let's
play
china
Panda ausblenden

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Marketing

Die Social-Media-Blase platzt! Na und?

    Die Social-Media-Blase platzt! Na und?
(Foto: The Big Quack / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Bei IT-Journalisten, aber auch bei einigen „Social-Media-Experten" macht sich zunehmend Skepsis und Müdigkeit dem Social Web gegenüber breit. Für unseren Gastautor Steffen Meier sind die Unkenrufe Teil eines schon vielfach beobachteten Prozesses.

(Foto: The Big Quack / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

In der Ausgabe 04/12 des internet magazin (WEKA) findet sich ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Artikel von Holger Reibold, der sich kritisch mit der „Social-Media-Blase" auseinandersetzt.

Hier sei kurz das Artikel-Fazit zitiert

Social-Media-Dienste haben ihren Höhepunkt längst überschritten. Die User sind gelangweilt von Selbstdarstellungen, Bierzeltatmosphäre und dergleichen mehr. Immer mehr nehmen den Aufwand, der zur Pflege vermeintlicher Freundschaften notwendig ist, als Zeitverschwendung wahr. Es scheint, als stünden wir vor einer Renaissance, bei der eben das im Mittelpunkt steht, wofür das Web geschaffen wurde: der Informationsaustausch.

Nun könnte man kritisch anmerken, dass diese Beobachtungen auf keinem nachweisbaren Fundament stehen, sondern eher den „Alles-nur-unqualifizierte-Zeitverschwendung"-Attitüden der überraschend Social-Media-feindlichen ITler-Gemeinschaft angehören, der der Autor aufgrund seiner Biografie zuzuordnen ist. Auch sonst wimmelt es von netten Plattitüden, etwa wenn es um die Verwässerung des Freundschafts-Begriffs geht: „Der per se sehr bedeutungsvolle Begriff der Freundschaft hat im Social-Media-Zeitalter stark gelitten."

Besonders lustig auch die Beweisführung zu den Hintergründen des Social-Media-Hypes: „Nachdem die letzten Jahre für die Werbebranche eine ausgesprochen schwierige Phase war, erhofft man sich durch Social Media offenbar ein neues Betätigungsfeld." Da haben wir Unternehmen uns wohl nur von cleveren Agenturen etwas einreden und über den Tisch ziehen lassen.

Vertraute Argumentationslinien

In diesem Argumentations-Stil geht es weiter, und man könnte den üblichen Abwehr-Reflex des erfahrenen SocialMedians ausüben. Und auch wenn die Argumentationslinien vertraut sind (was schade ist, denn niemand kann ernsthaft etwas gegen fundiert kritische Auseinandersetzung mit dem Thema sagen), so fällt doch die Häufung des „Die Blase platzt"-Themas in den letzten Monaten auf. Es wird auf verschiedenen Schauplätzen ausgetragen, mal mehr oder weniger sachlich fundiert, mal mehr oder weniger auf Unterthemen spezialisiert.

Beispielhaft denke ich da an die Diskussionen um Facebook und seine unvorhersehbaren Änderungen, die es gerade Unternehmen sehr schwer machten, eine vernünftige Kommunikations-Strategie aufzubauen. Oder zu einzelnen Netzwerken wie Google+, deren Relevanz aufgrund mangelnder Masse angezweifelt wird –  ausgerechnet oft von SocialMedians, die ansonsten das Credo "Relevanz vor Masse" wie eine Monstranz vor sich hertragen. Oder einzelnen Vorreitern, die angesichts der Tatsache, dass Kreti und Pleti inzwischen in den sozialen Kanälen unterwegs sind, die Lust daran verlieren.

Diese negative Grundstimmung nimmt vernehmlich zu (was oben erwähnte Verteidigungsreflexe der Bekehrten nur verstärkt) – und das ist gut so. Sie wird mit Sicherheit noch stärker anschwellen, immer mehr Lichtgestalten des sozialdigitalen Mediums werden sich öffentlichkeitswirksam abwenden. Und auch das ist gut so.

Denn letzten Endes befinden wir uns doch in einer Übergangsphase – und auch wenn ich mitunter bei Gartners Hype Cycle nicht konform gehe, sind doch einige Parallelen zu den beiden stärksten und nachhaltigsten technologischen Entwicklungen der letzten 15 Jahre zu sehen, nämlich dem Internet selbst sowie der Mobilisierung der Kommunikation.

Wachstumsschmerzen

Auch wenn sich inhaltlich und in den Ausformungen die Digitalisierung der Information, die Digitalisierung der Kommunikation und die Mobilisierung aller beider unterscheiden, sind die Verhaltensabläufe doch recht ähnlich. Traditionelle Ausprägungen davon sind Aussagen wie „Das Internet wird schon wieder weggehen" und ähnliches. Genauso wenig wie das Internet wird die Digitalisierung und soziale Vernetzung der Kommunikation wieder verschwinden. Aber vor dem eher auf leisen Pfoten daherkommenden Durchbruch als Alltagstechnologie gehört die Übertreibung und das nachfolgende Menetekel. Zu all dem führt letzten Endes unsere temporär eingegrenzte Sicht auf Entwicklungen, die erst im Rückblick Sinn geben, und die zutiefst menschliche Furcht vor Veränderung.

