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Interview mit Kian Gould, AOE media – „Von der Krise haben wir auch schon gehört“ (Sponsored Post)

Kian Gould, Gründer und Geschäftsführer von AOE media, spricht mit der t3n-Redaktion über die Open-Source-Marktentwicklung, aktuelle und Erfolg in Krisenzeiten. Dabei wird die Agenturlandschaft aus seiner Sicht zunehmend spezifischer. Full Service sei weniger gefragt. „Inzwischen ist es durchaus üblich, dass ein großer Web-Relaunch von vier bis fünf Experten gemacht wird und nicht mit einer riesigen Netzwerkagentur.“

Interview mit Kian Gould, AOE media – „Von der Krise haben wir auch schon gehört“ (Sponsored Post)

t3n: Kian, gleich zu Beginn eine provokante Frage: In der Open-Source-Szene gibt es laut Computerwoche zunehmend Geschäftsmodelle, die Enterprise-Produkte auch mit Closed Source Features ausstatten. Was hältst du davon?

Kian Gould: Gute Frage. Wir nehmen derzeit einen Trend in der Open-Source-Szene wahr, der mir persönlich überhaupt nicht gefällt. Der Begriff wird immer mehr durch kommerzielle Firmen verwaschen, die als neuen Vertriebskanal sehen, aber nicht verstanden haben, dass Open Source von der Bereitschaft des Teilens und einer großen Community abhängt. Ein Produkt wie die Enterprise Content-Management-Lösung Alfresco ist aus meiner Sicht in der Community-Version fast „feature-free“: Richtige Funktionen bekommt man erst bei der kommerziellen Variante, was es für mich zu klassischer Closed Source Software mit anderem Vertriebskonzept macht. Ich plädiere daher ganz stark auf eine klare Separierung zwischen Community Open Source und Commercial Open Source, was ich bereits mit Gartner und anderen Research-Agenturen ausgiebig diskutiert habe.

t3n: Und der Erfolg eurer Unternehmensphilosophie gibt euch Recht: AOE media gehört laut aktuellem Internetagentur-Ranking erneut zu den wachstumsstärksten Online-Dienstleistern in Deutschland. Wie fühlt sich das an?

Kian Gould: Gut – sehr gut sogar! Wir haben 111 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr gemacht. Das hat uns den zweiten Platz in der Kategorie „Wachstumsstärkste Agenturen ab 2,5 Millionen Umsatz“ gesichert. Vergangenes Jahr lagen wir sogar auf Platz 1, aber noch in der niedrigeren Umsatzkategorie. Ingesamt war das ein Sprung von Platz 130 auf Platz 61 im Gesamtranking. Das macht uns natürlich froh und auch stolz. Vor allem, weil es kaum einen Dienstleister in Deutschland gibt, dem ein solcher Wachstumssprung ohne Übernahmen gelingt.

„Wir haben früh das Potenzial von TYPO3 erkannt“

t3n: Und wie schafft man es in Zeiten, in denen alles nur von Krise spricht, deutlich über dem Marktdurchschnitt zu wachsen?

Kian Gould: Von der Krise haben wir auch schon gehört. Viel mitbekommen haben wir davon jedoch nicht. Das liegt aus meiner Sicht an zwei Dingen: Erstens trägt jeder einzelne Mitarbeiter bei uns zum Erfolg von AOE media bei. Wir sind keine Hire-Fire-Agentur, sondern suchen sorgfältig nach den Leuten, die persönlich und qualitativ am besten zu uns passen. Dadurch bauen wir langfristig enormes Know-how auf, von dem unsere Kunden profitieren. Das macht uns weniger austauschbar als viele andere Agenturen. Ebenso entscheidend ist meiner Meinung nach, dass wir früh das Potenzial von TYPO3 erkannt haben: Wir entwickeln es beständig weiter und bieten viel mehr als ein reines Web-Content-Management-System – nämlich eine Lösung für umfangreiche Online-Applikationen im internationalen Geschäft. Global agierende Unternehmen mit starken Marken erkennen zunehmend, dass sie mit Enterprise-Lösungen, wie wir sie bieten, Marktvorteile gewinnen können. Hier liegt die Zukunft. So spielen wir mit unseren sechs Niederlassungen weltweit jetzt in einer Kategorie mit, die sonst eher Ogilvy & Co vorbehalten waren.

t3n: Das Thema Closed Source Features sprach ich bereits an. Welche Trends und Themen stehen in der zweiten Jahreshälfte aus Deiner Sicht sonst noch vor der Tür?

Kian Gould: Die Cloud ist natürlich ein Thema, obwohl man auch aufpassen muss, dass aus alter Technik kein Hype wegen eines neuen Namens wird. Wir haben dieses Jahr unsere erste eigene Cloud aufgebaut und können damit unsere Serverfarm effektiver nutzen. Neue Technologien wie der virtuelle On-Demand-Server JiffyBox von Domainfactory, der mit Linux-Distributionen wie Ubuntu bestückt werden kann, sind für die Open Source Community immer sehr interessant.

„Full-Service ist immer weniger gefragt“

t3n: Und welche Trends zeichnen sich in der Agenturlandschaft ab?

Kian Gould: Aus meiner Sicht wird die Agenturlandschaft zunehmend spezifischer: Full-Service ist immer weniger gefragt, weil dabei fast immer die Gesamtqualität leidet. Die Zukunft liegt bei den Spezialisten. Inzwischen ist es durchaus üblich, dass ein großer Web-Relaunch von vier bis fünf Experten gemacht wird und nicht mit einer riesigen Netzwerkagentur.

t3n: Wie schätzt Du das Open-Source-Marktpotenzial in Deutschland und weltweit ein?

Kian Gould: Deutschland hat aus meiner Sicht weltweit fast schon eine Vorzeigestellung im Open-Source-Sektor. Die Verbreitung von Open-Source-Tools wie TYPO3, Magento oder auch Firefox geht in Deutschland grundsätzlich deutlich schneller als in fast allen anderen Industrienationen. Dies liegt aus meiner Sicht daran, dass in Deutschland Qualität zählt. Hier gewinnt das überzeugendere Produkt und nicht das mit dem besseren Sales-Team. Zumindest langfristig. In den USA sieht das noch ganz anders aus. Dort ist der Trend in Richtung Open Source im Enterprise-Sektor noch nicht mal richtig gestartet. Viele unserer Kunden, z.B. Cisco Systems, VMware oder Sajan haben uns daher ursprünglich in Deutschland beauftragt, weil es in den USA keine geeigneten Partner gab. Das ist für ein amerikanisches Unternehmen ein großer Schritt! Um uns räumlich anzunähern und unsere Position als marktführende TYPO3-Agentur in den USA auszubauen, haben wir uns genau deswegen entschieden, Anfang Mai eine Niederlassung in San Francisco zu eröffnen, die bereits jetzt auf reges Interesse stößt. In den vergangenen Wochen hatten wir bereits erste Meetings mit vielen großen börsennotierten Unternehmen aus der Bay Area.

„Kenne Deinen Markt! Das ist die Essenz“

t3n: Aus dem Nähkästchen: Welche Botschaft, welchen Tipp hat ein international erfolgreiches Unternehmen wie AOE media für Freelancer oder kleine Agenturen?

Kian Gould: Kenne deinen Markt! Ich finde, das ist die Essenz jeder Firma, auch im Agenturbereich. Man kann nicht gleichzeitig nach dem Massenmarkt und dem Enterprise-Markt streben. Das geht immer schief. Daher ist mein wichtigster Tipp, das auszubauen, was man gut kann und sich nicht zu sehr auf Sachen zu fokussieren, die man gerne können würde oder bei denen man denkt, dass viel zu holen ist. Viele Agenturen bieten nach Belieben jenes CMS, E-Commerce-Tool oder Framework an, welches der Kunde möchte, statt sich auf eines zu konzentrieren. Dadurch ist es unmöglich, richtiges und umfassendes Know-how aufzubauen. So sehen wir fast täglich schrecklichen Spaghetticode, verhunzte CMS-Instanzen und andere Unschönheiten. Wer Qualität schätzt, wird in Zukunft mehr auf Spezialisten vertrauen. Unsere zufriedensten Kunden sind die, die mit ihren alten Agenturen durch die Hölle gehen durften.

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2 Antworten
  1. von Polyfragmentiert am 07.05.2010 (12:14 Uhr)

    Mich hat die Beantwortung der letzten Frag besonders aufmerksam gemacht: spezialisiere Dich anstatt zum Beispiel diverse CMS anzubieten, die "einer allein" vermutlich nicht umfassend bedienen kann.

    Aus meiner persönlichen Erfahrung spielt da aber auch oft die Angst mit, dass einem Kunden flöten gehen könnten. Das wird Euch sicherlich nicht so stark wie einen Freelancer betreffen, da ihr am Markt positioniert seid.

    Das war für mich das Wort zum Wochenende, danke Kian!

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  2. von olivier am 07.05.2010 (12:21 Uhr)

    Kian, vielen Dank für das gute Interview!

    Ich denke, dass TYPO3 sehr davon profitiert, dass sich hier die Landschaft durch Unternehmen wie AOE, dkd und andere zunehmend professioneller wird.

    Keep up the good work!

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