let's
play
china
Panda ausblenden

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kommentar

Wir müssen soziale Medien wieder großartig machen

    Wir müssen soziale Medien wieder großartig machen
Weniger Empörung, mehr Konstruktivität: Wir müssen Soziale Medien zurückgewinnen. (Foto: Shutterstock)

Facebook und andere soziale Medien sind zu reinen Empörungsmaschinen verkommen. Doch das lässt sich wieder ändern – vor allem durch konstruktives und optimistisches Teilen. 

Empörungsmaschine, Durchlauferhitzer, Filterblase – das sind die Begriffe, die mir aktuell nur noch einfallen, wenn ich an Facebook denke. Der Newsfeed-Algorithmus bestimmt, welche Inhalte wir in Facebook zu sehen bekommen und was das Unternehmen für uns als relevant bewertet. Und da fällt mir jetzt auf die Füße, woran ich in jahrelanger Kleinarbeit ganz bewusst hingearbeitet habe: Mein durch und durch politisierter Nachrichtenstrom. Der – und das fiel mir schwer einzugestehen – nur noch mit Negativ-News aufmacht. Das Öffnen der Facebook-App bewirkt bei mir zurzeit vor allem eines: Unwohlsein, aber auch totale Kreativlosigkeit.

Soziale Medien steuern unsere Wahrnehmung

Das lag vor allem auch an Trump, Putin, Höcke, Erdogan, Farage, Le Penn – all diese Demagogen, die soziale Medien derzeit für ihre Zwecke missbrauchen, um ihre vorwiegend desktrutiven Botschaften unter die Menschen zu bringen – mit Hilfe von Fake-News, Polemik, Social Bots und anderen Methoden. Aber eben auch an den Medien und den einzelnen Nutzern selbst, die jede kleine Nachricht zu irgendeiner Ausschweifung, total geschockt weiterverbreiteten. Es sind eben auch diese Menschen in meinem Newsfeed, die streckenweise genauso laut schreien, wie diejenigen, die sie selbst genau dafür kritisieren.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Es ist gut hinzugucken, es ist gut das Spotlight auf die gefährlichen Entwicklungen in der Welt zu werfen und ich freue mich, dass der Vorwurf, meine Generation sei politikverdrossen, nur ein Mythos zu sein scheint. Wir sind nicht gleichgültig. Dennoch frage ich mich, ob es reicht, jeden Tag in immer gleichem Maße, in nicht abreißen wollender Kontinuität, die ständigen Provokationen weiterzutragen und sie sarkastisch zu kommentieren, um schlussendlich dann doch nur die verlängerten Arme für die Messages der Autokraten zu sein?

Wo sind die spannenden Projekte und Gestalter, die uns in diesen trist anmutenden Zeiten inspirieren und Licht bieten? Die, die Welt besser machen? Ich habe in den letzten Monaten viel zu wenig davon gesehen. Lediglich zwei Menschen haben mich in meinem Facebook-Umfeld inspiriert: die eine Person, mit einem gegründeten Watchblog und der Ambition dreiste Lügen der Fake-News-Anbieter zu entlarven. Die andere Person mit einem Post über ihr Ehrenamt, das sie seit Beginn der Flüchtlingskrise selbstlos ausführt, um geflüchteten Kindern bei ihren Schulaufgaben zu helfen. Es gibt da draußen so viele wertvolle Geschichten, die erzählt und geteilt werden könnten und sollten.

Ich weiß nicht, ob mein Blick einfach abstumpft. Ob eben meine Filterblase dafür sorgt, dass ich so denke, wie ich gerade denke. Aber es gab mal eine Zeit, während des Willkommenssommers, da war unsere Haltung noch viel konstruktiver. Da haben Medien über Helfer berichtet, über Fortschritte und mein Newsfeed war voll von Projekten, die sich aufmachten, Probleme zu lösen. Das war eine Phase in der zwar auch Empörung stattfand, aber in der eben genauso auch gezeigt wurde, dass die Zeiten nicht nur schlecht sind, sondern uns auch zu neuen Höchstleistungen motivieren. Und heute? Heute besteht die Höchstleistung gefühlt nur noch aus Weltuntergangsstimmung.

Realität ist die Interpretation unserer Wahrnehmung

Ich kann das nicht gut finden. Wir brauchen wieder mehr Optimismus in den Newsfeeds der sozialen Netzwerke – und somit in den eigenen Köpfen. Und zwar auch und gerade im Kleinen. Nicht nur, wenn ein außergewöhnliches Event wie der Women’s March uns inspiriert. Ein gesunder Optimismus hilft uns dabei, Energien zu entwickeln beziehungsweise sie so zu bündeln, dass kreative Gedanken entstehen und dass unsere Wirklichkeit zu positiveren Empfindungen führt. Gestern Morgen schrieb ich lapidar und reaktionär: „Facebook-freier Februar in 3, 2, 1... go! #CantSeeTrumpsAnymore“. Das nahm ich zurück, weil es absurd ist, sich Social Media selbst so zu vermiesen.

Wir müssen den Trumps dieser Welt die sozialen Netzwerke wieder entreißen – und uns nicht bloß auf deren Klickvieh reduzieren lassen. Realität ist die Interpretation unserer Wahrnehmung, heißt es. Und an dieser Wahrnehmung müssen wir von Grund auf neu feilen, indem wir nicht auf jede Provokation aufspringen und sie reaktionär teilen. Und indem wir wieder mehr Augenmerk auf die konstruktiven Dinge richten. Können wir das schaffen?

Finde einen Job, den du liebst

3 Reaktionen
Andreas Benjamin Antonius Benz
Andreas Benjamin Antonius Benz

Zunächst einmal vielen Dank für diesen tollen Artikel!

Wir sind ein junges StartUp und arbeiten seit 2 Jahren unter anderem an einer Lösung bzw. Social Media Plattform für die von ihnen beschriebenen Problematik!
Hierbei werden wir bereits tatkräftig von folgender Organisation unterstützt:

http://www.innovation4x.com/

Um ihnen einen genaueren Eindruck über unserer Unternehmung bzw. GlobalHub zu vermitteln würden wir sie gerne zu einer Videopräsentation einladen.

Bitte melden Sie sich bei Interesse einfach unter folgender Email Adresse:

kontakt@aiyana4u.de

Mit herzlichen Grüßen

Andreas Benz

Antworten
Karl Marks
Karl Marks

Ich finde es gar nicht schlecht das "Fake News" in Sozialen Netzen die Runde machen.
Am Ende wird vielleicht sogar wieder ganz altmodisch recherchiert; das wäre doch mal was ;-).

Antworten
Steven Broschart

Das klingt zwar sehr gut, wird sich in der Praxis wohl aber kaum realisieren lassen. Die menschliche Psyche macht uns da einen Strich durch die Rechnung, denn sobald wir "entkörperlicht" in Netz auftreten, ist die Versuchung zu groß - zumindest für einige von uns - in einer Art und Weise aufzutreten, die im normalen Leben eben nicht möglich ist. Mit anderen Worten: die psychologischen Rahmenbedingungen stimmen nicht. Sie entsprechen nicht denen, denen wir uns bei einer Offline-Kommunikation "unterordnen" müssen. Und genau die Möglichkeiten der Anonymität, der Verbreitung und Vorspielung falscher Tatsachen, macht es für viele aus. Damit sind soziale Netzwerke für viele zu einer Art Testplattform, besser: einer vermeintlichen Gummizelle des Egos geworden ...

Antworten
Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden