kommentar]

Die Revolution des Netzes besteht darin, dass Nutzer nicht mehr Konsumenten sind sondern selbst aktiv werden. Dies macht sich der E-Commerce zunutze und erfreut uns beständig mit Neuheiten, die Online-Shopping sozialer machen sollen. „User-generated-Advertising“ bedeutet, dass Konsumenten öffentlich für die Produkte einstehen, die sie für gut empfinden, und dadurch zu natürlichen Werbeträgern werden. Allerdings zeigen sich auch Grenzen im .

Problem der Vermischung von Geschäft und Freundschaft

In Bezug auf das Thema Empfehlungsmarketing sind Nutzer in den vergangenen Jahren sehr sensibel geworden. Zwar kaufen Menschen am liebsten Produkte, die ihnen von Menschen aus dem eigenen Netzwerk empfohlen wurden. Sobald dahinter aber Eigennutz erkennbar wird – indem der Empfehler finanziell für die Empfehlung belohnt wird – wächst die Skepsis, was die Empfehlung in einem schlechten Licht erscheinen lässt. Dies hat die Euphorie des Empfehlungsmarketings deutlich gedämpft. Verschiedenste Anbieter wie zum Beispiel theChicken, bei dem Nutzer für die Veröffentlichung von Produktgeschichten mit Auszeichnungen, Punkten und Cheftiteln belohnt wurden, sind im vergangenen Jahr wieder eingegangen.

Zum einen wollen Nutzer auch in ihren Online-Netzwerken klar Freundschaftsinteressen von Geschäftsinteressen unterscheiden – selbst wenn es sich beim Facebook-Freundeskreis meist eher um Bekannte als echte Freunde handelt. Zum anderen zeigen immer wieder Umfragen auf, dass Nutzer generell ein Problem damit haben, wenn andere durch sie Geld verdienen. Ob dies „typisch deutsch“ ist oder ein allgemeines Phänomen, über dieser Frage scheiden sich die Geister.

Der Aufwand für Unternehmen ist groß

Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand, den Social Commerce erfordert. Die Einbindung eines Like-Buttons reicht für zufriedenstellende Resultate nicht aus. Wer auf Social Media-Elemente setzen will, sollte auch die entsprechenden Ressourcen haben, um sich auf den Dialog mit den Kunden einzulassen. Die Aktivitäten der Nutzer müssen ausgewertet, Gruppen moderiert, auf negative Kommentare reagiert werden. Die positiven Aspekte des Social Commerce – virale Produktempfehlung durch die Nutzer – können auch in negativer Form zur Geltung kommen, wenn Nutzer ihrem Frust ebenso öffentlich freien Lauf lassen – so wie es zum Beispiel Pril erlebte.

Social Commerce aktiv zu beeinflussen benötigt einen langen Atem und viele Versuche samt Auswertung, bis irgendwann gute Ergebnisse erzielt werden. Die Schwierigkeit ist, dass es keine Patentrezepte gibt und Unternehmen sich nicht einfach die Strategie großer, erfolgreicher Onlineshops abschauen können, sondern für sich passende Modelle finden müssen.

Sensibilisierung für Datenschutz erschwert F-Commerce

In Bezug auf den viel beschworenen F-Commerce zeigt sich: Die Deutschen sind und bleiben ein Volk, das äußerst sensibel auf das Thema Datenschutz reagiert. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass der durchschlagende Erfolg des F-Commerce bisher ausgeblieben ist. Nutzer lieben es, über das zu sprechen was sie toll finden – dies geschieht in erster Linie in den sozialen Netzwerken. Aber eine direkte Monetarisierung, indem Käufe über Facebook abgewickelt werden, bleibt bisher weitestgehend aus. Die Sorge, dass Daten an Dritte weitergegeben werden, ist auch bei den „Digital Natives“ sehr wohl vorhanden – trotz der Tatsache, dass sie mit privaten Partyfotos oft erschreckend freizügig umgehen. Käufe werden nach wie vor am liebsten direkt über die entsprechende Unternehmensseite getätigt.

Nutzer wollen sich auf Facebook austauschen – mehr nicht

Neben dem Datenschutz besteht ein weiteres Problem des F-Commerce darin, dass Nutzer – anders als erwartet – überhaupt keinen Mehrwert darin erkennen, in ihrem Sozialen Netzwerk einzukaufen. Bisher wurde die Hoffnung vieler Unternehmen, über Facebook als Vertriebskanal die eigenen Abverkäufe signifikant zu steigern, daher enttäuscht. Facebook-Mitglieder bleiben in ihrer Gewohnheit, das Netzwerk einfach für Kontaktpflege und Austausch zu nutzen, überraschend konservativ und wollen gar nicht ihr gesamtes Leben samt Produktkäufe in das Social Network verlegen. Schwer zu sagen, ob die Prognosen in dieser Hinsicht einfach zu positiv waren oder ob sich ein Gewöhnungseffekt einstellt und der F-Commerce in den kommenden Jahren doch noch an Schwung gewinnen wird. Bisher ist es jedenfalls so, dass Facebook für Unternehmen das perfekte Produktmarketing-Instrument ist, jedoch in Bezug auf direkte Absätze enttäuschend.

