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Studie: Darum verbreiten sich Fehlinformationen bei Facebook und Co. wie ein Lauffeuer

Studie: Darum verbreiten sich Fehlinformationen bei Facebook und Co. wie ein Lauffeuer

Fehlinformationen scheinen sich über wie oder häufig wie ein Lauffeuer zu verbreiten. Forscher aus den USA und Italien haben jetzt untersucht, woran das liegt – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Studie: Darum verbreiten sich Fehlinformationen bei Facebook und Co. wie ein Lauffeuer

Facebook. (Bild: tulpahn / Shutterstock.com)

Facebook: Nutzer ignorieren konträre Meinungen

Fehlinformationen breiten sich über Facebook oder Twitter offenbar rasant aus. Eignen sich soziale Netzwerke also besonders gut für Hetze oder Verschwörungstheorien? Diesem Phänomen sind Forscher der Universität La Sapienza in Italien und der US-amerikanischen Boston University nachgegangen. Ihren Untersuchungen zufolge suchen Facebook-Nutzer bewusst nach Informationen, die ihre Meinung bestätigen. Konträre Meinungen und auch sogenannte Faktenchecks werden dagegen ignoriert.

Facebook: Nutzer bestärken sich in ihrer Meinung – manchmal auch, wenn diese sich als Fehlinformation erweist. (Bild: georgemphoto / Shutterstock.com)
Facebook: Nutzer bestärken sich in ihrer Meinung – manchmal auch, wenn diese sich als Fehlinformation erweist. (Bild: georgemphoto / Shutterstock.com)

Die Nutzer tendierten dazu, Inhalte, die einem bestimmten Weltbild entsprächen, auszuwählen und zu teilen. Der Rest werde ignoriert, heißt es dazu in der Studie (PDF). Auch interessant: Die Forscher entdeckten zahlreiche Gruppen, die verfälschte Inhalte teilen oder unbegründete Gerüchte verbreiteten. Die Mitglieder solcher Gruppen seien meist stark untereinander vernetzt, so dass sich auch dadurch die schnelle Verbreitung von Fehlinformationen erklären ließe.

Forscher analysierten 67 Facebook-Seiten

Die Mitgliedschaft in einer solchen Gruppe hat den Wissenschaftlern zufolge noch weitere Effekte. So bestärken sich die Mitglieder gegenseitig in ihrem Glauben an bestimmte Informationen. Die Gemeinschaft gewinne zudem an Selbstbewusstsein und verteidige ihre Positionen umso heftiger gegenüber Nutzern mit anderen Meinungen. Die Forscher hatten in einem Zeitraum zwischen 2010 und 2014 öffentliche Postings auf insgesamt 67 Facebook-Seiten analysiert, auf denen unter anderem Verschwörungstheorien oder Fehlinformationen verbreitet oder über wissenschaftliche Themen diskutiert wurde.

Sogenannte Faktenchecks helfen offenbar nicht, um die Verbreitung von Fehlinformationen einzudämmen. Das hat eine weitere Studie ergeben (PDF). Demnach lassen sich nur wenige Nutzer durch eine Auflistung von Fakten von ihrer Meinung abbringen. Der Untersuchung nach, wird der Glaube an die Fehlinformation durch den Versuch der Aufklärung oft sogar noch bestärkt.

Auch interessant in diesem Zusammenhang ist der t3n-Artikel „Studie: Abhängig von Facebook? Das sind die Gründe dafür“.

via futurezone.at

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9 Antworten
  1. von Ben Richter am 12.01.2016 (11:02 Uhr)

    Es ist schon lange bekannt, dass Menschen generell nicht leicht von einmal gefassten Meinungen abzubringen sind. Immerhin geht es dabei auch immer um die eigene Persönlichkeit, die "angegriffen" wird.

    Jedoch sehe ich einen großen Anteil an dieser Versteifung auf Meinungen und Weltsichten an den gefilterten Informationen, die je nach Suchverlauf von Facebook und Google auf unsere Ansichten zugeschnitten sind und diese somit ins Extreme verstärken. Man muss schon gezielt nach gegensätzlichen Fakten suchen, um aus dem persönlichen Profil auszubrechen und diese zu erreichen...

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  2. von Idee bestätigt am 12.01.2016 (11:06 Uhr)

    Danke. Das will ich schon ewig. US-Liberale kriegen dieselbe Meldung dann in ihrer Weltsicht und Republikaner in ihrer Weltsicht. Wer unbedingt will (ich z.B.) kriegt natürlich auch die neutrale Weltsicht mit rund-um-View... Aber wer nur extrafette Burger ohne Gemüse oder nur rein Vegan im Restaurant haben will wird aktuell besser bedient als News-Leser wo vieles eh nur Agentur-Meldungen ohne relevanten Eigen-Anteil sind wie News-Google "Ausgeblendete Ergebnisse anzeigen" klar beweist wenn sogar die Headlines scharenweise abgeschrieben (copy-pasted) werden...
    Schade wenn die Rechtskosten, Abmahnungen, DCMA(?) und Softwarepatente diese schöne Idee finanziell in vielen Ländern uninteressant machen und es zwar Casino-Kleinstaaten gibt, aber keine für überlegene Super-Software. Sowas ist ein zilliarden-Startup und der Vor-Sortierer für News so wie Bio vs. Industry im Gemüseregal...

    BBC will dasselbe wohl für Fiktionale Serien einführen wenn ich die Meldung richtig interpretiert habe. je nach Präferenz kriegt man also mehr Action-Szenen oder Liebes-Themen in derselben TV-Episode einer Serie oder eines Filmes angezeigt... Dann ist jeder zufrieden...


    Es gibt auch Länder ausser den glorreichen USA und ihrem überlegenen Schulsystem und ständig wachsendem Wohlstand für alle (ausser den anderen) welche man vielleicht als rückständig einstufen würde. Dort ist Twitter z.b. sehr beliebt und die Leute rotten sich vielleicht auch schnell zusammen.
    China ist nicht gemeint aber dort werden wohl Rentner bezahlt um an der Straße zu sitzen damit Leute keine Kloppereien anfangen. Solche Szenen aus Asia-Filmen sind also vielleicht realer als Schiessereien in Western.
    Als die Autorin von Shades of Grey bei Twitter(?) eine Fragestunde machen wollte hat sie viel Kritik dort eingesteckt. Evtl haben sich Glaubensgruppen organisiert. Harry Potter wurde hier ja auch wegen Förderung der Hexerei oder sowas kritisiert... Solche Leute haben zu viel Zeit. Auf wessen Kosten leben die wohl...
    Aber hier ist natürlich viel besser dank überlegenem Schulsystem wie Euch die Bewerber oder Tippfehler-freiheit in bezahlten Leistungs-Schutz-Qualitäts-Medien täglich beweisen:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Vor-40-Jahren-Schiessen-Sie-nicht-auf-den-Computer-130857.html

    http://www.golem.de/news/don-daglow-mehr-erfolg-bei-us-spielern-1208-93803.html
    dritter Absatz und danach.

    Facebook nutzt seine Möglichkeiten nicht um das Leben systematisch zu verbessern und die Ziele der Demokratie ("Besser für ALLE") zu erfüllen. Auch besteht bei Boni-Managern natürlich auch kein Interesse.

    Das erklärt natürlich wieso die Spinat-Eisen-Legende, die 50-Ethernet-Prozent (von der iX widerlegt) und zig andere falsche Legenden sich seit Jahrtausenden halten und man immer mehr Doku-Formate wie MythBusters bräuchte. Es gibt bei manchen von denen ja auch keinen Klimawandel. Der Schnee schmilzt für die wohl freiwillig vor dem Fallen damit wir es im Winter nicht so kalt haben und schon im Winter Weizen usw. anbauen dürfen(müssen) weil es im Sommer zu wenig Regen dafür gibt (siehe letzten Dürre-Sommer)...

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    • von Ben Richter am 16.01.2016 (11:50 Uhr)

      Eine Beobachtung die sich häufig bestätigt ist, dass der Stand des Allgemeinwissens etwa 50 Jahre hinter dem aktuellen Forschungsstand liegt. Es dauert eben, bis Sachen von der Allgemeinheit anerkannt und verbreitet werden...

