Spotify kommt nach Deutschland: Wann? Soon!
Der Haken an der Sache ist, dass es Spotify nach wie vor nicht geschafft hat, Lizenzbedingungen zu vereinbaren, die einen Start des Angebots auch in Deutschland ermöglichen würden. So warten deutsche Kunden bereits seit etwa drei Jahren auf den angekündigten baldigen Launch. Mittlerweile gibt es eine Plethora an Anleitungen und Tipps und Tricks, wie man es als Spotify-Interessent schaffen kann, auch aus Deutschland in den Genuss des Dienstes zu gelangen. Im Wesentlichen wird dabei der Spotify-Website über Proxy-Einstellungen vorgegaukelt, man käme aus einem Land, in dem der Dienst legal genutzt werden kann. Dabei handelt es sich derzeit um Finnland, Schweden, Frankreich, Norwegen, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Spanien. Die beiden größen Musikmärkte der Welt, Deutschland und die USA, müssen ohne Spotify auskommen, setzen aber mit der deutschen Gema und der amerikanischen RIAA auch die höchsten Hürden für einen Einstieg.
Eigenen Angaben zufolge konnte Spotify bislang in Verhandlungen mit den Lizenzinhabern in aller Regel ein Modell vereinbaren, dass nicht zu finanziellen Risiken für den Dienst führt. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Amazon vielfach bei Schnäppchenangeboten im Musikbereich draufzahlt, weil es nicht geschafft wurde, flexible Lizenzentgelte zu vereinbaren. Sprich, Amazon zahlt dem Rechteinhaber pro Titel einen gleichbleibenden Betrag, unabhängig davon, was sie selber vom Kunden dafür verlangen wollen oder können. Amazon kann solche Markenbildungs- und Kundenbindungsmaßnahmen finanziell verkraften, ein junges Unternehmen wie Spotify könnte das nicht.
Spotify jetzt auch mit Musicstore
War es bislang nur möglich, auf den Katalog per Streaming zuzugreifen, so bietet Spotify nunmehr auch sog. Download-Bundles an. Hier kauft man eine Stückzahl MP3s zu einem Preis, der mit der Stückzahl sinkt. So erhält man beim 10er Pack für 9,99 € einen Titel für einen runden Euro das Stück. Entscheidet man sich für das größte Bundle, das 100er Paket für 60 €, so reduziert sich der Stückpreis auf 60 Cent pro Titel, was gegenüber iTunes und anderen Musicstores ganz klar einen erheblichen Wettbewerbsvorteil darstellt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die großen Mitbewerber sich dieses Treiben nicht reaktionslos ansehen werden.
Spotify synchronisiert jetzt auch Mobilgeräte
Die klassischen iPods, also die ohne iOS, werden mit dem Update des Spotify-Clients als Geräte erkannt und können vom Desktopclient aus mit auf der Festplatte vorhandenen MP3s, sowie iTunes- und Windows Media-Playlists beladen werden. Eine manuelle Auswahl ist nicht vorgesehen. Der Sync läuft automatisiert über alle vorhandenen Titel.
Geräte mit iOS und Android (und Symbian und WebOS und Windows Phone, aber nicht so aktuell) können mit der brandneuen Spotify-App bestückt werden, die es natürlich weder im deutschen App Store, noch im deutschen Android-Market gibt. Hier wird sich auch keine Proxylösung finden (wenn, dann noch am ehesten bei Android), so dass die mobile Nutzung in Deutschland nach derzeitigem Kenntnisstand nicht möglich sein wird. Wäre sie jedoch möglich, würde die Lösung einen perfekten Ersatz für iTunes insofern darstellen, als zum einen mit den Apps MP3-Files aus dem eigenen Bestand abgespielt werden können. Zum anderen bieten die Apps neben der reinen Playerfunktion die Synchronisation mit dem Desktopclient via Kabel und via WLAN. Bei der kabellosen Synchronisation handelt es sich bekanntlich um ein Feature, das Apple seinen Nutzern bislang beharrlich verweigert.
Spotify: Das Geschäftsmodell muss langsam greifen und strikter werden
Um auch Spotify-Streams mobil zu nutzen, muss man vom Kostenlos-User zum zahlenden Kunden werden. Offenbar will Spotify so die Zahl der zahlenden Kunden mit sanftem Druck erhöhen. Immerhin nutzen 9 von 10 Millionen Kunden des Dienstes lediglich die kostenlose Variante, was auf lange Sicht jedes Geschäftsmodell ins Wanken bringt. Bereits vor einiger Zeit hatte Spotify den Leistungsumfang bei kostenlosen Accounts eingeschränkt. So kann aus Spotifys Katalog von Neukunden sechs Monate lang 20 Stunden pro Monat gelauscht werden, danach nur noch 10 Stunden pro Monat. Außerdem kann jeder einzelne Titel nur maximal fünf Mal kostenlos angehört werden.
Der Desktop-Client ähnelt optisch iTunes, wird aber als komfortabler nutzbar beschrieben. Inwieweit die Begeisterung der Nutzer aus den europäischen Ländern, in denen Spotify bereits verfügbar ist, auch mit den neuen Einschränkungen der kostenfreien Accounts stabil bleiben wird, muss abgewartet werden. In aller Regel straft die Internetnutzergemeinde Verletzungen des erwarteten Kostenlos-Prinzips schnell und unnachgiebig ab. Drohungen nach dem Motto „Wenn Du mir Dein Produkt nicht schenkst, verwende ich es nicht mehr!“ können unter kaufmännischen Gesichtspunkten jedoch getrost ignoriert werden. Besser eine Million Kunden, die alle zu zahlen bereit sind, als ein Vielfaches davon, die Server, Netze und Support unter Last setzen, dabei jedoch keinen Cent an Umsatz bringen. Man kann es mit der Markenbildung auch übertreiben...
Spotify: Eine Alternative zu iTunes und Napster
Spotify vereinigt die Stärken von iTunes mit den Stärken von Napster. Der Dienst wird sicherlich auch in Deutschland seine Nutzer finden. Abzuwarten bleibt allerdings, inwieweit die deutschen Lizenzvorstellungen überhaupt einen wirtschaftlichen Betrieb des Angebots ermöglichen werden. Hierzulande herrscht bei den Rechteinhabern bekanntlich die Einstellung vor, man sei eine Art Fürst, dem das Fußvolk zu huldigen hat, bevor man es ihm unter Entgegennahme hoher Eurobeträge gestattet, in demütiger Dankbarkeit ein paar wenige Songtitel zu erlauschen, möglichst aber nicht zu behalten oder weiteren Vasallen akustisch zugänglich zu machen.
Menschen mit Igel in der Tasche werden sich auch künftig eher zu Grooveshark hingezogen fühlen. Ich für meinen Teil wünsche Spotify eher früher als später her...
Weiterführende Links:
- Spotify says hello to the iPod - Spotify Blog
- Digitaler Musikvertrieb: Spotify Nr. 2 nach iTunes in Europa - t3n News
- Musik-Streaming: Spotify mit 1 Milliarde US-Dollar bewertet - t3n News
- Startups: Deutsche Musikstreaming-Dienste steereo und simfy werden eins - t3n News





17 Answers
von Benjamin Juling via facebook 06.05.2011 (10:11Uhr) 1.
klasse. wer ist wieder mal nicht dabei? deutschland! wann kriegts die deutsche musikindustrie endlich mal hin einen ausgeglichenen markt zu schaffen? ich fühl mich durch die ganzen "restricted area" einschränkungen - egal ob bei yt, itunes oder beatport verarscht! bin mal gespannt ob's spotify schafft einen ausgeglichenen markt zu schaffen. wenn's überhaupt jemals in deutschland verfügbar ist.
von Wolfgang 06.05.2011 (10:16Uhr) 2.
Warum auf Spotify warten, wenn es Simfy hier bereits gibt? Finde den Dienst genial und werde auch gerade beim morgendlichen Kaffee von Simfy mit Musik beliefert.
von Andreas Lenz 06.05.2011 (10:27Uhr) 3.
es gibt keine app bzw. keinen webservice den ich so gut und unverzichtbar finde wie spotify. ein premium account ist gold wert und mit ca. 10 euro im monat hat mein einfach fast die ganze musik der welt flat! aktuell leider nur über umwege möglich...
das collabarative teilen von playlisten, das sharen von songs, die facebookintegration, offlineplaylists und die usability. spotify rockt extrem und zuckt oder ruckelt sogar beim streamen mit 3G so gut wie garnicht.
das schönste an der ganzen sache ist, dass ich nie wieder bzw. selten das total nervige und olle itunes aufreißen muß :)
kurz noch zum thema aktualität und vollständigkeit. natürlich gibt es nicht immer alles sofort, aber spotify ist verblüffend schnell und meist finde ich was ich suche, z.b. letzte woche das brandneue beasti boys album.
hoffe die gema macht bald mal die schotten auf... kennt da jemand den aktuellen stand?
von Ernie 06.05.2011 (10:43Uhr) 4.
simfy.de ist eine würdige Alternative in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Da braucht man sich auch nicht lange mit Proxy-Servern rumschlagen.
