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Social Media: wie trivial darf’s sein?

Unternehmen und Agenturen kommunizieren im bisweilen auf Kleinkind-Niveau – und sind damit erfolgreich, zumindest im Bezug auf Likes und Shares. Ed Wohlfahrt mahnt trotzdem dazu, seine Kunden ernstzunehmen.

Social Media: wie trivial darf’s sein?

Wem gehen die trivialen Kommentare auf Facebook und anderen sozialen Medien nicht auf die Nerven? Wenn jemand nichts zu sagen hat, dann geht immer noch ein “Wow schööööön”, “Toll” oder “Lieeeeb”.

Nachdenklich machen sollte uns aber vor allem auch, dass viele Unternehmen soziale Medien als Jahrmarkt der Trivialität sehen und ihre Updates aus purer Berechnung immer sinnentleerter ausfallen lassen. Hier geht es um die Frage warum sie das tun bzw. darum, ob es Wege aus dieser Trivialisierungs-Falle gibt.

Chris Brogan hat sich mit dieser Frage beschäftigt und zeichnet mit seinem Post “The Rise of the Junkweb” ein düsteres Bild. Das Müll-Netz sei großartig und zugleich unvermeidlich, sagt er und Unternehmen sollten daraus was machen. Aber spulen wir das ganze noch ein wenig zurück. Brogan hat auf Google Plus dieses Bild gepostet und sich gefragt, ob Facebook-Postings in Zukunft nur noch in dieser Form stattfinden werden.

Viele haben in Kommentaren diese Trivialtät auch kritisiert. Jedoch: Die Anzahl an Likes, Kommentaren und Shares sind beeindruckend. Und mal ganz im Ernst, welche Orchideen-Debatte führen wir hier eigentlich?! Ja, der Community- oder Brand-Manager von Cola-Cola steht sicher fein da. Aber der Brausehersteller ist nicht irgend jemand in sozialen Medien. Es ist das Rolemodel schlechthin, der Brand, den wir Berater auf und ab referieren und tausendfach in unsere Slides oder Prezis eingebaut haben. Warum? Weil die es so toll und richtig machen, ihre Fans zur Interaktion einladen, Storytelling auf höchster Stufe bereiten und – neuerdings auch mit einer Trivialität punkten, die sich wie eine Seuche über soziale Medien ausbreitet. Ja, Seuche. Und die machen wir alle jetzt auchm weil schließlich Coca-Cola es vorzeigt.

Vom Smartweb zum Junkweb

Man hat den Facebook-Stream von vor drei Jahren einfach nicht mehr vor seinem geistigen Auge. Aber hier gab es gravierende Änderungen. War es früher durchaus opportun, seine User ein paar Zeilen Text auszusetzen, sind diese Zeiten heute längst einer Bilderflut gewichen. Wer braucht schließlich noch Text wenn User nachweislich nur noch scannen?! Warum müssen Unternehmen in sozialen Medien ewig herumlabern, wenn sie doch mit den Babyfotos unserer besten Freunde konkurrieren müssen. Weg mit dem Text! Den brauchen wir wenn überhaupt nur noch ins Bild reingestellt und fertig.

Springende Katzen statt Info

Als Uwe Scheuch beispielsweise vor ein paar Tagen als Kärntner Landesrat abdankte, kursierte auf Facebook das Bild einer Katze, die einen Luftsprung machte. Scheuch geht endlich, juhu! Es wurde zig-fach geteilt und mutierte zum Bild der Stunde. Es war förmlich schwer für mich, die Infos aus meinem Stream zu finden, die ich wirklich (subjektiv) als interessant empfand, die mir eine Info vermittelten, mich auf der Suche nach Argumenten weiterbrachte. Das war gar nicht so leicht, setzten doch unzählige Katzen zum immer gleichen Luftsprung an und verklebten sozusagen meinen Steam. Ach was, sie entwerteten ihn, sie nahmen ihm seinen Sinn. Jetzt kann man natürlich auch sagen, das sei mein Problem. Schließlich hätte ich ja auch die Möglichkeit gehabt, besser zu filtern. Schon klar!

