Social Media: Nutzung nimmt zu, Interesse an anderen Web-Inhalten sinkt

Das traditionelle Internet verliert seine Nutzer an Social Media und Videoplattformen. Zu dieser Erkenntnis gelangt Ben Elowitz, Gründer von Wetpaint, und hinterlegt diese Erkenntnis mit Zahlen. Beeindruckend, in welchem Maße die Inhalte, die vor wenigen Jahren noch das Netz, das Web ausmachten, an Interesse verlieren.

Social Media: Facebook-Nutzung um 69% gestiegen

Ben Elowitz legt eine kleine, auf der Basis von comscore-Daten erstellte Infografik vor, die belegt, dass die Nutzung in Minuten sich innerhalb eines einzigen Jahres völlig zwischen den Internetinhalten verschoben hat. Er differenziert dabei nur zwischen Facebook und dem Rest des Netzes, was sicherlich etwas grob ist. Da der Trend aber dermaßen unübersehbar ist, sei ihm diese Ungenauigkeit verziehen.

social media web shrinks
Social Media/Web: Die Schere klafft auseinander

Verteilte sich also das Nutzerinteresse noch vor einem Jahr etwa hälftig auf die Nutzung von Facebook, sowie die Nutzung anderer Inhalte, so sieht das Anteilsverhältnis heute komplett anders aus. Während sich die Facebook-Nutzung bezogen auf den Indexwert geradezu sprunghaft nach oben entwickelt hat, verlor traditioneller Web-Content sogar. Der Anteil Facebooks hat sich entsprechend im Vorjahresvergleich um 69% erhöht, während die sonstige Nutzung um rund neun Prozent abnahm.

Elowitz zieht daraus den Schluss, dass Social Media den Rest des Web kannibalisiert. Facebook wachse auf Kosten anderer Inhalte. Dieser Schluss indes ist nicht so recht nachvollziehbar. Immerhin hat sich die Gesamtnutzung des Web unter Einbeziehung von Facebook erhöht. Die Frage ist allerdings berechtigt, ob wir in wenigen Jahren nur noch Social Web Inhalte haben werden.

(Bildquelle Featured Image: Flickr/Cristiano Betta Lizenz: CC-BY)

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13 Answers

  1. von mrkaya 24.06.2011 (09:06Uhr) 1.

    Interessanter Beitrag!

    Allerdings scheint ein entscheidendes Faktum missachtet: Die User springen über Social Media auch auf andere Seiten, d.h. also sie stoßen auf andere Inhalte im Web über Facebook, Twitter u. Co.

    Ich denke, dass die Nutzung von Facebook bereits angefangen hat abzunehmen und in Deutschland zumindest Twitter groß am Kommen ist. Insbesondere wenn man über Twitter jetzt eine Grafik erstellt hätte, würde auffallen, dass die User über Twitter auf viel mehr Inhalte im Web eingehen und auch sehr an Inhalten im Web interessiert sind. Nicht alle, aber viele!

  2. von Anton Meier via facebook 24.06.2011 (09:16Uhr) 2.

    Ganz egal ob es um sinkende Nutzerzahlen, Bildung, Politik usw. geht, Facebook - so vermute ich - wird stets zum Sündenbock gemacht. Mal sehen was in einem Jahr so geht. Wie sehr ihr (t3n) Facebook in einem Jahr?

  3. von Jim Masterson via facebook 24.06.2011 (10:08Uhr) 3.

    Die Angabe im März 2010 soll "indexed" sein, und trotzdem wird von (absoluten) Minuten gesprochen. Leicht konfuses Bildchen..

  4. von Social Media: Nutzung nimmt zu, Interess… 24.06.2011 (10:24Uhr) 4.

    [...] Weiterlesen bei t3n >> [...]

  5. von Ric 24.06.2011 (11:07Uhr) 5.

    Die Grafik beschreibt es ganz anderes als der Text vorgibt.

    Index 3/2010 = 100

    3/2011 - Facebook liegt bei knapp 170, das restliche Internet bei etwa 90.
    Also hat die Facebooknutzung um 70% zugelegt, die des restlichen Internets ist um 10% zurückgegangen.

    Nix mit Minuten....nur relative Angaben.

  6. von Ric 24.06.2011 (11:12Uhr) 6.

    zudem wäre es schon ziemlich ärmlich, wenn der Durchschnittsuser nur 90 Minuten pro Monat "normales" Internet nutzen würde.
    3 Minuten pro Tag......das hätte dem Autor hier gleich auffallen müssen.

  7. von Keine neuigkeit 24.06.2011 (11:25Uhr) 7.

    Wer sich erinnert, weiss, das AOL früher mal denselben Effekt hatte. Viele AOLer haben nie aufs richtige Web geklickt und sich in den betreuten Foren und was AOL sonst so hatte herumgetrieben. Bei heise sollten sich die passenden News-Artikel finden lassen.

