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SEO: “Social Signals” – Signalisiert Google die Trendwende?

Der direkte Einfluss von Social Signals auf Google-Ergebnisse steht erneut zur Diskussion, insbesondere im Kontext einer kürzlich von Searchmetrics veröffentlichten Untersuchung. In diesem Artikel fassen wir den aktuellen Stand der Dinge inklusive einiger Expertenstimmen zusammen.

SEO: “Social Signals” – Signalisiert Google die Trendwende?

Die Bedeutung der Social Signals ist seit langem umstritten. Immer wieder kommt die Frage auf, inwiefern Likes und Shares auf Facebook sowie +1s auf Google+ die Suchergebnisse beeinflussen. In der t3n 29 argumentierte Markus Vollmert: „Zwar lässt sich ein direkter Einfluß nicht nachweisen, dennoch gibt es bereits heute klare Anzeichen für eine erhöhte Relevanz von sozialen Signalen für das Google-Ranking.“ In eine ähnliche Richtung deutet jetzt auch eine Untersuchung über die Ranking-Faktoren 2013 des Tool-Anbieters Searchmetrics. Mithilfe der Spearman Korrelation ermittelte das deutsche Unternehmen, wie häufig gute Rankingpositionen mit bestimmten Rankingfaktoren einhergehen. Zur Überraschung vieler Beobachter dominierten Social Signals das Ergebnis, allen voran Facebook Shares und +1s.

Korrelation ungleich Kausalität: Social Signals ohne Bedeutung?

Dass diese Tatsache aus der Methodik hervorgeht, blieb oftmals unbeachtet. Ebenso, dass Searchmetrics die Problematik deutlich betont: „Social Signals korrelieren sehr gut mit besseren Rankings“, heißt es im Unternehmensblog. Dies bedeute aber nicht zwingend, dass Social Signals auch ein Rankingfaktor sind. Klar ist nur: „URLs auf Top-Positionen weisen deutlich mehr Social Signals auf“. Auch im Gespräch mit t3n.de betonte Daniel Furch von Searchmetrics diesen Umstand noch einmal: „Wir werden ja nicht müde, darauf hinzuweisen, dass unsere errechneten Korrelationen nicht mit kausalen Zusammenhängen gleichzusetzen sind.“

Als Beweis der Untauglichkeit von Social Signals zitieren Kritiker Matt Cutts, der als Kopf des Webspam-Teams von Google dessen Sprachrohr zur SEO-Szene darstellt. Er erklärte vor wenigen Tagen auf der SMX Advanced, Social Signals seien der am meisten überbewertete Faktor der SEO-Welt – zumindest kurzfristig. Matt Cutts bleibt mit dieser Aussage seiner alten Linie treu, wäre da nicht der zweite Teil seiner Antwort: „Langfristig wird es jedoch anders sein.“ Auch Maik Metzen, Geschäftsführer der Berliner SEO-Agentur AKM3, deutet in diese Richtung. „Es ist davon auszugehen, dass Google in Zukunft verstärkt auf Social Signals als Rankingfaktor setzen wird“, erklärte er im Gespräch mit t3n.de.

Social Signals: Ein Rankingfaktor der Zukunft?

Vieles spricht dafür, dass Google in Zukunft zur Bewertung einzelner Websites stärker auf soziale Signale zurückgreift. „Mit steigender Indexgröße ist es einfach naheliegend und auch sinnvoll, dass Suchmaschinen Social Signals als Bewertungskriterium heranziehen“, schreibt Searchmetrics in einem zweiten Blogpost. Die Reichweite der sozialen Netzwerke ist enorm, ebenso groß sind auch ihre Datenmengen. Facebook zählt mehr als eine Milliarde Nutzer. Die Zahl der Likes und Shares betrug im Dezember 2012 rund 32,5 Milliarden. Google+ wächst parallel in rasantem Tempo, hat jedoch mit einer geringeren Nutzeraktivität und kleineren Interaktionszahlen zu kämpfen. Im Dezember 2013 lag die Zahl der +1s bei lediglich 400 Millionen.

Die wichtigsten Rankingfaktoren laut der neuesten Untersuchung von Searchmetrics. Allen voran: Social Signals. (Quelle: searchmetrics.com)
Die wichtigsten Rankingfaktoren laut der neuesten Untersuchung von Searchmetrics. Allen voran: Social Signals. (Quelle: searchmetrics.com)

Für Google stellt sich das Problem der Indexierung, denn Facebook verwehrt den Zugriff und Google+ allein ist noch nicht groß genug, um als relevanter Rankingfaktor Einfluss zu nehmen. Dennoch: Der langjährige Fokus auf Links, verschiebt sich langsam in Richtung der Inhalte und ihrer Verbreitung – unter anderem auch via Facebook und Google+. In eben diese Richtung deutet auch die jüngste Änderung der Webmaster-Richtlinien. Dort wo früher die Bedeutung von Links gepriesen wurde, ist jetzt von hochwertigen Inhalten die Rede – ein vermeintliches Zeichen von Google, das auch für Social Signals spricht.

Lohnt die Investition in Social Signals?

Über den genauen Effekt der Social Signals herrscht Uneinigkeit, wie mittlerweile deutlich wurde. Klar ist nur, dass sie sich bereits auswirken – irgendwie. Interne Untersuchungen hätten sogar direkte Zusammenhänge zwischen den Social Signals und Rankings einer Webseite offenbart, erklärt Daniel Furch. Hierfür habe man kleinere Studien durchgeführt, bei denen unter möglichst isolierten Bedingungen gezielt Social Signals aufgebaut wurden. Auch Sören Bendig von SEOlytics betont: „Es gibt bereits jetzt Effekte [...], die sich bemerkbar machen. Aber bis Social Signals einen signifikanten konkreten Ranking-Einfluss haben, wird es noch dauern.“ Interessant würde diese Entwicklung erst in zwei oder drei Jahren, bestätigt auch Metzen. Denn „mit steigender Aktivität erhält Google mehr und somit relevantere Daten, um Social Signals stärker in die Berechnung der Rankings einzubeziehen.“ Für Bendig sind Social Signals derzeit „nur die Kirsche auf der Sahnehaube des Suchmaschinenmarketing“.

Trotz dieser vagen Andeutungen sollten Unternehmen laut Metzen „schon längst auf den Zug aufgesprungen sein und insbesondere bei Google+ erste Tests fahren“. Auch für Furch gehört „Social Media längst zum Marketing-Portfolio“. Lediglich Bendig rät, „erst einmal die Hausaufgaben zu machen, bevor man sich mit irgendwelchen Buzz-Themen beschäftigt“. Die meisten Unternehmen hätten mit klassischen Onpage- und Offpage-Basics noch jede Menge Aufgaben zu erledigen, erklärt er. In Abhängigkeit von Erfolgen und Ressourcen sollten Unternehmen ihr Engagement deshalb langsam ausweiten. Nicht zu vernachlässigen sei jedoch, dass sich die Marketingaktivitäten im Bereich und Social Media ergänzen können und sollten. Auch Metzen betont diesen Punkt gesondert: „Eine hohe Social-Media-Aktivität sowie eine große Anhängerschaft führen dazu, dass man auf natürlichem Wege gleichzeitig viele und gute Links erhält – und Links sind bekannterweise immer noch einer der relevantesten Rankingfaktoren.“

Fazit: Die frühe Investition lohnt, unter bestimmten Voraussetzungen

Für unsere Experten ist klar, dass Social Signals schon jetzt direkte Auswirkungen auf Suchergebnisse haben. Mit ausreichend Zeit, Muße und Geld können Unternehmen deshalb auch die Kanäle der sozialen Netzwerke zu SEO-Zecken nutzen. Offen bleibt lediglich die Frage nach dessen Effizienz. Wichtig ist deshalb, vorab zu klären welches Ziel die finanzielle Investition verfolgt. Wer in erster Linie den Suchmaschinen-Traffic steigern möchte, sollte anderswo ansetzen. Wer hingegen auch die eigene Präsenz in den sozialen Netzwerken verbessern will, tut gut daran, eine zweigleisige Strategie aufzusetzen. Spätestens in zwei, drei Jahren profitieren Unternehmen mit Weitblick, die schon jetzt die zukünftigen Potenziale von Social Signals erkennen.

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3 Antworten
  1. von Simone am 21.06.2013 (10:14 Uhr)

    Wenn künftig, und davon ist auszugehen weil auch logisch, die Social Signals als Rankingfaktor hinzugezogen werden ist klar, dass es für kleinere Unternehmen oder Webseitenbetreiber mit wenig(er) Budget immer schwerer wird, die eigene Plattform nach vorne zu bringen selbst, wenn diese vielleicht die besseren Inhalte, Dienstleistungen, Produkte anbieten.

    Denn was man nicht kennt, kann man nicht "liken".

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  2. von Fabio am 21.06.2013 (14:47 Uhr)

    Ich denke nicht, dass Social Signals einen großen Einfluss auf das Ranking haben. Es ist ja eine logische Schlussfolgerung, dass Unternehmen mit einem guten Ranking und einem hohen Bekanntheitsgrad demnentsprechend viele "likes" bekommen. Sprich, das Thema könnte in meinen Augen von der falschen Seite angegangen werden. Die Unternhemen sind nicht aufgrund der Social Signals gut positioniert, sondern besitzen aufgrund der guten Positionierung viele Social Signals.
    In einem Artikel bei Sistrix ist ein interessantes interview von Matt Cutts diesbezüglich zu finden. Aber da ich nicht weiß, ob hier das Posten von Links erlaubt ist, lass ich Interessenten lieber frei suchen. ;)

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  3. von Jochen am 24.06.2013 (12:55 Uhr)

    "Google+ wächst parallel in rasantem Tempo, hat jedoch mit einer geringeren Nutzeraktivität und kleineren Interaktionszahlen zu kämpfen."

    Ok, mal Butter bei die Fische: Google schönt sich die Zahlen. Das "Wachstum" ergibt sich durch dutzende Zwangsaccounts. Bestes Beispiel: Android. Die Frage ist aber letztlich: Wie viele Nutzer haben (unbewusst) einen Google+ Account und wie viele nutzen ihn wirklich? Aus meinem Bekanntenkreis - eher die normalen Internetnutzer - hat NIEMAND einen Google+ Account - zu großen Teilen nicht mal Twitter. Da läuft alles über Facebook. Und solange fast niemand Google+ effektiv nutzt (Sorry, aber 1x/Monat bei Google+ aktiv sind für mich auch Karteileichen), ist es auch völlig unsinnig Social Signals als Ranking Faktor zu bewerten. Ich glaube aber kaum, dass sich Google+ bei den Nicht-Nerds durchsetzen wird.

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