Verstehe nicht, warum das hier keine Erwähnung gefunden hat, wenn eine kurze Google-Recherche schon geholfen hätte...
von Bert 06.05.2011 (10:58Uhr) 5.
Mensch, Ernie. Simfy hat hier keine Erwähnung gefunden, weil es um Spotify geht. Mach lieber, was Du besser kannst...
von Andreas Lenz 06.05.2011 (11:43Uhr) 6.
@wolfgang: hat den simfy auch die genannten features?
@ernie: ich schlage mich nicht mit einem proxy rum und sitzte in D. ;)
von justus 06.05.2011 (11:56Uhr) 7.
ach ja
von Matthias Rosenkranz 06.05.2011 (12:09Uhr) 8.
Auf meinem iPhone läuft gerade die Spotify-App - hab ein 2. iTunes-Konto mit Adresse in UK angelegt, die App runtergeladen, und anschliessend wieder mit meinem deutschen Konto auf's iPhone gespielt, ohne Probleme.
von jati 06.05.2011 (12:24Uhr) 9.
Simfy funktioniert gut und ich nutze es sehr gern. Features wie beispielsweise Playlisten mit anderen zu teilen oder die bereits vorhandene Musik in die Software zu integrieren etc. fehlen bei Simfy. Es ist in vielerlei Hinsicht eine frühere Version von Spotify.
Sollte Spotify nach Deutschland kommen, wird es Simfy sehr schwer haben. Solange Spotify nur über Umwege zu nutzen ist, ist es meine bevorzugte Variante. Den Musikkatalog bei Simfy finde ich jedenfalls gut und umfangreich. Da gibt es auch längst nicht nur Mainstream. Wenn es manche Alben oder Künstler nicht gibt, dann liegt das daran, dass das Label oder die Künstler selbst eben den Streaming-Trend nicht unterstützen wollen.
Auf jeden Fall habe ich nun schon ewig keine Musik mehr gekauft. Für den Preis eines Albums kann ich alles hören, was ich will, auch aktuelle Sachen. Manche Alben bekomme ich auf Simfy sogar, bevor sie überhaupt woanders erhältlich sind.
Das größte "Problem" ist inzwischen, den Überblick zu behalten ;-)
von dpetereit 06.05.2011 (13:11Uhr) 10.
@Matthias: Jailbreak?
von Matthias Rosenkranz 06.05.2011 (15:38Uhr) 11.
Nope, kein Jailbreak. Die gesamte Anmelde-Prozedur ist insgesamt zwar etwas umständlich, läuft aber doch problemlos durch. Ich hatte einige Zeit simfy abonniert, aber die iPhone App war in der damaligen Version ziemlich schlecht und ist ständig abgestürzt, das war dann ein K.O. Kriterium für die Kündigung. Wie's da jetzt aussieht weiss ich allerdings nicht. Die Spotify-App hat allerdings auch noch einige Bugs - die Facebook-Funktionen laufen bei mir z.B. (noch) nicht, da passiert einfach gar nix. Abgesehen davon funktioniert das gesamte System beeindruckend gut muss ich sagen!
von Miro 4.0 – Die iTunes Alternative » t… 25.05.2011 (16:09Uhr) 12.
[...] Spotify: Der Musikdienst fordert iTunes heraus - t3n News [...]
von Kirk 18.06.2011 (08:57Uhr) 13.
Nutze spotify jetzt seit einiger Zeit über einen englischen account. Entscheidend war für mich vor allem die sonos Einbindung.
Offline playlist nutze ich auch auf Sgs und Tab. Auch wenn die Soundquali gut ist, gibt es leider immer wieder mal einzelnen Microruckler und das nicht nur beim streamen.
Nein, der Fehler steckt schon in der synchronisierten Datei. Auch löschen und neuladen hat nichts gebracht.
Noch kann ich damit aber leben. Wenn das aber jemand besser macht werde ich wechseln.
von Facebook Music: Facebook bläst zum Angr… 20.06.2011 (14:21Uhr) 14.
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von Spotify ist in den USA endlich gestartet… 14.07.2011 (19:38Uhr) 17.
[...] jahrelang zu hören bekamen. Vor gut zwei Monaten resümierten wir den aktuellen Status hier bei t3n. Seitdem hat sich an den grundlegenden Fakten nichts geändert. Nach wie vor wurden die [...]