    Verweildauer ist möglicherweise für Werbefirmen verständlicher als xx Klicks weil man teilweise ja schnell zum Ziel klickt und erst dort verweilt und den Text liest. Dementsprechend weniger Minuten schaut man z.B. TV o.ä. auch wenn natürlich beides geht. Speziell in Werbepausen greift man zum Ipad und Radio geht eh parallel.
    Auch die Verteilung von Werbebudgets wird mit von der Aufenthaltsdauer bestimmt. Wenn Amerikaner 1 Stunde täglich im Stau stehen, muss man entsprechend prozentual Radio-Werbung einplanen. Oder jetzt auch Facebook-Car-Werbung. Oder Facebook-in-der-SBahn-Werbung Facebook-im-Schulbus-Werbung. Usw. Daher gibts die Messungen und nicht etwa, weil Entscheider den Bürgern etwas gutes tun wollen.

    In der DDR haben sich die Leute angeblich auf ihren Privatkram, Hobbies usw. zurückgezogen, weil Politik uninteressant war. Das dürfte hier auch gelten. Vorher gabs nur Shopping und Business-Krams und News usw. im Web, jetzt können Hausfrauen und die Bürgermehrheit ohne zeitaufwendige Nerd-Hobbies halt kommunizieren was bei gewissen (klatsch- und tratsch-interessierten) Bevölkerungsgruppen ja ganz wichtig ist.

  8. von dpetereit 24.06.2011 (12:02Uhr) 8.

    Danke für die Hinweise. In der Tat ist mir das Wörtchen Indexed heute morgen um sechs da durch gegangen. Ich habe den Text angepasst. Die Aussage ändert sich dadurch nicht.

  9. von Volker Wendeler 24.06.2011 (13:48Uhr) 9.

    Das erscheint mir logisch. Da die Aufenthaltsdauer im Internet recht konstant bleibt, verlagert sich diese zwangsläufig zum jeweils interessantesten medium. Dies ist im jetzigen Hype nun mal Facebook. In ein paar Monaten wird dann wieder eine Verlagerung in eine andere Richtung stattfinden.

  10. von Mathies 24.06.2011 (14:36Uhr) 10.

    Bei dieser Grafik muss man höllisch aufpassen. Die Grafik sagt nur aus, dass FB 69% zugelegt und das Web 9% Prozent verliert. Anhand der Darstellung (riesige FB-Balken) könnte man den Eindruck gewinnen, ab morgen ginge nichts mehr ohne FB.
    Die Nutzungszeit im "alten Web" ist aber noch immer um ein Vielfaches höher als die in FB (laut Ursprungsartikel derzeit x8). Hätte man eine Grafik mit absoluten Werten und vielleicht über mehrere Jahre, wäre die Nachricht viel unspektakulärer.

    Außerdem: Bei den 100% Prozent des ersten Balkens handelt es sich nicht um ein "Patt" zwischen FB und Web, sondern der absolute Minutenwert wird jeweils mit 100% angegeben.
    Mal als Beispiel: Angenommen, FB hatte im März '10 300 Minuten Zulauf pro Nutzer bekommen und das normale Web 600, dann sind diese Werte in Prozent trotzdem jeweils 100% wie in der Grafik, weil über die absolute Zahl der Minuten nichts ausgesagt wird (Würden dort noch Twitter, Xing etc. aufgelistet, würden diese also auch bei 100% starten).

    Und noch:

    "Immerhin hat sich die Gesamtnutzung des Web unter Einbeziehung von Facebook erhöht."

    Aus Ur-Artikel:

    "And, even when you include Facebook usage, total non-mobile Internet consumption still dropped three percent over the same period."

    Von all dem mal abgesehen ist das Messen der Aufenthaltsdauer auf Seiten kein seriöses Unterfangen, weil technisch bei vielen Seiten (statisch oder ohne Nutzeranmeldung) nicht wirklich umsetzbar.

  11. von Axel Maireder 24.06.2011 (15:21Uhr) 11.

    gebe @mrkay recht, würde es aber noch drastischer ausdrücken: Dadurch, dass FB-Inhalte vielfach andere Web-Inhalte (z.B. Nachrichten-Artikel, Youtube-Videos) spiegeln, ist schon die Methode des Vergleiches fehlgeleitet und die darauf aufbauende Interpretation sowieso. Wenn ich mir jetzt ein Video anschaue, dass im Lifestream eine Freundes eingebettet ist....Nutze ich dann FB oder Youtube? Eben. Und ich gebe weiters zu bedenken, dass auch die Rezeption von inhalten auf Links die aus FB zu anderen Seiten führen von den Befragten als "FB-Nutzung" ausgelegt werden könnte, wenn sie nach der Rezeption zu FB zurückkehren.

    Dazu kommt noch, dass die klassische Methode der Erhebung der "Minuten der Nutzung", so sinnvoll dass bei TV, Radio und ev. auch frühen Webinhalten mal gewesen sein mag, in unserem "always online" Zeitalter kaum etwas aussagt.

  12. von Social Media – “Statistiken&… 01.07.2011 (20:39Uhr) 12.

    [...] solche Pseudo-”Statistik” findet man exemplarisch auf  t3n. Quelle ist  ein Artikel von Ben Elowitz auf AllThingsD. Beide Artikel interpretieren eine [...]

  13. von Warum das Web schrumpft « That… 14.07.2011 (15:12Uhr) 13.

    [...] erklärt Ben Elowitz Beobachtung (t3n), dass die Socialmedia-Nutzung zunimmt, während andere Webinhalte [...]

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