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  3. von Jette am 12.01.2016 (16:20 Uhr)

    In der althergebrachten Meinungsforschung nannte Leon Festinger dieses Phänomen die "Theorie der kognitiven Dissonanz". Informationen, die zur eigenen Meinung/Einstellung passen werden aufgenommen, Informationen, die der eigenen Einstellung entgegenlaufen werden ignoriert.
    Scheinbar fördert die stärkere Möglichkeit und Notwendigkeit zur Selektion von Informationen in Sozialen Netzwerken im Vergleich zu älteren Medien die Zuwendung zu konformen Informationen und die Verdrängung widersprechender Informationen.
    Die Einschätzung des World Economic Forums, dass Missinformation in Sozialen Netzwerken eine der größten Bedrohungen für unsere Gesellschaft darstellten, ist damit absolut nachvollziehbar und erschreckend.

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    • von Johannes am 15.01.2016 (09:20 Uhr)

      Genau, in der Medientheorie auch "Selektive Zuwendung zu Medieninhalten" genannt, das ist wirklich ein "erstaunliches Ergebnis", sondern schon so alt wie die Sprache selbst.

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      • von Jette am 17.01.2016 (12:56 Uhr)

        Klar, die Studie bestätigt die allgemeine Theorie der Meinungsbildung durch selektive Zuwendung für Facebook, das ist schon auch ne wichtige Erkenntis, denn jedes Kommunikationsmedium kann ja seine eigenen Dynamiken haben. Bei Sozialen Netzwerken ist eben die Notwendigkeit zu selektieren enorm höher, weil die Vielfalt an verfügbaren Infomationen größer ist, die Leute wenden sich wirklich nur den Aussagen zu, denen sie vorher schon zugestimmt haben. Dennoch werden bei Facebook natürlich auch jede Sekunde neue Meinungen generiert - Den Leuten werden Dinge vorgestellt, zu denen sie noch keine Meinung hatten und dann drücken sie den LIKE-Button oder auch nicht.

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  4. von Idee bestätigt am 15.01.2016 (13:09 Uhr)

    @Johannes: Wenn Du wenig Geld in der Tasche hast wie die Mehrheit wirst Du keine Konkurrenz-Zeitung kaufen. Der Schalke-Fan kauft eher nicht das FC-Bayern-München-Magazin, der Katholik eher nicht das evangelische Kirchenblatt, der CSU-Wähler eher nicht die taz usw.
    Das bei kostenlosen Diensten Amerikaner starr auf ihren (oft ja falschen und längst widerlegten Meinungen bzw. Legenden wie Evolution, Eisen-Spinat, 50%-Ethernet, grüner Spinat) beharren ist also eine sinnvolle Ergänzung zu Theorien/Modellen/Konzepten welche vielleicht nur (lokale! weil noch keine Telegramme und nur Eisenbahn-Brief-Verkehr) Tageszeitungen und kein Radio und TV kannten als sie entstanden. Benzinsparend fahren wird durch Akku-schonend Fahren abgelöst. Alte Theorien/Konzepte/Modelle sollten also auch (am besten vorher meist aber halt leider nur hinterher) auf neue Medien/Geräte/... angepasst/optimiert/überprüft werden. Von daher finde ich das nicht pauschal selbstverständlich.

    Auch die Meinungs-Mobs waren bisher kaum bekannt obwohl man sie sehen kann wenn man ernsthaft zu diskutieren versucht. Bezahl-Poster, Bezahl-Rezensionen und Spammer hingegen kennt jeder. Vielleicht aber lassen sich Theorien aus Townhall-Meetings auch auf Diskussions-Verhinderungs-Methoden übertragen. Rot-Grün und alle Linken Parteien und Gewerkschaften haben m.W. bis heute keine digitalen Partizipations(also auch Diskussions)-Systeme wo mund-tot-machen, zu-quatschen, Redezeit-Verprassen, Rauschen erhöhen, Vom Thema ablenken,..., Schuldenmacherei, Seit 15 Jahren Ausbauversprechen, Teure UMTS-Tarife, Neue-Markt-Fails deutlich ausgedünnt würden.

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    • von Johannes am 15.01.2016 (13:45 Uhr)

      Jein.
      Ich glaube du sprichst davon, dass nur bestimmte Medieninhalte konsumiert werden. Der Artikel, Jette und ich sprechen davon, dass konsumierte Inhalte selektiert wahrgenommen werden.

      Die Frage ist also nicht FC-Bayern-Zeitschrift kaufen oder nicht, sondern in der FC-Zeitschrift zu lesen, wie toll ein Spieler ist, den man aber blöd findet und den Artikel dennoch als Bestätigung seiner Meinung zu sehen.

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