Berater reden Trivialität das Wort

Das mitunter Schlimmste an dieser Verknappung ist, dass man damit wirklich Ergebnisse erzielen kann. Je plakativer, trottolöser, je stupider und einfacher man ein Facebook-Posting aussehen lässt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zumindest ein Like erhält. Und dann heißt es eigentlich schon froh sein darum. Schließlich ist ein Like immerhin ein Like. Schlimm ist, dass es genau diese Beispiele sind, die auch ich in meinen Folien anführe, wenn es darum geht in sozialen Medien, insbesondere auf Facebook, Interaktion auszulösen. Schreiben Sie bloß nicht zu viel, sage ich dann. Seien sie ja nur nicht doppeldeutig oder sogar kompliziert, der User mag so schlaue Unternehmen gar nicht. Und nehmen Sie ihren User nur ja an der Hand und sagen ihm, was er als nächstes zu tun hat. Und das ist nicht ganz falsch. Dennoch ist es hinterfragenswert. Schließlich obliegt es jedem Unternehmen selbst, wie es User in sozialen Medien anspricht, ob es sie überfordert, gut abholt oder generell unterfordert, weil es im Grunde davon überzeugt ist, dass denen doch alles egal ist, solange es süß, weich oder noch besser vorgekaut wird.

Durch die oben beschriebenen Tipps mache ich mich in Wirklichkeit mitschuldig an der schleichenden Trivialisierung sozialer Netze. Aber wie rauskommen aus dieser Trivialisierungs-Falle wenn doch keiner mehr liest, nachdenkt oder reflektiert, sondern nur noch konsumiert. Und weil er oder sie doch noch 1.000 ungelesene Nachrichten im Feedreader haben, nebenbei fernsehen und das Abendessen zu sich nehmen. Wir alle sind getrieben von einer Hektik, die das Aufnehmen und Verarbeiten von Information nicht mehr nur erschwert sondern in Wirklichkeit verunmöglicht.

Auswege aus der Trivialisierungs-Falle

Weniger ist mehr. Weniger Likes, Shares und Kommentare sind auch kein Beinbruch. Es ist ok, wenn Updates nicht irre abrocken, sich viral bis nach Usbekistan verbreiten und tonnenweise neue Fans bringen. Ein paar Social-Media-Nutzer wurden erreicht, es wurden für (hoffentlich) beide Seiten sinnstiftende Gespräche geführt, das Unternehmen hatte das eine oder andere Takeaway und basta! Das kann oder besser könnte es sein, würde jedoch die Abkehr von der einzig interessierenden Zahl in sozialen Medien bedingen, der Anzahl der Fans.

Auch in sozialen Medien: Weniger kann mehr sein

Was noch bräuchte es, um wieder mehr Relevanz in unsere Feeds zu bekommen? Unternehmen die in der Lage sind, über das Bild mit eingebautem Text hinaus zu denken und relevante, also wirklich relevante, wahrhaftige, sinnstiftende und gute Inhalte bereit zu stellen. Inhalte, deren Konsumation ein wenig mehr voraussetzt, als eine Sekunde, einen flüchtigen Klick. Es bräuchte mit einem Wort Unternehmen, die ihre Fans in sozialen Medien nicht allesamt für geistig minderbemittelt halten UND es braucht Berater, die Unternehmen klipp und klar sagen, dass es zwar einen Trend in Richtung Verkürzung und Verknappung und Bebilderung gibt, dass man diesem jedoch nicht unbedingt folgen muss. Ach ja, eines noch. Es lässt sich wunderbar auch ein sinnentleertes schreiben. Die Trivialsierung und Bilderlastigkeit betrifft nicht nur Pinterest oder Facebook, sondern ist ein generelles Thema in sozialen Medien.

Geistige Unterforderung? Dislike!

Trauen Sie ihren Fans was zu. Sie sind wahrscheinlich schlauer, als Sie denken. Es muss nicht immer nur das Flash-Bild und ein kurzer Text sein. Auch Facebook lässt mehr zu als diese Social-Media-Quickies. Vielleicht hat ja gerade Ihr Unternehmen Fans, die gar nicht dem sagenumwobenen Durchschnittsnutzer gleichen, die auch auf Facebook bereit sind, einen kurzen Text zu lesen, die gesprächsbereiter sind als der große Rest. Das herauszufinden ist Ihr Job.

Social Media ist mehr als Facebook

Nicht alles muss sich auf Facebook abspielen, auch wenn hier die Masse zu Hause ist. Vielleicht ist es wirklich nicht so verkehrt, wenn mancherorts Hohelieder auf das Corporate Blog gesungen werden? Vielleicht ist es wirklich besser auf Facebook zu verzichten, als sich dem Stress auszusetzen, hier fünfmal pro Woche blupp! sagen zu müssen. Vielleicht bringen Sie ihre Gedanken via Blog oder auch Google Plus viel besser auf den Punkt als anderswo? Das alles könnten Wege aus der Trivialisierungsfalle sein. Wir müssen sie nur beschreiten, und zwar bewusst.

Infografiken: Bunte Balken machen kaum satt

Wenn es um die BILD-Tendenz in sozialen Medien geht, sollte auch kurz das Thema Infografiken angesprochen werden. Sie sind schön. Sie sind bunt. Aber mal im Ernst: Was bringen sie wirklich? Sie vermitteln ein Gefühl wie am Rummelplatz. Schöööööööööön! ruft man begeistert aus und vergräbt sich in den Balken und Diagrammen, in die grafsch schön umgesetzten Beschriftungen und Symbole. Eine Sekunde später folgt der Katzenjammer. Aber eigentlich nur dann, wenn man sich fragt, was man daraus jetzt gelernt hat, bei welchem Problem einem die Infografik jetzt konkret geholfen hat. Der Lerneffekt abseits der bunten Zahlen ist meist sehr gering. Es geht nur um den flüchtigen Retweet, um das Gefühl jetzt irgendwie Bescheid zu wissen, ein Learning gehabt zu haben. In Wirklichkeit sind die meisten Infografiken ein hohles Versprechen. Bunte Balken und Grafiken machen nicht wirlich satt. Grundgesamtheiten sind meist ohehin nicht vorhanden. Berechnungsmethoden und weiterführende Infos können getrost entfallen. Braucht eh niemand, schon weitergeschickt, fertig! Wie war das noch mal: Glaub nur jener Statistik, die du selbst manipuliert hast?

Zum Schluss eine Warnung

Neben Junk-Food gibt es immer auch das Haubenrestaurant. Neben der BILD-Zeitung das Qualitätsblatt. Und so ist es auch im Web. Unternehmen, aber auch der einzelne Web-Nutzer sollten es sich bei der Verbreitung trivialer Inhalte jedoch nicht zu leicht machen. In sozialen Medien triviale Scheiße zu produzieren und auf ihre massenhafte Verbreitung zu hoffen, ist das eine. Davon auszugehen, dass alle nur noch Triviales wollen, könnte sich jedoch als Trugschluss herausstellen.

Zuerst publiziert bei edrelations.com

Über den Autor

Nach seinem Studium war Ed Wohlfahrt als politischer Pressesprecher, später als Junior Berater bei PLEON Publico tätig. Die Erkenntnis, dass User generierte Inhalte alte Muster aus PR und Marketing zunehmend auf den Kopf stellen, führte 2007 zur Gründung der Agentur edRelations. Als selbstständiger Unternehmensberater ist Ed Wohlfahrt heute auf Projekte in den Bereichen Social Business und Collaborative Enterprise spezialisiert.

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20 Antworten
  1. von Thorsten Ising am 08.08.2012 (10:45Uhr)

    Sehr gut Ed! Ich finde aber auch, dass viele Unternehmen aus genau diesem trivialen Tal langsam rauswachsen - ein gutes Beispiel dafür sind die immer mehr wachsenden Karriereseiten, die echt tolle Beiträge abliefern und sich an dem banalen like-hunting anderer Marken nicht beteiligen. Toller Beitrag und hoffentlich ein kleiner Anstoss für manche Unternehmen.

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  2. von Nikos Karapanagiotidis am 08.08.2012 (10:52Uhr)

    "In sozialen Medien triviale Scheiße zu produzieren und auf ihre massenhafte Verbreitung zu hoffen, ist das eine. Davon auszugehen, dass alle nur noch Triviales wollen, könnte sich jedoch als Trugschluss herausstellen." - HOFFENTLICH! ;-)

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  3. von Norbert am 08.08.2012 (10:59Uhr)

    Dazu gibt es auch ein schönes Beispiel von AXE: http://d.pr/i/dCdk

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  4. von kummerani am 08.08.2012 (11:20Uhr)

    Nur ein Wort: Danke!

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  5. von Ed Wohlfahrt am 08.08.2012 (11:39Uhr)

    danke für das Feedback. Ich hoffe Thorsten Ising hat recht, wenn er sagt, dass Unternehmen zunehmend an der Relevanz-Schraube drehen und mit allzu sinnentleerten Updates sparsamer umgehen. Ein wenig ist das auch ihre Pflicht, denke ich. Und noch eine Kleinigkeit: Wenn Brands über das "Warum" sprechen, also warum tun wir was wir tun, oder dergl., so schließt dies imho Trivialität von vorne herein aus. Ich glaube, dass in der Beantwortung dieses Warum großes Potential steckt und dass sich Unternehmen zunehmend erklären müssen. Das gilt für Dax Unternehmen ebenso wie das Wennesshotel irgendwo am Berg.

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  6. von Daniel am 08.08.2012 (11:48Uhr)

    Best of-Kommentar zum Lidl-Katzentag:
    "So n katze ist n schönes tier aber wenn mann den ganzen tag auf agse ist und die aleine in der wohnung ist das ist das trierkwelarei und mann kann auch nicht mal in den urlaub fahren wie gesagt ne katze ist für leute die zeit haben"

    Da hat wohl jemand seinen Duden noch nicht eingebaut :P

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  7. von Schlien am 08.08.2012 (12:12Uhr)

    Nein, irgendwie nicht ganz.
    Ich hab bisschen das Gefühl, dass hier Inhalt mit viel Text gleichgesetzt wird.
    Der Punkt ist aber nicht, dass es mehr Text braucht, um etwas Gehaltvolles loszuwerden. Es ist eine Kunst, in kurzen, prägnanten Sätzen alles unterzubringen. Leider eine Kunst, von der nur wenige Onliner was verstehen. Weil Text im Online eben nichts wert ist. Wie ich auf diese absurde Idee komme? Man sehe sich die unterschiedlichen Preise an, für Magazintexte und Online-Pressemitteilungen. Für die gleiche Textlänge verdiene ich im ersten Fall 200 Euro, im zweiten 20.
    Worauf wird also zurückgegriffen? Auf den DAU. Weil es ja auch alles leichter macht, wenn man davon ausgeht, dass alle möglichst mindestens so ahnungslos sind, wie man selbst.
    Dabei ist es meinem Empfinden nach aber gar nicht mal so, dass niemand mehr reflektiert, sondern konsumiert ohne Einschränkung, aber möglichst schnell. Im Gegenteil, ich denke, dass man eben, aufgrund dieser Flut an Informationen und Möglichkeiten, sehr genau überlegt, was man noch zusätzlich aufnehmen will. Dabei wird aber unterschieden zwischen “dient mir zur Unterhaltung“ und “liefert mir interessante Informationen“.
    Dass ich Coca Cola nun aber nicht like, weil ich über diesen Kanal bitte mehr zur aktuellen politischen Lage in Peru erfahren möchte, sollte Cola nun folgendes sagen: Ich bin hier, um zu unterhalten. Deshalb finde ich, hat ein triviales Foto (gut, das oben gezeigte ist schon massiv trivial ;)) durchaus seine Daseinsberechtigung. Auch nett: Unnützes Wissen in Ein-Satz-Form.
    Aber bitte bitte bitte nicht endlos Text von meinem Erfrischungsgetränk. Danke. Alles, was zu “mehr anzeigen“ in der Statusmeldung führt, ist zu viel des Guten.
    Sag, was du sagen willst, aber halt mich nicht auf.

    Die Idee Text in Bilder zu packen, finde ich durchaus großartig. Solange es keine Katzenbilder sind. Aber hat schon jemand angefangen, die stylischen some ecards für seine Marke zu verwenden?

    Ich bin grundsätzlich auch kein Fan von Verblödung. Aber ich bin auch kein Fan von Überinformation aus Richtungen, die ich weiß Gott nicht brauchen kann. Da wird sich zeigen, wie gut der User tatsächlich selektieren und reflektieren kann.

