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Digitale Wirtschaft

Lumma Kolumne: Spotify vs. Simfy – ein sehr ungleicher Wettstreit

    Lumma Kolumne: Spotify vs. Simfy - ein sehr ungleicher Wettstreit
Martin Lorentzon und Daniel Ek, Gründer von Spotify.

Die beiden Musik-Streamingdienste Simfy und Spotify sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich. Auf den zweiten Blick tut sich ein entscheidender Unterschied auf: Nur einer von beiden hat es verstanden, sich zu einem Ökosystem zu entwickeln.

In meiner vorherigen Kolumne hatte ich darüber geschrieben, wie sich die Ökosysteme im Web ausbreiten und was dies für die Nutzer bedeutet, aber eben auch für Unternehmen, die Internet-basierte Geschäftsmodelle betreiben.

Gucken wir uns einmal zwei Firmen an, die seit einigen Jahren versuchen, den Musikmarkt zu verändern: Spotify und Simfy. Beide haben auf den ersten Blick ein sehr ähnliches Modell: Nutzer können ganz leicht auf Musik zugreifen, entweder in einer kostenfreien Variante mit beschränkter Nutzungsdauer und Werbung, oder eben kostenpflichtig. Spotify bietet Apps für Desktop und mobile Endgeräte an, Simfy war von Anfang an eine Web-Anwendung und ist mittlerweile auch auf dem Desktop oder dem Smartphone nutzbar.

Beide Firmen haben in ihren Heimatmärkten dafür gesorgt, dass Musik als Stream zur Verfügung gestellt werden kann und Nutzer eben nicht mehr die Kosten pro Download bezahlen müssen. Das an sich war schon ein enormer Paradigmenwechsel, weg von der „Jäger und Sammler“-Mentalität hin zu der Akzeptanz von Musik als etwas, das über die Cloud immer nutzbar ist.

It's the API, Stupid!

Spotify-Gründer Martin Lorentzon und Daniel Ek

Eigentlich alles gleich, oder? Mitnichten. Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied: Spotify bietet schon sehr lange eine API an. Simfy nicht. Es gibt für Spotify eine Fülle von kleinen und großen Anwendungen, die irgendetwas mit dieser API anstellen. Vor allem natürlich irgendetwas, was Spotify nicht liefert. Eine Entwickler-Community sorgt also für die Steigerung der Attraktivität des Angebots von Spotify.

Aber nicht nur das: Durch die Tools von Dritt-Anbietern wird potenziellen Nutzern Spotify ganz anders näher gebracht, weil die unterschiedlichsten Anwendungs-Szenarien entwickelt werden. Spotify sorgt erst einmal nur für die Bereitstellung der Daten und erlaubt anderen, diese Daten zu nutzen und einen Mehrwert damit zu schaffen. Jemand möchte Last.fm mit Spotify besser nutzen können? Dafür gibt es eine App. Foursquare und Spotify? Kein Problem. Man hat eine Super-Playlist in iTunes erstellt und will diese mit Spotify nutzen? Klappt. Man will Playlisten mit anderen Nutzern tauschen oder tolle Playlisten finden? Auch das geht, weil eine API vorhanden ist.

Spotify bietet eine umfangreiche Liste von kleinen und großen Anwendungen von Dritt-Anbietern, die auf die API zugreifen. Bei Simfy hingegen sieht man nur die offiziellen Produkte von Simfy.

Spotify: Vielschichtiges Lock-In des Nutzers

Was bedeutet das? Die API bietet dem Nutzer eine Flexibilität, es muss nur jemand die gewünschten Tools entwickeln. Je mehr Tools entstehen, desto mehr Nutzer werden auf Spotify aufmerksam, ohne dass Spotify hierfür Marketing machen muss. Die Bindung der Entwickler an das Ökosystem Spotify sorgt für eine wachsende Attraktivität, für eine stetige Weiterentwicklung und für eine bessere Nutzerbindung an Spotify. Jetzt hat Spotify den nächsten Schritt gemacht und Spotify Apps vorgestellt. Spotify Apps basieren auf HTML5 und werden in den Desktop Client von Spotify integriert und über ein neues Spotify App Verzeichnis den Nutzern zugänglich gemacht. So kann man beispielsweise auf Inhalte von Rolling Stone Magazine zugreifen, oder Last.fm direkt innerhalb von Spotify nutzen.

Die aktuelle Auswahl der Spotify Apps

Simfy und Spotify haben auf den ersten Blick sehr viele Ähnlichkeiten, aber eigentlich trennen die beiden Firmen Welten. Simfy ist eine ziemlich gute Plattform für Streaming Music, Spotify ist auf dem Weg, das Ökosystem für Musik zu werden.

Und da haben wir noch gar nicht die Einbettung in Facebook diskutiert, die Spotify noch weiter etabliert.