Insofern sehen wir vor uns mit Sicherheit noch das „Tal der Enttäuschungen". Wir sehen aber auch noch wichtige, weit über das Thema „Social Media" hinausgehende, aber für die digitale Entwicklung wichtige Diskussionen zu Themen wie „Was passiert mit meinem digitalen Abbild und wem gehört es?" (jetzt schon zu sehen in den Datenschutz-Diskussionen). Hinzu kommen eher praktische Auseinandersetzungen mit der  Trennung zwischen Privatheit und beruflicher Tätigkeit.

Gartner nennt diese Phase „Plateau der Produktivität", ein etwas euphemistischer Ausdruck für das, was viele ja eigentlich jetzt schon wollen: ganz pragmatisch im Alltag die Möglichkeiten, die sich uns hier privat wie beruflich bieten, nutzen. Nicht mehr, nicht weniger.

Eine Randbemerkung sei mir noch gestattet – nämlich meine Irritation darüber, das ein Magazin, dass das Internet im Titel trägt, online sehr wenig Präsenz zeigt. Darum ist leider auch obiger Artikel nur gedruckt (sic!) verfügbar.

Der Autor

Finde einen Job, den du liebst

7 Reaktionen
Karsten

Sehr lesenswerter Artikel, der durch einige gute Kommentare abgerundet wird. Aber grundsätzlich empfehle ich allen, im Blog meines Namensvetters Karsten weiterzulesen. Das bringt es auf den Punkt - Niemals den Menschen hinter den Accounts vergessen - .

Zusätzlich sei erwähnt, dass sich Ziele und Ergebnisse auch immer anders darstellen. Ich kann das bei uns ganz gut sehen, da wir das Thema "Social" - (-Marketing, -Media, -Life, -etc.) aus verschiedenen Perpektiven betrachten.

Als Mensch finde ich natürlich ziemlich viel extrem überflüssig, was meine "Freunde" bei Facebook und Xing so mitteilen wollen oder müssen. Einiges ist aber dafür so interessant, dass ich es gern in Kauf nehme das andere zu ignorieren oder zu filtern.

Als Betreiber einer Webseite stellt das Nutzen von Facebook & Co sowohl Gefahr und Chance gleichermaßen dar, weil "viele eben etwas schneller motzen als loben" - insbesondere hinter "Anonymen" oder "Zweitaccounts" versteckt.

Für uns, als außerdem beratende Agentur, ist die Krux auf dieser Welle (bremsend) mitschwimmen zu müssen und trotzdem die vielen anderen Möglichkeiten für Werbung, Branding und Marketing im Allgemeinen immer noch mit dem nötigen Anteil der Budgets zu versehen. Die obligatorische Frage eines jeden Kunden lautet immer wieder:"Was ist denn ein Like, Follower oder sonstiger Freund wert?" - Die Antwort ist genau so schwer wie einfach: "Das, was man daraus macht!" (wunderbar im Blog meines Vorredners auf den Punkt gebracht). Im Übrigen unterscheidet sich das in Nichts im Vergleich zum SEM. Wenn ich dort Kunden/ Klicks einkaufe, und meine Kunden mit Anzeigen oder Aussagen locke, die dann auf meiner Zielseite oder im Angebot nicht dargestellt werden, dann war das auch genau das wert was daraus gemacht wurde, nichts, die Kunden sind nämlich auch weg und erzählens dann offline ihren Kumpels.

Um das abzurunden gibts von mit für t3n.de und hellyeah-maketing.de ein Like auf Facebook :-).

Antworten
Karsten

Ja geil! Als wenn das nicht abzusehen gewesen wäre...
Aber hier ist eine Einschränkung zu machen: Die Social MEDIA Blase platzt. Sprich das ganze Gerede und der Hype um den medialen Teil zeigt sich jetzt als größtenteils inhaltsloses/obsoletes Geschreie. Und das ist gut so... denn vielleicht lenkt das den Fokus der Menschen wieder auf die wahre Revolution: Den SOCIAL-Teil. Und das wird in der Tat nicht wieder verschwinden.

Facebook und Co. sind nur Plattformen und Symptome der "vemenschlichung" des Netzes. Und dieses Prinzip ist das, was den wahren Wert und bleibenden Fußabdruck hat. Benutzer haben das verstanden, Unternehmen meistens noch nicht. Da wird immernoch auf den einzelnen Plattformen rumgeritten, anstatt sich mit der "philosophischen" Konsequenzen auseinanderzusetzen.

Also lasst die ganzen kleinen Bläschen ruhig platzen und mit ihnen die darauf aufgebaute Kartenhäuser. Die Basis "Social" wird allerdings bleiben...

