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Sony: Mit der „Apple-Strategie“ aus der Krise?

Der designierte Sony-Chef Kazuo Hirai übernimmt ein Unternehmen am Scheideweg: steckt tief in den roten Zahlen und hat in wichtigen Wachstums-Segmenten den Anschluss verloren. Mit der „Apple-Strategie“ soll es wieder aufwärts gehen.

Sony: Mit der „Apple-Strategie“ aus der Krise?

Weniger Umsatz, mehr Verlust: Sony blickt auf ein rabenschwarzes Weihnachtsquartal zurück. Im Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 2011 machte das Unternehmen einen operativen Verlust in Höhe von umgerechnet 914 Millionen Euro, während im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von umgerechnet 1,36 Milliarden Euro anfiel. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum von umgerechnet 22 Milliarden Euro auf 18 Milliarden Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr (März 2011 bis März 2012) rechnet Sony nun mit einem Verlust von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro.

Damit enttäuschte Sony einmal mehr seine Aktionäre, der Aktienkurs sank nachbörslich um zweieinhalb Prozent. Innerhalb der letzten 12 Monate hat Sony etwa die Hälfte seines Börsenwerts eingebüßt, innerhalb der letzten fünf Jahre sogar fast zwei Drittel. Wer Anfang 2007 1.000 Euro in Sony-Aktien anlegte, bekommt heute keine 400 Euro für seine Anteile. Zum Vergleich: Wer damals fürs gleiche Geld Apple-Aktien kaufte, kann sich heute über mehr als 5.000 Euro freuen.

Das Wohl von Apple und die Misere von Sony

Hoffnungsträger Sony Xperia S. Foto: Sony

 

Das Wohl von – namentlich iPhone, iPad und die angeschlossenen Content Stores – und die Misere von Sony sind dabei eng miteinander verknüpft. So beobachtete Sony den vom iPhone begründeten Smartphone-Boom lange Zeit von der Seitenlinie, das Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson schrieb bis zuletzt tiefrote Zahlen. 2012 übernimmt Sony das Ruder alleine und möchte mit neuen Xperia-Modellen nebst Android 4.0 endlich im Highend-Segment mitmischen.

Das iPad mit seiner großen Auswahl an günstigen Spielen hat zugleich Sonys Handheld-Konsolen das Wasser abgegraben. Sonys Antworten darauf überzeugten bislang nicht wirklich: Die kurz vor Weihnachten in Japan auf den Markt gebrachte PS Vita soll sich bislang eher mäßig verkaufen, die ersten Sony-Tablets sind auf recht spitze Zielgruppen zugeschnitten. Im April übernimmt nun der derzeitige Chef von Sonys Unterhaltungselektronik-Sparte, Kazuo Hirai, die Führung des Gesamtkonzerns. Hirai bezeichnete es im Gespräch mit dem Wall Street Journal als größte Herausforderung seiner Karriere, die früher hochdefizitäre PlayStation-Sparte in einen Gewinnbringer gewandelt zu haben.

Ohne überzeugende Hardware geht es nicht

Er kündigte an, künftig einen größeren Wert auf die Benutzererfahrung der Sony-Produkte zu legen und sich einen (weiteren) Schritt von den Ursprüngen eines reinen Hardware-Herstellers wegzubewegen. So soll die traditionsreiche TV-Sparte massiv zurückgebaut werden, das Verkaufsziel wurde von 40 Millionen auf 20 Millionen jährlich verkaufte Geräte halbiert. Vorbild der neuen Strategie dürfte Apple sein, das sich längst zum breit aufgestellten Medienunternehmen gewandelt hat. Ohne erfolgreiche Hardware werden Sonys Content Stores allerdings unbevölkert bleiben.

Insofern wird 2012 ein Schlüsseljahr für die Japaner: Wenn die neuen Sony-Tablets und -Smartphones in der Käufergunst durchfallen, stehen dem Unternehmen und seinen derzeit noch 168.000 Mitarbeitern stürmische Zeiten bevor.

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2 Antworten
  1. von Fortschritt wird gerne verhindert am 03.02.2012 (00:10 Uhr)

    Eigentlich kontrollieren sie als Erfinder ja den BluRay-Markt. Sie könnten DVD als "schlecht" einstufen und zusammen mit BITKOM und IFA usw. wie damals bei "HDReady" dafür sorgen, das fast keine DVD-Player mehr verkauft werden sondern die Leute 60 Euro für einen Volks-BluRay-Player ausgeben. BluRays sind oft ja mit 10 Euro billiger als DVDs vor 5 Jahren (15 Euro).
    Wer einen 3D-TV kauft, gibt auch die 100 Euro für einen 3D-BD-Player aus. Aber die vorhandenen DVD-Player müssen durch BD ersetzt werden. Genau so wie Autos die kein E10 oder Rapsdiesel vertragen und den Fortschritt blockieren wie DVDs in den Supermärkten und Online-Shop-Warenlagern, Presswerken und LKW-Transporten und Schiffscontainern.

    Der einzige Unterschied zwischen Apple und allen Konkurrenten ist, das Steve Jobs anscheinend sein Phone selber benutzte und Emails nicht von Praktikanten ausdrucken lässt. Also funktioniert es auch (leidlich) und viel besser als alle anderen Phones deren Managern die Kunden anscheinend völlig egal sind. Wie viel besser wäre Euer VW Golf wenn alle VW-Boni-Manager das meistverkaufte VW-Modell selber fahren müssten ?

    Bei Software erkennt man auch oft schnell, wer seine eigenen Geräte benutzt (MediaMVP, Digenius, einige Apps ausser Twitter, so leidlich Apple...) und wer nicht.

    Amazons Kindle Fire ist vielleicht das einzige Android das für den Kunden ist. Es wurde mit heisser Nadel gestrickt aber kriegt evtl. mehrere Jahre lang Updates. Funktionieren die Kindle-1 noch oder sind sie Restmüll wie viele 500-Euro-Android-Phones nach 6 Monaten ? Amazon=gut :-), Google=... :-(

    Auf einem 1920x1080 Display könnte man EPGs ganz anders und viel besser durch +/--Filter anzeigen so das man automatisch die guten Sendungen sieht und markiert und der TV einen darauf hinweist. ARM+RAM+CPU... kostet 50 Euro oder weniger so das man problemlos HDMI-Adapter/Settopboxen zum reinschieben in den TV und einheitlichen Benutzen erfinden könnte statt 5 Settopboxen herumstehen zu haben die alle ein eigenes Netzteil brauchen obwohl sie mit 5 oder 12 Volt auskommen. Aber nein. Die Kunden ärgern sich ständig über inkompatible Geräte und durchgängige Unbrauchbarkeit. AppleTV wird linearem RTL, Pro7 die Butter vom Brot nehmen weil es einfacher zu bedienen sein wird. Wenn beim StartBildschirm vom SmartTV die Top10-YouTube-Sendungen angezeigt werden, haben die TV-Sender ein Problem und klagen darauf, selber ihre Mediatheken-Top10 kostenlos anklickbar auf dem TV-Startscreen (1920x1080) gelistet zu haben. Schade für Astra und Eutel.

    Sony hat noch SonyMusic und Film-Firmen und den Sony-EReader. Es fehlt "leider" vermutlich nur Kleinigkeiten damit es funktionieren würde. Echte Konkurrenz ist meist besser als Quasi-Monopole wie Wintel oder Kindle oder früher mal Symbian.

    Evolution ist einfach: Man glaubt dran --- oder man glaubt dran. Evolution selektiert die angepasstesten. Man passt sich an oder man ist dran. Wenn das Umfeld sich ändert (Internet, Technologie-Fortschritt,...) sollte man sich vielleicht anpassen oder jemand anders übernimmt: iTV, iCar, iRadio, iWiFi, iNet, iPower, iGasoline, iHeat, iLive, iDrive, iBuy, iGrocery, iVote, iRule ... . Vieles s*ckt. Praktisch alles müsste besser sein. Apple kann praktisch jede Branche übernehmen denn fast alle Branchen sind massivst verbesserbar. Deutsche Regularien und EU-Regularien behindern deutsche Lösungen.

    SAP will ja auch werden wie Apple. "Jeder" will werden wie Apple... .

    Apple hat aber auch massive Verbesserbarkeiten wie jeder iPhone-User sofort aufzählen kann. Angeblich kann man nicht mal als Firma Apps-Lizenzen kaufen und bei Verlassen des Mitarbeiters deleten und dem Nachfolger inclusive aller Kundendaten aufs Handy drücken.... . Oder im GameCenter sind angeblich für manche Apps mehr User angemeldet als die App verkauft wurden also wohl "Raubkopierer". Apple hats also auch nicht wirklich drauf. Formel-1-Teams lernen schneller. Die Schulbücher und Fahrschul-Theorie-Prüfungen hätten schon 1999 unter rot-grün elektronisch werden können.

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  2. von Pita am 04.02.2012 (21:40 Uhr)

    Bluray?
    Für mich sind die scheiben schon längst ausgestorben,.. Dateien auf diese träger zu pressen ist meiner meinung nach nur eine resourcenverschwendung. Die industrie hat es verpasst filme leicht per internet zugänglich zu machen so wie es rapidahare megaupload etc. Getan haben. Jobs konnte mit itunes zumindest die musikinsustrie vor einem untergang bewahren.... Die movies sind zu teuer. Hollywood ist eben zu gierig.
    Sonys kann eine sache besonders gut.... Spielekonsolen entwickeln. Mit einer ps4 kann das unternehmen wieder zu mehr geld kommen

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