Über den Autor

Nico Lumma ist Director Social Media bei der Scholz & Friends Group, stolzer Vater zweier Kinder, glücklich verheiratet und bloggt seit etlichen Jahren auf lumma.de. Er ist Ständiger Sachverständiger der Enquete Kommission „Verantwortung in der medialen Welt“ am Landtag Rheinland-Pfalz und wurde 2007 von der Zeitschrift Tomorrow zu den Top 20 Web 2.0 Pionieren in Deutschland gewählt.

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6 Reaktionen
Patrik
Patrik

hallo ich bin seid es simfy gibt kunde und ich finde es wirklich gut und sehe da keinen grund umzusteigen, ich finde simfy hat ein system das gut funktioniert und das reicht

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Ralph
Ralph

Eine Sache ist da auch noch.
SIMFY wollte die Hörer locken und hat sie dabei etwas in die Irre geführt.
Mich hat das damals sehr geärgert:
Erst uneingeschränkt hören, dann 20 Stunden, dann nur noch fünf Stunden Aber immer mit vollmundigen Sonderangebots-Versprechen, das hat wahrscheinlich viele Leute verprellt. Darum freue och mich SPOTIFY

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DerBonk

Also mein Gefühl war von Anfang an immer das Spotify gegenüber anderen Diensten die Nase vorne hatte, weil es konsequent solide gebaute Software benutzt. Keine schrecklichen Air-Experimente die einfach nur unangenehm in der Handhabung sind, sondern einfache, native Anwendungen die dann Stück für Stück ausgebaut werden. Spätestens mit der Einbindung von lokalen Liedern und der Zusammenführung in einer Smartphone-App war es dann bei mir auch für iTunes und iPod-App aus. Der ganze Ökosystemkrams war immer nur nett obendrauf (und ob diese Spotify-Linkgeschichten wirklich eine "API" sind weiß ich gar nicht mal). Erstmal ein solides Angebot und dann kommt die Kür. Simfy hat da, zumindest nach meinen Erfahrungen, leider nicht richtig gestartet. Die Desktopanwendung (für mich ein absolut essentieller Teil eines solchen Dienstes) war unglaublich krampfig zu bedienen und die iPhone-App praktisch unbenutzbar. Dafür zahlt man halt dann doch nur sehr ungern Geld.

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Cyrill

Bin nun seit Jahren auf Spotify und habe seit damals meine HD mit der riesigen Musiksammlung nicht mehr genutzt. Eine riesige Musik-Datenbank endlos zu durchstöbern und «live» neue Musik zu finden hat für mich Musik hören in eine andere Dimension katapultiert. Mit der Mobile-Version kam dann der nächste Boost. 15 Mio. Songs immer dabei!

Simfy wurde bei mir zum Thema, weil ich als exzessiver iPad-User von Spotify keine anständige App angeboten bekommen habe. Wenig Infos zu den Künstlern/Songs bot und kein «Social Listening» möglich war. Dazu jeweils der Hürdenlauf, da nicht offiziell erlaubt bei uns.

Was Simfy auf die Beine gestellt hat, verdient jeglichen Respekt. Warum ich mich nach den Test-Wochen dann doch für Spotify entschieden habe kann ich gar nicht richtig ausmachen, geschweige definieren. Ich denke, es war die emotionale Bindung an die Marke Spotify und das irgendwie «einfachere» Handling beim durchstöbern (neues entdecken) der Musik-Datenbank. Mit den Apps öffnet Spotify in dem Bereich nun noch mehr Möglichkeiten – damals aber noch keine Entscheidungsgrundlage.

Mit dem offiziellen Release von Spotify war dann das Kind geschaukelt. Innerhalb eines Tages hatte ich auf einmal 50 Freunde auf Spotify – zuvor monatelang dieselben 5. Mit den ganzen Playlists meiner Freunde wurde mir noch mehr Inspiration für neue Musik präsentiert. Bis dahin ein Vorteil von Simfy.

Nun denn: Spotify läuft bei mir täglich, beinahe Non-Stop auf irgendeinem Device – was meine FB-Freunde – dank automatisiertem Playlist-Spamming – ungerne bestätigen können.

Simfy wird es leider gegen die Power von Spotify verdammt schwer haben – schlussendlich zählt bei der Masse was «hinten raus kommt». Was mir echt Leid tut für Simfy, kenne ich die Ohnmacht im Konkurrenzkampf gegen Grosse.

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Felix
Felix

Klar gibt es Unterschiede zwischen beiden Plattformen. Spotify ist etwas älter, hat mehr Venture Capital Geld und ist technisch um einiges weiter. Dennoch habe ich riesigen Respekt vor dem was Simfy erreicht hat. Musik-Streaming in Deutschland durchzusetzen ist meeeega-schwer. Und deshalb hat nicht einmal Spotify das bisher durchboxen können.

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ich-bin-drin!
ich-bin-drin!

Was das Ökosystem und den Lock-In Charakter angeht vollkommen richtig! Bloß wäre nicht auch erwähnenswert, dass ich Spotify aktuell in Deutschland nicht so richtig nutzen kann. Simfy hingegen schon...

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