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10 Antworten
  1. von Wo Social Commerce an seine Grenzen komm… am 17.07.2012 (08:34Uhr)

    [...] Das Internet ist heute die erste Anlaufstelle für Kaufentscheidungen. Dabei vertrauen Menschen weniger anonymen Testberichten als vielmehr den Empfehlungen ihrer Freunde und Bekannten. Social Commerce ist eine Realität geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Es gibt aber auch Schwierigkeiten, die manche Erwartung an dieses Thema getrübt haben – vor allem beim viel beschworenen F-Commerce.  [...]

  2. von Tom am 17.07.2012 (08:47Uhr)

    Also, ich kaufe am liebsten die Sachen, die ich brauche und nicht die, die mir von irgendwelchen "Freunden" empfohlen werden. Vielleicht bin ich ja die Ausnahme, aber bei mir führt Google noch um Lichtjahre, wenn es um die Kaufvorbereitung geht.

  3. von holgi am 17.07.2012 (13:48Uhr)

    Hallo,

    Social Commerce ist eigentlich wenig sozial, denn er versucht lediglich die Kanäle der Sozialen Kommunikation zu infiltrieren, um dadurch mehr Gewinne und Umsätze zu generieren.

    Daher gestaltet sich Social Commerce als recht aufwendig und schwierig, denn man muss ja glaubwürdige Lügen präsentieren, die zum Verkauf von irgendwas führen sollen.

    Meines Erachtens ist Social Commerce daher eher weniger geeignet um Abschlüsse zu erzielen oder auch Kundenvertrauen zu gewinnen.

    Ich persönlich kenne niemanden, der sich über Social Commerce freut, wohl eher das Gegenteil. Man entwickelt zu diesen „Klinkenputzern“ und deren Produkten recht schnell eine gesunde Abneigung. Kurzfristig mögen ja einige Fische in Netz gehen, aber langfristig wird das eher zu geringeren Umsätzen führen wird.

    Werbung - Ja – aber Heucheln und Anbiedern – Nein, das geht echt zu weit.

    In diesem Sinne hoffe ich, dass wir alle gesund bleiben.

    Liebe Grüße aus Berlin

  4. von Werbe interessen am 17.07.2012 (15:45Uhr)

    Die Leute erzählen schon gerne, was sie an ihrer Mikrowelle oder Topflappen gut oder schlecht finden.
    Wenn aber direkte Werbeinteressen dazukommen, wird oft nichts gutes daraus.

    Bei F-Commerce würde man sich den Akku-Schrauber oder Mähmaschine (auch in der Nachbarschaft) und natürlich das Elektro-Fahrrad oder den Unkraut-Stecher auch mal ansehen und ausprobieren. Und sowas mögen Firmen manchmal nicht.

    Facebook erkennt das gigantische Potentiel von C2C-market (also Gebrauchtmärkten) halt nicht. Dienstleister sind dafür da, den Kunden zufrieden zu stellen. Wenn Facebook also wüsste was der Kunde will, könnte man schauen ob man Provisionen, Punkte o.ä. kassieren kann indem man ihm das Produkt (neu oder gebraucht) in der Nachbarschaft verschafft.

  5. von Erik am 18.07.2012 (10:23Uhr)

    Bevor ich etwas kaufe informiere ich mich kreuz und quer im netz. Und zwar über die Suchmaschine Ixquick. denn diese ist weitaus weniger verSEOt und man gelangt an überraschend andere Infos. ich will nicht das kaufen was mir Pseudo"freunde" empfehlen oder PR Firmen über Google nach oben schieben, sondern das was mir anhand der Produkteigenschaften am meinsten nützt.

  6. von Aus Liebe zum Telefon verschläft man di… am 18.07.2012 (12:07Uhr)

    [...] verstanden hat, wie man im Spackeria-Blog nachlesen kann. Oder auch interessant der t3n-Kommentar: Wo Social Commerce an seine Grenzen kommt – gemeint ist vor allem der F-Commerce. Viel spannender dürfte also in der Kundenkommunikation das Spannungsfeld sein “Apps als [...]

  7. von Nicolas Maltry am 18.07.2012 (12:12Uhr)

    Das Ganze kann man durch aus aus einem anderen Blickwinkel sehen. Hier mehr dazu:

    http://www.theuksportsnetwork.com/the-potential-of-f-commerce-for-sports-organisations

  8. von Wochenrückblick 29/2012 am 10.08.2012 (21:18Uhr)

    [...] Wo Social Media an seine Grenzen kommt: »t3n.de [...]

  9. von Von E-Commerce zu Social Commerce am 11.12.2012 (15:15Uhr)

    [...] Durchbruch haben Social Commerce Anwendungen zwar — mit Ausnahme von Stylefruits und einigen wenige anderen — noch nicht ganz geschafft, [...]

  10. von Von E-Commerce zu Social Commerce am 12.02.2013 (18:54Uhr)

    [...] Durchbruch haben Social Commerce Anwendungen zwar — mit Ausnahme von Stylefruits und eini­gen wenige ande­ren — noch nicht ganz geschafft, [...]

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