Und normalerweise poste ich ja keine Links zu eigenen Beiträgen in Blogkommentare, aber hier passts einfach wie Arsch auf Eimer
http://www.hellyeah-marketing.de/blog/genorgel/jetzt-reichts-aber-langsam-die-social-media-blase-und-der-gesunde-menschenverstand/

Antworten
Reinhardt Graetz
Reinhardt Graetz

Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter. Internet und social media werden dauerhaft bleiben, aber mittelfristig auf ihren wahren Kern reduziert werden. Die Möglichkeiten beider werden sich noch stärker erweitern und gezielter genutzt werden. Zuletzt wird es sein wie beim Telefon - ein selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens, über den niemand mehr nachdenkt - außer, es fällt mal aus.

Die gegenwärtige Diskussion erinnert mich sehr an das Geschwafel von Klugscheißern vor ein paar Jahren, als mp3 aufkam: Die Datenreduktion würde unser Hörvermögen beeinträchtigen...! So ähnlich, wie vorzeiten manche Leute in der off line - Welt allen Ernstes verbreiteten: zuviel Lesen schadet den Augen... :-))

Antworten
Paula
Paula

...achja, und die Plattformen eignen sich natürlich wunderbar für private Recherchen (durch wen auch immer) und zum ,Stalken', wie die Jugendlichen es ganz unbekümmert nennen.
DAS kann man in der Tat ein echten Vorteil sehen.

Antworten
Paula
Paula

Ich stimme Mark von Gestern aus vollem Herzen zu. Aber zum Glück werden die SM-PR- und Marketing-"Experten" bald unter sich sein, da erwachsene Teilnehmer es bald müde sein werden, irgendwelchen Unternehmen oder Parteien geldwerten Content oder Daten zu schenken - mit dem Risiko, in Diskussionen womöglich die eigene Reputation zu beschädigen.

zu Facebook: Was ich dort als ,Kommunikation' (neben Eigenwerbungsbemühungen von Künstlern und Freiberuflern) querbeet beobachte, sind im Kern das Posten niedlicher Kärtzchenvideos, Party- und Familienfotos, Insider-Anspielungen und anderer Harmlosigkeiten, dazu massenhaft Musikclips und Polit-Platitüden.
Privates Gesabbel, wie man es auch sonst überall hört oder betreibt, ohne dass irgendeine SM-Stasi meint, das permanent ablauschen und auswerten zu müssen.

FB sehe ich maximal als sinnvolle Ergänzung der klassischen lokalen Medien und Anzeigenblättchen.

Antworten
Offliner

Papperlapapp. Das Internet und vor allem SOCIAL MEDIA wird über kurz oder lang auf das zusammenschrumpfen, was es ist: Eine Ergänzung. Aktuell ist es Selbstzweck, wie offenbar auch für den Autor dieses Beitrags. SOCIAL MEDIA ist in erster Linie ein Massenmarkt, eine Goldader für Werber und Marketingstrategen. Zusammen mit den ewigen pubertären Selbstdarstellungen wird es zu einem Überdruss kommen.

Von der gigantischen Energie- und Ressourcen-Verschwendung, die auch früher oder später auf den Tisch kommen wird, redet noch keiner. Auch politische Strömungen werden bei dieser späten, aber dringend notwendigen Auseinandersetzung mit dem MEDIUM völlig ignoriert. Urban Gardening beispielsweise, Rückbesinnung auf Kinder und Familie, BIG SOCIETY (die "Regierung" auf den Kopf stellen). Das alles interessiert die Stimmen der SOCIAL MEDIANS und ihrer Kritiker gar nicht. Sondern - und das wird die Sache in der Form, wie wir sie kennen, irgendwann beenden - der Profit, der Markt, der "Friend" als Kunde, User, Facebook-Nutzer als Zielgruppe.

Es wird Zeit, sich von diesem "Trend" abzuwenden und wieder Herr über sein Leben zu werden. Das immerhin physischer Natur ist - was mancher einer hier sicher bedauert.

Antworten
Alex
Alex

Ich stoße mich schon sehr am Begriff "soziale Vernetzung der Kommunikation". Warum müssen "SocialMedians" - zu denen ich mich übrigens auch zähle - immer so tun, als sei Kommunikation vor dem Social Web etwas zutiefst Unsoziales und Unvernetztes gewesen? Das stimmt doch absolut nicht. Kommunikation war schon immer ein sozialer Akt, der Menschen vernetzt hat. Das hat früher manchmal etwas länger gedauert, aber vom Prinzip her war es nie anders.

Der Aussage „Der per se sehr bedeutungsvolle Begriff der Freundschaft hat im Social-Media-Zeitalter stark gelitten." stimme ich übrigens vollumfänglich zu. Das ist keine Plattitüde, das ist so. Facebook entwertet mit dem Freundebegriff für x-beliebige Leute, mit denen man sich vernetzt, einen Freundschaftsbegriff, der viel tiefgründiger ist als der anglo-amerikanische Begriff "friends". Für Amerikaner ist jeder, mit dem man sich mal kurz freundlich unterhält, ein "friend". Ein "Freund" ist dagegen im Deutschen eine Person, zu der man eine lange und viel tiefergehende Beziehung pflegt. Und der Mißbrauch dieses Begriffs durch Facebook führt zu dessen Entwertung.

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden