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Startups

„Für gute Produkte muss man Software und Hardware zusammen entwickeln“ [Interview]

    „Für gute Produkte muss man Software und Hardware zusammen entwickeln“ [Interview]
Fiftythree – Die Firma, die Georg Petschnigg mitgegründet hat. (Bild: Fiftythree)

Georg Petschnigg ist CEO und Mitgründer von Fiftythree, Herausgeber der Paper-App und des dazugehörigen Stifts „Pencil“. Im Interview erklärt der Ex-Microsoft-Mitarbeiter, warum Hardware und Software seiner Meinung nach zusammengehören und wie Apps die Software-Ökonomie revolutioniert haben.

Redaktion: Angefangen hat alles mit der Paper-App – jetzt bauen Sie mit dem Pencil auch Hardware, warum?

Georg Petschnigg – Mitgründer von Fiftythree und Herausgeber der Paper-App. (Foto: Fiftythree)
Georg Petschnigg – Mitgründer von Fiftythree und Herausgeber der Paper-App. (Foto: Fiftythree)

Georg Petschnigg: Eine unserer Überzeugungen ist: Für neue bahnbrechende Produkte muss man Hardware und Software zusammen entwickeln. Das haben wir auch bei der Xbox gelernt. So wurden zum Beispiel neue Spiele wie Halo zusammen mit der Xbox 360 zeitgleich entwickelt. Das gilt auch im Bereich Produktivität: PDFs kommen zum Beispiel ursprünglich daher, dass Adobe Druckertreiber und Hardware-Systeme entwickelt hat. Die Microsoft-Maus führte zu Windows inklusive Bedienung der rechten Maustaste. Rechtschreibprüfung, Kontextmenüs – das kam direkt von der Hardware-Entwicklung. Und das iPhone hätte es nie gegeben, hätte Apple nicht die Touch-Displays und die Software für die Touch-Displays gleichzeitig entwickelt. Die wirklich großen Durchbrüche kommen erst, wenn man Software und Hardware zusammen entwickelt.

Redaktion: Aber wie präzise kann man auf dem iPad wirklich schreiben? Die Hardware setzt einem da doch enge Grenzen, oder?

Petschnigg: Man kann schreiben – das auf alle Fällen. Sie können auch klein schreiben, wenn Sie wollen. [Demonstriert das] Wenn man wirklich präzise schreiben will, dann tippen Leute heutzutage. Sie sind viel schneller mittlerweile, wenn sie tippen statt zu schreiben. Aber wofür wir designen, das ist die Ausdrucksstärke – das ist das Interessante.

Dieses Diagramm über die Kreativität nutzt Fiftythree-Gründer Georg Petschnigg, um den kreativen Prozess zu erklären. (Bild: Georg Petschnigg)
Dieses Diagramm über die Kreativität nutzt Fiftythree-Gründer Georg Petschnigg, um den kreativen Prozess zu erklären. (Bild: Georg Petschnigg)

Hier, das ist zum Beispiel ein Diagramm über den kreativen Prozess. Ich weiß nicht, wie man das in Worte fassen soll. Ich brauche das andauernd, um den Leuten zu erklären: Hier beginnt die Kreativität – und dahin geht die Produktivität. Das ist ein Verhältnis, da könnten wir jetzt sehr viele Wörter verwenden, um das zu beschreiben – aber das Wichtige, was man jetzt hier in diesem Bild lernen kann, ist: Am Anfang ist der kreative Prozess eine Suche. Man könnte sagen, es ist chaotisch – oder es geht darum, etwas Neues mit etwas Altem zu verbinden. Man hat noch keine klare Linie und darf auch keine klare Linie haben – ansonsten schließt man Möglichkeiten aus. Und dann geht es in den Produktivitäts-Prozess hinein. Für uns geht es nicht um Präzision, sondern um die Ausdrucksstärke.

Redaktion: Jemand, der also eine präzise Zeichnung erstellen will, würde das nicht benutzen?

„Mit einem Tablet sitzt man eher im Konferenzzimmer, ist im Café, unterhält sich mit jemandem – da wird man nicht anfangen, rumzuklicken.“

Petschnigg: Präzise Zeichnung hört sich wie CAD (Computer-Aided-Design, ein Grafikprogramm, Anmerkung der Redaktion) an – da setzt man sich besser an einen PC. Aber Daniel Libeskind ist beispielsweise ein Kunde von uns. Er verwendet Paper, um mit Kunden schnell eine Idee durchzuarbeiten. Erst danach setzt man sich hin, öffnet das CAD-Programm und zeichnet dann präzise Linien herein. Dafür sind PCs sehr gut geeignet. Mit einem Tablet sitzt man eher im Konferenzzimmer, ist im Café, unterhält sich mit jemandem – da wird man nicht anfangen, rumzuklicken. Wichtig ist ja, ein Gespräch zu führen und dann schnell eine Idee einzufangen.

Redaktion: Aber welchen Vorteil hat die Paper-App dann gegenüber einem Bleistift und einem Stück Papier?

Petschnigg: Die Gemeinsamkeit ist schon mal: Man kann Ideen formlos ausdrücken. Freie Formen, das ist das Wichtige – mit einer Tastatur ist man auf eine gewisse Symbolik festgelegt. Aber auch mit Stift und Papier bist du eigentlich recht eingeschränkt. Sobald du Farben brauchst, sobald du einen Highlighter brauchst, fehlt dir das. Nächster Punkt: Wenn es darum geht, Ideen auszutauschen, kann ich diese hier mit einem Klick verschicken. Ich habe alles von meiner To-Do-Liste über Mitarbeitergespräche bis hin zu Business-Sketchen und Markenideen dabei. Die Vorteile vom digitalen Zeitalter sind, dass du die Ideen schnell mit anderen austauschen kannst, du kannst sie abspeichern und in anderen Programmen weiterverwenden – zum Beispiel fünf Seiten an Keynote oder Powerpoint schicken und eine Präsentation erstellen. Und du hast die richtigen Werkzeuge zum richtigen Zeitpunkt da – vom Bleistift bis zu Wasserfarben.

Redaktion: Viele nutzen Tablets ja nach wie vor nur zum Konsum von Inhalten. Wird sich das ändern?

„Es brauchte Zeit, herauszufinden, wie man mit Touch-Displays richtig gut arbeiten kann. Das musste man erst lernen.“

Petschnigg: Ja, das wird sich weiter ändern. Es brauchte Zeit, herauszufinden, wie man mit Touch-Displays richtig gut arbeiten kann. Das musste man erst lernen. Außerdem fehlen noch die richtigen Werkzeuge. Wie man zum Beispiel mit einem Stift und Touch gleichzeitig richtig arbeitet, ist eine entscheidende Frage. Das ist erst jetzt richtig möglich, zum Beispiel weil ich den Handballen beim Schreiben auf dem Bildschirm lassen kann. Wo ist der Unterschied zwischen einem Zeigefinger und einem Handballen? Das muss man einem Rechner ja erst mal beibringen.

Redaktion: Paper ist kostenlos – die Hardware kostet Geld. Warum diese Strategie?

Petschnigg: Paper ist kostenlos und wir verkaufen die Tools. Oder man kauft die Hardware und dann bekommt man auch die Tools dazu. Die Strategie lautet also In-App-Käufe – und meiner Ansicht nach ist das ein riesengroßer Durchbruch in der Software-Entwicklung. Das alte Modell der Software-Entwicklung lautet ja: Du bekommst dein Paket an Software und alle zwei bis drei Jahre muss man den Kunden neu überzeugen. Du hast also Office für 200 Euro gekauft – jetzt musst du wieder Office für 200 Euro kaufen. Das heißt, du musst die Software so vollstopfen, dass der Kunde meint: „Ja, das ist ein gutes Geschäft“. Aber das führt dazu, dass man immer nur mehr und mehr und mehr in die Software packt und es ist unheimlich schwer, da wieder etwas herauszunehmen, weil der Kunde meint: „Ich habe das Ding gekauft, du kannst mir nicht das eine Feature wieder rausnehmen.“ Mit In-App-Käufen ändert sich das. Nur die Leute, die es wirklich haben wollen, kaufen es. Dadurch kann man eine Software mit einer kleineren Oberfläche entwickeln.

Über Fiftythree

FiftyThree-1Das Unternehmen hat sich nach der durchschnittlichen Armlänge – 53 Zentimeter – benannt. Die Firma wurde von einigen Veteranen der Technologieszene gegründet, die sich überwiegend bei Microsoft kennengelernt haben und dort unter anderem an Office und der Xbox gearbeitet haben. Später kamen noch Ex-Mitarbeiter von Sonos dazu.

Die Paper-App wurde Fiftythree zufolge über 10 Millionen Mal heruntergeladen und gehört zu den Top 10 der Produktivitäts-Apps in Apples App-Store nach Umsatz.

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Von Stephan Dörner und Jörgen Camrath

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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