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  8. von Bend am 08.08.2012 (12:49Uhr)

    Schöner Artikel!
    Ich wunder mich auch immer wieder über die unendlich vielen Likes bei absolut sinnentleerten Beiträgen. Aber das finde ich bei Marken wie Lidl oder Coca Cola auch nicht weiter verwunderlich. Meine Theroie: Wer es bei Marken, die eine Awareness von bis zu 100% haben nicht schafft in Facebook ein paar Likes abzustauben sitzt definitiv im falschen Job.
    Interessant sind doch gerade die Marken, die nicht so offensichtlich erfolgreich sind und trotzdem eine beeindruckende Resonanz in Facebook vorweisen können.
    Ich denke da zum Beipsiel an Krones ( http://www.facebook.com/kronesag ).
    (Abfüll- und Verpackungstechnik)
    Wenn man Beispiele für erfolgreiches Facebook-Marketing sucht sollte man sich meiner Meinung nach eher an solchen Unternehmen orientieren als an Coca Cola und Co.

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  9. von JNT am 08.08.2012 (13:04Uhr)

    Die Kernaussage ist alter Wein in digitalen Schläuchen: Angeprangert wird KISS. Und Herrn Goebbels könnte man auch zitieren. Die Notwendigkeit des Textes sehe ich, doch werden die notwendigen Contentersteller diesen wohl leider nicht lesen.
    Na egal, erstmal Katzenfotos gucken.

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  10. von handy the cap am 08.08.2012 (13:54Uhr)

    Man kann durchaus verschiedene Zielgruppen ansprechen. Im McDonalds gibts auch Salat. Den kauft außer mir aber wohl kaum jemand.

    Und wieso Qualität ? Die Leute wollen keine Gemüsesuppe (Gazpacho) sondern Zucker und Fett also Smoothies und Milchshakes. Auch Gemüsesaft ist trotz 7 Jahren rot-grüner Regierung teurer als die Säfte oder Fruchtsaftgetränke mit zu hohem Kohlehydrat-Anteil. Für Qualität gibts GEZ. Der Rest ist kommerziell und der Kunde hat "immer" recht darin was er vorgesetzt haben will. Man wird bezahlt um die mit dem Kunden vereinbarten und abgesprochenen und natürlich gemessenen Werbeziele durchzusetzen. Bildungsmehrung gehört bei Mainstream-Marken mit nur einer Handvoll beworbener Produkte (4-6 Cola-Sorten neben zig anderen Marken wie Bonaqua u.ä.) eher nicht dazu. Mittelständler oder Apple mit guter Kulanz oder auch Amazon u.ä. sind Kunden ein Premium(Aufpreis) wert. Weil sie dort eher nie oder selten Probleme hatten. Die Frage ist also, wessen Werbewirkung der Firmen-Kunde verehrt und imitieren möchte: Apple, Magura, Amazon, Ebay, Paypal, Jamba, Coca-Cola, MacDonalds, Subway (Gutscheine), ... .

    Wenn Qualitätspresse funktionieren würde, wäre Immobilienblase, Neue-Markt-Blase, Euro-Krise usw. gar nicht passiert. Die politische Meinung der Verlegerfamilie wird akzeptiert. Aber kaufen tut man die Zeitung oder Zeitschrift wegen der für einen selber nützlichen Artikel oder Stellen-/Immobilien-Anzeigen oder Lokal-Nachrichten und nicht wegen der Privatansichten-Promotion der Verlegerfamilie in den Politik-Berichten.
    Die allermeisten Zeitschriften gibt es nur im Abo und sind Fachzeitschriften. Neben dem Trash-Mainstream-Web gibt es auch konstruktivere und problemorientiertere Foren. Je nach Teilforum landet jede TV-Diskussion allerdings nach 10 Postings bei "WerbeTV vs. GEZ"-Diskussionen die seit Jahrzehnten gleich ablaufen. Die Form von Diskussion im Internet ist oft völlig infuktional. Genau wie TV-Talkshows die nichts verbessern weil sie sonst in Diktaturen verboten würden.

    Ich würde gerne konstruktive Diskussionssysteme programmieren. Leider habe ich kein Land gefunden wo das geht ohne Juristen oder korruptive oder unnötige Strukturen bezahlen zu müssen.

    Auch kann eine vermeintliche Trash-Welle durchaus interessant sein. Wenn ich Pimpmyride oder Lidl oder Aldi wäre, würde ich Kunden ihre Aktionswaren oder Autotuning-Teile eingebaut oder im Einsatz fotografieren lassen und als Diashow bei Facebook oder auf der Homepage neben dem normalen ("richtigen") Content laufen lassen. Wo öfter draufgeklickt wird, zeigt man öfter an und hat Top20 usw. . Darüber kann man viel lernen und Produkte verbessern oder auch günstigere abgespeckte Angebote machen.
    Die Autotuning-Bilder von Knight-Rider-Leuchten führen dann zu Shops aber auch zu Anleitungen und Bewertungs-Listen welche Leuchte bei welchem Automodell am einfachsten einzubauen ist.

    Am Handy ist man gehandy-capped. Daher heisst es ja auch so. Am Gigascreen kann man natürlich endlos lange Texte lesen. Aber am Handy in der SBahn nicht.
    Und am Pad vor dem TV will die Hausfrau (Kurzsichtig und aus Eitelheit keine Brille) oder Oma (inzwischen Weitsichtig aber weil frau unter Kurzsichtigkeit auch immer durchgekommen ist immer noch keine Brille) auch Pinterest gucken bzw. die Aussage muss (wie Politiker-Werbeplakate) mit einem Bild dargestellt werden. Es gut zu machen ist die wahre Kunst. Coca-Cola ist doch immer noch das bekannteste Brand glaube ich.

    Der Supermarkt hat verschiedenpreisige Produkte zum gleichem Thema. Wenn die Social-Media-Kanäle das auch machen, kann man die Schlauen und die trivial-konsumierenden Kunden beide ansprechen.

    Du kannst ja beim Kanzlerfest oder am Parteitag einen Stand mit Bratwurst und Freibier aufstellen und gegenüber einen Stand mit Tofu, Gemüse und Mate-Saft oder wie das heisst. Dann zählst Du die Kundenkontakte (Leads, generierten Umsätze,...) pro Stand pro investiertem Euro und überlegst Dir mal wie man effizient mit Geld umgeht.


    Ein gutes Mediateam hat Meldungen und verteilt die übern Tag hinweg. Bei manchen TV-sendern wird am Mittag bei den News-Sendungen uralte Beiträge von vor Jahren wiederholt.
    Wenn man sonst nichts wichtiges hat, kann man auch Katzenmeldungen einfügen. Das man Kategorien für Meldungen ("lustig" "Produkte ausverkauft" "Produkte ankündigen",...) hat, sollte klar sein.

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  11. von Manuel am 08.08.2012 (16:15Uhr)

    Endlich ein Artikel der sich mit diesem Thema beschäftigt. Speziell Lieferando.de hat mich mit extrem dämlichen Postings dazu gebracht bei Facebook herauszufinden wie ich etwas "nicht mehr mag". Sollte der Leser sich mal anschauen.

    Erschreckend ist dabei aber tatsächlich wie viel Aufmerksamkeit der Laden dafür bekommt. Dafür kann er sich dann aber auch mit vermutlich relativ dummen Kunden ärgern. So lange die Kohle fließt sicher erträglich.

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  12. von Gabriele Wehner am 08.08.2012 (21:42Uhr)

    Danke für diesen Appell, Kunden und Fans nicht zu unterschätzen oder für dumm zu verkaufen. Andererseits: "Trivial" muss ja nicht immer gleich "dumm" sein. Ein gewisser Unterhaltungsfaktor ist für Consumer-Brands ein Muss und schadet selbst B2B-Unternehmen nicht - im Gegenteil. Und was uns unterhält, sind eben nun mal hauptsächlich Trivialitäten - die Menschen, die bei jedem Abendessen mit Freunden die Werke der Weltliteratur diskutieren, sind schnell gezählt.
    Die Frage ist dabei natürlich aber auch, wieviel von solchen Trivialitäten hängen bleibt - und ob man sich überhaupt noch abheben kann, wenn alle nur noch so posten. Sprich: weiß ich hinterher noch, bei welchem Unternehmen ich nun den Weltkatzentag geliked habe und dass überhaupt? Vielleicht liegt die Kunst darin, zu unterhalten, ohne in Katzen-Content abzudriften. Das erfordert aber eine gründliche Beschäftigung mit Content und lässt sich nicht so eben aus dem Ärmel schütteln.

