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Social Signals: Wunderzutat oder nutzlos für Google-Rankings? [Kolumne]

Social Signals: Wunderzutat oder nutzlos für Google-Rankings? [Kolumne]

Sind „Social Signals“ eine Wunderzutat oder völlig nutzlos, wenn es um Google-Rankings geht? In seiner t3n-Kolumne geht Björn Tantau diesem Mysterium auf den Grund.

Social Signals: Wunderzutat oder nutzlos für Google-Rankings? [Kolumne]

Social-Signals. (Bild: Flickr-charliecurve / CC-BY-20)

Die Bedeutung von „Social Signals“ wird heftig diskutiert. Soziale Signale: Das sind Likes von Facebook, Tweets von Twitter oder auch +1 von Google+. Die kleinen Buttons, mit denen man schnell und einfach ausdrücken kann, ob man einen bestimmten Inhalt gut findet, werden fleißig genutzt. Kein Wunder, dass man auf die Idee kommen könnte, soziale Signale würden auch das Ranking einer Website beeinflussen, so wie Backlinks das tun. könnte also eine Website besser in seinen Suchergebnissen ranken, wenn sie viele Likes, Tweets und +1 hat. Theoretisch denkbar, doch wie sieht das in der Praxis aus?

Ein Like ist kein Link

Beeinflussen sogenannte Social Signals, was du im über Suchmaschinen im Web zu sehen bekommst? CC-BY-20)
Beeinflussen sogenannte Social Signals, was du im über Suchmaschinen im Web zu sehen bekommst? CC-BY-20)

Das Geheimnis um die (Un)Wirksamkeit von sozialen Signalen als Faktoren, die Rankings von Websites bei Google beeinflussen, ist bisher nicht gelüftet. Sehr wahrscheinlich wird das auch noch eine Weile so bleiben, denn das Thema sorgt für erhitzte Gemüter – immer wieder. Gefühlt erblicken mittlerweile jeden Monat neue Studien das Licht der Welt und präsentieren neue Lösungsansätze.

Grundsätzlich bleibt aber immer alles beim Alten: Niemand weiß genau, ob ein Artikel mit 10.000 Facebook-Likes bei Google bessere Ranking-Chancen hat. Oft werden Zusammenhänge hergestellt. Da wird „herausgefunden“, dass Seiten mit guten Rankings bei Google viele Likes haben – und viele Links. Was davon aber zuerst da war, bleibt oft im Dunkeln.

Ziehen also viele Likes neue Backlinks an? Oder ist es genau umgekehrt? Braucht man überhaupt noch Links oder lässt sich auch mit einer Seite ranken, die nur Likes hat? All diese Fragen sind auch 20 Studien später grundsätzlich immer noch offen. Dabei ist es völlig egal, ob soziale Signale einen Einfluss auf das Ranking bei Google haben, denn ihr eigentlicher Zweck ist ein ganz anderer.

Viele Social Signals = viel Reichweite

Wenn man sich im Internet umschaut, dann findet man viele erfolgreiche Websites. Eine Analyse des Linkprofils ergibt dann oft eine sehr hohe Anzahl von Backlinks. Wie diese Backlinks zustande gekommen sind, sei dahingestellt – wichtig ist, dass sie da sind und der Website zu einem guten Ranking bei Google verhelfen. Solche großen und erfolgreichen Seiten haben sehr oft auch eine große Fanbase. Viele Fans also auf Facebook, viele Follower auf Twitter und immer mehr auch eine ansehnliche Gefolgschaft auf Google+. Die „Geisterstadt“ holt in der Tat auf, aber das ist eine andere Geschichte.

Worauf es ankommt: Diese großen und erfolgreichen Websites haben außer vielen Links und vielen sozialen Signalen auch noch etwas anderes gemeinsam: viel Reichweite. Logisch, denn wer auf Facebook 100.000 (echte und themenrelevante) Fans hat, der wird von dort massig Traffic bekommen. Viele Besucher also, die wegen eines Status-Updates auf der Facebook Page die eigentliche Website aufrufen und dort Inhalte konsumieren. Unter diesen Personen können auch Blogger sein oder Leute, die administrativen Zugriff auf Websites haben und dort einen Link setzen können.

Auf der anderen Seite bekommen Websites mit vielen Links bessere Google-Rankings und erzeugen darüber viel Traffic. Unter diesen Konsumenten können dann User sein, die diese Inhalte liken, tweeten, mit einem +1 auszeichnen oder Fans werden. Ganz gleich von welcher Richtung man sich nähert, am Ende geht es um Reichweite.

Soziale Signale als Vetrauensfaktor?

Soziale Signale können als vertrauensbildende Maßnahme wirken. Genau aus diesem Grund sind auch heute noch so viele Facebook-Pages ganz scharf darauf, möglichst viele Fans zu haben (und teilweise wird das mit dubiosen Mitteln erreicht). Auf den ersten Blick bedeuten viele Fans, dass es sich wohl um eine wichtige Seite handeln muss – sonst hätte sie ja nicht die vielen Fans. Und in der Tat funktioniert dieses Prinzip bis zu einem gewissen Punkt. Kombiniert mit der Facebook-Like-Box, die im eingeloggten Zustand auch noch die Gesichter von Freunden anzeigt, die ebenfalls schon Fan der Seite geworden sind, wird noch mehr Vertrauen erzeugt.

Soziale Signale können in einem gewissen Maße Vertrauen erzeugen, auf jeden Fall aber Interesse wecken, wenn sie in einer großen Zahl anzutreffen sind. Bei Backlinks ist das nicht so, zumindest nicht für den menschlichen Betrachter. Wie viele Backlinks eine Website hat, ist mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen, hier bedarf es weiterer Analyse-Maßnahmen. Bei Google allerdings sieht das anders aus, Google erkennt im Zweifel alle vernünftigen Links und berücksichtigt deren Qualität bei der Erstellung von Rankings.

Die andauernde Diskussion aber, ob soziale Signale nun wirklich ein Rankingfaktor sind oder nicht, ob sich also die Rankings bei Google nur mit sozialen Signalen positiv beeinflussen lassen, wird mit dieser Erkenntnis nicht enden. Das ist bedauerlich, weil diese Diskussion eigentlich überflüssig ist. Google selbst behauptet, dass man soziale Signale technisch nicht genau berücksichtigen kann, weil sich die Werte zu schnell ändern würden. Ob man das glauben mag oder nicht, sei dahingestellt.

Unwichtig, ob Ranking-Faktor oder nicht

„Es ist unwichtig, ob Social Signals ein Rankingfaktor sind oder nicht.“

Es ist unwichtig, ob Social Signals ein Rankingfaktor sind oder nicht. Wichtiger ist die menschliche Betrachtung. Mit vielen sozialen Signalen und einer hohen Interaktionsrate auf einer Facebook-Page kann man dafür sorgen, dass das eigene Produkt von Dritten als qualitativ hochwertig angesehen wird. Wenn diese Methode dazu führt, dass sich die Reichweite einer Website vergrößert und man so mehr Besucher bekommt, dann ist man schon fast am Ziel.

Der Zuwachs an Besuchern wird mehrere Auswirkungen haben, sofern die Inhalte das halten, was sie versprochen haben. So gibt es mehr Traffic und man kann diesen Zuwachs gleich mehrfach für sich nutzen. Neue Follower auf Twitter oder Google+, wenn der Traffic über Facebook kommt. List-Building, also der Aufbau eines eigenen, hochqualifizierten Newsletter-Verteilers auf der eigenen Website. Direkte Sales, wenn zum Beispiel digitale Infoprodukte verkauft werden. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Mehr Reichweite führt zu mehr Besuchern, was auch mehr aktive Verbreitung mit sich bringt. Inhalte werden öfter geteilt und auch öfter verlinkt. Und genau an diesem Punkt haben soziale Signale eine Auswirkung auf das Ranking bei Google – allerdings nur indirekt. Die gewollte Steuerung dieses Prozesses ist, wenn überhaupt, sehr schwierig. Wer also darauf spekuliert, nur mit sozialen Signalen bessere Rankings zu bekommen, wird nicht erfolgreich sein. Wer aber waschechtes Brand-Building betreibt, wird mittel- bis langfristig beides bekommen: Soziale Signale und Backlinks. Beides zusammen sorgt dann für kontinuierliches Wachstum in allen Bereichen.

Fazit

Soziale Signale sind nicht die von vielen lang ersehnte Wunderzutat fürs Google-Ranking. Sie sind aber auch nicht komplett nutzlos. Mittlerweile sollte man sich, wenn man mit Online-Marketing erfolgreich sein will, von eindimensionalen Denkweisen verabschiedet haben. Es gibt keinen Königsweg, es gibt keine ultimative Methode. Viele Disziplinen greifen ineinander und wer wirklich erfolgreich sein will, muss sich der besten und sinnvollsten Elemente aller Disziplinen bedienen, sie neu zusammenfügen und daraus die persönliche Erfolgsanleitung kreieren.

Soziale Signale spielen eine wichtige Rolle im Internet und haben Einfluss. Wenn ein Konzern wie Google öffentlich verlauten lässt, dass man soziale Signale nicht berücksichtigt, weil man technisch nicht in der Lage sei, die stetigen Veränderungen bei Fans und Followern ordentlich zu messen, dann ist das nicht nur ein Armutszeugnis. Es heißt auch, dass ein wichtiger Teil des Internets bei der Bewertung von Inhalten schlicht und ergreifend bewusst weggelassen wird.

Zwar hat Google nicht auf alle Daten von Facebook und Twitter Zugriff. Google loggt sich nirgendwo ein, weswegen sich auch passwortgeschützte Foren und das komplette „Deep Web“ dem Zugriff von Google (noch) entziehen. Dennoch sollte es möglich sein, wenigstens die öffentlich zugänglichen Daten auszuwerten und daraus entsprechende Schlüsse zu ziehen. Doch auch dann darf man sich auf einzelne Metriken nicht verlassen, man muss das große Ganze betrachten. Ansonsten handelt es sich um unvollständige Sichtweisen, auf dessen Basis man lieber keine Strategien aufbauen sollte.

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3 Antworten
  1. von Atilla am 24.01.2014 (10:05 Uhr)

    Kann dem Statement, dass es unwichtig sei, ob es sich um einen Ranking-Faktor handle oder nicht, so nicht folgen: Wenn ich mehr SEO Traffic wil, investiere ich Betrag X in SEO. Wenn ich mehr Social Traffic will, investiere ich Betrag Y in Social.
    1. Wenn Social aber auch ein Ranking Faktor für SEO ist, dann sollte ich Y und einen Teil von X in Social investieren.
    2. Wenn Social Traffic sich anders verhält als SEO Traffic, muss ich ebenfalls unterscheiden.

    Ich glaube, es geht nicht nur um Masse.

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  2. von Enis am 24.01.2014 (13:04 Uhr)

    Also meiner Meinung nach muss das Gesamtpaket stimmen (niedrige Absprungrate, lange Verweildauer, Wiederkehr etc.). Wenn diese wesentlichen Faktoren erfüllt werden, dann kann man auch sagen, dass Social Signals sich positiv auswirken könnten.

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  3. von MMarheine am 25.01.2014 (13:49 Uhr)

    Social Signals werden vielleicht nicht – bestimmt nicht – direkt in die Bewertung mit einbezogen, aber sobald dann User auf meine Seiten kommen und dort bspw. hin verlinken, dann hat dies einen Effekt, den Google wieder mit bewerten könnte und wird.

    Auch denke ich, dass genauso wie bei den Attributen der Links nofollow bzw. do follow ja durchaus auch ein Monitoring bei Google stattfindet bzgl. des Verhältnisses dieser beiden Gruppen. Wir wissen, dass ein Missverhältnis durchaus zu Konsequenzen führen kann.

    Wenn wir also die Social Signals betrachten und dort jemand nachweislich auf allen Plattformen unterwegs ist, Signale setzt ... dann kann Google durchaus beurteilen, ob hier ein solches Missverhältnis zwischen den Signalen auf diversen Plattformen herrscht.

    Also kann auch hier wieder Google eine Bewertung zumindest des Verhältnisses durchführen und diese Erkenntnisse zielgerichtet einsetzen.

    Michael Marheine

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