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  13. von fancyPT am 09.08.2012 (21:17Uhr)

    Letztendlich wird ja doch nur über Facebook geredet. Und irgendwie passen Niveau der Plattform und Niveau der Bubu-Beiträge doch recht gut zusammen. Nichts ist so belanglos wie Facebook. Vermutlich auch einer der Gründe, warum das Ding so viele Mitgleider hat.

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  14. von Felix am 10.08.2012 (08:54Uhr)

    Wichtig ist doch auch nicht nur das Kommunikationsniveau von Unternehmen und Agenturen zu reflektieren, sondern auch das der User. Das passt thematisch nicht zum Thema dieser Site, aber was an trivialen Mitteilungen (von Informationen kann man dabei nicht reden) täglich zu lesen oder anzusehen ist nimmt mir mittlerweile wirklich die Lust facebook aufzurufen.

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  15. von Ronny am 10.08.2012 (09:17Uhr)

    Auch wenn dies jetzt vielleicht trivial klingt: DANKE!!!

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  16. von Britta Behrens am 10.08.2012 (15:41Uhr)

    Super Artikel, der mir aus der Seele spricht. Selbst die großen Marken hängen sich an aktuelle Ereignisse ran, die mit tuten und blasen ihres Geschäfts überhaupt nichts zu tun haben, völlig sinnfrei sind und erstaunlicherweise zig likes und shares hervorrufen. Das verbessert aber nur ihren Edge-Rank, aber trägt überhaupt nicht zum eignen Geschäftaerfolg bei. Das Lidl-Beispiel ist der Knaller und habe ich auch gesehen und negativ Kommentiet, auch wenn es nichts bringt, da keine Reaktion folgt seitens Jessica und Facebook es als positive Interaktion wahrnimmt, denn eine semantische Analyse und Dislike kennen sie ja nicht.

    Ich hoffe, viele Unternehmen lassen sich nicht auf diese billige Strategie ein. Dann ist der Sinn von Social Media in der Unternehmenskommunikation ad absurdum geführt. Genauso wie die zig iPad Gewinnspiele, um Fans zu generieren. #fail

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  17. von Harald am 12.08.2012 (08:36Uhr)

    "Es ist das Rolemodel schlechthin, der Brand, den wir Berater auf und ab referieren und tausendfach in unsere Slides oder Prezis eingebaut haben."

    Bei dem Satz bin ich ausgestiegen. Wie wär's einem Artikel in einer Sprache, die man auch lesen will?

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  18. von Kai am 13.08.2012 (12:34Uhr)

    Der Artikel spricht mir aus der Seele; auch bei privaten Posts auf Facebook bin ich immer mal wieder von der Trivialisierungstenzenz erstaunt bis bestürzt. Komplexere Themen, die evtl. das Lesen eines Artikels beinhalten würde, finden fast keinen Widerhall. Facebook ist in meinen Augen, so wie es sich jetzt darstellt, ein Unterhaltungsmedium. Aber trotzdem gilt es das nicht nur einfach zu akzeptieren, sondern zu schauen, was der eigene Beitrag zu dieser Entwicklung ist. Irgendwer muss ja anfangen :) Klar sind Bilder eine gute Möglichkeit Inhalte kompakt zu vermitteln, aber der nötige Diskurs ist oftmals komplexer. Der Informationsflut kann man im Grunde auf drei Wegen begegnen: Trivialisierung, Selektion oder Ignoranz. Inhalte, die mein Denken und Handeln nicht beeinflussen bzw. anreichern sind wertlos. Bin mal gespannt, wie wir in 20 Jahren auf diesen Social-Media-Hype zurückschauen ;-)

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  19. von Buchanan am 13.08.2012 (15:02Uhr)

    Viele Unternehmen lassen erkennen, dass sie ihren Account ohne jegliche Strategie betreuen. Ich sollte mich als Unternehmen doch eigentlich bei meinen potentiellen und bestehenden Kunden als kompetenten Partner positionieren und diesen einen Mehrwert bieten um ein wirklich messbares Ergebnis zu erhalten. Katzenbilder und Ipadverlosungen werden zwar immer Interaktionen nach sich ziehen, aber definitiv keine Marke positionieren oder Umsätze steigern.

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  20. von Bernhard Jodeleit am 14.08.2012 (16:22Uhr)

    Hey Leute, die Sonne scheint! ;)

    Im Ernst @Ed: Sehr schön geschrieben, Kompliment.

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